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Gunter Teil 2…

3. November 2012

Als Lieblingskollegin wiederkam, saßen wir schon vor der Wache und warteten. „Jetzt erzähl endlich, was Gunter mit dem armen Jonas gemacht hat. Hat er für seinen armen Zivi und sich wieder kostenloses Essen geschnorrt!?“ Die Masche hatte Gunter schon mit fast jedem Kollegen probiert und war dank seiner Dreistigkeit immer wieder erfolgreich.

Nein, besser“, lachte Lieblingskollegin. „Die sollten doch gestern sehr früh nach Nordstadt fahren. Jonas sitzt also hinten beim Patienten, als auf einmal Gunter auf einem Parkplatz anhält und seine Thermoskanne und seine Stulle auspackt.“ Hajo, mein Kollege, fällt schon fast lachend vom Stuhl. Ich sitze da und mir fällt alles aus dem Gesicht. „Jonas fragt zuerst ganz unsicher, was er da machen würde, da beißt Gunter schon in seine Stulle und schüttet sich Kaffee in den Becher.“ „Du veräppelst uns doch“, sage ich. „Der hält doch nicht auf einem Parkplatz an und macht Frühstück, während sein Zivi beim Patienten sitzt!?“ „Doch, deswegen sitzt er in diesem Moment beim Chef und bekommt einen Einlauf“, lacht Lieblingskollegin.

Ein paar Monate später sitze ich wieder auf der Wache. Gunter ist auch da und schleicht über die Gänge. Ich bin gerade in ein Buch vertieft, als er mit einem Stück Kuchen auftaucht. Leckerer Erdbeerkuchen, denke ich und nehme ihm den Teller ab. Natürlich hat er auch einen für sich dabei. Da ich ihn und seine Marotten kenne, frage ich beiläufig: „Hast du den gemacht!?“ „Ja klar“, sagt Gunter. „Lass dir das Stück schmecken.“ Gerade als ich den letzten Bissen in den Mund schieben möchte, taucht Hajo wutentbrannt in der Tür auf. „Wieso isst du meinen Kuchen?“, brüllt er mir entgegen. Mir bleibt der Bissen fast im Halse stecken. „Das ist DEIN Kuchen!?“, frage ich erstaunt. „Ja, den wollte ich nachher zu meiner Schwiegermama mitnehmen.“ „Den hat Gunter mir gebracht und ich habe ihn noch gefragt, ob er ihn gemacht hat“. Im Augenwinkel sehe ich Gunter, wie er versucht, sich zu verdrücken. Aber Hajo hat ihn schon entdeckt. Jetzt wird es richtig laut auf unserem Flur. “Wieso verteilst du meinen Kuchen, tickst du noch ganz richtig Gunter?” schreit Hajo. Der schaut ganz unschuldig und sagt: „Der Paul hat auch eins genommen, da dachte ich mir, der ist für alle da.“

Hajos Gesichtsfarbe verfärbt sich dunkelrot. „Du hast Paul das Stück angeboten und dir vorher schon eins genommen! Und den anderen hast du auch allen eins angeboten. Und Peters Schnitzel hast du auch letztens gegessen, das hat dir Paul wohl auch angeboten!? Lüg mich nicht an!!“, schreit er nun. „Du hast 2 Stunden bis zu meinem Feierabend Zeit, mir einen neuen Kuchen zu besorgen“, und stapft wutentbrannt davon. Sogar unser Chef schaut aus seinem Zimmer heraus, weil es so laut geworden ist. Gunter steht noch immer im Flur und isst die letzten Krümel des Kuchens von seinem Teller.

3 Tage später sitzen wir alle zusammen in der Küche. Vor uns steht eine riesige Tüte mit Kaffeestückchen, die Gunter verteilt. „Sach mal Gunter, ist bei dir der Wohlstand ausgebrochen, oder wem hast du dieses Mal das Essen geklaut!?“ „Nehmt und esst!“, sagt er. „Ich habe doch was gut zu machen bei euch.“ Naja, denken wir uns, einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul, und beißen herzhaft in die Stückchen. Mir bleibt der erste Bissen fast im Hals stecken, denn frisch ist echt was anderes. Die Dinger sind staubtrocken und wenn ich in die Augen meiner Kollegen schaue, bin ich nicht der Einzige, dem es so geht. Sowas sind wir von unserem Stammbäcker gar nicht gewöhnt. Naja, wir essen unsere Teilchen trotzdem auf und nehmen uns vor, den Bäcker mal zu fragen, was er Gunter da verkauft hat.

Ein paar Tage später stehen wir bei ihm im Laden und holen unser Frühstück, da fragt Lieblingskollegin: “Sach mal, was hast du denn Gunter letztens für Stückchen verkauft, die waren total staubtrocken und so!?” „Verkauft?“, fragt der erstaunt. „Ich habe ihm die alten von vor 3 Tagen für seine Gäule gegeben. Sowas verkaufe ich doch nicht mehr!“ Wir brechen beide in schallendes Gelächter aus. Dieser Kerl dreht uns Sachen für seine Pferde an, das ist echt nicht zu fassen 🙂

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24 Kommentare leave one →
  1. hajo permalink
    3. November 2012 19:24

    immerhin, der Junge hat Phantasie
    .. oder steckt da doch „etwas anderes“ dahinter (unglubliche Naivität z.B.)?

