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Erste Hilfe…

31. Oktober 2011

Dieses Video sorgte auf der ganzen Welt für einen riesen Aufschrei und warf die Frage auf, was für ein Werteverfall es in China gibt. Das chinesische Fernsehen zeigte eine kleine Straße irgendwo in China. Dort sah man, wie ein 3 jähriges Mädchen verletzt auf der Straße lag. Leider passieren Unfälle immer und überall, aber was man dort zu sehen bekam, hat auch mich sprachlos gemacht. Man müsste ja meinen, es würde sich sofort jemand um dieses Kind kümmern, aber dort sind 11 Menschen einfach daran vorbei gegangen oder gefahren.

Viele werden jetzt sagen, das würde so in Deutschland nicht passieren!! Wirklich!? Nein ich glaube nicht, dass sowas auch in Deutschland passieren würde, aber ganz ausschließen kann ich es auch nicht. Aber, und da sind die Chinesen nicht anders wie wir Deutschen, würde dort ein Erwachsener auf der Straße liegen, dann verwette ich ein Monatsgehalt, dass da noch viel mehr Menschen daran vorbei gelaufen wären ohne Erste Hilfe zu leisten.

Was ist denn aus unseren Werten geworden? Ist unsere Gesellschaft egoistischer geworden. Ja ich glaube eine Ursache für dieses Verhalten ist, dass es vielen einfach letzlich egal ist, was mit seinen Mitmenschen passiert. Anders kann ich es nicht verstehen, dass erst mal das Handy gezückt wird, nicht etwa um den Rettungsdienst oder die Feuerwehr zu alarmieren, sondern um ein paar schöne Fotos und Videos zu machen und sie dann im Internet hoch zu laden. Der ADAC hat erst vor kurzem eine Studie gemacht und ist zu dem Ergebniss gekommen, es wird heut zu Tage wieder mehr Gegafft!!

Ein anderer Grund für das nicht helfen ist, ich habe Angst etwas falsch zu machen. Diese Angst ist unbegründet, denn wirklich was falsch machen kann man nicht. Wenn jemand tot auf der Straße liegt, dann gibt es nichts mehr, was ihm noch mehr schadet als dass, das ihm niemand hilft. Ob ich jetzt dem Menschen 1 oder 2 Rippen dabei breche, was bei uns “Profis” nämlich auch immer passiert, oder ich anstatt 30 mal nur 25 Mal auf den Brustkorb drücke, es schadet dem Patient nicht. Hat man berechtigten Ekel, dem anderen Luft in den Mund zu blasen, darf der Laie das auch gerne unterlassen, denn das drücken auf den Brustkorb ist im ersten Moment wichtiger. Passiert wie gesagt in den ersten Minuten nichts, sinken unsere Chancen drastisch, den Patient wieder zu beleben, denn wir brauchen ein paar Minuten, bis wir eingetroffen sind.

Gerade vor ein paar Tagen erlebt, es steht ein PKW mit laufenden Motor in einer Anwohnerstraße. Der Fahrer liegt quasi hinter dem Steuer und hat den Fuß auf der Bremse. Eine Anwohnerin sieht den PKW, dass dieser dort steht und wundert sich. Da ihr aber das ganze nicht koscher ist, ruft sie den Rettungsdienst und bittet einen ihrer Nachbarn, mal in den Wagen zu schaun. Dieser macht die Tür auf und findet eine nicht ansprechbare Person vor. Keine 2 Minuten später sind wir vor Ort, da wir uns gerade auf der Rückfahrt von einem Einsatz befinden. Dass der Fahrer nur seinen Rausch ausschlafen wollte, konnten die Anwohner so nicht erkennen. Trotzdem toll gehandelt, denn als Frau wäre mir das auch zu komisch gewesen und sie hat trotzdem Erste Hilfe geleistet den Notruf gewählt und jemand anderen um Hilfe gebeten. Natürlich gabs für diese Hilfe auch Lob, denn nur so helfen diese 2 Menschen auch wieder.

