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Ein Engel flog sehr schnell…

25. Februar 2010

Genau dieser Schutzengel muss auch auf unserer Autobahn gewesen sein.

Wir haben Tagdienst und der Dienst geht heute sehr lange, aber mein Kollege und ich verstehen uns, also ist alles nur halb so schlimm. Heute ist es ein bisschen ungemütlich draußen, aber es soll besser werden. Solange wir jetzt nicht raus müssen, ist ja auch alles gut. Es geht zum örtlichen Bäcker, bei dem wir uns erst einmal etwas zum Frühstücken holen. Wir haben Glück, denn bis zum Mittag bleibt es ruhig und der Himmel klart auf.

Zu diesem Zeitpunkt ist ein Mann schon mit seinem Sportwagen aus Stuttgart auf unserer Autobahn unterwegs. Er scheint es doch etwas eilig zu haben. Die Straße trocknet gerade, aber manche Stellen sind trotzdem noch feucht. Unser Kaffee blubbert durch die Maschine, gleich ist er fertig und vielleicht werden wir auch wieder munterer!? Unser Sportwagenfahrer hat noch 2 Km bis sein Schutzengel auf ihn wartet. Die Tassen sind gefüllt und wir genießen die ersten Schlucke… mhh meine Lebensgeister erwachen. Jetzt könnten wir auch mal was fahren, so den ganzen Tag herumhängen macht ja auch keinen Spaß.

Der Melder bimmelt und wir begeben uns zu unserem Auto. Es geht chirurgisch auf die Autobahn. Die Leitstelle spricht uns an, das man nichts genaues weiß, wir sollen einfach mal schaun. Wie ich sowas mag!!! Aber was will man machen, die Einsatzstelle liegt ein bisschen weiter weg, genug Zeit sich Gedanken zu machen, was uns da denn erwarten könnte. Wir nähern uns dem Abschnitt, wo der Unfall stattgefunden haben soll, aber noch sehen wir nichts. Doch nach der nächsten Kurve erscheint unsere Einsatzstelle. Das Fahrzeug sieht sehr demoliert aus und ich frage mich, ob wir nicht gleich den Notarzt nachfordern sollen, aber wir müssen erst einmal die Einsatzstelle sichten.

Wir kommen näher und das Auto, welches es mal war, ist nur noch Schrott. Unser Fahrer steht neben seinem Sportwagen und telefoniert. Wir staunen ein bisschen, denn dass da jemand lebendig rausgekommen ist, grenzt für uns an ein Wunder. Wir bringen den Mann in unser Auto und lassen uns berichten, was denn passiert ist. Er hat einige kleine Platzwunden, aber sonst nichts. Wie schnell er war, möchte ich gerne wissen. Joa so etwas über 200 km/h. Ich glaube ich höre nicht richtig, aber als ich mir den Wagen danach nochmal anschaue, ist der Tacho bei 220 km/h stehen geblieben. Unser Patient bekommt provisorisch eine Halskrause, einen venösen Zugang und eine Ganzkörperuntersuchung. Es bleibt aber dabei, außer einigen kleinen Platzwunden fehlt ihm nichts.

Wir gratulieren ihm zu seinem 2 Geburtstag, denn den kann er heute wirklich feiern. Alle Airbags sind aufgegangen, und das erst 15000 km gefahrene Auto ist ein Fall für die Schrottpresse. Mir blutet dabei ein bisschen das Herz.

Nachdem auch die Polizei eingetroffen ist, fahren wir den Mann in die nächste Notaufnahme, da die Wunden genäht werden müssen. Mit unserer Dienstleistung ist der Herr sehr zufrieden und es gibt reichlich Trinkgeld, nachdem wir ihn an den diensthabenden Doc übergeben haben.

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8 Kommentare leave one →
  1. 25. Februar 2010 23:31

    Und meinste der hat was draus gelernt?? So wie ich das jetzt lese eher nicht. Klingt eher so als ob der sich bei Gevatter Tod dann auch „freikaufen“ will.

    • 25. Februar 2010 23:37

      @ämpee
      Das ist sehr nett von dir 🙂 Ich weiss es nicht..er war ziemlich mitgenommen..ich hoffe es wirklich!

      @Ickdette
      Wiegesagt ich hoffe es sehr! Er hat sich sehr für unsere Arbeit bzw. Freundlichkeit bedankt.

  2. 25. Februar 2010 23:34

    Dieser Schutzengel hat einen Orden verdient!
    Krasse Geschichte, die hammer geschrieben ist!
    Danke!
    Glaubst du, dass der Mann nicht mehr rasen wird?
    Lg

  3. 25. Februar 2010 23:48

    Was war’s denn für’n Auto? Sollte zwar wirklich immer zweitrangig sein, aber solche Autos tun mir leid. Der Hammer war ja letztes Jahr, wo ein -ich glaub 19jähriger- seinen (!) fabrikneuen Golf GTI gleich in Wolfsburg zerlegt hat und ich glaube, alle 4 jungen Leute hatten ihre Engel zuhause vergessen….) Meiner hat auch grad so 15000 km runter (aber gaaanz wenig mit über 200, nur wo trocken und so, natürlich Autobahn…. meine Schutzengel sind ja auch nicht mehr die Jüngsten…) 😉

    • 25. Februar 2010 23:56

      ein nagelneuer Porsche GT3 😦
      Ja die Geschichte aus Wolfsburg kenne ich. Mir hats da schon ein bisschen die Sprache verschlagen….

  4. Special Agent Gibbs permalink
    26. Februar 2010 01:00

    Wow, das muss aber schon eine ganze Armee von Schutzengeln gewesen sein!

    (Und zum Schreibstil: Gefällt mir ausgeprochen gut; gerne mehr davon 🙂 !)

  5. Peter permalink
    13. Juli 2011 21:10

    Hallo,
    Eine heftige Geschichte. Allerdings sind diese seltenen Glücksfälle wohl leider auch ein Grund für die „Mir passiert schon nix“-Haltung.
    Aber was anderes, ch fand es viel bedrückender, auf längeren Anfahrten mehr zu wissen. Ich erinnere mich an einen Einsatz, in dem ich mit unserem ELW schon zu viel wusste. Alarmiert waren wir mit Kleinwagen unter Regionalbahn, 1 Person eingeklemmt. Auf der Anfahrt kam als Rückmeldung 1 Pat. ex und 1 Kleinkind vermisst. Die Anfahrt dauerte ca. 20 min… Viel Zeit, sich Gedanken zu machen 😦
    Zum Glück war im PKW nur ein leerer Kindersitz und das Kind zu Hause wohlauf. Ebenfalls leichter machte es, dass die Polizei noch vort Ort den Suizid nachweisen konnte. Insgesammt nicht schön und einigen Kameraden lange nachgelaufen.

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