Skip to content

Intelligenzbestie…

23. Januar 2011

Ich bin ja echt ein lieber und auch gutmütiger Mensch. Es braucht eigentlich ziemlich lange, um mich auf die Palme zu bringen. Aber was die Pflegekraft, welche diesen Titel in meinen Augen nicht verdient hat, gebracht hat, das ließ mich wie ein HB – Männchen durch den Krankenhaustrakt schweben. Aber lest selbst…

Es war ein schöner sonniger Herbsttag, unsere Schicht war bis dahin schon recht mit Arbeit gefüllt. Gegen Nachmittag hatten wir ein bisschen Pause, sodass wir unser leckeren Fischbrötchen wenigstens in Ruhe verspeisen konnten. Kaum waren wir fertig und ich wollte mir gerade ein Verdauungskippchen anstecken, bimmelte dieser verdammte Melder. Laut Depesche sollte es neurologisch mit Blaulicht in ein Altenheim der Stadt gehen. Wir bahnten uns durch das samstägliche Chaos unseren Weg zu dem Palast im Süden der Stadt. Dort angekommen beluden wir schnell unsere Trage mit Material und suchten das passende Stockwerke. Als wir dort ankamen, staunte ich das erste Mal.

 

 

Keine Pflegekraft war weit und breit zu sehen. Schön, dachte ich mir, wozu fahr ich mit Blaulicht durch die Stadt, wenn ich jetzt erst einmal auf das Personal warten muss!? Nachdem wir über den Gang gebrüllt hatten, dass der Rettungsdienst da ist, kam unser Wunderknabe aus seinem Kabuff geschlendert. Er führte uns zu unserem Patienten und blieb stumm wie ein Baum im Raum stehen. Wäre ja nicht das Problem, wenn auch unser Patient hätte reden können, konnte er aber nicht. „Weshalb haben Sie den uns gerufen“, fragte ich den Pfleger? „Der Herr Müller hat seit 15 Minuten eine rechtsseitige Lähmung.“ Okay damit konnte ich was anfangen, also bekam Herr Müller Sauerstoff, Zuckertest, EKG und eine Blutdruckmessung. Während wir da so herum werkelten, fragte ich, was es denn noch Wichtiges über den alten Mann zu wissen gibt. Plötzlich, ohne Vorwarnung, verließ diese Pflegefachkraft den Raum und war die nächsten 4 Minuten nicht mehr gesehen. Verwundert schaute ich meinen Kollegen an, der auch nur mit dem Kopf schüttelte.

 

 

Irgendwann war unser Helfer auch wieder da und reichte mir einen Stapel Papiere, die wohl die Patientenakte von Herr Müller war. Klar habe ich jetzt auch noch 10 Minuten Zeit mir diesen Wust von Papieren durchzulesen. Also fragte ich noch mal, was es Wichtiges zu wissen gäbe. „Isch glaube Demenz, kein Zucker“, das war alles was aus seinem Mund kam. Gott werf Hirn vom Himmel, dachte ich mir!! Wir waren soweit, dass wir den alten Mann auf unsere Trage umlagern konnten. Ich raffte die Papiere zusammen und dabei fiel mir auf, dass das Krankenkassenkärtchen noch fehlte. Kaum hatte ich meinen Wunsch nach dem Kärtchen ausgesprochen, verschwand der Pfleger wieder. Hoffentlich verläuft er sich nicht, raunte ich leise meinem Kollegen zu. Eine kleine Ewigkeit später hatte er auch das herbei gebracht. Wir waren mittlerweile schon fast aus dem Patientenzimmer draußen, als ihm einfiel, dass er ja noch keine Tasche für Herr Müller gepackt hatte. „Isch muss noch Tasche packen“, sprachs und machte sich an die Arbeit.

