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Ich bin ja nicht der gläubigste Mensch…

3. Februar 2013

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass dieses Wesen da oben so viel Leid zulassen kann. Auch was seine „weltlichen“ Vertreter, im Besonderen die Katholische Kirche macht, da wird’s mir wirklich übel. In dem Zusammenhang möchte ich sagen, auch wenn ich manche Katholiken nicht wirklich mag und andere Ansichten habe, so würde ich diesen auch helfen. Nicht wie die zwei Kliniken in Köln, die eine vermutlich vergewaltigte Frau aus ethischen Gründen ablehnten.

Aber es gibt auch schöne Erlebnisse mit den Herren und Damen dieser Kirche. Von einem möchte ich euch jetzt berichten.

Eines schönen Morgens wurden wir zu einer Seniorenresidenz am anderen Ende der Stadt alarmiert. Ich war noch nie dort gewesen, deshalb fuhr mein Kollege, und zeigte mir gleich noch den Villenhügel an dem dieses Heim lag. Als ich diese Hütten sah dachte ich, auch viel Geld kann keinen Geschmack haben 🙂

Als wir unsere Einsatzstelle erreichten, erwartete uns Schwester Maria. Als ich sie sah, dachte ich schon, dass sie unsere Patientin wäre, denn mit weit über 80, auf die ich sie schätzte, ist das eigentlich nicht unmöglich. Aber sie war nur unser Empfangskomitee und wir wurden freundlich begrüßt und auch gleich freundlich darauf hingewiesen, dass unsere Trage, die wir gerade aus der Ambulanz holten, leider nicht in den Fahrstuhl passt. So lobe ich mir das, dachte ich, und wir schoben die Trage nur in die Eingangshalle und nahmen unseren Tragestuhl mit.

Wir mussten hoch in den 3. Stock, wo uns Schwester Marie Claire erwartete. Sie hatte schon seit einer Woche Rückenschmerzen und war deswegen ebenfalls vor einer Woche im Krankenhaus gewesen. Dort wurde aber angeblich nichts gefunden und sie wieder nach Hause geschickt. Nun waren die Schmerzen noch schlimmer geworden, weshalb wir nun hier standen. Nach kurzer Untersuchung, einer Infusion und etwas Schmerzmitteln war auch der Schmerz nur noch eine dumpfe Erinnerung.

Das Umlagern auf unseren „Stuhl“ verlief ohne Probleme und so konnten wir uns auf den Weg zu unserer Ambulanz machen. Da wir nun unsere Patientin auf dem Stuhl sitzen hatten, passte Schwester Maria leider nicht mehr mit in den Fahrstuhl. „Ich schicke Ihnen den Fahrstuhl gleich wieder nach oben, Schwester, wenn sie wollen Schwester“. Doch die winkte ab und machte sich zu Fuß auf den Weg nach unten.

Unten angekommen, öffnete sie uns auch schon die Fahrstuhltür. Mir fiel die Kinnlade herunter, denn ich dachte sie würde noch ein paar Minuten brauchen, bis sie unten ankommt. Sie sah mein Gesicht und lächelte. Verblüfft fragte ich sie: „Schwester Maria sind Sie gerade mit göttlicher Hilfe hier herunter geflogen, oder haben Sie eine Doppelgängerin!?“

Da lachte sie aus vollem Halse und wir alle mit 🙂 „Sie sind mir schon einer“, sagte sie mit einem Augenzwinkern. „Es war nett Ihre Bekanntschaft zu machen, Schwester“ sagte ich, und: „Schön, wenn man Humor hat.“

Dann luden wir unsere Patientin ein und fuhren in das 10 Minuten entfernte Spital. Wie wir später erfuhren, blieb sie dieses Mal auch zur Behandlung dort.

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22 Kommentare leave one →
  1. 3. Februar 2013 11:06

    Es gibt sie zum Glück, diese für mich Ausnahmen.
    Ich habe eine ähnliche Einstellung wie du zu dem Thema und freue mich jedes Mal, wenn ich auf einen „Kirchenmenschen“ treffe, der das „Standardbild“ ein klein wenig zerstört und einen wirklich positiven Eindruck hinterlässt.

  2. 3. Februar 2013 14:00

    Als hier in meiner Nähe noch ein Kloster war, hatte ich häufiger das ausgesprochene Vergnügen, einige Schwestern in der Straßenbahn genießen zu dürfen. Es kam so oft zu Situationen, in denen klar zu spüren war, dass so einige Fahrgäste kurz davor waren, vor lachen zu platzen. Die Ladys waren echt ZU süß und vor allem alles andere als weltfremd.

  3. Begleitung permalink
    3. Februar 2013 16:01

    Bei „Domian“ hat vor einiger Zeit auch eine Nonne angerufen, die aus ihrem Alltag berichtet hat. Eine sehr nette und herzliche Frau, die sich jede Nacht den Wecker stellt und im Anschluss an die Sendung für die Anrufer betet, denen es besonders schlecht geht.

  4. 3. Februar 2013 16:39

    Sind wir doch mal ehrlich: schwarze Schafe gibt es überall, aber sie über“strahlen“ leider zu oft die große Masse an guten Menschen. Das ist in der katholischen Kirche nicht anders als im Krankenhaus oder im Internetportal. Eine negative Bewertung wiegt 1000 gute auf. Leider.

    • 3. Februar 2013 17:04

      Hallo Daniel,

      willkommen auf meinem Blog. Natürlich gibt es überall schwarze Schafe. Deswegen möchte ich auch, trotz aller Aversion gegen diesen „Verein, positive Beispiele heraus heben.

    • 12. Februar 2013 16:35

      Ja, nur ist es eben etwas unschön, wenn die Schwarzen Schafe das Sagen haben. Dann wiegt es gleich noch ein paar Dutzend male mehr.