Also liebe Leser, helfen ist wirklich nicht schwierig und wenn man sich wirklich nicht mehr sicher ist, wie man reanimiert oder den Bewusstlosen in die Stabile Seitenlage dreht, es gibt eigentlich jedes Wochenende bei einer der Hilfsorganisationen wie ASB, DRK oder JUH einen Erste Hilfe Kurs. Und die ca 30 Euro sind gut investiertes Geld, denn man kann nicht nur Fremden helfen, sondern auch der eignen Familie, wenn mal ein Notfall sein sollte.




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14 Kommentare leave one →
  1. 31. Oktober 2011 21:11

    Ein leidiges Thema, was man nicht oft genug ansprechen kann. Ich denke die Angst ist wirklich das größte Problem und vielleicht auch, dass jeder hofft und denkt, dass sich bestimmt jemand anderes findet, der hilft. Man kann dieses Thema nicht oft genug ansprechen. Aber mit regelmäßigen Auffrischungen der EH-Kenntnisse würde sich die Angst bei so manchem sicherlich verringern.

    Und was die Chinesen angeht: Da habe ich schon öfter gehört, dass sie ein ganz anderes Wertegefühl haben. Wenn da jemand irgendwo im Graben liegt und sich selbst nicht mehr helfen kann hat er wohl meist recht schlechte Karten. Ob das wirklich so stimmt kann ich aber nicht sagen.

  2. 31. Oktober 2011 23:26

    Ich habe das Video schon vor ein paar Tagen gesehen und es nicht weiter beachtet, weil ich es angesichts der gezeigten Rücksichtslosigkeit und kalten Brutalität als offensichtlichen Fake eingeschätzt hatte.

    Völlig unfassbar.

  3. 1. November 2011 12:04

    Ich bin auch immer wieder erschrocken darüber zu sehen, wie selten geholfen wird. Das leidige Thema Laienreanimation sei hierbei nur mal am Rande erwähnt. Aber ganz selbstkritisch muss ich auch mal sagen, dass ich auch schon an dem ein oder anderen offensichtlich Betrunkenen vorbeigegangen bin. Und dann frage ich mich oft, was, wenn der jetzt nicht nur seinen Rausch ausschläft?

  4. Begleitung permalink
    1. November 2011 21:11

    Als ich das Video von dem Mädchen gesehen habe, war ich total geschockt 😦 Wie kann man nur so handeln? Das geht mir nicht in den Sinn. Ich würde mir mein Leben lang Vorwürfe machen. Und ich habe mich gefragt, wie stark sich der Konkurrenzkampf und der Ehrgeiz auf die Chinesen auswirken muss, dass sie so abgestumpft sind. Eine Umfrage hat ergeben, dass 12 % der Chinesen genauso reagiert hätte… nicht zu fassen. Meiner Meinung nach wäre das in Deutschland, zumindest bei einem Kind, nicht denkbar!

  5. 2. November 2011 22:42

    Jetzt gleich (wieder mal) bei SternTV: Ersthelfer-Check. Wer hilft wirklich, wenn etwas passiert?

  6. 3. November 2011 19:55

    Ich fürchte, so ein bißchen schneiden sich die Rettungsdienste da auch ins eigene Fleisch. Kein Fahrschüler nimmt den erforderlichen Erste-Hilfe-Kurs wirklich ernst. Okay, das liegt auch an den Fahrschulen. Aber eine Dozentin, die im Sommer früher Schluß macht, weil „wir ja auch alle nach Hause wollen“ … *kopfkratz* (wir waren mit den Inhalten durch, hatten aber insgesamt, auf 2 Tage verteilt, 4 Stunden weniger gebraucht, was mich dann doch stutzig machte)

  7. Fräulein Schnecke permalink
    15. November 2011 21:44

    Erstaunlicherweise ist genau dieses Video dass, was bei uns in jeder Ausbildung, in dem Ausschnitt des ‚Vorbeifahr Experimentes‘ zum Einstieg gezeigt wird… (Und noch viel schlimmer; kaum jemanden wirklich schockiert.)
    In NRW gibt es EH-Kurse übrigens Serienmäßig nur noch bis zum 31.12.2011. Ab 2012 würden sie Sonntags zu stark die Sonntagsruhe stören. Schade. Wer also noch einen machen will (und berufstätig, Schüler o.ä. ist, was verhindert, dass man zwei Wochentage, die keine Feiertage sind, Zeit hat…, – nichts wie los… 😉
    Lg….

