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Wer nicht hören will…

10. Oktober 2011

Der muss bekanntlich fühlen, so ein altes Sprichwort. Dass ich das in meiner bisherigen Karriere hautnah und live miterleben durfte, davon handelt dieser Einsatz 🙂

Ring ring ring“ macht es seit knapp 2 Stunden an Herrn Schwarzes Haustür. Seine Tochter und Enkelin stehen hilflos davor und kommen nicht in die Wohnung. Zwar können sie die Haustür mit ihrem Schlüssel aufschließen, aber an der nächsten Zwischentür ist Schluss, denn die ist von innen abgeschlossen und der Schlüssel steckt. Vorhin waren sie noch bei ihm gewesen und als seine Tochter etwas später wieder zu Hause war und noch ihn telefonisch erreichen wollte, da ging er nicht mehr ans Telefon.

 

Währenddessen sitzen Lieblingskollegin und ich auf der Couch der Wache und schauen etwas TV. Würde ich aus der Tür gehen, könnte ich fast in das Schlafzimmer von Herrn Schwarz sehen. Doch wir bekommen von alldem erst mal nichts mit.

 

Obwohl die Tochter und die Enkelin an der Tür klingeln, auf dem Telefon anrufen und gegen die Türe laut klopfen, rührt sich nichts in der Wohnung. Und so langsam bekommen es die beiden mit der Angst zu tun. Ist dem Opa vielleicht etwas passiert und liegt er nun hilflos in seiner Wohnung!? Das Ganze geht noch eine Viertelstunde so weiter, bis die Enkelin die 112 anruft. Der Disponent hackt dies in Rekordzeit in seinen Rechner und während Lieblingskollegin sich gerade ihre Zigarette anmacht, bimmelt auch schon unser Melder. Sie flucht, ich grinse ein bisschen in mich hinein und laufe zu unserem Fahrzeug. Ich starte schon mal unseren RTW und Lieblingskollegin reißt unser Fax aus dem Gerät und schaut ein bisschen komisch. Brauchst das Blaulicht gar nicht anmachen, es geht genau gegenüber in die Blocks, die Feuerwehr kommt und wir haben eine Person hinter verschlossener Tür.

 

Ohne Notarzt?“, ist meine etwas erstaunte Frage, denn wer hinter einer verschlossener Tür liegt, dem geht’s meistens nicht wirklich gut. Naja, denk ich mir, unsere Leitstelle weiß schon was sie da macht. Wir fahren ein Mal um den Block und werden schon von einer jungen Frau erwartet. Sie ist ziemlich aufgelöst und den Tränen nah. Lieblingskollegin lässt sich im Gehen die bisherige Situation erklären und geht vorneweg, ich trotte mit dem restlichen Material hinterher. Mit dem Fahrstuhl geht’s in den 5. Stock, dort steht schon die Tochter von Herrn Schwarz, diese klopft und klingelt immer noch Sturm. Sie schließt die Haustür wieder auf und Lieblingskollegin und ich schauen uns verwundert an. Wieso rufen die uns, wenn doch die Haustür zu öffnen geht!?

 

So standen wir nun im Flur und dachten: „Okay, schön, dann können wir gleich wieder gehen“, aber vor der nächsten Tür war für uns alle Schluss. Da meine Kollegin Chefin für diesen Einsatz war, durfte sie nun auch mal klopfen und nach unserem vermeintlichen Patienten rufen. Wenn das stimmte, was die Angehörigen sagten, könnte er schon 2 Stunden tot in der Wohnung liegen und würde uns sicherlich nicht mehr hören. Jetzt war auch guter Rat teuer. Sollte man noch die 5 Minuten auf die Feuerwehr warten oder selbst probieren, die Türe zu öffnen? Eigentlich ist das Öffnen von Türen Sache der Feuerwehr, wenn wir das machen, gibt es zwar den rechtfertigenden Notstand, aber wenn einem einer was Böses will, ist der Teufel auch ein Eichhörnchen. Lieblingskollegin fragte deshalb Tochter und Enkelin, ob wir es versuchen sollen, die Tür zu öffnen.

 

Beide nickten nur und Kollegin trat 3 Mal mit ihren Sicherheitsstiefeln gegen das Schloss. Es knackte einmal laut und die Tür war offen. Man muss dazu sagen: Es war nur eine normale 0815-Zimmertür 😉 Wir riefen alle noch mal nach Herrn Schwarz, während wir vorgingen, denn man möchte den Angehörigen, falls doch etwas Schlimmes passiert ist, möglichst den Anblick ersparen. Plötzlich geht in einem hinterem Zimmer das Licht an und ein älterer, sichtlich verwunderter Herr kommt kurze Zeit später heraus. Wir sind erleichtert und die Enkelin muss ein paar Freudentränchen verdrücken.