  5. hajo permalink
    3. Februar 2013 17:28

    Verallgemeinerungen hinken üblicherweise: auch bei den „kirchlichen Mitarbeitern“ (m/w) gibt’s sonne und sonne 😉
    Ich erinnere mich an die Geburt meines Sohnemanns (ist schon ein paar Jährchen her): Die Geburt fand in einem (damals) kirchlich angehauchten KH statt. Meine Frau hatte ein paar Problemchen, dem Filius den Weg zur natürlichen Nahrungsquelle zu zeigen
    .. bis sich eine recht betagte Ordensschwester dieser Herausforderung bemächtigte, mit einer wahren Engelsgeduld und ohne Rücksicht auf die Tageszeit (Feierabend schien für sie ein Fremdwort zu sein).
    Sicherlich spricht da der Eine oder Andere von Ausbeutung im Namen des Herrn, ich hatte jedoch dn Eindruck, dass dieser Dienst am Mitmenschen von ganzem Herzen kam.
    Wie geschrieben: nur ein Beispiel und es ist auch schon etwas her, aber ich stehe nach wie vor zu meinem ersten Satz.
    Herzliche Grüße und: schön, dass Du, lieber Paul, Deinen „Winterschlaf“ beendet hast
    Hajo
    P.S.: der „Kleine“ hat jetzt ein Gardemaß von 1,9 (und etwas) m und macht sich über die – im Verhältnis dazu – eher eingeschränkte Körpergrösse des Herrn Papa lustig 😦

    • 3. Februar 2013 18:20

      Das hast du Recht Hajo. Wie gesagt, ich möchte eigentlich immer beide Seiten zeigen um nicht Einseitig zu sein. Das dein Sohn auf dich hinab schaut, ist doch nicht schlimm 🙂

      Danke 🙂

      • hajo permalink
        3. Februar 2013 19:05

        PAUL!!! ich bin ein sensibles Kerlchen … 😉

  6. Mr. Gaunt permalink
    3. Februar 2013 20:22

    Das „Bodenpersonal“ der Kirchen, welches wie z.B. in Krankenhäusern tagtäglich mit der realen Welt konfrontiert ist, ist meist nicht weltfremd, sondern ist sich sehr gut über das bewußt, was in der Welt vorgeht.
    Sobald der Job aber verlangt, viele salbungsvolle Worte von der Kanzel zu verbreiten, wird es immer schwieriger. Bei den Evangelen geht es meist noch so, bei den Katholen wird es – mit Ausnahmen – schnell schwieriger. Da scheint bei vielen irgendwann der Kontakt zum Boden abzureissen. Leider.

    • 4. Februar 2013 10:56

      Das würde ich gerne genau so unterschreiben.
      An der Basis funktioniert’s in der Regel. Nur wenn es ein paar Etagen höher geht, dann fehlt es an wirklich allem, was die Grundidee dieser Religionssache mal ausgemacht hat.

    • Lars permalink
      7. Februar 2013 22:18

      Naja….Es gibt solche wie solche. Ich selbst (bekennender Agnostiker) hatte mit unserem (katholischen) Priester schon sehr nette und interessante Gespräche über weltliche Themen (Finanzkrise etc.), wo er mir wenig abgehoben vorkam und einen wenn man mal mit dem Radel vorbeikam auch zu sich in sein Pfarrhäuserl einlädt. Das komplette Gegenteil dazu war der liebe Herr Weihbischof bei meiner Firmung, der sich eher auf einer Stufe mit Firmenchefs verstand und mit einer fetten S-Klasse eingerollt ist. Die Predigt fand dann standesgemäß über die Autobild statt, aber naja. 😀

      @Hajo: Soll ich dir die Nummer von meinem Vater geben? Den hat vor ein paar Jährchen ein ähnliches Schicksal ereilt. 😛

  7. 8. Februar 2013 21:52

    Ich lebe ja quasi von Katholiken umzingelt und kann daher mit gutem Gewissen behaupten, dass es auch alles nur Menschen sind. Total unterschiedlich wie auch wir Nichtgläubigen. Manche sind hilfsbereit. Andere gucken eher weg. Allerdings schimpft mein Freund auch häufig über die rückständigen Ideen der Priester, die immer noch so tun, als wäre die Welt vor 100 Jahren stehen geblieben.

    • 9. Februar 2013 14:24

      Hallo Corinna 🙂

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Ja das sind auch alles nur Menschen, aber manche haben viel Einfluss mit dem was sagen.

  8. 22. Februar 2013 11:27

    Zum Glück haben die Katholiken in Bezug auf die Pille-Danach nun endlich mal ihr Gehirn eingeschaltet.

    • 22. Februar 2013 13:34

      Hallo Machermama,

      willkommen auf meinem Blog. Ja es hat wirklich was gebracht. Schön wäre es, wenn es ohne solchen Aufschrei gehen würde.

      • 22. Februar 2013 18:34

        Danke fürs Willkommen 😉
        Aber ich war scho öfters hier. Ursprünglich als Streunerin. 😉
        Habe nur bei WordPress meinen Namen geändert, passend zu meinem Blog den ich gestartet habe.

      • 23. Februar 2013 09:29

        Und wieso sagt mir das keiner.. manno 🙂

  9. Rettungsphysio permalink
    23. Februar 2013 18:46

    „In dem Zusammenhang möchte ich sagen, auch wenn ich manche Katholiken nicht wirklich mag und andere Ansichten habe, so würde ich diesen auch helfen.“

    Puh jetzt gehts mir besser, wenn ich weiß, dass du mich nicht im Graben liegen lässt. 😀
    Bis bald in der Kleinstadt!

    Der Rettungsphysio

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