  8. Fräulein Schnecke permalink
    15. November 2011 21:53

    Hm. Merke: Schaue ein Video immer bis zum Ende. Wir haben ein anderes von Quarks und Co… Wir zeigen den Ausschnitt ab 2:23 bis 4:10. aus diesem Video: http://www.youtube.com/watch?v=41vUNHCPa28

  9. 10. Januar 2012 10:08

    @Miss Miep

    Willkommen auf meinem Blog und danke für diese Info, denn das kam natürlich nicht in den Medien.

  10. beep permalink
    13. Januar 2012 21:58

    Jemand liegt auf dem Boden und keiner hilft? – Kann auch in Deutschland passieren, ist auch in Deutschland passiert. Ein Mann lag in einer Münchner U-Bahn-Station, es war gerade Pendel-Zeit, sprich: Hunderte oder mehr Pendler sind an dem Typ vorbei gegangen. Keiner hat auch nur gegafft.
    Erst, als wir uns um den Typ gekümmert haben (keine Sanis oder so, nur Med-Studenten im ersten Semester, damals noch in der ersten Woche), da sind die Leute dann stehen geblieben. Und haben gegafft.

    • 14. Januar 2012 18:17

      @beep Willkommen auf meinem Blog. Ja das kann auch hier in Deutschland passieren…Zivilcourage kommt immer mehr aus der Mode.

  11. nasse Katze permalink
    20. August 2013 09:53

    Ich bin gerade dabei, den Blog von vorne bis hinten (oder hinten bis vorne?) durchzulesen, an dieser Stelle erstmal ein großes Lob und vielen Dank für die interessanten Einblicke in den Rettungsalltag!
    Der Beitrag ist zwar jetzt schon etwas älter, aber ich muss mich trotzdem mal dazu äußern. Die Frage stand im Raum: warum tut man so etwas bzw. eben gar nichts? Und natürlich kommen als mögliche Antworten Gleichgültigkeit, Unwissenheit oder Angst vor Fehlern in Betracht. Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, den ich am eigenen Leib erleben durfte. Und der ist, wie ich finde, ganz besonders mies: Die Leute denken, man hat es nicht anders verdient, ist selber schuld.
    Ich kam von der Plasmaspende. Normalerweise hatte ich hinterher nie kreislaufmäßige Probleme, aber normalerweise war ich auch immer abends dort. Dieses eine Mal bin ich vormittags hingegangen und hatte zu dem Zeitpunkt wohl nicht genug gegessen/getrunken. Also wurde mir auf dem Heimweg plötzlich langsam schwarz vor Augen. Ich wurde langsamer, begann zu schwanken und habe Halt an einer Säule gesucht. Und ich habe die verächtlichen Blicke der Passanten sehr wohl gesehen: „Noch nicht Mittag und schon besoffen, das hat sie jetzt davon“. Bestimmt 4 Leute sind einfach an mir vorbei, haben schnell weggesehen und dann die Richtung geändert. Erst zwei alte Omis, eine davon mit Krücken, haben mir dann geholfen…

    • 20. August 2013 20:07

      Hallo nasse Katze,

      willkommen auf meinem Blog und Danke natürlich für dein Lob 🙂 Ja so ist das leider, aber zum Glück hat ja dann doch noch jemand geholfen!!

Trackbacks

  1. Ich muss ja nicht helfen, oder? | Der Krangewarefahrer

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