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Ehrenamt…

21. März 2010

Ich finde ehrenamtliche Arbeit sehr lobenswert. Egal, ob es die Kollegen in der Freiwilligen Feuerwehr sind oder die Damen und Herren, die bei der Tafel arbeiten. Diese Menschen muss es geben, ansonsten wären gewisse Dinge einfach nicht finanzierbar. Der Rettungsdienst in Deutschland ist aber der einzige Berufszweig, in dem Ehrenamtliche genauso arbeiten wie ihre hauptamtlichen Kollegen. Komisch oder!? Was würde Krankenschwester Susi sagen, wenn auf einmal Frau Maier kommen würde, die vor 3 Jahren nebenher ihre Ausbildung zur Krankenschwester gemacht hat und nun ehrenamtlich als Krankenschwester auf ihrer Station arbeiten würde!? Diese übernimmt die Nachtdienste und die Dienste am Wochenende. Oder Herr Müller, der eigentlich Bäcker ist, der vor Jahren mal eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht hat, und jetzt ehrenamtlich zwei Tage im Monat am Kundenschalter steht. Würdet ihr sagen, dass diese beiden Menschen Routine haben und ihre Arbeit qualitativ hochwertig machen können!?

Ich für meinen Teil sage Nein! Gerade im medizinischen Bereich ändern sich Abläufe oder Standards so oft, dass man sich immer wieder fort- und weiterbilden muss. Auch Routine und Erfahrung spielen in meinem Beruf eine sehr große Rolle. Natürliche werden jetzt viele sagen, braucht man in anderen Berufen auch. Ihr habt alle Recht, aber wir arbeiten am Menschen, das heißt: übersehe ich wegen mangelnder Erfahrung etwas, kann dies zu weitreichenden Konsequenzen für meinen Patienten führen.

Für die Arbeitgeber sind Ehrenamtliche günstigsten Helfer, die sie in der Notfallrettung beschäftigen können. Für eine Aufwandsentschädigung von teilweise 5.11 Euro pro Stunde retten diese Menschen Leben. Deswegen bauen viele Hilfsorganisationen auf diese Helfer und blockieren dadurch die Stellen von hauptberuflichen Helfern. In Bayern würde jetzt ein Aufruf zur Steinigung folgen, denn dort gibt es überdurchschnittlich viele Ehrenamtliche im Rettungsdienst. Immer wieder bekommt man das Argument zu hören, ohne diese Kollegen könnte der Rettungsdienst nicht finanziert werden! Mhhh wieso können dann andere Bundesländer ohne so viele Ehrenamtliche auskommen, wie z.B. Hamburg oder auch Nordrhein Westfalen!?

Wir brauchen diese Ehrenamtlichen, aber nicht in hauptamtlichen Positionen, sondern  in den SEGen, um große Schadenslagen wie den Massenanfall von Verletzten oder Katastrophenlagen abarbeiten können oder auch für den Sanitätsdienst im Fußballstadion.

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26 Kommentare leave one →
  1. MAkMak permalink
    21. März 2010 19:05

    Hallo !
    Ich möchte mich mal als ein Ehrenamtlicher aus Bayern melden. ich wohne in einer Gegend, wo es ohne Ehrenamtliche garnicht gehen würde,auch im Rettungsdienst nicht. Wir haben mit dem Rtw teilweise weiten zurück zu legen,da ist der Patient froh wenn der ehrenamtliche HVO (Helfer vor Ort) schnell da ist. Aber auch ,das ehrenamtliche als Fahrer für den RTW eingesetzt werden,sehe ich hier bei uns als nicht abwendbar,denn bei der Vorgabe,die gegeben wird,was die Personalkosten angeht, kann unsere Wache gar nicht 7 Tage die Woche mit je 2 Ha`s abgedeckt werden,denn die Kollegen brauchen auch mal frei.Klar haben wir ehrenamtlichen nicht die Routine,wie jemand der „Tag für Tag“ damit z tun hat,doch wird bei usn drauf geachtet,das nur jemand im RD mitfahren darf,wo der Wachleiter sein Ok gegeben hat,nach Absprache mit dem Bereitschaftsleiter und Kollegen der KTW-Schicht,wo wir vorher einige male mitfahren müssen,bevor wir als 3tes auf den RTW dürfen,ergo bevor wir überhaupt mal als 2tes Hauptamtlich mitfahren dürfen,haben wir vorher genug Erfahrung gesammelt und wer sich dafür Interessiert,bildet sich bei uns in der Bereitschaft auch dementsprechend weiter.