 

 

Als dies endlich geschehen war, konnten wir auch endlich zum RTW. Wir meldeten uns für das CT in unserem Klinikum an und machten uns vom Acker. Die Fahrt verlief ohne Komplikationen und so konnten wir 10 Minuten später unseren Patienten an den diensthabenden Arzt übergeben. Als wir gerade wieder Richtung RTW unterwegs waren, lief uns eine Schwester hinterher, wir sollten doch noch mal dringend zur Aufnahme kommen. Dort angekommen schaute mich der Arzt säuerlich an. Er kam auch gleich zum Punkt: Ob wir ihm allen Ernstes einen Patienten mit MRSA so in die Aufnahme schieben würden. Meine Gesichtsfarbe wechselte auf dunkelrot und ich antwortete, aber ganz ruhig, dass wir das selber nicht gewusst haben. Und wir sicherlich so was auch nicht einfach in die Aufnahme schieben würden. Mein Blut kochte innerlich, denn diese Intelligenzbestie von Pfleger hatte das bestimmt vergessen, oder sich einfach gedacht…is ja eh nicht so schlimm.

 

 

In diesem Moment kam eine mir bekannte Chirurgin vorbei und schaute mich prüfend an. Was hast du denn Paul? „Ich platze gleich und ich glaube du bekommst gleich einen neuen Patienten mit multiplen Frakturen.“ Sie schaute uns mitleidig an und schenkte uns beiden zur Beruhigung ein paar Gummibärchen.

 

Advertisements
21 Kommentare leave one →
  1. Rettungsschnepfe permalink
    23. Januar 2011 19:54

    Orrr…. Du hast mein vollstes Mitgefühl.

    I’m loving it!

    MRSA verheimlichen ist so AAAARGH! Diese Volldeppen gibts aber scheinbar auch überall!

    Das kommt noch weit vor „is nich mein Station“, „nix kenne Patient“ oder „ich bin erst seit einer Woche hier/nur die Nachtwache“…

  2. JLang2004 permalink
    23. Januar 2011 20:09

    Es gibt soooo bekloppte Menschen, echt..:-/ Dass solche Menschen überhaupt in solchen Berufen arbeiten dürfen…tz 😦

  3. Theresa permalink
    23. Januar 2011 20:09

    Das kenne ich irgendwoher… da war’s nur andersherum:
    Der Patient war in der Klinik und wurde entlassen, bevor das Ergebnis des MRSA-Tests da war. Leider hat das gute Klinikum vergessen, dem Pflegeheim das positive Ergebnis des Tests mitzuteilen und es landete ungesehen in den Akten…

    So war der gute Herr wochenlang mit seinem Bronchial-MRSA im Pflegeheim unterwegs… bis wir ihn wieder in besagte Klinik fuhren und so von dem Befund erfuhren.
    So oder so wie in deiner Geschichte werden die Infektionen sicherlich geringer! Kommunikation wird doch allgemein überbewertet… 😦

  4. Tobi permalink
    23. Januar 2011 20:12

    Suuuuuper Typ
    Lass mich raten, Ruhepuls von 15 und um einen ganzen Satz mit 5 einfachen worten aus zu sprechen braucht der 1 Minute?
    Für die ist MRAS meist fast schon selbstverständlich -.-

  5. 23. Januar 2011 20:49

    Ich glaube, wenn man den Typen ordentlich vermöbelt hätte, würde das als Affekt durchgehen und du würdest straffrei ausgehen 😀

  6. 23. Januar 2011 21:39

    Vielleicht könnt ihr den Kerl beim nächsten Mal irgendwo festbinden und die Antworten aus ihm rausfoltern… *unschuldig guck*

    • hellaken permalink
      23. Januar 2011 23:13

      oder ihm mrsa ums Maul schmieren ..

      • 23. Januar 2011 23:28

        @Hella

        Willkommen auf meinem Blog! Naja jeder von uns trägt den MRSA Keim am Körper, er tut uns ja nichts, solange man gesund ist.

  7. rettungsdienstblog permalink
    23. Januar 2011 21:59

    Leider eine Geschichte, die wahrscheinlich so oder so ähnlich jeden Tag in ganz Deutschland passiert. Das liegt zum Teil an den schlechten und unterbezahlten Pflegekräften und zum anderen ganz erheblich am mangelnden bis hin zu fehlendem Bewusstsein für MRSA und andere Infektionskrankheiten.

