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Erste Hilfe Geschichten…

4. April 2013

Hallo ihr Lieben

Zuerst möchte ich mich bei euch bedanken, denn vor ein paar Tagen war der 500 000 Besucher auf meinem Blog!!

Danken möchte ich auch denen, die mir hier ihre Erste Hilfe Geschichte haben zu kommen lassen. Wenn ihr noch mehr Geschichten auf Lager habt, dann immer gerne an alltagimrettungsdienst (at) gmx.de

Heute möchte ich euch die Geschichten zeigen, die als Kommentar unter meinem Aufruf herein gekommen sind.

Elli war Zeuge eines Fahrradunfalls.

Vielleicht nur eine Kleinigkeit, eigentlich etwas vollkommen Selbstverständliches… aber wohl doch ein Fall von Erster Hilfe:
Eine schmale Straße zwischen zwei Dörfern, an der ein Reiterhof liegt. Nachmittags sind viele Mädels aus dem Dorf mit dem Fahrrad dahin unterwegs. Eines Nachmittags fahren wir gerade mit dem Auto auf eben dieser Straße und kommen dabei an einem der Fahrrad-Pferde-Mädels vorbei. Kurz danach sieht man im Rückspiegel, dass das Mädchen vom Fahrrad gestürzt ist… sie ist wohl über einen Ast am Straßenrand gefahren und hat dabei die Kontrolle über ihr Rad verloren. Die Kleine liegt neben ihrem Fahrrad und steht gerade auf. Trotzdem halten wir und erkundigen uns, wie es ihr geht, ob etwas wehtut usw. Das Mädel ist noch keine 10 Jahre alt und meint, sie wäre mit dem Kopf an die Straße geschlagen. Der täte ihr nun etwas weh. Zwar möchte das Mädchen am liebsten weiter zum Pferd, doch steckt ihr der Schreck noch so weit in den Knochen, dass sie nicht sofort weiterfährt. Wir entschließen uns, sicherheitshalber einen Krankenwagen anzurufen. Während wir versuchen, aus dem Kind herauszubekommen, ob noch mehr weh tut, Schwindel aufkommt, wir ein blutendes Knie verpflastern und beruhigend auf das Kind einreden, kommt der Dorfzahnarzt vorbei. Er kennt die Kleine und ruft mit ihr zusammen ihre Mama an (uns wollte/konnte sie die Nummer nicht sagen). Die Mutter ist froh, dass sich jemand um ihre Tochter kümmert, will aber auch sofort vorbeikommen. Mutter und Rettungsdienst kommen einige Minuten später fast gleichzeitig an. Sicherheitshalber werden Kind und Mutter mit ins Krankenhaus genommen. Wie man später im Dorf hört eine gute Idee: Zwar war mit dem Kopf alles ok, doch war im Arm/Handgelenk ein Knochen angeknackst.
Einen Rettungswagen hätte es in diesem Fall wohl nicht gebraucht, aber besser so als wenn das Mädel mit kaputten Kopf erstmal munter durch die Reithalle gestürmt wäre… Der Rettungsdienst war wirklich nett und hat es befürwortet, dass wir angerufen haben. Sie meinten, dass viel zu oft Kinder stürzen und sich niemand von den Erwachsenen um sie herum kümmert, wenn ihnen ernsthaft etwas passiert.
Seitdem frage ich häufiger nach, wenn ich sehe, dass ein Kind bei uns im Dorf hinfällt und sich nicht sofort wieder von allein berappelt…

Alles richtig gemacht! Angehalten und geschaut, ob sich das Kind was getan hat und es gleichzeitig betreut. Und natürlich auch den Rettungsdienst gerufen, denn weder wir noch der Laie kann sehen, ob nicht doch irgendwas gebrochen ist oder nicht.