    • 22. März 2010 09:58

      @MakMak

      Erst mal Willkommen und schön das du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Das in Bayern angeblich viel ohne euch Ehrenamtliche nichts funktionieren würde, halte ich weiter für ein Gerücht. Natürlich sind gerade in den ländlichen Gebieten die First Responder Einheiten sehr wichtig, bei 15 Minuten Hilfsfrist ist das System eine sehr große Hilfe. Und da bin ich auch sehr froh, engagierte Ehrenamtliche zu haben, die dieses System erst möglich machen.

      Natürlich wollen die Hauptamtlichen Kollegen auch mal Frei haben, aber was ist mit den Kollegen, die die Zuschläge für Nachts und Wochenende brauchen!? Ihr seid für eure Chefs wie gesagt die billigsten Arbeitskräfte die es gibt. Klar wird immer das Geld als Grund genommen, das es ohne Ehrenamtliche nicht geht. Es geht aber doch, wie viele Beispiele zeigen. Natürlich müsste mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, wir machen aber nur 1 % der Gesamtkosten in der Medizin aus.

  2. o2junkie permalink
    21. März 2010 19:39

    Hi,

    bei uns gibt es keine Ehrenamtlichen im RD (außer als Praktikanten). Aber es gibt Kollegen (wie mich auch), die mit dem Ehrenamt angefangen haben und dann irgendwann als Aushilfen, also auf 400€-Basis, eine Hand voll Dienste im Monat fahren. Zum gleichen Tarif wie die hauptamtlichen Kollegen. Und meist neben der weiter bestehenden Ehrenamtlichkeit. Ich finde es eigentlich auch nicht fair, wenn man als Ehrenamtlicher den Vollzeitlern den Job wegnimmt, da bin ich relativ nahe bei dir. Auch ich wollte nicht, dass jemand meinen Job als Hobby ausübt.

    Allerdings finde ich, solltest du über einen Punkt mal nachdenken: In jedem Bundesland funktioniert der RD etwas anders. Es gibt Bundesländer, in denen die Feuerwehren da die Oberhand haben (z.B. eben große Teile von NRW und AFAIK auch Hamburg).
    Es gibt aber auch viele Bereiche, in denen ausgeschrieben wird. Ausschreibungen gehen zu einem sehr großen Anteil über den Preis, so ist es vorgesehen. Und wenn die „üblichen“ Dienstleister (DRK, JUH, Malteser usw.) zu teuer werden (z.B. weil man nicht über die Ehrenamtlichen spart), machen es irgendwann GARD, Promedica und wie die Privaten halt so heißen. Denn die haben keine relativ teuren Tarifverträge.
    Und so sparen die gnadenlos über das Personal. Ich kenne jemanden, der bei einem der Privaten sein RA-Jahr gemacht hat: Jede Schicht als RA-Praktikant mitfahren KOSTETE da 50€, auch wenn man als RS schon als 2. fährt. Und nach dem Jahr gabs den Arbeitsvertrag für knapp 1000€ Netto nur mit der Bedingung, noch unentgeldlich Sanitätsdienste zu leisten.
    Ob man mit aller Kraft also in den entpsprechenden Bereichen als Hauptamtlicher darauf drängen sollte, dass Ehrenamtliche im RD ganz böse sind… Ich könnte mir vorstellen, dass der Schuss in Zukunft immer mehr nach hinten los gehen wird.

