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Odin…

8. Juli 2010

Es ist ein heiliger Feiertag in meinem Land, und ich mache diesen Dienst, weil mal wieder jemand krank geworden ist. Es ist kurz vor 6 Uhr, mein Zivi und ich treffen zeitgleich auf der Wache ein. Die Vorgängerschicht ist schon wach und wir wollen eigentlich zusammen lecker frühstücken. Damit wir auch gleich anfangen können, packe ich schon mal alle Leckereien auf den Tisch.

Doch bevor es überhaupt zu einem Frühstück kommt, bimmelt der Melder. Mein Zivi und ich sehen uns nervös an. Wir haben beide noch keine Dienstkleidung an, ich ziehe mich mit verschiedenen Verwünschungen um und flitze zum Auto. Die Depesche meldet eine Gewalttat mit der Ergänzung Einbruch. Was um Himmelswillen macht ein Einbrecher an diesem Feiertag um diese Uhrzeit bitte hier?? Die Leitstelle weiß auch nichts Genaues, aber die Polizei ist schon vor Ort. Der Kollege fährt und ich versuche mir vorzustellen, was uns da jetzt erwartet. Nach 5 Minuten biegen wir in die Straße ein und erblicken 2 Polizeifahrzeuge. Kaum sind wir ausgestiegen, hört man schon viel Gebrüll. Ein Polizist kommt uns entgegen und meint, wir sollten doch mal lieber hier bleiben, weil unser Patient noch ziemlich aggressiv durch die Gegend turnen würde. Wir machen keinen Schritt weiter und uns fällt eine große Blutspur auf dem Boden auf, die sich bis um die nächste Ecke verfolgen lässt.

Man hört immer noch Gebrüll und wir fragen uns, was hier eigentlich passiert ist. Auf einmal kommt unser Patient, eingepackt zwischen 2 Beamten, in unsere Richtung. Als ich ihn erblicke, fällt mir spontan ein, der sieht aus wie ein kleiner Wikinger. Er brüllt auch so, und ich freue mich schon. Sein Kopf ist hochrot und ein kleiner roter Bach läuft aus seiner Hand. Natürlich fasst unser Patient im Rettungswagen erst mal alles an, weil er nichts sieht. Er hat nämlich einmal Pfefferspray bei der Polizei bestellt. Unser Auto sieht jetzt schon ein bisschen aus wie beim Metzger. Arnulf unser Wikinger brüllt immer noch nach irgendjemandem. Ich knie mich neben ihn, stelle mich vor und frage wie er heißt. Damit ist das Eis zwischen uns gebrochen und Arnulf hört auf zu schreien und legt sich auf unsere Trage. Er jammert ein bisschen, weil er noch nichts sieht. Ich erkläre ihm, dass das auch der Sinn und Zweck des Pfeffersprays ist, er quittiert es mit einem Lachen. Jetzt müssen wir uns zügig um seine Hand kümmern, denn aus der blutet es immer noch munter weiter. Die Blutung stoppen wir mit einem Druckverband und tatsächlich hört es erst einmal auf zu bluten. Er bekommt einen venösen Zugang und dann kommt unsere kleine Wunderwaffe für das Pfefferspray. Unser Wikinger ist handzahm, sodass ich Polizei unser Auto verlassen kann. Da ich ein neugieriger Mensch bin, will ich jetzt auch wissen, was genau passiert ist. Arnulf erzählt, dass er früh morgens heimgekommen ist, und seine Ex mit einem viel jüngeren Mann im Bett erwischt hat. Ich runzele ein bisschen die Stirn, aber unser Patient ist auch ziemlich volltrunken, deshalb lasse ich ihn einfach weiter erzählen. Er hat dann aus Wut die Fensterscheibe eingeschlagen. Das Puzzel ist vollständig und so können wir nun auch mit wehenden Fahnen in die nächste Handchirurgie fahren.

Unser Frühstück wird deshalb zu einem Mittagessen und weil heute die ganze Welt verrücktspielt, verbringen wir den Rest des Tages im Auto.

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5 Kommentare leave one →
  1. 8. Juli 2010 09:43

    Arnulf, der Wikinger, bezwingt eine Fensterscheibe, nicht ganz seinen Nebebuhler, bestellt bei der Polizei Pfefferspray und macht ein riesiges Kampfgetöse mit Freifahrt in die Chirurgie. Hö, hö, wenn der nicht jeden Tag den Wikinger macht, war das sicher auch für ihn ein unvergesslicher Tag!
    Und was lernen wir daraus? Nicht den Frühstückstisch decken, sondern Frühstück (und sonstiges) immer am Mann!! 🙂

  2. 8. Juli 2010 09:52

    Eine wirklich schöne Einsatzbeschreibung, die auch mal wieder zeigt, wie viel man mit einem GESPRÄCH erwirken kann. Ich hoffe, Ihr musstet nicht zu lange putzen.

  3. 8. Juli 2010 19:59

    *hehe*
    Aber dann muss er doch bestimmt lange rote Haare gehabt haben, oder? Und Tätowierungen und so?

    • 8. Juli 2010 21:08

      @katze

      Nein er sah ein bisschen anders aus 🙂

      @Anna

      manchmal hat man wirklich das Glück, zu so jemand auch vordringen zu können. Nein zum Glück mussten wir nicht soviel putzen, es reichte aber trotzdem…

      @Miki

      so nen Brözchen mit was drauf, ist leicht mit zu nehmen, aber probiers das mal mit leckerem Rührei 🙂

  4. 8. Juli 2010 22:28

    😀

    Aber so ganz passte die Beschreibung „Einbrecher“ ja dann doch nicht…

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