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Denkt ihr auch mal an uns?

15. Januar 2010

Heute möchte ich euch eine Geschichte nicht vorenthalten, denn sie ist meiner Meinung nach einer der besten, die mir in den letzten Jahren untergekommen ist.

In der Zeit, die das Gehirn braucht, um beim Erwachen von totaler Entspannung auf Mindestbetrieb zu schalten, verpasse ich die ersten Silben der Alarmierung: …. Fahrtrichtung Bremen, schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen!“ Während ich im Dunkeln noch schnell horche, ob einer meiner Söhne bei der Alarmierung wach geworden ist, quittiere ich den Alarm des Funkmeldeempfängers, hüpfe in die Hose und raune meiner Frau ein „Bis gleich“ zu, das sie mit „Pass auf dich auf“ erwidert. Ein Ritual, welches Vertrautheit in die unwirklichen Sekunden bringt, die man braucht bis man vollständig gewahr wird, was gerade passiert:

Es ist mitten in der Nacht. Samstag nacht. Irgendwo auf der „Bahn“ hat es gekracht, mehrere Personen sind verletzt und im Fahrzeug eingeklemmt. Die Feuerwehr ist gefragt. Und im Gegensatz zu den vielen Bränden und einfachen Hilfeleistungen, bei denen es nicht ganz so kritisch ist und man auch ab und zu Kurioses oder gar Amüsantes erlebt, weiß man sofort, dass dies jetzt nicht der Fall sein wird. Im Gegenteil, es stellt sich eine massive Anspannung im Verbund mit tiefer Besorgtheit ein: Da kämpft jemand um sein Leben. Nicht irgendwo im Fernsehen, sondern ein paar tausend Meter entfernt in der Nacht. Und gleich wird man bei ihm sein und versuchen „den Unterschied“ zu machen. Jetzt gleich.


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14 Kommentare leave one →
  1. 15. Januar 2010 16:44

    Hm, sehr aufwühlender Text. Mir ist bisher zum Glück sowas erspart geblieben, aber irgendwann wird es kommen. Garantiert. Dazu passiert sowas einfach noch zu oft.

    Auf jeden Fall vielen Dank für den Beitrag!

  2. 15. Januar 2010 16:54

    *sprachloses nicken*
    Danke für’s posten!

  3. 15. Januar 2010 17:16

    Dabei kann ich es gut verstehen, mir macht Auto-schnell-fahren auch Spass. Und mein Sohn fährt auch gern Auto und ohne Fahren sammelt man keine (Grenz-)Erfahrungen. Ich wünsche allen, immer im richtigen Moment das Richtige zu tun. Gute Fahrt! Passt auf euch auf!

  4. 15. Januar 2010 19:45

    Das ist harter Tobak. Ist das ein Text, der aktiv zur Aufklärung irgendwo eingesetzt wird?

    • 15. Januar 2010 20:17

      Ob er zur Aufklärung benutzt wird, kann ich dir leider nicht sagen..aber wenn schon Unfallauto vor Discos wenig bringen, wird dieser Text auch nicht wirklich helfen..leider..

  5. 16. Januar 2010 09:20

    Recht harter Text. Aber das ist nun mal leider die Realität.

  6. 16. Januar 2010 16:31

    HAbe jetzt noch fast Tränen in den Augen… Daran gewöhnt man sich hoffentlich nie…

  7. 16. Januar 2010 18:42

    Der Text von Jan Südmersen ist sehr bewegend. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass schwere Verkehrsunfälle sehr unangenehm sein können. Das belastet und das nimmt man nicht so einfach mit. Selbst viel weniger schwere Unfällle schwirren mir heute noch im Kopf herum. Z.B. die Mutter, die nicht am Unfall beteiligt war und noch an die Einsatzstelle kam und der ich half, aus dem Kofferraum den Schulranzen und andere Sachen ihres Sohnes zu holen, der mit seinem Vater in dem Auto unterwegs war.

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Kollege den Text auch geschrieben hat, um auf diese Art die Erlebnisse zu verarbeiten — soweit das eben geht.

    Klar, ist schnelles Fahren und die damit verbundene Erhöhung der Gefahr eine üble Sache. Ich habe schon einige Unfälle erlebt, da waren diejenigen, die am stärksten Leiden mussten, völlig unschuldig und der Unfallverursacher kam glimpflich davon.

    Die Lösung lautet aber dennoch nicht: immer langsam fahren, sondern alles was man macht, sollte bewußt und durchdacht sein, inklusive der Berechnung der möglichen Folgen. Nicht Angst sollte regieren, sondern die Vernunft.

    Passt auf Euch auf — bleibt gesund!

  8. Special Agent Gibbs permalink
    17. Januar 2010 19:43

    Ich kannte den Text schon vorher, aber er macht immer wieder eine Gänsehaut!

  9. 18. Januar 2010 12:53

    http://www.youtube.com/watch?v=YROpAlg8oXk … beleuchtet auch andere Perspektiven als die der unmittelbaren Unfallopfer.

    Es gibt einige Videoclips zum Thema „Sicheres Autofahren“ (Stichwort auf Youtube – the faster the speed, the bigger the mess), die andernorts (zB Irland) auch im TV in Werbepausen oder als Trailer vor Kinofilmen laufen. Die Videos sind in der Tat nichts für schwache Nerven. Ich halte das dennoch für eine gute Idee, fürchte aber, daß sich das bei uns nicht durchsetzen wird …

  10. 18. Januar 2010 20:12

    Gibt es eigentlich sachlich fundierte Erkenntnisse, dass diese Videos etwas bringen? Bei mir wirken sie ja, aber ich bin auch nicht Zielgruppe.

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