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Erste Hilfe Reihe… das fängt ja gut an…

30. März 2013

Heute möchte ich euch im Rahmen meines Aufruf eine Geschichte von Nobelix zeigen, der in seiner Firma Erste Hilfe geleistet hat.

So könnte man das gerade erst angefangene Jahr eigentlich ganz gut beschreiben. Einerseits kann man das wörtlich nehmen – denn wir haben im Betrieb dieses Jahr schon die erste Zertifizierung erfolgreich geschafft – andererseits gilt das aber auch im übertragenen Sinne, denn wir haben dieses Jahr auch schon den Notarzt im Betrieb gehabt…stilecht mit dem Helikopter eingeflogen.

In der ausführlichen Version sieht das ganze dann so aus:

Wir schreiben die erste Woche im neuen Jahr, es ist Donnerstag, kurz vor Feierabend. Die Kollegen fegen noch die letzten Arbeitsplätze, die Maschinen stehen schon und die ersten Kollegen sind schon dabei, sich umzuziehen. Ich will grad meinen Rechner runterfahren, als einer der Schweißer ziemlich blass vor mir steht und meint “der Hein* ist grad umgefallen”.

So viel zum Thema Feierabend” geht mir durch den Kopf und auf dem Weg in die Werkstatt verfluche ich im Vorbeigehen den Schrank mit der Erste-Hilfe-Ausstattung…Notiz an mich: auf Koffer umstellen falls mal einer nicht mehr gehen kann.

Erst mal geht es trotzdem weiter – im Kopf spult sich die alte Checkliste ab: Lage erfassen, ggf. Hilfe leisten, Notruf absetzen…und so weiter.
Die Lage ist in diesem Fall ziemlich eindeutig: Kollege Hein liegt am Boden und bewegt sich unkontrolliert, zwei Kollegen versuchen, ihn davon abzuhalten, sich an Werkzeug, Material oder Maschinen weiter zu verletzen. Aus seinem Mund läuft etwas Blut und Schaum, die Atmung ist in einigen Metern Entfernung deutlich zu hören: kurze und abgehackte Atemzüge.

Ein anderer Kollege kommt mir mit dem Telefon entgegen und drückt mir selbiges mit den Worten “Moment bitte, ich geb ihnen mal unseren Ersthelfer…”. Na toll, als wenn er selber kein Ersthelfer ist…aber gut, ich steh anderweitig eh nur im Weg rum.
Kurze Vorstellung beim Telefonisten der Rettungsleitstelle, direkt danach eine Lageeinschätzung: sieht aus wie ein Krampfanfall. Ursache unklar, keine entsprechenden Vorerkrankungen bekannt.
Die Antwort hat mich dann doch etwas überrascht, denn da kam nur ein “ist gut, achtet auf die Atmung, wenn er aufhört zu krampfen” und Zack war das Gespräch beendet. Nun machten sich auch drei Kollegen auf den Weg – je einer an Straßenecke, Firmeneinfahrt und Rolltor – um den Rettungsdienst einzuweisen.

Zwischendurch hatte der krampfende Kollege (recht schmächtig) schon den ersten Helfer (in etwa meine Statur) verschlissen und ich habe ihn abgelöst. Nun wollte Hein, obwohl weder ganz bei Bewusstsein noch ansatzweise in der Lage dazu, immer wieder aufstehen. Leider klappt das in der Situation nicht so richtig, so dass wir zu zweit alle Hände voll zu tun hatten, den Kollegen am Boden zu halten.

Gefühlte Sekunden (die Uhr sagte so etwa 8 Minuten) später rollte dann ein großes rot-gelbes Auto mit blauen Lichtern auf dem Dach vor das Rolltor und zwei freundliche Herren schleppten ihr Gepäck zu uns. Als Hein die beiden sah, versuchte er gleich noch mehr aufzustehen…während er munter weiterkrampfte und nicht so richtig bei Bewusstsein war.
Nachdem er quasi zur Begrüßung ein Medikament in die Nase gespritzt bekommen hatte (die Helfer wurden natürlich nicht so begrüßt) wich das anfänglich ziemlich blasse Gesicht einer etwas gesünderen Farbe an gleicher Stelle.