  2. 3. November 2012 20:01

    Haha das ist einfach eine Knaller story…habe schon lange auf die Fortsetzung gewartet 😀 Der Kollege ist mit Sicherheit stark beliebt bei euch was? Aber solche Kollegen, wenn auch nicht ganz so krass, gibts fast überall. Zumindest ist mir da so der ein oder andere meiner Kollegen bestens bekannt.

    Aber der Rest der Kollegen weiß sich bestens zu helfen. Chili in die Milch oder Viper Sauce (extrem scharf) in Cabanossi gespritzt etc. schreckt bestens ab 😉

    • 3. November 2012 21:00

      Er war halt Gunter 🙂 Über solche Maßnahmen hat man bei uns auch schon nach gedacht, sie sind aber dann nicht eingesetzt worden 😉

  3. 4. November 2012 12:24

    o.O nee oder?!

    nee…ne… oder?!
    Ernsthaft jetzt?!

  4. 4. November 2012 16:43

    Leute gibt’s, die gibt’s gar nicht…
    (ich halte mir noch den Bauch vor lachen…)

  5. 9. November 2012 13:09

    Diese Kollegen können zwar so richtig nervig sein, aber wenn man nicht mehr mit ihnen zusammenarbeitet, hat man nicht mehr so lustige Geschichten für den Blog oder den Stammtisch. Ich vermisse meinen Kollegen Alex deswegen, aber auch nur deswegen…

  6. 10. November 2012 19:55

    Ich glaube es ist Zeit, ein mit Abführmittel präpariertes Miniküchkein (damit es nicht geteilt werden kann) in der Küche stehenzulassen. Klar, ein abgelutschter, alter Scherz, aber echt angebracht bei so einem Mundräuber!

    • 10. November 2012 21:24

      Hallo arzt4empfaenger,

      und Willkommen auf meinem Blog. Ja das wärs, wobei er ist glaub ich so schlau und wird stutzig.

      • 10. November 2012 21:45

        Stimmt, es ist (für den geneigten Leser) in der Tat schwer zu sagen, ob sein Vorgehen nun besonders schlau oder besonders naiv und ahnungslos ist. Na immerhin habt Ihr so einen Vorkoster, und sollte es mal einen Fall von gesundheitlich bedenklicher Nahrung geben, so trifft es ihn vielleicht zuerst… auf Karma kann man immer hoffen… 😉

        (Ich gucke schon länger unregelmäßig herein, aber bin z.Z. leider sehr unzuverlässig beim kommentieren, Kleinkind macht’s (un)möglich…)

      • 10. November 2012 21:54

        Ich glaube, es ist etwas von beidem 🙂 Jaja das Karma.. manchmal ist auch das ein A… 🙂 Nicht schlimm, ich freue mich trotzdem über jeden Kommentar.

      • 12. Januar 2013 11:06

        Haha, ich glaub, da muss man nur ein Schild dranheften „Bitte nicht essen“ oder „Finger weg, meins!“ oder sowas, dann stutzt er nicht lange, sondern mampft einfach 😀

  7. Gedankenknick permalink
    15. November 2012 13:38

    Also ich muss den armen Gunter jetzt mal in Schutz nehmen! Denn der weiß: Wenn er solche Teichen den Pferden gibt, werden die davon krank! Ist doch logisch, dass er die Teilchen an Euch verfüttert hat, und nicht den armen Viechern! Denen hättet Ihr selbst mit Tatü-Tata und blauer Festtagsbeleuchtung nur schwer helfen können – Eure Rettungstragen sind einfach nicht für 400-600kg schwer Patienten ausgelegt… 😀

    [Im Ernst: Pferde sollten, wenn überhaupt, nur trocken Brot und Brötchen bekommen. Kuchenteilchen, (alte) belegte Brote und sowas kann schwere Verdauungsstörungen auslösen, genau wie angeschimmelte Backwaren… Tierärztliche Notfallbehandlungen sind nicht nur teuer – auch der Kollege von der Veterinärseite ist für nicht gefahrene Einsätze dankbar.]

