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Startbahn zu kurz…

9. Februar 2012

Jeden Tag landen und starten auf der Welt irgendwo Flugzeuge, sei es auf großen Airports oder auf einer kleinen Grasbahn. Und natürlich sollte die Bahn so lang sein, damit das Flugzeug abheben kann.

Whiskey, Alfa, Bravo, Tango für Sie die Startbahn 1 West“, klang es aus dem Lautsprecher. Mike rollte zur Startbahn und ließ den Motor seines kleinen Flugzeuges aufheulen. „Whiskey, Alfa, Bravo, Tango die Startbahn ist frei, Sie können starten.“ Der Motor heulte auf und sein Vehikel nahm langsam an Fahrt auf, nur war Mike irgendwie nicht ganz so bei der Sache, vielleicht hatte er auch etwas zu tief in die Flasche geschaut, so genau konnte man das nicht sagen. Das Ende der Startbahn kam langsam auf ihn zu. Im Tower merkte man, dass Mike es wahrscheinlich nicht mehr schaffen würde. „Whiskey, Alfa, Bravo, Tango geben Sie Vollgas!!“ Dann verschwand Mike in der Dunkelheit.

So, oder so ähnlich könnte es gewesen sein. Aber vielleicht war es noch viel absurder. Mike hatte wirklich ein bisschen zu tief in die Flasche geschaut und kannte sich dort, wo er hin musste, nicht so wirklich aus. Außerdem war es dunkel. Wobei seine Geschichte, die er danach von sich gab, auch nicht so ganz glaubhaft war. Als wir die Meldung von unserer Leitstelle bekamen, schaute mein Kollege schon etwas sehr komisch. „Wir müssen Richtung Hausen und dann irgendwo da am Flugplatz.“ Flugplatz schallte es durch meinen Kopf, ich hatte gerade meinen ersten Nachtdienst und nein, mir war nicht danach den 2. Einsatz dieser Nacht mit einem Flugzeugunglück fortzusetzen. Da wir aber nur alleine ausgerückt waren, konnte es ja gar nicht so schlimm sein, dachte ich so bei mir. In diesem Moment meldete sich unsere Leitstelle übers Handy bei uns. Unser Patient wusste nicht so genau wo er war, man versuchte ihn wieder übers Handy zu erreichen, um so herauszufinden, wo genau er war. Mit uns war auch die Polizei mit zwei Fahrzeugen auf dem Weg. Als wir an die Abzweigung kamen, war auch unser Patient wieder mit der Leitstelle übers Handy verbunden. Wir verabredeten mit der Polizei, dass wir über die Start- und Landebahn fahren sollten und die Polizei das Außengelände abfuhr.

So fuhren wir über die Startbahn und hielten die Augen nach unserem Patienten offen. Je länger wir fuhren, desto mysteriöser wurde das Ganze. Die Stille unterbrach nur unser Funkgerät. Die Leitstelle meldete, dass wir uns unserem Patient näherten. Trotz Fernlicht sahen wir noch nichts, aber weit konnte er ja nicht mehr sein. Dann sahen wir ihn, er lief auf uns zu und hielt uns seinen zerfetzten Handschuh entgegen. Hinter ihm sah man sein Auto, welches mal ganz gewesen war. Irgendwie eine komische Situation, deshalb begutachteten die Kollegen der Kantonspolizei den Herren erst einmal, bevor er in unsere Ambulanz einstieg.

Eigentlich war ihm wenig passiert, wenn man sein Auto so im Hinterkopf hatte. Nur die Finger seiner linken Hand sahen nicht so passabel aus. Ansonsten hatte er Glück gehabt. Nachdem wir seine Wunden versorgt hatten, erzählte er auch uns, wieso sein Auto hinter der Landebahn auf dem Dach lag. Man hätte ihm gesagt, nach der Abzweigung solle er einfach links auf die Straße abbiegen. Und dann hätte er gemerkt, dass er auf der Startbahn war und hatte dann an seinem Autoradio herum gefummelt. Dabei hatte er das Ende der Bahn verpasst und sein doch teurer BMW schanzte über einen am Ende der Landebahn verlaufenden Wall auf und überschlug sich mehrfach. Und er war dann irgendwie aus dem Wrack geklettert und hatte die Polizei gerufen. Wir glauben aber, er wollte mal ein bisschen Gas geben, denn ohne weiteres gelangt man nicht auf die Lande- und Startbahn.