Wieso hast du uns denn nicht gehört, wir haben hier über 2 Stunden vor der Wohnung gestanden und geklingelt und geklopft“. Herr Schwarz ist immer noch ein bisschen irritiert, und zieht seine Oropax aus den Ohren. „Ei ich habe geschlafen“ ist seine Antwort.
Da keine Gefahr für Leib und Leben vorliegt, rufe ich kurz unsere Leitstelle an und bestelle die Feuerwehr ab, denn die brauchen wir wirklich nicht mehr. Dafür frage ich, ob die Polizei auf dem Weg zu uns ist, denn wegen der Tür muss etwas geschrieben werden.

 

Die ist auch keine 5 Minuten später vor Ort und meiner Kollegin ist es immer noch ein bisschen unangenehm wegen der Tür und sie hofft, dass niemand Ärger macht, man weiß ja nie. Aber auch der Polizist beruhigt sie, da würde nichts passieren.

 

10 Minuten später verlassen wir unsere Einsatzstelle. Herr Schwarz wird sich glaub ich in Zukunft überlegen, ob er sich nachts noch mal Oropax in die Ohren macht, denn auch eine Zimmertür kostet ein paar Euro. 

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11 Kommentare leave one →
  1. 10. Oktober 2011 11:09

    Idee: Etwas verdammt schweres fallen lassen oder Nachbarn bitten, die Anlage voll aufzudrehen? Gegen Bässe sind die Oropax bestimmt weniger effektiv.

  2. 10. Oktober 2011 13:57

    Immerhin, besser Herr Schwarz kommt einem im Bademantel entgegen und hat noch die Stöpsel in den Ohren, als dass er die gleichnamige Farbe angenommen hat. Nur die Zwischentür sollte er vielleicht nicht wieder abschließen…

    Nur nebenbei: Oropax sind doch recht…wirkungsvoll, habe ich festgestellt – damals, als ich noch jung und so war und wir auf einer Übung mit 12 Leuten in einer Stube untergebracht waren. Wer zuletzt schlief, hatte verloren – mich hat erst ein beherzter Tritt gegens Bett aus dem Tiefschlaf wecken können. Wecker und Rufe sind wohl im Oropax hängengeblieben 🙂

  3. 10. Oktober 2011 16:37

    Wer hat denn nun Schlussendlich die Türe bezahlt? 🙂

  4. 10. Oktober 2011 17:09

    Uff, gut, dass es eher – shakespeare-mäßig war: „Viel Lärm um nichts.“

    Mit Oropax in den Ohren hört man fast tatsächlich nichts mehr – ich schreib‘ da aus eigener Erfahrung.

    VhG

    Andrea

  5. Begleitung permalink
    10. Oktober 2011 18:50

    Die Erfahrungen von nobelix und Andrea kann ich nur bestätigen. Ich war auch die Letzte, die aufgewacht ist, als ein Feuermelder in unserem Mehrfamilienhaus losgegangen ist. Als ich in den Hausflur schaute, liefen Polizei und Feuerwehr schon durch alle Etagen, um den Auslöser zu finden… Seitdem frage ich mich, was mir wichtiger ist: Schlaf oder doch lieber alles mitzubekommen, bestenfalls noch bevor die Feuerwehr mit Blaulicht vor der Tür steht 😉

    Wie immer: gelungener Artikel Kleiner 🙂

    • 10. Oktober 2011 19:10

      @Begleitung

      Danke für das Lob , aber ich geb das ja gerne auch an dich zurück, weil ohne dich die Artikel ja nie so hier stehen würden 🙂

    • Zero the Hero permalink
      30. Oktober 2011 10:23

      Ich brauche kein Oropax um nichts mitzukriegen.
      Im Studentenwohnheim damals gab es auch mal Feueralarm, das Licht in der Bude ging an und ich sehe irgendwo im Halbschlaf paar Gestalten mit Rüssel und Axt in der Hand im Zimmer stehen. Hat mich alles nicht gestört, der kleine Held dreht sich um und pennt weiter;)
      Früh stellte sich dann heraus, daß die Feuerwehr im Haus war und nach der Quelle der Rauchentwicklung suchte (kleiner Kabelbrand, von selbst erloschen).

  6. MavoDaMi permalink
    10. Oktober 2011 22:56

    wie schön, daß es hier nun wieder weitergeht! 🙂
    mir wäre ein geretteter Opa auch wichtiger als so eine Tür…

  7. 11. Oktober 2011 21:57

    Meine Vermutung war, dass sie sich gestritten haben, er deshalb die Innentür zugemacht hat und einfach nicht hören wollte. Warum macht er denn sonst die Innentür zu?
    Meinen Vater kann auch nur eine Bombe wecken, wenn er auf dem gut hörenden Ohr liegt, aber glücklicherweise ist mir das bekannt.

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