    Und zur Ausbildung und Routine: Ich sehe es eben bei uns. Es wird viel mit Aushilfen gearbeitet. Viele sind darunter, die grade so im Jahr ihre Pflichtfortbildungen runter reißen und teilweise nur alle paar Wochen/Monate mal fahren oder als Stundenten in ihren Semsterferien und sonst garnicht. Ob bei denen mehr Routine dabei ist als bei Ehrenamtlichen, die jede Woche 2-3 Stunden Fortbildung + Sanitätsdienste machen und häufig mit großen Elan dabei sind… Ich weiß es ja nicht

    • 22. März 2010 10:14

      Hallo O2 Junkie

      Danke für deinen Kommentar und Willkommen auf meinem Blog.

      Du hast Recht, es gibt viele Kollegen, die aus dem Ehrenamt den Weg in den RD gefunden haben.

      Du sprichst mit Lohndumping ein Thema an, welches ich auch noch aufgreifen möchte. Ich muss dich aber in diesem Punkt ein bisschen korrigieren. Auch die lieben Hilfsorganisationen bezahlen sehr oft auch nicht mehr nach Tarif. Ich kenne viele Kollegen, die nach Haustarif bezahlt werden, oder in gGmbH´s ausgegliedert werden, weil man auch dort nicht nachTarif bezahlen muss. Es gibt sogar Hilfsorganisationen, die ihre Arbeitnehmer in einer eigens gegründeten Zeitarbeitsfirma beschäftigen und das mit einem Monatsgehalt von 900 Euro im Monat. Auch ist es bei manchen Organisationen der Fall, die ihren Praktikanten kein Gehalt bezahlen oder sogar welches verlangen. Ein Unding in meinen Augen.

      Ich stimme dir auch zu, das es noch schlimmer werden wird. Das Ende dieser Spirale ist leider noch nicht erreicht. Was das Thema Aushilfen angeht, da stimme ich dir auch zu, das ist genauso eine Sache, die so nicht sein darf.

  3. gr3if permalink
    21. März 2010 20:11

    Ach ja das Ehrenamt. Kontroverses Thema
    In Hamburg wo ich erstmal wohnw läuft das irgendwie anders… Die Bf macht Rettungsdienst fast alleine und löscht auch. Dafür nehmen sie im Rd soviel Geld, dass sie alles leisten können.
    Aus der Seg und allem weiteren halten sie sich absolut raus. Trotzdem haben sie per Gesetz das Zepter in der Hand.

    Wie auch immer, ich bin auch aus meiner Rd Erfahrung heraus absolut gegen das Ehrenamt im Hauptamtlichen Rd Bereich. Ein Notfall ist ein Notfall, egal ob Schnittwunde, Reanimation oder Hi. Jeder hat das Recht auf eine gute Versorgung. Das dies etwas kostet ist allen bewusst. Dadurch dass sich allerdings Leute bei Gard oder Ko zu soetwas bringen lassen ist diese Versorgung in Gefahr. Das allerdings schon länger und nicht nur in HH oder woanders. Das ist ein gesamtdeutsches Problem.
    Ich weiß aus meiner Rd Erfahrung, dass dank meinen Hauptamtlichen Ra‘ s mir 3 Patienten nicht gestorben sind. Das allerdings auch nur dank deren Erfahrung -.-

    • 22. März 2010 10:23

      Das in HH die Uhren ein bisschen anders laufen, ist ja auch nichts Neues 🙂 Das die BF sich soviel nimmt, das sie alles andere leisten kann, halt ich aber für ein Gerücht. Wie jede im Rettungsdienst beteiligte Organisation muss diese auch mit den Krankenkasse verhandeln, was diese pro Transport bezahlt. In meinem RD Bereich sind das etwas über 600 Euro für eine RTW Fahrt. Aus mehreren Gesprächen weiss ich doch, das GARD und CO auch nicht viel besser oder schlechter bezahlen, als andere auch.

