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Miniaturwunderland…

31. Mai 2010

Miniaturwunderland…

Die Anreise….

Die Anfahrt in das 17. Bundesland gestaltete sich problemlos. Außer der Tatsache, dass die Mitreisenden öfters den Gang auf die Toilette reklamierten und wir uns nur ein Mal verfuhren, kamen wir doch fast pünktlich an. 🙂 Nachdem ich meine Mitfahrer am Hotel herausgelassen hatte, ging es auch auf schnellstem Weg zum großen Bahnhof, denn Ämpee wartete dort schon ein bisschen auf mich. Über das Natel mussten wir uns noch kurzschließen, wo wir uns in diesem großen Bahnhof finden würden – und schon standen wir voreinander. Wir verstanden uns auf Anhieb und gingen in die schöne Altstadt, wo Ämpee mir zu gewissen Sehenswürdigkeiten ein bisschen was erzählte. Da ich ihr wegen einer verlorenen Wette noch einen Kaffee bei Starbucks ausgeben musste, steuerten wir diesen auch relativ zügig an. Danach wollte ich gerne noch eine kleine Schifffahrt auf dem kleinen Fluss machen und so fuhren wir den Fluss einmal hoch und wieder herunter 🙂 Da wir so wunderschönes Wetter hatten, setzten wir uns noch an einen kleinen See und schauten einfach übers Wasser. Dabei fiel uns ein kleines Entenküken auf, das mit seiner Mutter nah am Ufer herumschwamm. Dem kleinen Küken wurden dann irgendwann die Wellen der Schiffe zum Verhängnis und wir mussten bestürzt feststellen, dass das Kleine schlussendlich kieloben trieb. Kurz dachten wir darüber nach, ob wir den Kleinen noch retten sollten, aber wir mussten einfach dem Lauf der Natur seinen Weg lassen. Nach ein paar schönen Stunden verabschiedeten wir uns wieder. Da ich noch ein wenig Zeit hatte und meine „Begleitung“ auch in dieser großartigen Stadt war, verbrachten wir noch zwei schöne Stunden, schauten einfach in die Sonne und konnten uns mal wieder lange unterhalten. Danach ging es für mich zu meinem Kollegen, der mir das Praktikum ermöglichte und bei dem ich auch übernachtete.

Am nächsten Tag zeigte mir der Kollege die nähere Umgebung. Ich war einfach nur baff über die Schönheit dieses kleinen Landes. Als kleines Kind war ich ja schon sehr oft hier, aber daran hatte ich leider wenig Erinnerungen. Hier ist fast alles klein, die Autobahn, die Straßen, die Häuser…ich liebe das.

Der Rettungsdienst…

In der Schweiz ist der Rettungsdienst sehr unterschiedlich aufgebaut. Sogar innerhalb eines Kantons können die Ausrüstung und die medizinischen Maßnahmen sehr unterschiedlich ausfallen. Auch Notärzte findet man nicht im jedem Bereich. Teilweise werden Anästhesiefachpfleger als Notärzte eingesetzt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann auf die Rettungshubschrauber der REGA zurück gegriffen werden. Die meisten Rettungsdienste sind an den Spitälern angesiedelt, es gibt aber auch Privatanbieter. Das Gehalt eines durchschnittlichen Rettungssanitäter liegt zwischen 3000 und 3500 Euro netto im Monat.

Montagmorgen ging es dann auf die Wache des Kollegen. Ein bisschen nervös war ich schon. Aber ich wurde in diese kleine Familie so herzlich aufgenommen, dass meine Nervosität rasch verflog. Jeder dieser Kollegen begrüßte mich per Handschlag und ich bekam gleich einen Kaffee angeboten. Ich bekam die Autos gezeigt und als Deutscher ist man schon ein wenig neidisch. Mein Arbeitsgerät für die nächsten Tage war mit allem ausgestattet, was man für eine gute Versorgung eines Patienten braucht. Angefangen beim Design des Fahrzeugs, welches sehr auffällig beklebt ist, und so jedem Verkehrsteilnehmer auffällt. Desweiteren verfügt die Ambulance über eine Luftfederung an der Hinterachse, welche dem Patient einen noch höheren Federungskomfort bietet. Die Ausstattung richtet sich nach internationalen Richtlinien, zu finden sind Spineboard, Vacummatratze, Schaufeltrage und EKG mit Vollausstattung und Telemetrie. Demnächst wird noch ein automatisches Reanimationsboard angeschafft.

Was mir an diesem und an den folgenden Tagen sehr auffiel, ist das professionelle und soziale Auftreten der Kollegen. Man fühlt sich nicht als Praktikant, sondern als vollwertiges Teammitglied. Auch gibt es hier keinen Kollegen, der großkotzig und nassgeschwitzt durch die Gegend läuft. Da es hier keinen Notarzt gibt, werden, bis auf die Gabe von Narkosemedikamenten, alle anderen Medikamente von den RS nach strengen Richtlinien gegeben. Dabei steht der Patient immer im Mittelpunkt. Kein Patient wird mit starken Schmerzen in die Klinik gebracht, falls dies passieren sollte, gibt es richtig Ärger. Was ich bis dahin auch nicht so kannte, wenn der Patient im Krankenhaus übergeben wird, hört jeder Arzt einem zu und man respektiert und achtet sich. Die Übergabe ist auch nicht nach zwei Minuten beendet, sondern es wird ausführlich übergeben. Man musste mich mehrmals zwicken, denn sowas kenne ich aus Deutschland nicht. In Deutschland gibt es sowas nur sehr selten oder gar nicht.