Angelika wurde Zeuge eines Verkehrsunfalls

Kürzlich nachts, nach getaner Arbeit, fuhr ich mit dem Rad am Fluss entlang vom Bahnhof gen Zuhause. Neben dem Fluss führt eine mehrspurige Straße. Die Uferpromenade, auf der ich fuhr, ist mit einer Mauer von der Straße abgetrennt und liegt etwas tiefer. Ich strampele also auf dieser Promenade, gerade an einer großen Kreuzung vorbei und höre es mächtig krachen. Schnell umgeschwenkt, in Richtung Kreuzung, stehen zwei Kleinbusse – ein Großraumtaxi und ein Privatwagen – jeweils mit der Nase auf einer Verkehrsinsel vor jeweils einem Ampel-/Laternenmasten. Der Airbag des Taxis hat ausgelöst, der Fahrer deutet auf sein Handy, die Fahrgäste stolpern aus dem Wagen, jemand hilft dem Fahrer hinaus. Aus dem Privat-PKW stolpert eine weinende Jugendliche und der Fahrer, etwas im Alter ihres Vaters. Einige weitere PKW haben angehalten, es ist ziemlich unübersichtlich, aber keiner scheint die Rettung zu rufen. Das habe ich dann übernommen, und war im Nachhinein erschrocken, wie schwierig es doch war, ruhig und sachlich möglichst viele Informationen über die vermutlich benötigte Hilfe zu übermitteln. Macht man nicht täglich, und hat es nur hypothetisch vor bald 15 Jahren einmal “geübt”. Erschwerend kam hinzu, dass die Hupe des Taxis Dauersignal gab, und wir mitten auf einer großen Straße standen, aber im großen und ganzen habe ich doch alle nötigen Infos schnell genug zusammengetragen und konnte gut erklären, wo genau der Unfall war.

Nach dem Absetzen des Notrufs bin ich zuerst zu dem Taxifahrer, der an sein Auto gelehnt auf dem Boden saß, zum Glück leidlich ansprechbar war und dankbar dafür, dass ich ihm sagte, der Notarzt sei unterwegs (er traf auch in dieser Minute ein und kümmerte sich um den Herrn). Daraufhin ging ich weiter zu dem anderen Wagen. Die Jugendliche hatte wohl eine Schock und suchte weinend und am ganzen Leib zitternd dringend nach ihrem Handy, um ihre Mutter anzurufen. Dabei lief sie immer wieder auf die Fahrbahn. Mit ihr suchte (und fand) ich das Telefon und übergab sie schließlich dem zweiten Rettungswagen, der dann eingetroffen war. Als ich mitbekam, dass Polizei und Feuerwehr – ungefähr zeitgleich, als ich das Mädchen an die Sanitäter weitergegeben hatte – einen Überblick über die Gesamtsituation hatten, und ich nicht mehr weiter helfen konnte, nahm ich mein Rad, schob es zurück zur Promenade und fuhr langsam nach Hause.

Erste Hilfe leisten heißt auch, einen Notruf abzusetzen. Damit steht und fällt jeder Einsatz, denn erzähle ich nur, da sind zwei Autos in A Dorf Ylonstr. zusammen gestoßen, wird der Disponent wahrscheinlich nur einen Rettungswagen schicken. Macht man es aber wie Angelika, und lässt sich kurz Zeit und verschafft sich einen Überblick, dann kommt alles, was zu diesem Einsatz gebraucht wird. Hier könnt ihr noch mal nach lesen, was so wichtig ist, wenn ihr Hilfe braucht.

Kristina war Zeuge bei einem Freizeitunfall.

Eine Situation werde ich wohl nicht vergessen. Ich war mit meinem Freund in Essen und wir guckten dem bunten Treiben auf der Außen-Eisbahn zu. Ziemlich viele Menschen waren hier unterwegs. Einige, die fahren konnten und einige, die es eben erst lernten.
Plötzlich schlug direkt vor uns ein Mädchen mit dem Kopf aufs Eis. Das sah nicht so gut aus. Ein Mann nahm sie hoch und reichte sie über die Bande und die umstehenden Mensch wichen wie abgesprochen ein wenig zurück. Wir legten sie auf eine Bank, riefen einen Rettungswagen, der dann auch bald kam. Außer einer dicken Beule und Kopfweh war nichts passiert. Gott sei Dank!

