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Handschellen…

11. April 2010

An einem schönen sonnigen Tag wurden mein Kollege und ich zu einem eigentlich routinemäßigen Notfall gerufen. Der Einsatz dauerte dann allerdings 3 Stunden und ich war wieder um eine Erfahrung reicher 🙂

Eigentlich sollten wir zu einer hilflosen Person fahren. Vor Ort stellte sich aber heraus, dass die Dame für ihren Zustand noch relativ nüchtern war. Wir dachten schon, gut dann fahren wir wieder. Da erhob sich einer ihrer Zechkumpanen und sagte: „Die hat gerade gesacht, die will sich umbringen“. Nicht diese magischen Worte, dröhnte es in unserem Kopf. Natürlich stieß auch unsere Patientin ins gleiche Horn und sagte nun auch die magischen Worte: „Ich will mich umbringen“. Das änderte nun unsere Vorgehensweise. Wer die magischen Worte spricht, hat einen Freifahrtsschein in die nächste Psychiatrie für 24 Stunden gewonnen.

Zum Glück ging sie freiwillig mit zu unserem Auto. Im Auto überlegte sie es sich aber wieder anders und wollte in die Freiheit entlassen werden. Mit einem freundlichen Nein war für mich die Sache erst mal gegessen, was unsere Patientin aber anders sah. Sie sprang auf, beschimpfte mich wüsst und wollte an mir vorbei. Nun hörte der Spaß für mich aus, denn nun wollte sie mich bei Seite schieben, war gewillt, dies mit ihren 160 cm auch durchzusetzen. Mit einem netten: „ Setzen Sie sich hin“, war es leider nicht getan und so musste ich ein wenig Kraft aufbringen, damit unsere Patientin sich wieder hinsetzt. Mein Kollege eilte währenddessen schon an den Funk und bestelle die Polizei. Keine drei Minuten später stand die Herren in Grün-Weiß vor unserem Rettungswagen. Dass die beiden Kollegen zur Lachnummer des Tages werden sollten, konnte zu dem Zeitpunkt noch niemand ahnen. 🙂 Da die Dame keine Ruhe geben wollte und immer wieder aus dem Fahrzeug wollte, entschlossen sich die Beamten sie mit Handschellen an unsere Trage zu fesseln. Der eine Polizist sagte dann, dass sie besser die Handschellen des Kollegen benutzen sollten, weil er seine Schlüssel für die Handschellen nicht dabei hatte. Der andere nahm dann seine und fesselte die Frau nun mit einer Hand an unserer Trage fest. Nach 20 Minuten hatte sich die Frau soweit beruhigt, dass die Polizei sie wieder von den Handschellen befreien wollte. Also kramte der Kollege seinen Schlüsselsatz hervor und wollte sich an das Öffnen der Handschellen machen.

Nun kam das, was kommen musste: Es passte kein Schlüssel 🙂

Mein Kollege und ich standen dabei und schauten uns an und mussten einfach lauthals loslachen. Wir konnten echt nicht mehr. Es war ein Bild für Götter, wie die beiden versuchten, die Handschellen aufzubekommen. Natürlich fanden die Polizisten das gar nicht witzig und schauten ziemlich verdattert vor der Patientin, die das auch nicht wirklich komisch fand.

Inzwischen hatten sich noch mehr Schaulustige eingefunden, die nicht geizig mit bissigen Kommentaren waren 🙂 Irgendwann konnte ich mich nicht zurückhalten und meinte zu dem einen der beiden Polizisten, er könnte die Patientin auch gerne mit der Trage mitnehmen, da wir bald ein neues Fahrzeug mit Trage bekommen würden. Die einzige Reaktion von den beiden war ein böser Blick mit nachfolgenden Lächeln. Nach einer halben Stunde des Herumprobierens fuhr ein Beamter auf die Wache und besorgte die fehlenden Schlüssel.

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13 Kommentare leave one →
  1. HdS permalink
    11. April 2010 11:22

    *Lach* man fragt sich schon wie man von sowas die Schlüssel vergessen kann.
    Wahrscheinlich ist das so ein „Passiert 1 mal im Jahr, aber dann wirds peinlich“ Sache.

  2. 11. April 2010 13:41

    😀 😀 😀 *lach*
    ganz peinlich für die Zwei… 😉

  3. katze permalink
    11. April 2010 15:52

    Das ist einfach zu geil! *kicher*

    Wobei – ich dachte, bei Suizidankündigung wird man für 3 Tage eingewiesen? Und alles weitere nur unter gerichtlichem Beschluss?

    • 11. April 2010 16:41

      In meinem Bundesland darf ein Patient bei Eigen.- und Fremdgefährdung maximal 24 Std. ohne richterlichen Beschluss durch die Polizei eingewiesen werden. In diesen 24 Std. muss ein Richter entscheiden haben, ob eine weitere Unterbringen nötig ist, oder nicht. In anderen Bundesländern muss dies zusammen mit dem Ordnungsamt, Polizei und Arzt entschieden werden.

  4. 11. April 2010 21:38

    Nee, oder? *lach* Und ich dachte, mit solchen Problemen kämem immer nur Pärchen bei der Polizei an, und nciht die Polizei selbst…

  5. 12. April 2010 11:01

    😀

    Das hat mir gerade den Tag gerettet, danke!

  6. schrecklichschoenesleben permalink
    12. April 2010 16:05

    Ich dachte ja erst, es folgt eine Geschichte aus dem Schlafzimmer… 😆

    Naja, das war den Herren in grün (grün?) wohl eine Lehre.

    • 12. April 2010 19:15

      @Frau SSL

      Tzzzzzzzz 🙂 Was sie schon wieder denken 🙂 Ja es gibt diese Spezies noch, die in diesem Klamotten rumrennen muss 🙂

  7. 13. April 2010 20:59

    lach… wie im Film 😀

  8. 3. Januar 2011 01:25

    Bolzenschneider der Kollegen in Blau? XD

    • Zero the Hero permalink
      31. Juli 2011 21:02

      Eher weniger.
      Die passen auf ihre Achten auf wie Schießhunde.
      Ich hab mal in einem Armyshop gejobbt und 80% der hochpreisigeren Handschellen, die dort verkauft worden sind, gingen mit Quittung (wegen der Steuer) an…Polizisten.

  9. Joe permalink
    2. Juli 2017 14:40

    Wenn mal was schiefgeht, dann aber richtig. Natürlich sind Polizisten auch nur Menschen und können wie jeder andere auch mal was vergessen. In diesem Fall haben wohl beide den richtigen Schlüssel vergessen.

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