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Mein erstes Mal…

15. Mai 2011

Heute möchte ich euch erzählen, wie klein Paul seine ersten Schritte im Rettungsdienst gemacht hat. Die Idee dazu habe ich von der lieben Rettungsschnepfe, die auf ihrem Blog von ihrem ersten Mal berichtet hatte.

Das Ganze ist jetzt schon fast 18 Jahre her – Wahnsinn wie die Zeit vergangen ist! Ich müsste so 15 gewesen sein, als ich im Rahmen eines Schulpraktikum meine Füße in die heiligen Hallen der Rettungswache gesetzt hatte. Mein Kumpel Timo und ich waren damals schon in der Jugendfeuerwehr, als wir auf die Idee mit dem Rettungsdienst kamen. 2 Wochen durfte ich nun in der Großstadt Rettungsdienstluft schnuppern. In dem Alter waren Timo und ich total heiß auf Blaulicht und Martinshorn. Am ersten Tag fuhr ich mit dem Bus in die große Stadt und als ich vor der Wache stand, war ich total nervös, das weiß ich heute noch. Ehrfürchtig stand ich da nun und musste mich erst einmal den ganzen Mitarbeitern vorstellen. Ich wurde Cem meinem Ausbilder und noch einem Kollegen zugeteilt und sah schon von weitem den Rettungswagen.,  Ein VW LT, damals das Non plus ultra im Rettunsgdienst. 90 PS, eine Trage, ein Tragestuhl und noch viele andere Dinge, von denen ich absolut keine Ahnung hatte, für was man sie benutzt. Ich bekam sogar einen Piepser und war stolz wie Oskar. Jetzt konnte es losgehen, ich wollte Blaulicht fahren, Menschen retten, ihr wisst schon, alles das, was Jungen in dem Alter erleben wollen.

Der erste Einsatz wartete auch nicht lange auf mich, es war ein Krankentransport. Okay… kein Blaulicht, aber es ging wenigstens los, dachte ich da. Irgendwo in einem Mehrfamilienhaus musste eine ältere Dame ins Krankenhaus gefahren werden. Ich durfte die Dame mit dem Tragestuhl aus der Wohnung fahren. Man war ich aufgeregt… und beinahe hätte ich eine Schramme in die teure Kommode gefahren. Zum Glück überwachte Cem meine ersten Versuche und konnte korrigierend eingreifen. Nachdem wir wieder auf der Wache waren, musste ich meinen Tragestuhl und Trageführerschein machen, damit ich auch in Zukunft Menschen damit herumfahren konnte. Die beiden machten sich natürlich einen ziemlichen Spaß aus der Sache. Mein Ausbilder spielte die alte Dame wirklich gut und mir standen schon die Schweißtropfen auf der Stirn. Außerdem lernte ich schon früh, dass das Wichtigste für einen Retter ist, wo er Essen herbekommt und dass er es hoffentlich noch in Ruhe vertilgen kann 🙂

Was wir an diesem Tag noch gefahren sind, das weiß ich gar nicht mehr. Ich freute mich jeden Tag, wenn ich auf dem Rettungswagen saß. Eines Tages bimmelte der Melder und wir wurden zu einer bewusstlosen Person gerufen. Auch an diesem Tag war auch wieder bei meinem Ausbilder eingeteilt, der mir während der Anfahrt noch erklärte, was dieses Einsatzstichwort bedeutete und auf was ich mich evtl. einstellen sollte. Mit uns rückte der NAW aus, also musste es ja wirklich um Leben und Tod gehen. Mir schwitzten die Hände und ich kam kaum in meine Handschuhe hinein. Da wir es etwas weiter hatten als unser NAW, war dieser schon vor uns da. Ich war sehr gespannt, was da hinter der Wohnungstür des schmucken Reihenhauses auf mich wartete. Meine Kollegen gingen voraus, ich trottete hinterher. Als ich durch die Tür kam und nach links blickte, da sah ich meinen ersten Toten. Er lag friedlich auf seinem Bett und mein Cem flüsterte mir nach einer Weile zu, dass der um die 40 Jahre alte Mann wohl an einer Lungenentzündung gestorben sei.

Komisch, dass ich mich heute nach 18 Jahren immer noch so genau daran erinnern kann. Die restlichen Tage vergingen für mich leider wie im Flug und ich war wirklich traurig, als der letzte Tag auf der Wache zu Ende ging. Drei Wochen später besuchten Timo und ich nochmals die Wache und brachten leckeren Kuchen vorbei.