      Ja es ist ein gesamtdeutsches Problem und ich hoffe irgendwann erwachen alle Kollegen und gehen dafür auf die Strasse.

  4. Stefan permalink
    21. März 2010 22:43

    Ohoh, die Büchse der Pandora…

  5. neklaf permalink
    22. März 2010 10:31

    Ich gebe dir recht, HA Stellen durch das Ehrenamt zu ersetzen bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen ist falsch. Falsch ist aber auch, die Ehrenamtlichen nicht im RD fahren zu lassen. Ansonsten hast du bei einer Grossschadenslage auf einmal einen Haufen von Helfern, die bisher nur Besoffene aus dem Stadion zum RTW begleitet haben. 2 Hauptamtliche ggf. + einen Ehrenamtlichen auf den RTW. Wenn die Qualifikation und Erfahrung des EAs stimmt, dann soll‘ er auch links oder rechts vorne sitzen und der zweite HA hinten als Fallback dienen/schlafen/Zeitung lesen 😉

    • 22. März 2010 10:47

      Hallo Neklaf

      Willkommen auf meinem Blog. Ich muss da leider ein bisschen wiedersprechen 🙂 Wenn man sich die aktuellen MANV Algorhythmen anschaut sieht man sehr deutlich, welche Funktion die SEG´n sprich Ehrenamtliche haben. Diese sind für den Aufbau eines Behandlungsplatzes und die Versorgung der Leichtverletzten verantwortlich. Die Schwer/Polytraumatisierten werden vom Regel RD versorgt und behandelt.

      Gerne können Ehrenamtliche als 3 auf einem RTW mitfahren, aber nicht als Verantwortlicher.

      • neklaf permalink
        22. März 2010 12:15

        Dann will ich dir auch widersprechen :p
        Vorweg: ich komme nicht aus dem Rettungsdienst und nicht direkt aus dem Sanitätsdienst.
        Und auch ohne Kenntnis von den Spielregeln von MANV zu haben, behaupte ich einfach mal, dass das Prinzip „RD macht das Komplizierte, SD das Einfache“ nur so lange funktioniert, wie sich die betroffenden Personen und ihre Verletztungen daran halten.

        Was spricht dagegen, z.B. den ehrenamtlichen RA, der qualifiziert und erfahren genug ist, die Verantwortung zu übergeben – mit einem Veto Recht eines Hauptamtlichen. „Meyer, geh mal einen Schritt zurück, du machst gerade Fehler – hier muss ich intervenieren und mir den Hut aufsetzen.“

      • 22. März 2010 12:33

        Diskussionen leben von unterschiedlichen Meinungen 🙂

        Der „normale“ Ehrenamtliche hat eine minimale Basisausbildung. Diese Ausbildung ist darauf ausgericht Basics zu erlernen und diese auch beim Sandienst oder im Einsatz als First Responder dem Patient zu kommen zu lassen. Von daher sind die SEGén bei einem Großschadensfall dafür da, sich um die Leichtverletzten zu kümmern. Eine Chaosphase wirds immer geben bei solchen Szenzinarien.

        Dagegen spricht, das dieser Ehrenamtlich die hauptamtliche Stelle blockiert. Von mir aus, kann er ja als 3 mitfahren und dann auch einen Einsatz übernehmen.

      • o2junkie permalink
        22. März 2010 12:58

        Naja, ein solcher Basic-Ausgebildeter Ehrenamtlicher darf entsprechend (nahezu) aller Rettungsdienstgesetze in den Bundesländern auf einem RTW überhaupt keine offizielle Funktion warnehmen.

