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Notfall- Tipps für Patienten und Angehörige…

30. Juni 2012

Fast jeder kommt mal in die Situation, die Hilfe des Rettungsdienstes für sich oder seine Angehörige zu beanspruchen. Damit am besten geholfen werden kann, hier ein paar Tipps:

  1. Die europaweite Notrufnummer ist die 112. Darüber kann man in der ganzen EU medizinische Hilfe anfordern. In manchen Bundesländern ist dies noch die 19222.
  2. Der nette Disponent der Rettungsleitstelle fragt alles ab, was er wissen muss, deshalb könnt ihr die 5 W-Fragen aus dem Erste-Hilfe-Kurs auch gerne vergessen. Jeder hat Verständnis, wenn ihr aufgeregt seid und nicht unbedingt versteht, wieso der Kollege noch 5 Fragen hat, aber beantwortet sie bitte.
  3. Gibt es Besonderheiten zu eurem Haus, z.B. keine Hausnummer, liegt am Ende eines Feldweges oder ähnliches, sagt das. Seid ihr unterwegs, schaut bitte, wo ihr seid, denn es gibt nichts Schlimmeres als wenn wir in die falsche Richtung fahren.
  4. Der Rettungsdienst braucht zwischen 5 und 15 Minuten bis er in Deutschland bei euch ist. Wohnt ihr im idyllischen Niemandsland, kann es auch noch länger dauern. Stellt, wenn es geht, jemanden an die Straße, damit wir euch sehen. Ist das nicht möglich, lasst die Haustür offen und schaltet nachts eure Außenbeleuchtung ein.
  5. Wenn wir eintreffen, müssen wir zuerst unser Equipment aus dem Fahrzeug holen, das dauert kurz. Es nützt nichts, vor uns her zu rennen, denn wir rennen nicht, egal um welchen Notfall es geht. Wir sind keine Marathonläufer und schleppen teilweise bis zu 20 kg Material mit uns herum. Außerdem bringt es nichts, außer Atem zu sein, wenn ich gleich noch 40 Minuten reanimieren muss.
  6. Sperrt bitte alle Haustiere, egal ob Katze oder den kleinen lieben Dackel, in ein anderes Zimmer. Denn diese Tiere können uns angreifen, wenn wir uns um ihr Herrchen oder Frauchen kümmern.
  7. Kann der Patient noch mit uns reden, versuchen wir immer, erst mal alle relevanten Daten von ihm selbst zu erfahren. Auch wenn ihr gerne helfen wollt, beantwortet die Fragen nur, wenn wir euch direkt fragen. Denn es hilft uns nicht, wenn ihr den Geburtstag eures Mannes oder eurer Frau kennt. Wir verfolgen mit solchen Fragen immer mehrere Ziele.
  8. Kann er oder sie nicht mehr mit uns sprechen, brauchen wir von euch alle möglichen Informationen, die ihr habt. Gibt es Vorerkrankungen, eine Medikamentenliste oder ähnliches, teilt uns dies bitte mit.
  9. Auch wenn ihr Herr Professor Brinkmann im 50 km entfernten Krankenhaus kennt, fahren wir nicht dort hin, sondern in das, welches am besten für den Angehörigen geeignet ist.
  10. Auch wenn ihr gerade nicht eure besten Klamotten anhabt, ist dies nicht schlimm, denn wir fahren nicht auf die nächste Modenschau, sondern nur ins Krankenhaus.
  11. Bitte habt Verständnis, dass wir nicht die komplette Verwandtschaft mitnehmen können. Meistens kann eine Begleitperson mitfahren. Auch nehmen wir nicht den halben Hausstand in unserem Rettungswagen mit, eine kleine Tasche für die ersten 3 Tage reicht völlig aus.

Inspired by Chirurgenwelpe 


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38 Kommentare leave one →
  1. Streunerin permalink
    30. Juni 2012 17:58

    Vor einigen Wochen setzte ich einen Notruf ab weil ich Zeuge eines schweren Autounfalls geworden bin. Trotz hoher Nervösität habe ich versucht ALLES genau anzugeben. Wo genau, welche Straße, gegenüber von Wirtshaus XY , wie viele Personen verletzt, was passiert etc.
    Als meiner Meinung nach alles gesagt war kam die Frage aus der Leitstelle:
    Und in welchem Ort oder welcher Stadt befinden sie sich?

