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Druff…

3. Juni 2012

Alter, was‘n das für‘n Stoff, ich bin ja voll auf‘m Trip“ so lallte Tobi. Man könnte jetzt meinen, wir sitzen hier irgendwo an einem Bahnhof und schauen einem Junkie bei seinem Trip zu.

Aber so voyeuristisch sind wir ja nicht, oder? 🙂 Nein, wirklich nicht, und Tobi ist auch kein Junkie, den wir von seinem Trip runter holen müssen. Er hatte nur das Pech, einen kleinen Schacht runterzufallen. Dumm nur, dass er das mit dem Kopf voran getan hat. Um nicht mit dem Kopf auf dem harten Betonboden zu landen, drehte er sich so, dass er mit der Schulter zuerst auf dem Boden landete.

Zum Glück haben seine Kollegen ihn aus diesem Schacht hervorgeholt, ansonsten wäre der Einsatz noch viel komplizierter geworden, denn unser Patient wog so um die 100 Kilo und war auch nicht gerade klein. Natürlich schmerzte die Schulter sehr, denn ein Sturz aus gut 2 Meter hält kein Knochen unbeschadet aus. So saß er nun am Rande des Schachtes und wartete auf unser Erscheinen. Nachdem die Kollegen den Notruf abgesetzt hatten, standen wir keine 8 Minuten später an der Einsatzstelle. Da ich heute Beifahrer war, war Tobi mein Patient. Erst einmal gab es für den 2 Meter-Sturz eine Halskrause. Da er voll orientiert war und auch einen guten Kreislauf hatte, konnten wir uns ein bisschen Zeit mit der Untersuchung lassen.

Das Einzige, was weh tat, war die Schulter, wofür er zügig einen Zugang bekam.
In Deutschland müsste ich mir jetzt einen Notarzt auf Platz bestellen und warten. Denn in Deutschland ist die Schmerzmittelgabe durch das Rettungsdienstpersonal zum größten Teil verboten. Das darf dort nur der Notarzt. Kein schönes Gefühl, sag ich euch, wenn man noch mal 10 Minuten warten muss, bis der Patient sein Schmerzmittel bekommt. Hier bei meinem Rettungsdienst in der Schweiz stehen mir verschiedene Schmerzmedikamente zur Verfügung, die ich ohne Arzt geben kann und auch muss.

Deswegen bekam Tobi erst einmal Fentanyl. Dieses Medikament ist ca. 100 Mal stärker als Morphin. Aber auch die maximale Höchstdosis brachte keine Schmerzlinderung. Wenigstens konnten wir unseren Patienten in die Ambulanz bringen. Weil die Schmerzen immer noch da waren, gab es jetzt noch ein bisschen härteren Stoff 🙂 Nun bekam er Dormicum und Ketanest. Das erste Medikament sorgt dafür, dass man ein wenig schläft, das zweite nimmt die Schmerzen. Nebenwirkungen sind beim zweiten, dass man evtl. ein paar rosa Elefanten sieht und sich wie auf einem Trip fühlt 🙂

Eindrucksvoll, wie man sich dabei fühlt, zeigt dieses Video 😀

Ganz so extrem war es bei Tobi nicht, aber ich bekam trotzdem einen kleinen Geschmack dessen geliefert, was man so erlebt. Er sang mir Rammstein-Lieder vor und fragte mich, wie man an diesen genialen Stoff kommt 🙂 Einfach nur köstlich 🙂 Da er jetzt ohne Schmerzen war, konnten wir entspannt in das Spital fahren. Dort wurde die Schulter wieder eingerenkt und keine 2 Stunden später stand Tobi rauchend vor der Klinik und wartete auf seine Heimfahrgelegenheit.

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15 Kommentare leave one →
  1. 3. Juni 2012 12:16

    Das Mädel ist ja auf einem wirklich guten Trip. Sehr lustig. Aber ich glaube, sie hat das vermutlich nicht so lustig gefunden, als sie es hinterher gesehen hat 🙂
    Hach ja, Ketanest ist schon ein top Zeug.