    Wie schon Firefox heute in Twitter diskutiert hat (ich war nur stiller Mitleser) ist die Situation in den Niederlanden da deutlich besser. Aber bis es bei uns soweit sein wird, ist es noch lange hin.

    Einige Heime und KHs werden sich zwar der Problematik langsam bewusster, aber eine wirkliche, konsequente Lösung bieten diese auch nicht an.

    Das Problem wird solange bestehen, wie auch Amtsärzte z.B. der Meinung sind, dass „ein MRSA-Screening für jeden RD-Mitarbeiter nur herausgeschmissenes Geld für überflüssige Untersuchungen sind“, weil den Mitarbeiter das MRSa ja nicht stört….(wahre Aussage eines Amtsarztes!)

    So gesehen hilft nur, wenn jeder für sich aufpasst und seine eigenen Konsequenzen zieht!

    • Holli permalink
      25. Oktober 2013 13:29

      In Holland ist es auch nur bedingt besser. Ich war Heiligabend in der Nacht mal wieder mit meinem Sohn (damals 1/2 Jahr alt) in der Notaufnahme der Kinderklinik, da es ihm mal wieder akut extrem dreckig ging, zum wiederholten Male hohes Fieber etc… Man wollte mich schon als durchgeknallte Mutter abstempeln und mit dem Hinweis nach Hause schicken, dass mein Sohn nur eine Virusinfektion habe, die von selbst heilt. Die verschiedenen Versuche mit den gängigen Antibiotika (selbstverständlich ohne Besserung) der letzten Tage hätten schließlich gezeigt, dass es keine bakterielle Infektion sein könne. Erst als ich sehr ungemütlich wurde, bemühte sich ein Assistenzarzt und hat dann mal Abstriche gemacht, bevor wir nach Hause geschickt wurden. Zwei Tage später kam dann ein Anruf vom zuständigen Arzt, incl. Entschuldigung: Ich hatte (leider) recht, es war eine bakterielle Infektion, MRSA konnte nachgewiesen werden. Hat dann auch recht lange gedauert, bis es dem Kleinen wieder gut ging.

  8. chefarbeiter permalink
    23. Januar 2011 22:37

    Aaaaaaarggggghhhhh… Das ist nicht mehr Kopf->Tisch, das braucht schon Pflegerkopf ->RTW.

  9. 23. Januar 2011 23:06

    Die andere Version ist dass ein völlig dementer Patient einfach ohne jede Art von Begleitpapiere oder weiteren Informationen, geschweige denn einer Einweisung mit’m KTW in der Notaufnahme abgeladen wird, weil irgendwer im Heim glaubte, dass es dem Opa halt jetzt mindestens genauso schlecht geht wie immer.
    Oh ja, been there, done it, got the T-Shirt!
    Mein Mitgefühl jedenfalls.
    Und was das Kippchen angeht… nicht laut sagen, aber ich glaub, das haste Dir verdient!

    • 23. Januar 2011 23:37

      @Medizynicus

      Danke..und ja von solchen Fällen könntest du Bücher voll schreiben..leider…

      @Chefarbeiter

      Schön dich auch unter den Kommentatoren zu haben. Ich glaube, ich hätte meiner Chefin zu erklären, woher die Beulen am RTW sind 🙂

      @Hermione

      Ick glaube das wäre verschwendete Zeit für den Patienten, denn soviel Kapazität hatte dem Pfleger sein Gehirn wohl nicht 🙂

      @Anna

      Affekt ist gut, werde es mir notieren, und zur Not auf deinen Kommentar verweisen 😀

      @Tobi

      So oder so ähnlich..ja…!!

      @Therasa

      Freut mich auch sehr, das du nicht nur liest, sondern auch kommentierst 🙂 Wir sind ja eh nur die Bahrenträger…

      @Jlang2004

      Auch dir ein Willkommen auf meinem Blog. Ach du..ich/wir müssen da leider auch an unsere eigene Nase fassen…

      @Schnepfi

      Ja..die Aussagen höre ich immer wieder gerne..sach ich nächstes Mal auch..kenne den Pat. erst seit 15 min..kann da nix zu sagen.

