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Über den Tellerrand nach Costa Rica…

27. Dezember 2009

Vor einem Dreivierteljahr verbrachte ich 3 Wochen in Costa Rica. Ein guter Freund von mir ist dorthin ausgewandert und nun konnte ich ihn dort besuchen.

Durch mehrere Zufälle hatte ich die Gelegenheit, den dortigen Rettungsdienst kennenzulernen. Hauptsächlich stellt das costaricanische Rote Kreuz den Rettungsdienst. Daneben gibt es noch einige private Anbieter, die entweder durch eine Klinik oder andere Organisation gestellt werden.

Die Kliniken lassen sich in privat und staatlich unterscheiden, wobei die privaten Häuser sich in etwa mit amerikanischen vergleichen lassen.

Das Cruz Roja hat in allen größeren Städten eine Rettungswache. Diese sind eher spartanisch ausgestattet.

Die Rettungswagen beim Cruz Roja sind alle auf handelsüblichen japanischen Kleinbussen aufgebaut. Vergleichbar sind sie mit unseren KTWs, wobei die Ausstattung noch darunter liegt. Eine Fahrtrage, Sauerstoff und ein bisschen Verband- und Schienungsmaterial runden die Ausrüstung ab. EKG oder Medikamente gibt es auf diesen Fahrzeugen nicht.

Die Ausbildung ist nicht einheitlich, schwankt zwischen deutschem Rettungssanitäter und amerikanischem Paramedic. Einen Notarzt gibt es in diesem System nicht, die Entfernungen zu den Kliniken sind ziemlich weit und auch die Straßenverhältnisse sind teilweise ziemlich schlecht. Der Verdienst ist für dortige Verhältnisse gut, ungefähr 900 US Dollar im Monat.

Bei einem Besuch eines Vulkans in La Fortuna ergab sich für mich nochmals die Gelegenheit, einen privaten Rettungsdienst kennenzulernen. Die Ambulance war ein amerikanisches Produkt, das viel besser ausgerüstet war als die Fahrzeuge vom Cruz Roja. Manche Ausrüstungsgegenstände wurden von amerikanischen Kollegen gespendet, wie beispielsweise das Spineboard. Auch Medikamente sind vorhanden und werden auch benutzt. Da La Fortuna touristisch sehr gut erschlossen ist, gibt es auch viele Einsätze mit Urlaubern. Diese Einheit führt auch Höhen, Tiefenrettung und technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen durch. Dieses Material ist ebenfalls auf dem Fahrzeug verlastet. Leider befand sich auch auf diesem Fahrzeug kein EKG.

Das Verhältnis zu Kranken und Toten ist in Costa Rica ein anderes, als wir es in Europa kennen. Dort werden Fotos von Toten und Unfallopfern in den dortigen Zeitungen abgedruckt. Auch haben die Kollegen in La Fortuna während einer Versorgung eines Junkies Bilder gemacht. Dort völlig normal, bei uns nicht vorstellbar.

Es waren schöne 3 Wochen, das Land und auch der Einblick in den dortigen Rettungsdienst haben mich sehr beeindruckt.

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7 Kommentare leave one →
  1. 27. Dezember 2009 12:08

    Das heisst, sie fahren zu zweit, aber ohne Notarzt, richtig? Ich finde das ja immer wieder interessant, wie gravierend die Unterschiede in den einzelnen Ländern sind, das ist ja schon innerhalb von Europa sehr ausgeprägt.

    Jedenfalls spannend und schöne Fotos 🙂

    • 27. Dezember 2009 12:23

      Ja die fahren zu zweit, oder auch mal alleine. Das System ähnelt unserem vor 30 Jahren würde ich mal sagen. Ja auch innerhalb Europa gibt es schon gewaltige Unterscheide..dazu nächstes Jahr mehr 🙂

  2. 27. Dezember 2009 14:42

    Aber noch so viel Technik ersetzt nicht logisches, besonnenes Handeln. Musste schon 2x 1.Hilfe leisten.. so ohne nix… ich finde die Menschen (in Europa) verlassen sich zu sehr auf die Technik und wundern sich, wenn trotzdem gestorben wird… „wieso, is doch ein Hubschrauber gekommen…? Gestorben? Nanu?…“
    Schafft irgendwie Abhängigkeit. (Ist EKG unterwegs so wichtig? Ist Puls und Blutdruck nicht wichtiger?)

    • 27. Dezember 2009 18:30

      @Miki

      Da hast du vollkommen Recht, viele verlassen sich auf die Technik, die aber trotz allem sehr wichtig ist. Ohne EKG sehe keinen Herzinfarkt, kein Kammerflimmern und keine Rhythmusveränderungen. Natürlich ist auch der Blutdruck und der Puls wichtig, sie sagen auch realtiv viel aus. Als Rettungsdienstler sollte man zuerst mit seinen 5 Sinnen arbeiten und die Technik unterstützend benutzen.

  3. 27. Dezember 2009 18:44

    Und wenn einer alleine fährt, kann das unter Umständen auch problematisch werden.

  4. 21. März 2011 20:40

    Bei dem Verkehr und dem fahrstil der Ticos haben die Rettungsdienste sicherlich viel zu tun. Es ist mal ganz gut einen Einblick in andere Länder zu bekommen.

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