  2. 4. Juni 2012 09:00

    Meine beste Freundin, hat mir auf solchen Trips auch schon die schönsten Geschichten erzählt. Wirklich sehr Unterhaltsam. 😀

  3. 8. Juni 2012 07:55

    Oh ja… ich hab da auch schon so einige Patienten und Geschichten erlebt unter den lieben Medikamenten! Ich bin ja begeistert, dass Ihr in der Schweiz da ohne nachgeforderten NA da so „spendabel“ sein dürft 😉 – Lg GC

    • 8. Juni 2012 08:42

      Der Unterschied zu Deutschland ist hier, hier bekommst du diese Kompetenzen schon in der 3 Jährigen Ausbildung. Auch ist die Ausbildung hier besser. Wobei das auch nicht im jeden Kanton so ist, da gibts auch noch große Unterschiede.

      • 10. Juni 2012 08:22

        🙂 Dann hast ja „Glück“ 🙂 Viel Spass weiterhin, beim Bloggen! Lg

  4. 8. Juni 2012 16:12

    Das hab ich auch schon oft erlebt – also, nicht aus Patientenseite, aber genau den Spruch kenne ich auch *lol

  5. rdimlaendle permalink
    23. Juni 2012 21:42

    In Deutschland wird allerdings zu solch einem Einsatz in der Regel auch der Notarzt mit alarmiert, was das Warten auf die Schmerzmittelgabe deutlich verkürzt.

    Aber ich geb dir recht, manchmal wäre es im Deutschland besser, wenn das Rettungsdienst Personal mehr Medikamente geben dürfte.

    Aber hier in Deutschland soll ja jetzt der Notfallsanitäter eingeführt werden und damit auch mehr Notfallkompetenzen.

    • 23. Juni 2012 22:41

      Hallo Rdimlaendle

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Da muss ich dir leider wieder sprechen, das hängt auch immer damit zusammen, wie der Einsatz geschildert wurde. Und auch mal nur 2 bis 3 Minuten warten, kann schon zuviel sein.

      Ob das Thema durch die neue Ausbildung besser wird, da habe ich leider noch meine Zweifel, aber zu wünschen wäre es euch.

  6. Puschel permalink
    25. Juni 2012 17:50

    Nettes Video. Schade dass es von mir keins gibt. Aber stimmt schon, auf den NA zu warten, kann sehr anstrengend sein. Vor allem, wenn der Patient am liebsten in Fötalstellung auf einer Treppe liegen will dabei aber auf dem verletzten Körperteil liegt und es so für’s Personal enorm schwierig macht. Hätte es schon ganz nett gefunden, wenn mir die netten Herren vom DRK nicht nur die Hand beim Venensuchspiel zerstochen hätten, sondern mir auch gleich den guten Stoff hätten verabreichen dürfen. Dieses „bald kommt der Notarzt und dann kriegen Sie was von den Drogen“ ist ja wie „bald kommt der Weihnachtsmann, dann gibts Geschenke“.

    • 25. Juni 2012 19:34

      Das Puschelchen 🙂

      Welcome 🙂 Ja das meine ich ja.. wie oft in Deutschland erlebt, dass man erst mal sagen muss, sorry ich darf ihnen nichts geben, sie müssen noch 5 Minuten aushalten. Und den Satz musste ich schon öfters sagen und kann heute zum Glück sagen, ich geb ihnen was und gleich wirds besser.

  7. Jordanis permalink
    2. Juli 2012 14:51

    Das ist ja wirklich eine Geschichte. Eigentlich gemein aber dennoch irgendwie lustig.

  8. sakasiru permalink
    25. Juli 2012 17:50

    ich will ja niemandem was unterstellen, aber wie groß ist die Versuchung, das Zeug auch mal probieren, wenn man die Wirkung öfter sieht?

    • 25. Juli 2012 17:59

      Hallo Sakasiru

      Willkommen auf meinem Blog 😉 Es wird bestimmt Kollegen, Ärzte oder Schwestern geben, die auch gerne mal davon was probieren. Wobei legale und illegale Drogen im medizinischen Bereich weit verbreitet sind.

  9. 5. August 2012 07:55

    Frohes Fest mit Ketanest!!! 😀 Der Post ist echt gut 😀 Ich bekam das Zeug zZt. oft zum Aufwachen, damit die mich im AWR nicht immer mit Oxygesic zuknallen. Das Aufwachen ist grauenvoll… Ich fühlte mich wie in so nem Halbschlaf. Irgendwie unwohl… Hatte es auch zweimal zur Einleitung bekommen: Anfangs fühlte ich mich sehr wohl, allerdings bekam ich nach weiteren 5 Sekunden Ketanest-spritzen so ein unheimlich ekelhaftes Piepen in den Ohren und der Kopf fühlte sich eng und unangenehm an. Nicht schön…

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