Auch hier genau das gemacht, was Erste Hilfe so auszeichnet. Nicht im Weg rum gestanden und gegafft, sondern Platz gemacht, das Kind betreut und den Notruf gewählt. Leider sieht es oft anders aus, denn es wird sich in die vorderste Reihe gedrängt und zwar das Smartphone gezückt, aber nicht zum Notruf wählen, sondern um ein Video zu machen und es auf Youtube zu posten.

Frau Nessy wurde Zeuge eines Krampfanfall.

Erste Hilfe … In der Sporthalle passieren ja öfter mal Unfälle: Bänderrisse an allen möglichen Stellen, Platzwunden, ausgekugelte Schulter, Brüche, Nierenprellung, Gehirnerschütterung, Schleudertrauma – alles schon erlebt. Kühlen, Kompression, hochlagern, die Leute beruhigen, ins Krankenhaus fahren oder bei schlimmeren Fällen die Rettung rufen.

In einem Einkaufszentrum hat mal ein Mann das Bewusstsein verloren, hat die Augen verdreht, hatte Schaum vor dem Mund, war nicht mehr ansprechbar. Ich habe die Rettung gerufen, während sich zwei Passanten um ihn kümmerten, die augenscheinlich vom Fach waren.

Zum Glück musste ich noch niemanden wiederbeleben. Davor habe ich Respekt. Ich weiß zwar noch, wie es geht. Aber im Fall des Falles beherzt zupacken?! Nun, wahrscheinlich würde ich es tun. Einer muss es ja machen.

Wie oben schon mal gesagt, auch nur das Absetzen eines Notrufs ist Erste Hilfe. Und je schneller der abgesetzt ist, desto schneller ist auch die Hilfe da.

Stefan wurde Zeuge eines in Not geratenen Schwimmers.

Ersthelfer sein – ich hätte nie gedacht, dass es mir passieren würde und als es soweit war, habe ich auch erst danach darüber nachgedacht.
Vor einigen Jahren im Surfurlaub in Südfrankreich, ein wellenreicher Tag mit viel Strömung. Wir sind nicht weit rein gegangen, weil es zu gefährlich war. So standen wir am Strand und unterhielten uns, als wir jemanden weiter draußern gesehen haben, der dort geschwommen ist und winkte. Ich dachte mir noch, dass er nicht so blöd winken solle, sonst denkt noch jemand er bräuchte Hilfe. Leider war aber genau das der Fall. Also habe ich mir ein Bodyboard geschnappt und bin ins Wasser und zu ihm geschwommen. Beim Schwimmen sind mir die verloren geglaubten Informationen aus einem DLRG Lehrgang wieder eingefallen. Nimm etwas zum Festhalten mit, langsam auf ihn zuschwimmen, Schwimmhilfe voran – er soll das anfassen und nicht dich. Als ich ihn eingefangen hatte habe ich ihm Kommandos gegeben, dass er mitpaddeln und sich anstrengen solle. Langsam aber sicher sind wir wieder in Richtung Strand geschwommen und konnten irgendwann auch stehen. Zum Glück war er sonst in gutem Zustand und wir mussten nichts weiter machen als an Land zu laufen.

Erste Hilfe endet dort, wo ihr euch selbst in Gefahr bringen würdet. Stefan hat durch seinen DLRG Lehrgang das nötige Wissen, um diesen Menschen wirklich zu helfen. Euch als Laien bleibt hier nur das Absetzen eines Notrufs und das Einweisen der Rettungskräfte.

Und als letztes für heute, eine Geschichte von Mia , die als Rettungsdienst zu einer Reanimation kommt.

