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Morgens halb 8 in Deutschland…

17. März 2011

Da ist die Welt eigentlich noch in Ordnung. Naja, manchmal ist es auch die Zeit, zu der Menschen ihre Angehörigen tot im Bett vorfinden. Aber davon möchte ich heute nicht scheiben. Denn es gibt auch Einsätze im Rettungsdienst, die mich schmunzeln lassen. Und genau diese sind es auch, die einen gerne auf die Arbeit gehen lassen.

Viele alte Menschen, die noch alleine in ihren eigenen 4 Wänden leben, haben ein Hausnotrufgerät. Eine wirkliche gute Erfindung wie ich finde, denn sie ermöglichen diesen Menschen trotz ihres Alters, dass sie alleine in ihrer Wohnung leben können. Falls doch ein Notfall passiert, können sie einen Knopf drücken und keine 10 Minuten später steht der Rettungswagen mit Haustürschlüssel vor der Tür. Frau Schröder hat auch so ein Gerät und irgendwie fühlt sie sich nicht so gut heute Morgen. Die Diakonie-Schwester war auch schon da, aber so schlimm ist es doch nicht. Die Schwester verschwindet zur nächsten Person im gleichen Haus. Es ist kurz nach 7 Uhr, meine Kollegin und ich stehen vor der Wache, rauchen eine und trinken Kaffee. Die Stimmung ist schon jetzt prächtig, wir foppen uns ein bisschen und haben einfach unseren Spaß. Die Nachtschicht kriecht auch aus dem Bett, sie sehen ein bisschen so aus, als wären sie die halbe Nacht durchgefahren. Wir beschließen Brötchen zu holen, die Nachtschicht deckt derweil den Tisch. Kaum wollen wir in den RTW einsteigen, bimmelt der Melder.

Hausnotruf für den 06/ 83/ 01 Schlüsselnummer 0815 schallt es aus dem Funk. Och nö, denken wir beide, aber so Fahrten können auch zu einer schnellen Nummer werden, denn manchmal haben die Benutzer einfach nur versehentlich ihren Taster gedrückt. Deshalb fahren wir in der Hoffnung zu Frau Schröder, dass ihr nichts passiert ist. Vor dem Mehrfamilienhaus sehen wir schon das Auto von der Diakonie-Schwester und schauen etwas verdutzt. Vielleicht liegt unsere Dame auf dem Boden und die Schwester bekommt sie nicht mehr hoch. Ja, auch dafür wird der Rettungsdienst gerufen!! Aber aufs Gefühl verlassen, darf man sich auch nicht immer, deshalb schleppen wir erst einmal alles mit. Doof ist nur, dass an keiner Tür ein Namensschild angebracht ist. Nachdem ich den Schlüssel in 2 Wohnungstüren erfolglos gesteckt habe, macht sich leichte Ratlosigkeit breit. Da öffnet sich plötzlich eine Wohnungstür und die Diakonie-Schwester steht vor uns. „Wo wollt ihr denn hin?“ fragt sie uns verdutzt. „Wir wollen zu Frau Schröder, die hat ihren Knopf gedrückt“, antworten wir. „Komisch“, meint die Schwester. „Ich war vor 30 min bei ihr, da war alles okay.“ Ich stecke nun den Schlüssel in das richtige Schloss und klopfe kurz an der Tür, bevor ich sie aufmache.

Ich: „Frau Schröder, meine Name ist Müller vom Rettungsdienst, wo sind Sie denn?“

Frau Schröder (irgendwo aus der Wohnung): „Wer sind Sie? Ich bin im Bad, aber kommen Sie nicht näher, ich bin halb nackt.“

Ich: „Ist Ihnen denn irgendwas passiert, Sie hatten den Hausnotruf gedrückt.“

Frau Schröder: „Ich habe niemanden gerufen… Kommen Sie nicht näher!“

Ich: (*wtf* Kollegin beginnt schon das grinsen*) „Nein nein, ich bleib hier an der Haustür stehen, darf denn die Schwester noch mal nach Ihnen schaun?“

Frau Schröder: „Ja, die Schwester darf kommen… Sie aber nicht!“

Ich: (*grins*) „Frau Schröder, ich bleib hier stehen, die Schwester kommt gleich.“