    ……. naja man kann nich an alles denken bei so einem Anruf…. lach

    • 30. Juni 2012 22:36

      Hallo Streunerin 🙂 Willkommen auf meinem Blog. Dafür sind ja die Herren da,um noch mal nach zu fragen 😉

      • Streunerin permalink
        1. Juli 2012 09:40

        Ich kam mir trotzdem etwas blöd vor das ich sozusagen einer der wichtigsten Angaben vergessen habe und einfach davon ausgegangen bin: Die wissen ja von wo ich anrufe… naja beim Handy nicht 😉
        Und danke fürs Willkommen,
        bin schon seid nem guten Jahr still dabei 😉

      • 1. Juli 2012 16:37

        So ist das aber,wenn man aufgeregt ist. Das freut mich doch sehr 😉

  2. 30. Juni 2012 18:13

    Nur du hast das in nett geschrieben! Sehr schön 😉

  3. Mr. Gaunt permalink
    30. Juni 2012 20:12

    Ach Gottchen, die 112 ist noch immer nicht flächendeckend eingeführt für den Rettungsdienst? Ich dachte, die 19222 wäre nur noch alternativ hier und da im Betrieb, aber die 112 wäre überall auch für den Rettungsdienst richtig.

    • 1. Juli 2012 16:36

      Ja man sollte denken,wir wären fortschrittlich.. das Saarland, Baden Württemberg und Bayern haben noch teilweise oder ganz die 19222 als Notrufnummer.

      • Zero the Hero permalink
        12. Juli 2012 09:15

        In einigen Städten gibts sogar noch die 19223 (ja, das habe ich letztes Jahr gesehen, ich hab extra 3x hingeschaut, weil ichs nicht glauben wollte).
        Scheint wohl ein alternativer Betreiber zu sein.

        In der DDR wars aber besser, da gabs die 110 für die Polizei, die 112 für die Feuerwehr und die 115 für medizinische Notrufe.

      • 12. Juli 2012 19:53

        Ja die Privaten haben öfters leider ihre eigene Telefonnummer und das macht es nicht besser. Klar gabs da nur die Nummern, aber da wollen wir ja in Deutschland auch hin. Hier in der Schweiz gibt es auch nur 3 Nummern, was ich auch gut finde.

      • Jesse permalink
        6. Oktober 2012 17:33

        Hey, super Beitrag!!! wenn den nur jeder lesen würde ^^
        ps: ich arbeite in bawü und sowohl 112 als auch 19222 funktionieren!! deswegen würde ich sagen, merkt euch alle nur die 112. im schlimmsten Fall wird man ganz kurz weiterverbunden. und das ist nciht tragisch, denn jede Sekunde zählt ist falsch, aber jede Minute zählt! Zwecks Dokus: bringing out the death über Südafrikas Rettungsdienst! sehr heavyu nd sehr interessant. vllt hast dus ja schon gepostet, hab aber noch nciht alle durchgeguckt^^

      • 6. Oktober 2012 18:25

        Hi Jesse,

        willkommen auf meinem Blog. Ja die 112 gibt es in BaWü auch, dass stimmt. Die Reportage über den RD in Südafrika gibt es bei mir schon zu sehen 😉 Und danke für das Lob 🙂

      • Jesse permalink
        6. Oktober 2012 18:35

        ja habs grad gefunden und hab sogar den Titel verrafft :/ ^^ bin mich noch am durch-den-blog-kämpfen

      • 6. Oktober 2012 20:03

        Viel Spaß 😉

  4. Begleitung permalink
    1. Juli 2012 09:31

    Deine Liste ist super, werde sie auch meinen Eltern mal mitbringen. Dankeschön! 🙂

  5. Briareos permalink
    2. Juli 2012 19:23

    Sehr gut beschrieben! Bei 5. ist mir aufgefallen, dass ich den Tübinger Samaritern wohl ein Jahrzehnt lang zu unrecht groll gehegt habe. Mein Opa war zusammengeklappt und die Jungs kamen mit einer (für meinen Geschmack) Seelenruhe angetapert…

    • 2. Juli 2012 19:44

      Hallo Briareos

      Willkommen auf meinem Blog. Es sieht schon sehr komisch aus, aber wenn ich renne/schnell laufe kann ich mir keinen Überblick verschaffen und das ist für uns auch extrem wichtig.