Ich würde hier gern eine Geschichte über tolle Ersthelfer aus der “anderen” Perspektive erzählen.

Ein schöner Wintertag Ende 2012. Der Rettungswagen bekommt einen Einsatz – kaltschweißiger Patient mit Brustschmerzen, ausstrahlend in den linken Arm, in einem Bürohaus. Noch während der Anfahrt gibt’s ein Update: der Betroffene ist mittlerweile reanimationspflichtig geworden.

Eintreffen beim fraglichen Gebäude, ein großer, unübersichtlicher Betonklotz. Aber: ah, toll, da springt jemand bei einem Hauseingang auf und ab und winkt – da müssen wir rein.

Rein in die Eingangshalle, ziemlich viele Menschen auf einmal, und eine ziemliche große Halle außerdem ….. aber – ah, super, da hält ruft schon der nächste Helfer und hält uns – sogar mit Notschlüssel! – den Aufzug auf und gewährt uns so freie Fahrt in den 12. Stock.

Aufzugtür geht auf – unser Aufzug-Mann geleitet uns rasch ins fragliche Büro, wo bereits eine super Laienreanimation im Gange ist. Der Betroffene hatte sich bei Kollegen über Brustschmerzen beschwert, diese haben die Rettung verständigt und blieben die ganze Zeit über bei ihm, um ihn zu beruhigen. Darum haben sie auch sofort mitbekommen, als er das Bewußtsein verloren und einen Atemstillstand erlitten hat und konnten gleich mit der Wiederbelebung beginnen.

Fazit: nach 2 Wochen im Krankenhaus wurde der Patient wieder entlassen und ist heute wieder fit. Dank der Helfer, die sofort den Notruf getätigt haben, die uns sofort perfekt ins Gebäude und an den Ort des Geschehens gelotst haben, und natürlich dank derer, die ihn reanimiert haben. Aber jeder einzelne hat zum Erfolg des ganzen beigetragen, denn ohne die Einweiser hätten wir uns in dem fremden, Gebäudekomplex schlechter zurechtgefunden – und Zeit kann manchmal kostbar sein. Vielen Dank an alle, die sich trauen, zuzupacken und mitzuhelfen, wenn Not am Menschen ist!!!

Ohne die Hilfe seiner Kollegen wäre dieser Mann vermutlich gestorben. Hier hat alles perfekt ineinander gegriffen. Das Erkennen eines Notfalls, das Absetzen des Notrufs, die Laienreanimation und das Einweisen der Rettungskräfte.

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7 Kommentare leave one →
  1. 5. April 2013 06:15

    Schön, dass es hier den Beweis gibt, dass nicht alle Laien nur Gaffer sind oder gar gleichgülitg wegsehen.

    Das Wichtigste, was ich als Laie gelernt habe, ist, dass man vielleicht nicht immer alles richtig macht. Nichts tun ist aber immer falsch!
    Mein CPR-Kurs ist schon eine Weile her, und ob ich in einer Notsituation alles richtig anwenden würde, ist fraglich. Wenn dies aber alle denken und keiner was unternimmt, hilft das dem Patienten definitiv auch nicht.

    In dem Sinne, eine Auffrischung in Erster Hilfe ist mal wieder angesagt.

  2. 5. April 2013 10:19

    Diese Sammlung macht Mut! Danke dafür!
    Gerade die letzte Geschichte ist so erfreulich. Dafür von mir das Bundesverdienstkreuz am 700 Meter langen Bande für alle Beteiligten. 🙂

  3. 8. April 2013 13:39

    Hab Dir auch mal ne Mail geschickt. 😉

  4. 15. April 2013 15:35

    Paul, das ist eine großartige Initiative hier! Ich bin gespannt auf viele weitere mutmachende Geschichten!
    VG

Trackbacks

  1. Leben retten. Kannste auch. - Wie das Leben so spielt.

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