        Ich komme aus Hessen und hier sind wir mit dem Rettungshelfer als 2. auf dem RTW, soweit ich weiss, schon am unteren Ende. Viele Bundesländer fordern hier zwingend den RS.
        Auch die Fortbildungen sind oft vorgeschrieben, bei uns Org-Intern sogar als verbindliche Block-Fortbildung. Und die Regeln gelten für alle die RD fahren wollen. Egal ob Haupt- oder Ehrenamtlich. Wer sich da nicht massiv einbringt und für die Ehrenamtlichkeit auch schon mal Urlaubstage im „richtigen“ Job opfert hat kaum eine Chance, regulär als 2. zu fahren.

      • 22. März 2010 13:31

        Ja ein solcher Ehrenamtliche könnte noch nicht mal als 2 auf dem RTW sitzen. Ich halte auch den RS als zwingend erforderlich auf einem RTW. Ich denke auch, das sich durch die kommende Veränderung der RA Ausbildung und die schon in einigen Bundesländern verbindliche Zertifizierung es bald keine Ehrenamtliche im Rettungsdienst mehr geben wird. Auch der Zivi wird durch die Verkürzung auf 6 Monate Ersatzdienst keine Rolle bald mehr im RD spielen.

  6. MAkMak permalink
    24. März 2010 10:13

    Bei uns ist auch der Rettungsdiensthelfer das unterste was man haben muss um als 2tes auf dem RTW mitzufahren,sovie ich weiss bei uns uf der Wache aber nur,wenn es zum Praktikum zum Rs gehört(leg dafür aber nicht die Hand ins Feuer) . Klar ein Ha wäre jedem lieber,der damit sein Lebensunterhaltverdienen kann und mehr Erfahrung einbringt,nur was machen wenn keine Planstellen mehr vorhanden sind? Es gibt genug Leute,zwar auch welche die es lieber sein lassen sollten,die gerne als Ha arbeiten würden,sei es mit RS oder RA Qualifiktation, doch jeder weiss eigentlich wie die Chancen stehen,nach der ausbildung eine Einstellung zubekommen,nämlich verdammt schlecht. wieso bekommen viele RA nicht mal das gehalt was ihnen zusteht,sondern wenn es gut läuft da Gehalteines RS ? Lohndumping ist nun mal leider etwas,was nicht nur den RD auf dauer kaputt machen wird,aber wo gegen man sich als Arbeitnhemer nicht wirklich wehren kann. „Freu“ mich schon drauf,wenn die Zivi´s wegfallen,egal in welchem Bereich,denn dann werden die da oben mal sehen was für einen Bockmist sie verzapfen.du bist ja auch der Meinung das Zivi´s im RD bald keine grosse Rolle mehr spielen werden,vertsändlich,denn ich als Organisation,nehme doch nicht die Kosten für die Ausbildung (bei uns Rettungsdiensthelfer dauer 1 Monat) auf mich,wenn ich dann nur noch 5 Monate etwas von ihm habe.

  7. 26. März 2010 15:51

    Das durchaus gewichtige berufspolitische Argumente für einen rein hauptamtlichen RD sprechen, sehe ich ein.

    Ehrenamt ist aber nicht mit mangelnder Qualität oder Unprofessionalität gleichzusetzten.

    Was ich im RD für den Patienten brauche, ist eine Qualität der Größe „X“. Wer diese Qualität nicht bringen kann, hat auf dem RTW nichts verloren.

    In welchem „Anstellungsverhältnis“ (hauptberuflich, Teilzeit, Ehrenamt) diese Qualität erbracht wird, ist dem Patienten wohl relativ egal.

    • 27. März 2010 10:47

      Willkommen auf meinem Blog

      Ich gebe dir Recht, das Ehrenamt nicht mit mangelnder Qualität gleichzusetzen ist. Sie machen in ihren SEG´s und First Responder Einheiten gute Arbeit.

      Das Problem ist, wer überwacht diese Qualität, nur alleine mit Fortbildungen und Überprüfungen ist das meiner Meinung nicht getan.