Was auch auffällt, ist, dass die Fehleinsatzquote relativ niedrig ist, sie liegt wohl bei 5 %, in Deutschland liegt sie bei ca. 15 %. Das hängt damit zusammen, das hier standardisiert in der Leitstelle abgefragt wird, und auch weil viele Schweizer den Transport in einer Ambulanz erst einmal selbst bezahlen müssen. Auch ist der Respekt der Bevölkerung gegenüber dem Rettungsdienst viel höher als in Deutschland. Jeder Mitarbeiter in diesem Rettungsdienst muss weit über 100 Fortbildungsstunden absolvieren, es werden moderne Methoden wie E- learning eingesetzt. Auch muss jeder Kollege jährlich eine Zertifizierung durchlaufen, um weiter als Verantwortlicher fahren zu dürfen. Fällt er zwei Mal durchfällt, wird er zum Transporthelfer herabgestuft, was auch Gehaltseinbußen nach sich zieht.

In einigen Rettungsdienstbereichen ist es sogar für den Mitarbeiter Pflicht, internationale Kurse wie PHTLS/ITLS und ALS/ERC zu machen, um überhaupt als Verantwortlicher fahren zu dürfen.

Was ich auch bis dorthin nicht gekannt habe, ist, dass es jeden Monat ein Treffen des gesamten Personals inklusive Chef gibt, bei denen Neuigkeiten mitgeteilt werden. Außerdem wird jeder Mitarbeiter gefragt, ob alles in Ordnung ist und ob es irgendwelche Probleme gibt. Auch bietet die Firma externe Fortbildungen an, die von den Mitarbeitern zum Selbstkostenpreis gemacht werden können. Ich finde, dieser Arbeitgeber ist der Traum jedes Rettungsdienstlers.

Ich möchte mich hiermit von Herzen bei meinem Kollegen bedanken, der mir dieses Praktikum ermöglicht hat und bei den Kolleginnen und Kollegen für die so familiäre Aufnahme in das Team.

Mein Plan, hier in die Schweiz zu kommen und hier zu arbeiten, hat sich in den letzten Tagen so sehr gefestigt, dass ich diesen auch verwirklichen werde. Drückt mir mal die Daumen, dass es klappt.

Euer Paul

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12 Kommentare leave one →
  1. 31. Mai 2010 22:10

    Schön, dass du wieder da bist 🙂 Und freut mich, dass es so viel Spaß gemacht hat 😀

    Ich drück dir auf jeden Fall die Daumen *nick*

  2. 31. Mai 2010 23:13

    Lieber Paul 🙂

    das freut mich als Schweizerin natürlich sehr dass es Dir so gut in meiner alten Heimat gefallen hat!

    Schön wurdest Du auch im Rettungsdienst so gut aufgenommen!

    Ich hoffe und wünsche Dir dass Du Deinen Traum, in die Schweiz auszuwandern verwirklichen kannst. Wie gesagt: Schwer ist das nicht… Du musst einfach eine Arbeitsstelle haben und dann steht dem eigentlich nichts mehr im WEge…

  3. 31. Mai 2010 23:46

    Lieber Paul
    Ich schliesse mich Krokofantilein an, cool dass es dir so gefallen hat.
    Auch mir hat das Treffen mit dir total gefallen! Das mit dem kieloben treibenden Entenküken ist fies, aber war wirklich so 😦
    Dass dir der RD so gut gefallen hat finde ich toll und ich möchte mich an dieser Stelle auch noch bei seinen Kollegen bedanken, denn das was er mir erzählt hat (und das hier Geschriebene) tönt wirklich total toll!

    Also dir nomal alles alles gueti bide Stellesuche (und allem wo na uf dich zu chunt) und nomal merci für die coole Stunde.
    Mit lieben Gruss aus der Schweiz (auch von Keni und der fliegenden Möwe 😀 )
    Lg Anna

  4. 1. Juni 2010 06:36

    Wow, das klingt ja wirklich toll.. Ich drück dir die Daumen, dass das funktioniert! (Ich hatte mich ja damals wegen Studium erkundigt, aber studieren läuft da wohl nicht so prickelnd.)

  5. Avialle permalink
    2. Juni 2010 08:18

    Das klingt wirklich nach einem rundum tollen Praktikum – und es ist echt spannend, dass es dort soviele Unterschiede im Rettungsdienst gibt, hätte ich jetzt nicht erwartet. Ich drücke auch die Daumen, dass es klappt mit der Stelle!
    Liebe Grüße

  6. 2. Juni 2010 23:03

    Klingt richtig gut! Schön zu hören, dass Du zufrieden warst und ich hoffe dass alles so klappt wie Du es Dir wünschst…

    Krieg ich ein Passwort für die Fotos?

  7. 3. Juni 2010 13:19

    Klingt wirklich nicht schlecht. Allein wegen dem oben genannten Netto-Gehalt würde ich schon direkt auswandern und die restlichen Punkte (Ansehen, etc) bestärken diesen Drang nur noch 🙂

    • 4. Juni 2010 10:14

      @Chris
      Ich kanns nur jedem empfehlen. Natürlich gibts auch dort schwarze Schaafe. Und die Anerkennung als Rettungssanitäter „Schweiz“ kostet schon mal bis zu 970 Schweizer Franken.

      • Hias permalink
        5. Juni 2010 22:30

        Lieber Paul! In der Zwischenzeit sind es OHNE Vorbereitungskurs ca. 2’500 CHF. Mit Kurs sind wir dann gleich mal bei ca. 6’500 CHF. Sonnige Grüsse, der Hias.

  8. 4. Juni 2010 15:45

    Cool. Bin begeistert… Wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg bei der Bewerbung!

Trackbacks

  1. „Steh auf wenn du am Boden bist!“ | ämpee's Blog

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