  6. 3. Juli 2012 11:09

    Gefällt mir!
    So eine Liste sollte man mal in jeder Zeitung veröffentlichen. Auch, daß die Rufnummer 112 lautet und man vielleicht nicht den Hausarzt anruft wenn jemand nen Herzinfarkt hat.
    Was man auch erwähnen sollte, wie man einen Notfall erkennt und man dann auch zu helfen hat, 112 sollte jeder anrufen können.
    Ihr macht einen super Job!

    • 3. Juli 2012 18:46

      Hallo Michaela,

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Danke für das Lob!! Wäre ein Überlegung Wert, sowas öfters mal hier einfließen zu lassen.

  7. Jordanis permalink
    3. Juli 2012 16:09

    Eine Goldene Liste, die man eigentlich drucken und verbreiten lassen sollte! Sehr gut!

    • 3. Juli 2012 18:48

      Hallo Jordanis,

      auch dir ein Willkommen auf meinem Blog. Danke für das Lob.

      P.S. ich habe mir aber das Recht heraus genommen, deinen Link zu entfernen, da ich keine Werbung auf meinem Blog möchte. Ich hoffe du hast Verständnis dafür!?

  8. 3. Juli 2012 17:33

    Das ist mal richtig gut geworden! Gefällt mir sehr! Ich glaube ich druck das mal aus und leg es auf unserer Wache aus 😉
    Genau so wie Punkt 10 geschrieben ist hab ich es mehrfach schon gesagt 😛

    • 3. Juli 2012 18:49

      Hallo Christian,

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Auch dir Danke für das Lob 🙂 Einfach ausdrucken und gerne Werbung für mich machen 😉

  9. 5. Juli 2012 21:57

    Was die Streunerin schreibt, ist mir auch schonmal passiert .. irgendwie vergisst man mit dem Handy aber auch schnell, dass man die Stadt angeben muss ..
    Auch wenn ich’s den einen Morgen etwas seltsam fand, dass ich den Notruf aus Bochum absetze und die Leitstelle aus Dortmund am Apperat hatte … wie das technisch funktionierte, konnte man mir aber auch nicht sagen.
    Ansonsten sind so Tips toll .. aber ich warte auf den ersten Angehörigen, der so eine Liste dabei hat und die Punkt für Punkt abarbeitet 😉

    • 6. Juli 2012 08:01

      Hallo P.

      Willkommen auf meinem Blog. Wie schon bei Streunerin geschrieben, dafür sind die Herren und Damen da, noch mal nach zu fragen 😉 Mir ist das aber auch so ähnlich passiert, ich habe die falsche Autobahn genannt und der Kollege am anderen Ende hat mich dann noch mal gefragt.

      Das ist zwar sehr utopisch, aber wenn es so wäre, bitte Rückmeldung an mich 😉

  10. Sandy permalink
    7. Juli 2012 10:11

    Danke für die tolle Liste … echt gut geworden … und ihr macht einen guten Job … =) =) =)

  11. 20. Juli 2012 13:33

    Als meine Oma ihren zweiten Schlaganfall hatte, habe ich den Notruf abgesezt. Nachdem ich alle Symptome genau beschrieben und abschließend „V. a. Apoplex“ gesagt hatte kam vom (müchner) Disponent: „Worum des?“ Hatte in seinem RS-Kurs wohl niht aufgepasst…

  12. 5. August 2012 20:39

    Die Liste ist toll und sollte an jedem Telefon hängen und auhc den Kids sollte man diese immer mal wieder näherbringen. Es ist schon verblüffend wie schnell man so etwas im Notfall wieder vergisst.

  13. akinom permalink
    17. Januar 2017 10:19

    Hallo, danke für die guten Infos.

    Eine Frage: Meine 85 Jahre alten Eltern wohnen 300 km entfernt von mir. Falls ich einen Anruf meiner Mutter bekäme, mein Vater wäre umgekippt, bewusstlos und atme nicht mehr, würde ich Ihr sagen, dass Sie sofort Herzdruckmassage beginnt. Ich würde es dann übernehmen, den Rettungsdienst anzurufen – das müsste doch sinnvoll sein und auch funktionieren – oder etwa nicht?

    • 17. Januar 2017 11:21

      Hi akinom,

      Willkommen auf meinem Blog. Entweder ihr macht es so, oder deine Mutter ruft den Notruf und lässt sich anleiten für die Reanimation.

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