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Schlaganfall, ein Notfall…

9. September 2011

Vor kurzem konnte man nach über 3 Jahren Abstinenz Gaby Köster wieder im deutschen TV sehen. Was war in den Jahren, seit sie von der Bühne verschwand, über sie geschrieben worden: Von ihrem Tod bis dass sie Aids hat, war wohl alles dabei. Frau Köster hatte, wie wir nun alle wissen, einen Schlaganfall erlitten.

Dieses Schicksal teilt sie mit vielen anderen Menschen, egal ob prominent oder der Nachbar aus dem 2. Stock. Wenn ich mal meine letzten Jahre im Rettungsdienst Revue passieren lasse, waren da viele „kleine“ und „große“ Schlaganfälle, die meine Patienten hatten. Denn nicht die Knochenbrüche oder Verkehrsunfälle machen meinen Arbeit aus, sondern das Herz, der Kopf, die Lunge oder, und das gibt es auch oft: alles zusammen in irgendeiner Kombination. Denn je älter wir werden, desto mehr zwickt und zwackt es doch und die Gefahr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, die steigt rasant.

Aber was genau ist ein Schlaganfall und wieso ist er so gefährlich? Unser Gehirn muss, wie alle anderen Organe des Körpers, mit Blut und den darin enthaltenden Nährstoffen versorgt werden. Je älter wir werden, desto mehr verschleißt unser Körper, die Blutgefäße können sich durch Ablagerungen verengen oder ganz zugehen. Wenn dies passiert, dann wird das Areal hinter dieser Stelle entweder gar nicht oder nur noch wenig durchblutet. Das Ganze nennt man auch einen unblutigen Schlaganfall. Auch können diese Gefäße zerplatzen wie ein Gartenschlauch. Passiert dies, werden natürlich die dahinter liegenden Areale nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt und das Blut läuft ins Gehirn. Dadurch werden andere Gehirnteile eingeklemmt und es können alle wichtigen Funktionen des Gehirns beeinträchtigt werden. Dies nennt man einen blutigen Schlaganfall.

Und nun kommt der Teil, der uns vielleicht nicht gefallen wird: Was begünstigt oder fördert eigentlich einen Schlaganfall? Die ungeschminkte Wahrheit ist, dass es jeden treffen kann. Sogar Säuglinge/Kleinkinder können einen Schlaganfall bekommen. Und die leben doch wirklich gesund, nicht so wie wir Erwachsene, die rauchen, Alkohol trinken, viel Stress oder einen hohen Blutdruck und Übergewicht haben. Bei Frauen kommt noch das Nehmen der Pille hinzu. Können wir viele oder alle Punkte mit ja beantworten, dann wird’s irgendwann wohl oder übel auf einen Schlaganfall/Herzinfarkt hinauslaufen. Denn beide Krankheiten haben eines gemeinsam: In beiden Fällen werden Blutgefäße weniger oder mehr verschlossen und die nachfolgenden Areale sterben ab. Und das kann im schlimmsten Fall zum Tod führen oder zu Behinderungen, die ein Leben lang bleiben.

Ein Schlaganfall ist auch für den Laien sehr leicht zu erkennen. Spricht der Partner auf einmal total undeutlich, hängt der Mundwinkel oder kann er plötzlich nicht mehr den Arm/das Bein oder beides auf einer Körperseite bewegen, müssen alle Alarmglocken läuten. Auch kann es passieren, dass diese Menschen ihren Urin und Kot nicht mehr halten können. Sobald man diese Anzeichen erkannt hat, ruft man die 112 und schildert, was passiert ist, denn es geht um Minuten, die evtl. darüber entscheiden, ob eine lebenslange Behinderung bleibt oder man wieder gesund aus dem Krankenhaus entlassen wird. Ein Schlaganfall kann nur dann optimal behandelt werden, wenn er rechtzeitig in der Klinik behandelt wird. Dort wird dann eine Röntgenaufnahme des Kopfes gemacht. Wenn es sich um einen unblutigen Schlaganfall handelt, wird versucht, mittels eines Medikaments diese Verengung bzw. den Verschluss wieder zu öffnen. Dies kann aber nur in den ersten 4,5 Std. nach dem Ereignis passieren. Wenn es ein blutiger Apoplex ist (so wird ein Schlaganfall fachlich genannt), so ist ebenfalls jede Minute kostbar, denn dieser muss operativ versorgt werden.