      P.S. vielen Dank für deine Verlinkung

  8. 20. Januar 2011 15:38

    Hey,

    Wie ich dir ja gestern Abend schon erzählt habe, hat mein Vater 20 Jahre lang Ehrenamtlich als Rettungsassistent für das Bayerische Rote Kreuz gearbeitet. Mein Vater hat nebenher sein Studium für Nachrichten- und Datentechnik gemacht, geheiratet, eine Familie gegründet, zwei Kinder groß gezogen. Es war keineswegs so, dass er nur hin und wieder und eher selten im Dienst war, sonder ganz regelmäßig. Ich erinnere mich gut an die Zeit, damals … Mein Papa hatte jeden Dienstag Nachtdienst auf der Wache eine Stadt weiter, wir haben damals noch auf dem Dorf gewohnt. Ich durfte in diesen Nächten bei meiner Mama im Bett schlafen. Noch etwas früher war ich im Kinderpark über der Leitstelle in unserer Stadt. Hin und wieder war auch mein Papa da, dann durfte ich manchmal runter, zu den erschöpften Rettungsassistenten und Sanitätern. Ein kleiner Lichtblick, oft nach einer harten Fahrt. Ein Sonnenschein, der sie wieder zum Lachen gebracht hat. Ich war lange eine Art Maskottchen. Habe ich damals gar nicht so mitbekommen, aber alle kennen sie mich noch heute. Oft werde ich auf der Straße noch angesprochen von wildfremden Menschen von damals.
    Mein Vater war kein Rettungshelfer wie sein Freund, der lange mit ihm gefahren ist und der heute noch SED macht (so wie gestern Nacht, als drei Häuser weiter ein Einfamilienhaus restlos explodiert ist). Seine ursprüngliche Idee war, sich vor dem Wehrdienst zu drücken, aber er hat diesen Beruf, diese Berufung lieben gelernt. Er war viele Jahre lang der schnellste und beste Mitarbeiter, der, der die neuen ausgebildet hat, der ihnen das fahren beigebracht hat. Er war immer als erster am Unfallort und hat nie einen Wagen zu Schrott gefahren. Kein einziges Mal.
    Wenn er hauptamtlich Rettungsassistent gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich irgendwann diese Leidenschaft verloren. Und er hätte nicht aufhören können, als Familie und Firma immer größer und mächtiger geworden sind. Wenn mein Vater nicht ehrenamtlich tätig gewesen wäre, hätte es ihm wahrscheinlich das eine oder andere Mal an der Motivation gefehlt, mit der er die Dienststelle am Leben gehalten hat.
    Vielleicht hast du Recht, Ehrenamtliche haben in hauptamtlichen Stellen vielleicht wirklich oft nichts verloren. Aber solange es solche gibt, die ihre Berufung nicht zum Beruf machen wollen, sollte man ihnen die Möglichkeit offen halten, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

    • 20. Januar 2011 16:10

      @kampfmieze

      Dein Vater und sein Freund sind vielleicht ein tolles Beispiel für wirklich gute Ehrenamtliche. Aber man muss das groß der Ehrenamtlichen sehen, die Rettung fahren. Und wie gesagt, so sind nicht Alle. Viele machen das auch, weil sie gerne Blaulicht fahren, und nicht jeder ist so engagiert wie dein Vater. Und genau da ist das Problem. Viele fahren nur 4 Mal im Monat und sind alles andere als routiniert. Dazu kommt noch, das sie sich fortbilden müssen, der Rettungsdienst verändert sich von Jahr zu Jahr. Es kommen immer mehr Kompetenzen dazu, wie will das wirklich jemand schaffen, der noch einen Hauptjob hat!? Für jeden Chef sind Ehrenamtliche im RD die allerbilligsten Mitarbeiter. Und es gibt noch so viele arbeitslose RA, die gerne eine Stelle hätten, die aber teilweise durch Ehrenamtliche besetzt sind. Ehrenamtliche dürfen gerne als Praktikanten bei mir mit fahren, so bekommen sie Routine, die sie für ehrenamtliche Arbeit brauchen.

