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Vertauschte Rollen…

18. Dezember 2009

Den ganzen Tag freue ich mich schon auf meinen Nachtdienst. Heute werde ich mal wieder nach langer Zeit mit einem Kollegen fahren, der fachlich und persönlich ein Mensch ist, den ich sehr schätze. Ich mache mich dann fertig und fahre Richtung Arbeit. Der Kollege und die Tagschicht sind schon da. Wir setzen uns nach draußen und genießen den sommerlichen Abend noch ein bisschen. Irgendwann später verkrümelt sich unsere Tagdienstbesatzung und wir überlegen, was uns diese Nacht heute bescheren wird. Immer wenn wir zusammen gefahren sind, haben wir irgendwelche komischen Einsätze. Auch heute wird es so einen Einsatz geben, aber davon wissen wir in diesem Moment noch nichts.

Eigentlich würden wir jetzt lieber bei einem Bierchen irgendwo im Biergarten sitzen, doch  irgendjemand muss den Menschen ja helfen. Wir checken unser Auto, es fehlt nichts und so können wir uns wieder in die Sonne setzen. Etwa 1 Std. später bimmelt der Melder zu einem Einsatz. Es geht zu einem gestürzten Radfahrer, irgendwo in der Pampa. Von weitem sieht man schon unseren Verletzten auf der Straße liegen. Zum Glück redet unser Patient mit uns und äußerlich sieht man nur ein paar Schrammen. Wir atmen ein bisschen auf, denn ein Polytrauma wollten wir jetzt nicht versorgen. Er gibt starke Schmerzen im rechten Bein an, ansonsten tut ihm nichts weh. Wir schneiden vorsichtig die Hose auf und sehen das Malheur. Die Kniescheibe sitzt nicht da, wo sie sein sollte. Da wir ihn so nicht transportieren können, entscheiden wir uns, unseren Notarzt zu holen, denn der Mann brauch Schmerzmittel. Bis unser Doc kommt, wird unser Patient erst mal weiter versorgt, er bekommt einen venösen Zugang und eine Infusion. Außerdem legen wir eine Schienung bereit, damit wir nach Eintreffen unseres Notarztes gleich loslegen können.

Wir sind fertig mit unseren Maßnahmen und da erscheint unser Akademiker schon. Als ich sehe, das Martin unser Doc aussteigt, huscht mir schon ein Lächeln über den Mund. Er ist einer der Notärzte, mit dem ich sehr gerne zusammenarbeite. Er ist ein Arzt, der sich nicht in den Vordergrund schiebt, weil er weiß, dass wir draußen gute Arbeit leisten. Außerdem ist er immer sehr entspannt und verbreitet keine Hektik, wie manch anderer Mediziner. Er untersucht nochmal kurz unseren Patienten, steht auf und holt seine Schreibkladde. Wir schauen uns etwas komisch an, denn normalerweise würde er jetzt nach seinen Medikamenten verlangen und dann die Kniescheibe wieder in ihre Ursprungsposition bringen.

Martin: Wer macht jetzt von euch die Kurznarkose und wer kümmert sich um die Kniescheibe?

Wir: Ähm Martin..du bist hier der Doc…

Martin: Ihr seht doch, das ich auch noch den Papierkram erledigen muss.

Wir: Bist du dir sicher?

Martin: *mit einem Lächeln im Gesicht* Ihr könnt das doch und ich muss schreiben.

Wir: Ok

Von mir bekommt der Mann seine Schmerzmedikamente und mein Kollege reponiert mit Martins Hilfe die Kniescheibe. Wir grinsen immer noch. Martin schaut uns an und sagt: „Sag ich doch, dass ihr das könnt!“ Dass jemand ein solches Vertrauen in uns hat, das gibt es wirklich selten. Die Schienung legen wir noch an und können den Patient ohne Komplikationen und Schmerzen auf unsere Trage umlagern. Martin meldet uns in der nächsten Chirurgie an, und dann gehts auch schon los in Richtung Klinik.

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3 Kommentare leave one →
  1. Special Agent Gibbs permalink
    20. Dezember 2009 19:09

    Schön, wenn der Notarzt so ein Vertrauen zu euch hat; ich habe es auch schon erlebt, dass der Notarzt bei der Reponierung der Patella Probleme hatte und sie lieber an den RA abgegeben hat.

  2. 21. Dezember 2009 21:27

    Der Doc ist mir sympathisch! Erinnert mich an einen Kollegen. Docs, die Panik verbreiten sind fachlich oft nicht unbedingt die Brüller – es sei denn, die Hütte brennt wirklich!

    • 21. Dezember 2009 21:37

      @Special

      Er ist einer der ganz wenigen, die dies draussen auch wirklich machen.

      @Medizynicus

      Ja ist er wirklich, er versteht auch sein Handwerk, und behandelt uns so, wie man es sich wünscht.

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