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Licht am Ende des Tunnels…

17. März 2013

Habt ihr schon mal mit einem Strohhalm in ein Glas Wasser gepustet? Hört sich komisch an und sieht aus als würden kleine Kinder „Blubberblasen“ machen.

Hat ein Mensch Wasser in der Lunge(Lungenödem) hört sich das genau so an. Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass die Menschen keine Luft bekommen und meistens ein schwaches Herz haben, was nicht unbedingt zur Verbesserung der Situation beiträgt. Ist man auch noch alt und nicht mehr ganz so fit, ihr könnt es euch ja denken…

Auf Herr Ruf passte das alles irgendwie, denn als wir vor seinem Zimmer im Altenheim standen, hörte man schon das Blubbern. Und wir standen wohlgemerkt noch vor der verschlossenen Tür seines Zimmers. Während uns die Schwester eine Übergabe machte, klopften wir an der Tür und traten in das Zimmer unseres Patienten. Da saß er aufrecht im Bett und versuchte Luft zu bekommen. Ohne viel Gerede bekam er von uns eine Sauerstoffmaske aufgesetzt. Dadurch besserte sich die Situation etwas, sodass wir und Herr Ruf ein bisschen durchatmen konnten. Auf der Überweisung, die der Hausarzt da gelassen hatte, stand was von einer Lungenentzündung. Naja, ein bisschen Fieber hatte unser Patient, aber das hörte sich nicht nach einer an. Also luden wir ihn auf unsere Trage und rollten langsam zum Auto.

Zwar half der Sauerstoff, dem wir ihm die ganze Zeit gaben, aber wirklich gut sah er nicht aus. Deswegen bereitete Anne, meine Kollegin, ein Medikament vor. Da unsere Ambulanz zu klein für uns beide im Patientenraum war, stand sie vor der Tür. Außerdem musste Herr Ruf noch pinkeln und da war ich als Mann willkommener als Anne. Bis dorthin sah eigentlich alles nach Routine für uns aus.

Ich drehte mich kurz um, um noch unsere Materialien zu verstauen, als ich unseren Patienten wieder anschaute, röchelte dieser noch kurz, verdrehte die Augen nach hinten und dann war erst mal Stille. FUCK, dachte ich und riss die Schiebetür unserer Ambulanz auf und sah in die erschrockenen Augen von Anne, die mir gerade unser Medikament reichen wollte. „Anne komm rein, unser Patient hat gerade nen Stillstand“, sagte ich knapp. Ohne viel zu reden setze sie sich an den Kopf und fing an, ihn zu beatmen, und fummelte davor noch kurz unsere Defibrillationselektroden an Herrn Ruf, während ich schon rhythmisch auf seinem Brustkorb herumdrückte.

28, 29 und 30 zählte ich und dann strömte wieder Sauerstoff aus unserem Beatmungsbeutel in seine Lungen. Danach drückte meine Kollegin die Analysetaste unseres Defis und wir hielten kurz inne. Auf meiner Stirn bildeten sich schon kleine Schweißperlen, obwohl ich gerade mal 1 Minute gedrückt hatte. „Patient nicht berühren, Patient wird analysiert“ blecherte es aus dem Defi und schon lud er hoch, um einen Stromschlag frei zu geben, denn unser Patient hatte ein astreines Kammerflimmern. „Alle Hände weg vom Patienten“ kam es da schon von Anne und drückte den Auslöseknopf.

Herr Rufs Hände hoben von der Trage ab und sein Kopf ruckte kurz zur Seite. Auf dem Monitor sah man wieder einen normalen Rhythmus und als Anne auch einen Puls am Hals gefunden hatte, konnten wir kurz durchatmen. Puh war das knapp, dachte ich so bei mir. Nun hatten wir auch Zeit, unseren Doktor nachzualarmieren und das Medikament zu geben, welches meine Kollegin vorhin aufgezogen hatte.

Keine 10 Minuten später landete unser Notarzt neben uns und wir übergaben Herr Ruf, der sogar wieder ein wenig reden konnte.

Wir schauten uns danach an und Anne meinte: „Der hat eben echt kurz in das Licht gesehen“. Ich nickte nur und wir räumten unseren Kram wieder zusammen.

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9 Kommentare leave one →
  1. 17. März 2013 13:31

    Wow :/

  2. 17. März 2013 14:04

    Erinnert mich an meine ersten Wochen ind der Zivizeit. Hatte ausser Baywatch und Notruf California praktisch keine Ahnung von einer Reanimation.
    Mir ist eine Patientin am Waschbecken zusammengeklappt. Auch Herzstillstand. Hab Alarm gemacht und auf einmal war im Badezimmer bestimmt 5 Krankenschwester. Konnten die Patientin mit Herzmassage wieder zurückholen und sie war dann auch wieder bei Bewusstsein. Sie wurde dann auf die Intensivstation gebracht. 2 Tage später war sie wieder bei uns auf der Station. Hab ihr dannn bis zur Entlassung jeden morgen am Waschbecken geholfen. Einen Herzstillstand hätte sie jederzeit wiederbekommen können.

  3. hajo permalink
    17. März 2013 14:24

    na, danach hiess es aber auch für Euch: „tief Luft holen und kräftig durchatmen“, oder doch erst einmal „darauf erst einmal ein Pflümli“?
    nein, Ihr seit ja noch immer im Dienst …
    Danke, lieber Paul, dss Du uns mal wieder die wahren Herausfordeungen im Leben aufzeigst (und das meine ich ausnahmsweise mal nicht ironisch).
    Herzliche Grüße
    Hajo

  4. Kenner des Reisbärn permalink
    17. März 2013 14:58

    Wenn sofort was gemacht wird sehen die Chance auf weiterleben gar nicht so schlecht. Das der Patient aber so schnell zu Bewusstsein kommt ist wohl extrem selten, oder?

  5. 17. März 2013 21:13

    So laut ist das Blubbern?
    Ist das ein Einsatz, der einem dann länger im Kopf bleibt, oder steckt man das mit eurer Erfahrung schnell weg?

    • 17. März 2013 21:40

      ja, es ist wirklich so laut, man hört es durch die Tür, wenn das Lungenödem so stark ist. Für mich kommt es immer mit auf die Begleitumstände an, aber dieser ist jetzt keiner, der mir viele Gedanken bereitet hätte.

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