  10. 24. Januar 2011 09:40

    Da gebe ich mir lieber die Kugel, als in so einer Verwahranstalt als klappriger Opa zu landen.

    Und das mit dem „vergessenen“ MRSA finde ich ja die Höhe. In meinem Zivi seinerzeit wusste selbst die Hauskatze, wer MRSA hat.

  11. Beschfl permalink
    24. Januar 2011 12:15

    ROFL.. same shit, different Altersheim..
    Toppen kann man Das durch eine Grundsatzdiskussion weil es verboten ist dem Pat die Kassenkarte mitzugeben

  12. orion permalink
    24. Januar 2011 22:30

    Bin Zivi in einer Notaufnahme und wahrscheinlich wegen so einer Intelligenz Bestie Seit 3 Wochen mit dem schönen Bronichalem MRSA Krank geschrieben. Wenn ich so etwas lese kriege ich das kotzen.
    (Zuhause sitzen ist scheiß. Weil man selbst will ja niemanden Anstecken und empfängt daher keinen Besuch bzw. geht nicht zu anderen.)
    MRSA ist mittlerweile ein Riesen Problem und wenn selbst ich als Zivi denke schon relativ viel über MRSA mit bekommen zu haben (denke ich zumindest, hoffen wir mal dass das dein Fall des Dunning-Kruger-Effekts ist.) wie können da Menschen die Jahre in so einem Beruf arbeiten das Thema nicht ernst nehmen?

  13. gr3if permalink
    25. Januar 2011 15:06

    Das Spiel ist ganz einfach:

    Niemand zwingt einen nach Mrsa zu gucken. Es gibt nur Empfehlungen zu dem Thema keine zwingenden Regelungen.

    Alles was man extra macht kostet Geld, ergo wird es gelassen.
    Dazu kommt noch, dass gerade Mrsa einem gesundem Menschen nix bis garnix tut und daher zu vernachläßigen ist.

    Ergo—> Was ist das? Mrsa! Was kann das? Kostet! Kennen wir nicht!

    • rettungsdienstblog permalink
      25. Januar 2011 15:37

      Korrekt, MRSA tut einem gesundem (!) Menschen erstmal nichts. Was passiert aber, wenn der MRSA-tragende Gesunde zu seinen Eltern/Großeltern fährt, Kontakt mit seinen Kindern oder einfach beruflich mit schwachen Menschen zu tun hat?!? Dann kann dieser als Übertzräger für das MRSA wirken und damit eben die geschwächten Menschen ansteckend…diese können MRSa aber nicht so einfach wegstecken, sondern erleiden dann Folgeerkrankungen. Deshalb kann man sagen, dass MRSA eben nicht einfach zu vernachlässigen ist!

      Nicht umsonst machen die Niederlande und v.m. großen Aufwand um eben diese Folgen zu verringern.

      Was würdest du sagen, wenn dir z.B. nach einer OP das Bein amputiert werden muss, weil die im OP geschlampt haben und dein Bein mit MRSA infiziert haben?!?

  14. Avialle permalink
    25. Januar 2011 21:27

    Einfach nur traurig was zum Teil so in Pflegeheimen auf arme alte Leute losgelassen wird. Und die guten Pflegekräfte, die sich echt kümmern, werden systematisch kaputt gemacht.
    Ich hätte auch abgekotzt! -.-

  15. Peter permalink
    11. Juli 2011 21:41

    Immerhin, meine Frau ist bei der Befragung bei ihrer Aufnahme ins KH gestern dannach gefragt worden. Da sie nichts drüber wusste, ist man mit ihr einen Fragebogen zur MRSA durchgegangen, um herauszufinden, ob sie Risikogruppe ist… 2009 wurde in der gleichen Klinik nichts in dieser Richtung gefragt.
    Ist der MRSA-Test denn so teuer bzw. aufwändig?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: