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Warten…

10. Januar 2010

Warten ist immer doof und nervt. Man wartet fast überall, im Stau mit dem Auto, beim Doc im Wartezimmer, in der Schleife der Telefongesellschaft und im Osten haben sie früher für Bananen angestanden 🙂 Sogar im Krankentransport gibt es manchmal Wartezeiten. Und seit heute auch im Rettungsdienst. Ja, ihr lest richtig.

Man fährt mit dem Rettungswagen und dem Notarzt zu einem Einsatz in eine Arztpraxis. Ein Herzinfarkt ist gemeldet, es zählt jetzt jede Minute, denn wenn der Herzmuskel kein Sauerstoff mehr bekommt, dann kann das auch böse ausgehen. Wir fahren mit Blaulicht und Martinshorn, um keine Zeit zu verlieren, kommen an der Praxis an, nehmen unser gesamtes Material mit und laufen flotten Schrittes hinein.

Der Arzt begrüßt uns und dann kommt das, was ich sonst nur aus Erzählungen bisher gehört hatte. Frau Otto fährt nochmal kurz ihr Auto nach Hause und packt kurz ihre Sachen und kommt dann wieder. Bitte was??? Uns entgleisen alle Gesichtszüge. Dafür bin ich gerade mit überhöhter Geschwindigkeit durch den Ort gefahren? Der zweite Gedanke ist, wie kann man nur seinen Patienten mit diagnostiziertem Herzinfarkt nach Hause fahren lassen, die dann auch noch ihre Sachen packt und wieder zur Praxis kommt!! Ich bin sprachlos, das ist auch gut, sonst hätte ich mich um Kopf und Kragen geredet. Wir stellen unser Material ab, der Kollege läuft zum Auto und gibt dem Notarzt durch, er solle sich nicht beeilen, der Patient wäre eh noch nicht da. Das Gesicht unseres Docs hätte ich gerne gesehen.

Frau Otto trifft wieder ein, so gut scheint ihr der Spaziergang nicht getan zu haben. Wir gehen gleich in das Auto. Dort schließen wir die Frau an unser EKG an, legen einen venösen Zugang und davor gibt’s noch Sauerstoff aus der Flasche. Der Notarzt trifft ein, bekommt seine Übergabe, danach gibt’s Medikamente für unsere Patientin. Wir halten uns nicht länger auf, und es geht mit Blaulicht in die nächste große Klinik.

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17 Kommentare leave one →
  1. 10. Januar 2010 18:57

    Öhm. Ist das eine übliche Vorgehensweise?!

    • 10. Januar 2010 19:02

      Nein ganz und garnicht..das ist ein negativ Beispiel erster Klasse…

      Wenn man es richtig gut machen wollte, nicht nach Hause laufen/fahren lassen. Alle wichtigen Untersuchungen machen, venösen Zugang legen, Medikamente und Sauerstoff geben und wenn man noch Zeit hat, den Patient schonmal in der geeigneten Klinik anmelden.

  2. 10. Januar 2010 19:04

    Da fehlen mir doch grad ein bisschen die Worte…

  3. Special Agent Gibbs permalink
    10. Januar 2010 21:24

    Hat der Notarzt wenigstens ein ernstes Wort mit dem Arzt gesprochen?

  4. André S. permalink
    10. Januar 2010 23:03

    Irgendwie kommt mir der Eintrag verworren vor:
    „Frau Otto fährt nochmal kurz …“ […]
    „Dort schließen wir den Mann …“

    Wars nun ’ne Frau oder ein Mann?

  5. 11. Januar 2010 09:19

    Leider geschehen solche Geschichten immer öfter.

    Die Patienten rufen bei Thoraxschmerzen und all den anderen üblichen Beschwerden für ein Infarkt den Hausarzt an, dieser bestellt den / die Pat in die Praxis damit man von dort dann die Rettung anrufen kann.

    Leider wird noch immer so verfahren anstatt direkt die Rettung zu rufen -.-

  6. 11. Januar 2010 10:56

    Wow, auf die Idee muss man erst mal kommen…. Und ich hab ewig gebraucht, um die Sanis nur zu überreden, dass ich kurz die Treppe raufgehen kann, um die notwendigsten Sachen einzupacken…

  7. 11. Januar 2010 16:37

    Skurril. Sowas habe ich ja noch nie gehört. Ich glaube, ich hätte komplett die Fassung verloren und wüste Beschimpfungen ausgestoßen. Ich könnt mich jetzt noch mehr aufregen.

    • 11. Januar 2010 20:33

      @Anna

      Leider ist das teilweise die bittere Realität was Hausärzte in Notfallsituationen angeht. Ich würde mir wirklich wünschen, das es nicht so wäre. Ich hätte da noch einiges auf Lager, was ich berichten könnte.

      @Chaoskatze

      Natürlich gibt es bei uns „Sanis“ auch wirklich schwarze Schaafe, aber ich werde nie ohne Grund einem Patienten sagen, was er jetzt zu tun, oder zu lassen hat. Ich trage Verantwortung für meinen Patienten..und das fängt schon damit an, welche Sachen er machen darf und welche nicht….

  8. 11. Januar 2010 20:05

    Ich bin echt sprachlos. Aber ehrlich gesagt, dein Gesichte hätte ich auch allzugerne gesehen… xD

  9. 11. Januar 2010 21:02

    Also, ich habe auch schon schräge Dinger mit Hausärzten erlebt, aber sowas war echt noch nicht dabei. Kann es immer noch nicht fassen.

    • 11. Januar 2010 23:09

      @Anna

      Ich werde demnächst mal aufschreiben, was mir bisher so alles wiederfahren ist…..Gut das es noch Ärzte wie dich gibt.

  10. 14. Januar 2010 12:52

    Also, dass ist schon der Wahnsinn oO Da fehlen mir glatt die Worte

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