So langsam höre ich auch ein charakteristisches Dröhnen über der Firma und der Rettungshubschrauber kommt in einer beinahe selbstmörderischen Kurve kurz ins Sichtfeld des Fensters und verschwindet Richtung Wendeplatz (der für solche Zwecke durchaus beliebt ist). Kurz darauf Stiefeln zwei Mann im Flugoverall zu uns herüber – begleitet von der Polizei, die in diesem Fall Taxi für den Notarzt gespielt hat.

Auch hier fällt die Begrüßung des am Boden liegenden Kollegen recht kurz aus und endet mit den Worten “das piekst mal eben, nicht erschrecken”. Gut, er hat sich dann wohl doch erschrocken, denn als erstes floß ein kleiner Schwung Blut aus der Hand…aber kurz darauf war der Zugang dann auch fixiert und als die Medikamente wirkten, konnte sich der Kollege beinahe ohne weiteres Zittern und Zucken auf die Trage setzen.

Mittlerweile sind gut 25 Minuten vergangen, nachdem der Kollege kollabiert ist. Inzwischen liegt er im Rettungswagen, ist verkabelt, mit Medikamenten versorgt und wird für den Transport vorbereitet. Der Hubschrauber kehrt zum Flughafen zurück (was höchste Zeit wird, denn es dämmert schon arg stark und das Wetter ist alles andere als angenehm) und bei mir senkt sich der Adrenalinspiegel wieder auf ein halbwegs normales Niveau.

Und dann…endlich Feierabend

Was bleibt, ist der Gedanke, dass hier alle Kollegen schnell und richtig reagiert haben. Das haben auch der Notarzt und der Fahrer des Rettungswagens gesagt…letzterer war nämlich ein wenig überrascht, dass er nicht groß suchen musste, sondern von den Einweisern gleich auf den richtigen Weg geschickt wurde und ersterer stellte fest, dass sonst mehr im Weg herumgestanden oder gegafft als geholfen wird.

Auch wenn wir im Unternehmen schon lange nicht mehr alle als Ersthelfer ausgebildet sind, machen wir doch alle zwei Jahre einen Tages-Auffrischungskurs – zu Recht, wie sich dieses Mal herausgestellt hat.

 

Ich möchte euch gerne weiter aufrufen, mir eure Geschichten zu schicken und diese Idee weiter zu tragen.

 

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3 Kommentare leave one →
  1. 30. März 2013 22:17

    Ich hoffe dein Kollege ist wieder vollständig genesen.
    Ich kann mir vorstellen das so etwas doch noch länger im Kopf bleibt und auch erschreckender ist als ein „gewöhnlicher“ Arbeitsunfall.
    Mit den Gefahren des Firmangeländes ist man ja vertraut und rechnet somit sicher eher mit Verletzungen/Notfällen die ins Bild passen als mit einem solchen Krampfanfall.

    Aber wieder mal eine Bestätigung, wie wichtig es ist in einer Firma Ersthelfer zu haben, die einerseits Ansprechpartener sind für die Anderen, als auch regelmäßig geschult und fit im Umgang mit der Notfallausrüstung.

    Habt ihr bei euch auch einen dieser „selbstständig agierenden“ Defibirillatoren?
    Bin ja von dem was ich bisher von denen gehört habe echt begeistert. Weil sie sozusagen „Idiotensicher“ sind.

  2. 30. März 2013 23:32

    Ich hoffe mal den Arbeitskollegen geht es bald besser.

    Gut wie die Kollegen und Nobelix reagiert haben. In anderen Firmen hätte sich die Rettung auch verzögern können.

  3. 31. März 2013 14:53

    Ich muss sagen, dass in Firmen eben doch die Kollegen meistens helfen, d.h. es gibt weniger Probleme mit Nichtstun und der Alarmierung bzw, den Maßnahmen.
    Das liegt warhscheinlich eben zum einen an der Nähe zu den Kollegen und zum anderen daran, dass es gute Ersthelfer gibt, Doch eben nicht in allen Betrieben sind die Ausbildung und die Maßnahmen so gut wie hier. Leider musste ich dies auch bei meiner Uni, der ja doch eine Art Betrieb ist, feststellen.
    Nobelix, du hast hier echt eine sehr gute Erstversorgung geleistet und sogar noch den Einsatzablauf miit strukturiert. Da hat sich der Rettungsdienst natürlich gefreut, dass er an eine so gut strukturierte Einsatzstelle gekommen ist,

    Darf man fragen, wie es mit dem Kollegen weitergegangen ist. Alles wieder fit bzw. medikamentöse Einstellung?

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