      Ich arbeite zwar nicht seit 20 Jahren im RD, aber ich habe meine Motivation nicht verloren, und wenn ich mir meine Kollegen meiner Wache anschaue, die kommen zu 95 % gerne auf die Arbeit und die machen ihren Job verdammt gut.

      • 20. Januar 2011 16:18

        Vielleicht ist es auch für manche die Schwierigkeit, sich von einer Leidenschaft zu trennen. Manche machen mehr als eine Aufgabe gerne und Rettung und viele andere Berufe wie Feuerwehr geben einem Menschen manchmal sehr viel zurück. Vielleicht ist der Praktikant wirklich die richtige Stelle für so einen Menschen, vielleicht kann man genau dort aussieben, wer für ‚höheres bestimmt‘ ist. Ich wusste nicht, dass Ehrenamtliche Hauptamtliche ‚ersetzen‘ können, ich dachte, sie werden ähnlich wie Aushilfen eingeteilt. Wenn sie einem Hauptamtlichen den Platz tatsächlich ‚wegnehmen‘ sind sie, so gut sie immer sein sollen, tatsächlich sehr fehl besetzt. 😦

  9. DontSwitch permalink
    31. August 2011 14:26

    Deine Meinung kann ich in dieser Sache nicht teilen.

    Ich finde es nicht gut, dass man versucht mit Ehrenamtlichen Stellen zu sparen (und das bei dem geringen RDler-Gehalt), aber genau wegen dem letzten Absatz sind Ehrenamtliche im Rettungsdienst nötig.

    SEG-Einsätze sind selten und an Sanitätsdiensten meist nicht mehr erforderlich als ein paar Pflaster. Aber genau aus diesen beiden Gründen ist Rettungsdiensterfahrung hilfreich (und bei SEGen IMHO erforderlich):
    1. Kann mal etwas schlimmeres passieren und man braucht dann das Wissen.
    2. Vergisst man wieder, wenn man wissen nicht anwendet.

    Das Ehrenamtlich nicht viel bekommen finde ich völlig in Ordnung. Es handelt sich hier ja immerhin um eine Aufwandsentschädigung und nicht um ein Gehalt.

    Wobei diese natürlich verhältnismäßig sein sollte.
    Wenn ich dran denke, dass man für 12 h Rettungsdienst ~20 € bekommt und fürn Sandienst max. freie Verpflegung und das dann mit den ~13 € pro Stunde bei der FFW für die Sicherheitswacht vergleiche weiß ich auch nicht mehr.

    Die Qualitätsdiskussion kann ich nicht mehr hören. Es gibt genug Ehrenamtliche die eine bessere Arbeit machen als mancher Hauptamtliche. Die Ausbildungen reichen ja auch vom Sanitäter bis zum RA. Manche haben mehr Erfahrung als die „Frischen“ von der Schule, manche sind gelassener (einfach nicht so genervt vom RD-Alltag), manche nehmen die Sache einfach etwas ernster als die alten Hasen, sind einfühlsamer etc.

    Ich finde Ehrenamtliche tun dem System ganz gut, aber es muss sich die Waage halten und die Bedingungen müssen passen.

    Mehr als das Ehrenamt macht mir aber das Zivi/FSJ/Bufdi-System gedanken. Hier werden nämlich richtig Arbeitsplätze eingespart.

    • 31. August 2011 15:39

      @DontSwitch

      Herzlich Willkommen auf meinem Blog. Das Thema spaltet auch die Lager und jeder hat seine eigene Ansicht zu diesem Thema.

      – Wieso schaffen es fast alle Bundesländer ohne Ehrenamtliche im Rettungsdienst!?
      – Die Aufgabe einer SEG besteht im Großschadensfall nicht daraus die Lebensbedrohlich.- oder Schwerverletzten zu versorgen, sondern sich um die Leicht.- und Unverletzten zu kümmern. Dafür reicht eine fundierte SanAusbildung und gerne auch das hospitieren im Rettungsdienst.