Die Schwester verschwindet in Richtung Bad und wir stehen immer noch an der Wohnungstür. Meine Kollegin schaut mich ein wenig mitleidig an und grinst trotzdem wie Honigkuchenpferd 🙂

Ich: „Schwester Hilde, wo finde ich denn die Unterlagen von Frau Schröder?“

Schwester Hilde: „Die liegen im Wohnzimmer.“

Ich: „Frau Schröder dürfen wir mal kurz in Ihr Wohnzimmer?“

Frau Schröder: „Ja… aber kommen Sie nicht ins Bad und machen Sie hinter sich im Wohnzimmer die Tür zu.“

Ich: „Machen wir Frau Schröder“.

Im Wohnzimmer finden wir die Unterlagen. Ich drücke die Klinke der Wohnzimmertür nach unten und trete mit einem Fuß in den Flur, als mich Frau Schröder sieht.

Frau Schröder: „Machen Sie sofort die Tür wieder zu, Sie Unhold! Ich bin eine Dame… schämen Sie sich!!“

Meine Kollegin bricht in schallendes Gelächter aus und ich grinse auch im Kreis.

Ich: „Ähmmm, jawohl Frau Schröder“ 🙂

Nachdem Frau Schröder von Schwester Hilde ins Schlafzimmer gebracht wurde, darf ich auch wieder das Wohnzimmer verlassen. Wir rufen noch: „Einen schönen Tag Frau Schröder“ und sind aus der Haustür. Kollegin schaut mich von der Seite…: „Na Paul, heute hat dein Charme echt Herzen erobert.“ Wir lachen beide, melden uns wieder frei und fahren zurück zur Wache.

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14 Kommentare leave one →
  1. 17. März 2011 22:52

    und war war nun? unbemerkt gedrückt?

  2. 17. März 2011 22:53

    Schön geschrieben 🙂 Kann mir richtig vorstellen, wie ihr da so rumstandet 😀

  3. souly permalink
    18. März 2011 10:15

    Auch mal schön… 😀

  4. 18. März 2011 14:41

    Wie? 6/83/1? Das ist doch meine Kennung, also von „meinem“ RTW 🙂
    Tjaja, die Hausnotrufe. Immer wieder top Fahrten 😉 Hatte ich auch wieder letztens nachts. Knopf gedrückt und kein Sprechkontakt. Also schön nachts um 3 hin gefahren und die arme Frau geweckt, die irrtümlich im Schlaf gedrückt hatte. Joa, und das Gerät stand 3 Zimmer weiter, hinter zwei verschlossenen Türen und in einem verschlossenen Schrank. Da wirds mit dem Sprechkontakt schwierig 🙂

  5. 18. März 2011 14:50

    Hehe, da wäre ich ja zu gern dabei gewesen 😀

  6. 18. März 2011 17:51

    Ich hätte gern mal eure Gesichter gesehen 🙂 beim ersten motzen der „DAME“ gaaanz ehrlich.

  7. 18. März 2011 20:46

    Ts, du Uuuuunhold, du pöhser Junge… 😀

    • 19. März 2011 07:52

      @Katze

      jaja ick schäme mich ja schon 😀

      @Admin Rettd

      Ich glaube ja, dass wenn ich 30 Jahre älter gewesen wäre, Frau Schröder und ich noch ein Paar geworden wären 🙂

      @Anna

      nene lass mal, du hättest Shanti, Blondie oder Ivan mit gebracht 😀

      @Krangewarefahrer

      Ich habe mir sagen lassen, das es diese Kennung bald in ganz Deutschland geben soll, sogar in Bayern 😉 Du erinnerst mich gerade an eine Story die ich zum Thema Hausnotruf noch posten kann 🙂

  8. HiFly86 permalink
    21. März 2011 08:57

    Alte Damen belästigen? Und das als anständiger Rettungsdienstmitarbeiter…Nette Story 😉

  9. 5. April 2011 18:47

    Besser einmal zu oft, als einmal zu wenig hingefahren.

    Das mit dem Hausnotruf gibt’s in Österreich auch.

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