Bild Copyright by Mike Teutschbein http://www.bos-fahrzeuge.info

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15 Kommentare leave one →
  1. 15. Mai 2011 11:11

    Interessanter Beitrag.

  2. Max Hofmann permalink
    15. Mai 2011 11:33

    Sehr interessanter Beitrag, eine Frage noch: Durfte man damals schon mit 15 Jahren auf den RTW? Oder hattest du „gute Kontakte“?

    • 15. Mai 2011 17:30

      @Max Hofmann

      Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Ja damals durfte man das, ist ja auch schon einige Jahre her 😉 Heutzutage dürfte man es hoffentlich nicht mehr.

      @Begleitung

      Danke für die Blumen Kleine 🙂 Und das kann ich nur zurück geben 🙂

      @Die Streunerin

      Auch dir ein herzliches Willkommen auf meinem Blog. Es war ein „friedlicher“ Tod, vielleicht hat es mir deswegen nichts ausgemacht!?

      • Die Streunerin permalink
        16. Mai 2011 15:10

        Bin schon länger mit dabei in deinem Blog. Mach weiter so und lass dich nicht wie andere Unterkriegen. Vermisse auch den Asinus Canus der wie die Heldin heimlich verschwunden ist ;(
        Und ich denke es gibt einfach Menschen die sowas besser wegstecken. Und solche Menschen MUSS es auch geben 😉 Trotzdem HUT AB

  3. Begleitung permalink
    15. Mai 2011 12:32

    Schade, dass ich den kleinen Paul nie kennengelernt habe, als er noch so schüchtern war 🙂 Wobei… vielleicht auch besser so, wir hätten uns in deiner späteren Partyzeit bestimmt nicht viel zu sagen gehabt 😉 Das Schicksal wollte es so, dass ich dich kennenlernte, als du schon reif und erwachsen und immer unheimlich vernünftig warst – nein, zum Glück natürlich nicht! Hab dich lieb Kleiner und freue mich auf nachher.

  4. Die Streunerin permalink
    15. Mai 2011 13:06

    Puh mit 15 schon den ersten Toten. Weiß nicht ob ich danach das Praktikum noch durchgezogen hätte in dem Alter. Resekt. Für den Job geboren würde ich sagen.
    Ich habe erst mit 29 meinen ersten Toten (Eine 96 jahre alte Frau) gesehen, ich war darauf vorbereitet und es war ok für mich. Aber ich glaube mit 15 hätte ich das noch ganz anders gesehen.

  5. Frollein Ronja permalink
    15. Mai 2011 17:55

    Echt schöner Beitrag… sehr interessant mal zu lesen, wie andere angefangen haben und sich gefühlt haben… Wo ich doch momentan gerade so meine ersten Schritte in diese Richtung tue!

    • 16. Mai 2011 08:27

      @Frollein Ronja

      Herzlich Willkommen auf meinem Blog 🙂 Danke 🙂 Ich drück dir die Daumen, das du einen einen guten Anfang finden wirst!

      @Kuhflecki

      Danke die Dame 🙂

  6. 15. Mai 2011 20:11

    Schöner Beitrag, mal wieder 🙂
    …Hatte mit 14 meinen ersten Toten und durfte den dann ins Kühlhaus fahren….mit dem selben Aufzug, mit dem ich am Tag davor mit ihm noch lebend zum Röntgen gefahren bin… War aber für mich persönlich nicht so schlimm, weil ich glaube, dass es für ihn mehr Erlösung als sonstwas war.

  7. Angela permalink
    16. Mai 2011 08:46

    Ein schöner Post.
    Allerdings habe ich meine erste Tote schon mit 5 Jahren gesehen, die nächste mit 14, die nächste mit 19, die nächste mit 32 und den nächsten wieder mit 32.
    Und das waren alles Verwandte, ich arbeite nämlich in einem Büro.

  8. 4. Juni 2011 19:31

    Schöner und interessanter Eintrag. Ich konnte ja auch schon in einem Praktikum schnuppern und freue mich tierisch auf „mein erstes Mal“ im Anerkennungsjahr zum Rettungsassistenten 🙂

  9. haubu permalink
    25. September 2011 20:02

    Irgendwie ist es ein sehr schöner Eintrag..kann leider mich gar nicht erinnern, wie ich das erste Mal mit Medizin in Kontakt gekommen bin.

    Auf jedem Fall danke dir für alle interessante Reportagen!

Trackbacks

  1. Rettungsdienst News
  2. worldofcrooks » » My first time

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