    • 15. November 2012 16:16

      Hallo Gedankenknick,

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Naja wenn du so willst, es gibt in fast jeder Großstadt oder Landkreis einen Schwerlast Rettungswagen( ohne Witz) und die Tragen sind teilweise bis 700 kg ausgelegt 🙂

      Ich glaube, dass ihm seine Pferde wichtiger waren, als wir Kollegen 😉

      • Gedankenknick permalink
        16. November 2012 12:34

        Das mit dem Schwerlast-Rettungswagen habe ich bisher noch nicht gewußt, und dass so eine Trage bis 700kg ausgelegt sein kann, war mir auch neu. (Damals in olivgrün bei Y-Tours hatten wir mal nen 120kg-Mann auf der Trage, da hat uns zu viert die Treppe fast das Genick gebrochen. Wie viele Leute braucht man dann, um 700kg die zu tragen? Und hat so ein Wagen passendes Hebezeug dabei – Dreiböcke, Flaschenzüge usw. – oder ist dass dann der Part der FW?) Ich kannte bisher nur die Geschichte, dass die meisten OP-Tische wohl nur bis effektiv 150kg ausgelegt sind, und dass schwerere Patienten in D wohl ein Problem haben, einen passend ausgerüsteten OP zu finden…

        Das mit dem zu transportierenden Pferd ist aber dann doch nicht so einfach, da man Pferde im Schnitt nicht liegend transportieren kann. Es ist ein Problem der meisten Großtiere, dass das eigene Gewicht der Lungen- und auch Herztätigkeit im Wege stehen kann, insbesondere, wenn der fragliche Patient krank, geschwächt und/oder betäubt ist. Speziell bei Pferden kommt hinzu, dass diese Fluchttiere sind, und sich jedem „unangenehmen“ Handling eben durch Flucht(versuche) zu entziehen versuchen, der Patient also nicht gerade zur Mitarbeit bereit ist. Spannend in diesem Zusammenhang sind einige Vet-Dokus, in denen gezeigt wird, wie ein Pferd auf einen senkricht aufstellbaren OP-Tisch „gelegt“ – und anschließend in einem Korsett „aufgehangen“ wird, um sowohl das Lunge-HK- als auch das Fluchtproblem „aufzufangen“.

        Ob die Pferde ihm wichtiger waren als die Kollegen…. Ich könnte ja nun in den Raum werfen: Die Pferde hören immer ohne Widerworte zu…. und meckern auch nicht über alte Brötchen! 😉

      • 16. November 2012 15:42

        Die gibt es auch erst seit 5 Jahren so flächendeckend. Die Trage wird nicht mehr getragen, sondern am auf bodenniveau gerollt. Außerdem gibt es heutzutage Tragen mit Elektromotor, die das hochheben entfallen lassen. Und zum raus tragen aus Wohnung oder Haus kommt dann natürlich die Feuerwehr. OP Tische gibt es wohl heute auch mit einer größeren Traglast.

        Da magst du wohl auch Recht haben 🙂

  8. 12. Januar 2013 11:04

    Was zum… wie jetzt? Aber… aber nee! O.o‘

    Das ist ja echt unglaublich. Verschenkt fremdes Essen und macht es wieder gut, indem… oh man. Oh man oh man!

    Aber hey, klasse geschrieben! Ich glaub, hier bleib ich noch und schmökere ein bisschen weiter. 🙂

    • 12. Januar 2013 15:03

      Hallo nickel,

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Und natürlich danke für das Lob 🙂

      • 12. Januar 2013 16:09

        Dankesehr und auch hallo.
        Und wehe, die nächsten Stories werden nicht auch so supi! 😀

  9. Seti permalink
    23. Dezember 2016 17:02

    Hallo, diese Geschichten kommen mir irgendwie sehr bekannt vor. Erstmal zu mir, ich bin jetzt seit 28 Jahren im RD tätig. In meiner Anfängerzeit 1988 gab es den RettAss noch nicht. Bin damals erstmal als Rettungshelfer eingestiegen, danach Rettungssanitäter und in den 1990er Ausbildung zum RettAss.
    Also, als ich anfing hatte ich zunächst erstmal ein halbes Jahr auf dem KTW Dienst mit einem „älterem Kollegen“. Der hatte die Angewohnheit auch bei einem evtl. auftretendem Notfall (kam schon mal vor z.B. Herzinfarkt heute ACS) auch ganz normal ohne Versorgung ins KH zu fahren.
    Ein weiterer „älterer Kollege“, ehemaliger Busfahrer bestand bei Fernfahrten auch auf der Autobahn nicht schneller als 90 km/h zu fahren. Angeblich wäre der Ölverbrauch dann viel zu hoch und der Motor würde darunter leiden.
    Dann hatte ich noch einen nicht ganz so alten Kollegen, ehemaliger Krankenpfleger, absolut faul, dementsprechend auch sehr adipös, Raucher und immer darauf bedacht sich mit schnorren durchs Leben zu schlagen. Sprich: In fremden KH Essen zu bekommen, auf jeglichen Stationen Kaffee zu trinken und bei Kollegen Zigaretten zu schnorren. Das letztere machte er ganz geschickt: Er nahm eine lehre Zigarettenschachtel mit Menthol und befüllte sie mit normalen Zigaretten. Dann schnorrte er sich eine Zigarette und bot anschließend eine von seinen angeblich Mentholzigaretten an. Die meisten lehnten ab, da eigentlich alle rauchenden Kollegen die normalen Zigaretten bevorzugten.
    Ach könnte sicher noch so einige Sachen hier widergeben, aber dann komm ich wohl nie zum Ende.
    Also echt toller Blog, mach weiter so. Ich les mich hier gerne durch.

    Gruß „auch schon ein etwas älterer Kollege“, Seti

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