In Berlin und Homburg/Saar gibt es 2 Pilotprojekte, die das Röntgengerät/Computertomograph mit einem Fahrzeug zum Einsatzort bringen, wenn der Verdacht eines Schlaganfalls besteht. Dort kann der mitfahrende Facharzt sofort klären, welcher Art dieser Apoplex ist und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie einleiten oder direkt eine geeignete Fachklinik für die OP anfahren.

Bleibt festzuhalten, dass der Schlaganfall eine Volkskrankheit ist, die leider doch immer wieder nicht erkannt oder als nicht schlimm abgestempelt wird. Wie man bei Gaby Köster sieht, kann es das Leben nachhaltig verändern.

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19 Kommentare leave one →
  1. 9. September 2011 07:50

    Was über den Schlaganfall gesagt wird, ist sicher richtig und wichtig.

    Bei den Promis habe ich immer erhebliche Bauchschmerzen. Vielleicht ein Aufhänger, aber ein nicht immer ganz ungefährlicher. Von den Promigeschichten erfahren wir meist nur das, was dieselben in einem guten, und meist ziemlich überhöhten, Licht dastehen lässt. Für diverse schwere chronische Krankheiten entsteht in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild unter dem die nichtprominenten von diesen Krankheiten Betroffenen zu leiden haben. Es wird oft so dargestellt, als wären diese Krankheiten, insbesondere auch Krebserkrankungen, mit ein bischen guten Willen und persönlicher Antrengung, vielleicht auch noch mit der ein oder anderen Spezialdiät, ohne weiteres nach relativ kurzer Zeit abhakbar und man könne wieder zum Business as usual übergehen. Man sollte aber bedenken, dass der Otto Normal-GKV-Versicherte bei weitem nicht die Möglichkeiten hat, wie manch ein Spitzenverdiener, der in der Yellowpress vermarktet wird. Dies betrifft z.B. teuerste Diagnose- und Therapiemöglichkeiten (wobei dahin gestellt sei, ob diese immer wirklich nüzlich sind), endlose Rehamaßnahmen in teuersten Privateinrichtungen, Personaltrainer, Coaches etc. Außerdem ist das Bild, was nach Freigabe durch das Management an die Öffentlichkeit lanciert wird, zumindest nicht immer vollständig.

    Nichtprominente Betroffene bekommen dann von den yellowpressgebildeten „Experten“ ihrer Umgebung oft zu hören, dass sie doch selbst schuld sind, wenn es mit der Überwindung der eigenen Krankheit nicht ganz so glatt läuft, Man könne ja am Beispiel dieses oder jenes Prominenten gut sehen, dass das heutzutage alles gar nicht mehr so schlimm ist und man mit etwas persönlicher Anstrengung das alles ja ganzleicht überwinden kann. Und Schuldzuweisungen sind das allerletzte, was Betroffene gebrauchen können. Natürlich können positive Beispiele von überwundener Krankheit oder Krankheitsfolgen auch zweifellos motivierend wirken, aber für mich sind die Promikrankheitsgeschichten immer eine sehr zweischneidige Geschichte.

    • 9. September 2011 18:56

      @Drkall

      Man sollte egal ob Promi oder nicht, nicht alles immer für bare Münze halten. Es hat auch jeder das Recht, nicht alle Details seiner Krankheit in der Öffentlichkeit breit zu treten. Das viele Normalbürger unter den Aussagen zu verschiedenen Krankheiten der Promis leiden, kann ich so nicht bestätigen und auch nicht so nach voll ziehen.

  2. Rhodesian Ridgeback permalink
    9. September 2011 08:51

    ein wirklich sehr guter und verständlicher Artikel über den Schlaganfall! Danke Dir dafür 🙂
    Liebe Grüße Rhodesian Ridgeback

  3. 9. September 2011 15:24

    Huhu!
    Danke für den tollen Beitrag!

    Ich habe noch eine Frage, und zwar:
    Wenn ich einen Schlaganfall erkannt habe, 112 gewählt habe, und warte, wie LAGERE ich denn die Person?

    Den Vater einer Freundin hat der Rettungsdienst getötet, indem er ihn hingelegt hat und die Beine hochgelegt hat. Das soll man angeblich NICHT tun.