Als auch die Polizei die Story gehört hatte und das Blasen in den Alkomaten nach dem 6. Mal geschafft war, konnten wir den jungen Herr in das Spital fahren.

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19 Kommentare leave one →
  1. 9. Februar 2012 22:13

    Psst, ein Frack ist ein Kleidungsstück … 😉

  2. 9. Februar 2012 22:34

    Wie, tatsächlich kein Alkohol im Spiel? Sonst haben doch nur Betrunkene und Kinder einen derart fleissigen Schutzengel.

    • 10. Februar 2012 08:12

      Doch er hatte Blut im Alkohol 🙂 War aber nicht soviel.

      • 15. Februar 2012 23:59

        Blut im Alkohol? Hat er sich etwa noch die Lippe an der Flasche aufgerissen?! 😀 Leute gibts, die gibts garnicht 😀

  3. rettungsphysio permalink
    10. Februar 2012 06:38

    Schön, wieder was von dir lesen zu können.
    Unglaublich… mehr fällt mir dazu nicht ein. Dinger gibts manchmal, die gibts gar nicht 😉

    Lg der Rettungsphysio

  4. 10. Februar 2012 08:31

    Respekt. Toller Artikel! Beim Beginn des Lesemarathons war mir noch nicht ganz klar, wie das ganze endet 😉

  5. Stiller Mitleser permalink
    10. Februar 2012 12:22

    Cool, dass es jetzt endlich auch mit Geschichten aus der neuen Heimat losgeht.

    Kleine off-topic Frage: Was bist Du in der Schweiz „offiziell“, bis Du die Formalitäten/“Weiterbildung“ zum Rettungssanitäter HF gemacht hast? „RS in Ausbildung“, „RA“, …? So rein aus Neugier..

    • 10. Februar 2012 12:29

      Willkommen auf meinem Blog 🙂 Ja so langsam gehts los 🙂 Ich bin deutscher RA, der aber seinen RS HF noch machen wird.

      • Stiller Mitleser permalink
        10. Februar 2012 12:32

        Das heisst, auf deiner Weste steht hintendrauf (wie bisher eigentich) Rettungsassistent, auch in der Schweiz? Komische Frage, ich weiss. 🙂

        Passend zur Uhrzeit: En guete. Und bitte fleissig weiterbloggen.

      • 10. Februar 2012 15:22

        Bei uns stehen keine „Ränge“ auf der Dienstkleidung,weil es auch keine Unterschiede zwischen RA und Rs gibt.

  6. 12. Februar 2012 13:20

    oh hoppla, der wird sich aber geärgert haben… immerhin hat er sich ein einiger maßen sicheres Gelände gesucht, um seinen BMW zu Schrott zu fahren ohne Unbeteiligte zu gefährden ;-)Wobei, vielleicht wollte er auch nur „back to the roots“, schließlich kommt BMW doch aus dem Flugzeugmotorenbau…

  7. Katha permalink
    13. Februar 2012 23:53

    Immer wieder diese betrunkenen Autofahrer, fürchterlich
    Und dann noch mit saudämlichen Ausreden ankommen ist dann echt das beste. Wenigstens hat er niemanden in Gefahr gebracht.

  8. hajo permalink
    18. Februar 2012 19:10

    erinnert mich irgendwie an den Witz, wo sich der Flugzeugführer im Tower beschwert: „Eure Start-/Landebahn ist ja schön breit, aber soooo kurz …“ 😉

Trackbacks

  1. Rettungsdienst News

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