      Die Ehrenamtlichen tun dem Chef gut, denn sie sparen einen Haufen Geld. Und wer Ehrenamtlich Rettungsdienst fahren möchte und nach mehr Aufwandsentschädigung schreit, der sollte auch wissen, dass die meisten Feuerwehrler keinen müden Cent für ihre Einsätze bekommen.

      Ich hoffe, dass sich die Diskussion über Ehrenamtliche im RD durch die neue 3 jährige Ausbildung bald eh von selbst löst.

  10. feo permalink
    10. Januar 2013 16:28

    bin selber ehrenamtlicher und muss dir zustimmen wenn man keine routine hat hat es nicht viel sinn auf dem rtw zu sitzen jedoch haben auch viele ehrenamtliche routine da sie doch recht oft bereitschaft haben ich denke das mein vereinsleiter genauso kompetent ist wie jeder andere rett-san der auf einer wache sitzt da er das nicht nur ab und zu macht sondern auch regelmaeßig

    • 10. Januar 2013 16:53

      Hallo Feo,

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Selbst hier in der Schweiz sagen unsere Aushilfen, dass wenn man nicht oft genug fährt, gar keine Routine bekommt und das sind Kollegen, die hauptberuflich als Anästhesiepfleger arbeiten.

  11. Miki permalink
    29. November 2016 19:58

    Ehrenamt ist für die Organisationen wichtig damit sie ihre eigenen Taschen besser füllen können! Sie nehmen den Hauptamtlichen nur den Job weg. Es gibt eine Frist wann ein Rettungswagen oder Helfer vor Ort da sein muss, solange die Ehrenamtlichen da sind werden keine weiteren Rettungsmittel finanziert und keine neuen Job’s geschaffen!!!

  12. 7. Januar 2017 11:16

    Ich möchte diesem Beitrag nochmal ein paar andere Gesichtspunkte verleihen.
    Ehrenamtliche im Rettungsdienst sind aus meiner sicht nicht so häufig schlechter als die HA Kollegen.
    Meine Erfahrung sagt, das die ehrenamtlichen im schnitt auf mind. 1 Dienst die Woche kommen. Damit haben sie nicht weniger Dienststunden als die Teilzeitkräfte auf 450€ Basis oder 30% Stellen.
    Viele von diesen Ehrenamtlichen, haben den Beruf mal Hauptamtlich gemacht, arbeiten nun etwas anderes oder studieren. Diese sind meist sehr interessiert, halten sich auf dem.neusten Stand und werden selbstverständlich jedes Jahr Zertifiziert.

    Bei uns werden Ehrenamtliche nicht haupts wegen der Kostenersparnis eingesetzt, sondern um die HA zu entlassten. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es unfassbar schwer alle stellen zu besetzen.
    In der Stadtrettung zu fahren, hilft diesen zudem auch die Routine zu behalten für die wenigen echten realfälle in der SEG oder eben auch mal dem großen Notfall im Sanitätsdienst.

    Ich kann wenig gegen des EA im RD sagen, wurde selbst für mein EA ausgezeichnet und mache seit September das ganze (wieder) Hauptamtlich.

    Es gibt natürlich überall die schwarzen Schafe, aber bei uns sind mehr die positiven Seiten zu verzeichnen

    • 7. Januar 2017 12:01

      Hallo Blaulichtwege,

      willkommen auf meinem Blog.

      Wieso müssen die HA Kollegen denn entlastet werden? Weil viele Vereine wie das DRK schlecht zahlen und gerne auf Menschen zurück greifen,die das für 3.50 € die Stunde machen. Und Routine bekomme ich nicht vom 1 dienst pro Woche.

      Das Modell Ehrenamt hat im Rettungsdienst der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen.

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