    Aber was denn dann? Hinsetzen? Hinlegen? Hinstellen? Arme oder Beine hoch? Oder runter? Oder verschränken?

    Liebe Grüße

    Ann-Kathrin

    • 9. September 2011 18:50

      @Ann-Kathrin

      Herzlich Willkommen auf meinem Blog und danke für das Lob 🙂 Wenn die Person bei Bewusstsein ist, dann ist es am besten die Person in Oberkörperhochlage( sitzend) im Bett oder auf dem Boden zu lagern. Wenn der Patient nicht bei Bewusstsein ist, dann muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden.

      Es stirbt aber kein Patient, wenn man die Beine hoch lagert, entweder war die Erkrankung/Verletzung daran schuld, oder der Patient hat erbrochenes verschluckt.

      LG

      Paul

      • 9. September 2011 19:12

        Huhu!

        Danke für die Antwort 🙂
        Also sitzen lassen, das versuche ich mir dann auch noch zu merken.

        Es ist wichtig, finde ich, solche Dinge wirklich zu verinnerlichen und dann aufsagen zu können, wenn einen einer nachts weckt (oder so), denn wenn man (als Nicht-Sani) in eine Situation kommt, wo man weiß, es geht um Leben und Tod, wird man wohl „etwas“ nervös. Da ist es wichtig, sowas abrufen zu können, wenigstens in Bruchteilen. 🙂

      • 9. September 2011 19:22

        @Ann-Kathrin

        Wenn du dich für dieses Thema so interessierst, dann mach doch einen Erste Hilfe Kurs, oder trete einer Hilfsorganisation bei. Neugierige Menschen sind dort immer willkommen. Bei Fragen dazu..einfach ne Mail an mich.

        LG

      • 24. September 2011 11:16

        Da gilt wohl ein klares „je nachdem“…
        als meine Oma einen Schlaganfall erlitt durch ein verschlossenes Gefäß, nahm der herbeigerufene Arzt sie bei den Füßen, stellte sie quasi auf den Kopf und meinte: entweder bringt es sie um, oder es hilft.
        In diesem Fall half es, weil das in den Kopf einschießende Blut wohl den Verschluß fortspülte (so erklärte man es mir), aber bei einer Blutung hätte es ihr den Rest gegeben.

  4. 10. September 2011 18:04

    Ein Schlaganfall kann tatsächlich jeden treffen, bei uns war es ein Bekannter, der seit Jahren Alkoholiker ist. Als er Anfang Mai seine Bierflasche nicht öffnen konnte und die Hand ihm nicht gehorchte, merkte er zwar, dass etwas nicht stimmt, seine Kumpels warteten aber noch 45 Minuten bis der Rettungsdienst informiert wurde.
    Obwohl alle Punkte von Face-Arm-Speech-Time bei ihm mißachtet wurde hat er es überlebt und ist jetzt dank Reha wieder gut drauf und noch Alkoholfrei. Wollen wir hoffen das es so bleibt!
    Solche Beitrage wie den Artikel hier finde ich sehr wichtig, denn nicht jeder hat das Glück, dass ein Schlaganfall so glimpflich vorüber geht- schnelle und richtige Reaktionen sind einfach überlebenswichtig in solchen Situationen!

    • 10. September 2011 18:51

      @mellesworld

      Herzlich Willkommen auf meinem Blog. Ja solche Artikel sind wirklich wichtig, und wenn es nur einem hilft, ist schon viel gewonnen.

  5. MavoDaMi permalink
    10. September 2011 19:09

    danke für den informativen beitrag! die frage der lagerung ist eine sehr gute gewesen – hätte ich nicht gewußt.

  6. 10. September 2011 23:00

    Oh ja.. Ich hatte mich damals auch gefragt, warum da auf einmal ein Hubschrauber vor der Tür steht, nur weil ich zwischendurch nicht richtig reden konnte… Darum macht man sich halt selten Gedanken…

  7. 11. September 2011 12:15

    Eine tiefe Venenthrombose macht aber noch immer keinen Apoplex… 😉

  8. 12. September 2011 16:56

    Schöner Beitrag und gut, dass du nochmal auf die Symptome eines Schlaganfalles hingewiesen hast 😉

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