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Erste Hilfe Geschichten Teil 5…

26. April 2013

Krischan kommt zufällig zu einem Verkehrsunfall.

Ist schon fast zehn Jahre her, da fuhr ich nächtens im Herbst zurück
nach Hause mit dem Rad.

 

Große zweispurige Straße in Berlin mit einer
langgezogenen Kurve und auf der Gegenseite stehen etliche Autos vor
dieser Kurve. Zu viele für die Uhrzeit, also schau ich mal rüber, was
da los ist. Mist, da liegt einer auf der Straße, Motorradfahrer, liegt
einfach nur herum und die ausgestiegenen Autofahrer schauen nur hin.
Nur hinsehen geht doch nicht, schnell das Fahrrad an das Geländer
gelehnt und über Straße und Straßenbahnschienen direkt hin. Der
liegt auf dem Bauch am Rinnstein, da fließt ganz zäh Blut unter dem
Helm … lebt der noch? Das Visier des Vollhelms ist weg, von der Seite
kann ich das Gesicht etwas sehen, der schnauft noch, aber reagiert gar
nicht auf Fragen.

 

Zwei oder drei Autofahrer kommen näher, Rettungsdienst
ist gerufen, irgendwer drückt mir eine Goldfolie in die Hand, ich merke,
es ist kalt. Drüberlegen schadet nichts, aber der atmet immer schwerer,
der röchelt sein eigenes Blut ein. Scheiße, wie war das bei
Motorradfahrern? Helm nicht ab, aber eigentlich auch nicht bewegen, aber
das flüssige Röcheln wird immer langsamer und schwerer… ist das schwer,
den auf die Seite zu drehen.


Jaja, du hinter mir aus dem Off, Motorradfahrer darf man nicht bewegen
aber jetzt atmet der wenigstens wieder alleine, das Blut läuft zähflüssig
irgendwie seitlich aus Mund und Nase und ich muss mir nicht weiter
überlegen,wie man den mit Helm und dem Haufen Blut im Notfall auch noch beatmen könnte.


Die Goldfolie haben irgendwer und ich auch rumbekommen, nur droht der immer
zurückzurollen, ah, die Beine bei der stabilen Seitenlage, jetzt liegt er alleine und
ruhiger. Dann ist pltzöich der Rettungswagen da und ich setz mich
erstmal an den Rand, schnapp mir irgendwann später mein Fahrrad und laufe wackligen Beines die letzten Kilometer. Ob er das überlebt hat? Ob das alles nicht
so schlimm war? Ob ihm das Drehen geschadet hat? Hab ich nie
raus gefunden.

Ob der Mann dies überlebt hat, das bekommen wir Retter bei unseren Einsätzen meist auch nicht mit. Das drehen in die Stabile Seitenlage hat ihm in diesem Augenblick erst mal das Leben gerettet. Denn so kann das Blut raus fliesen und nicht in seine Lunge. Du hast alles in dem Moment richtig gemacht!

 

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16 Kommentare leave one →
  1. Aileen permalink
    27. April 2013 14:50

    Ich finde das eine ganz tolle Idee, Geschichten zu sammeln, zu veröffentlichen und zu zeigen, dass man sehr viel machen kann.
    Jetzt aber mal in dem Zusammenhang mit Motorradfahrern eine Frage: Ich habe im Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein gelernt, dass der Helm ab muss. Letzt in der Zeitung stand das auch. Manche sind der festen Überzeugung, Helm nur dann ab, wenn beatmen notwendig ist.
    Was mach ich denn jetzt? Wann muss er ab?

    • 27. April 2013 16:26

      Hallo Aileen,

      willkommen auf meinem Blog und danke für das Lob. Der Helm sollte abgenommen werden,wenn der Patient das selbst nicht mehr kann. Wenn er selbst dazu in der Lage ist, wird er ihn auch schon abnehmen oder schon abgenommen haben.

      Denn falls der Helm nicht abgenommen wird, kannst du gar nicht beurteilen, ob er noch atmet oder nicht. Auch wenn er erbrechen könnte, ist der Helm einfach nur hinderlich. Deswegen bitte den Helm abnehmen.

      LG

      Paul

      • JimBohne permalink
        28. April 2013 11:05

        Hallo,
        erst mal danke für den tollen Blog!

        Wenn der Motorradfahrer bei Bewusstsein ist soll der Helm auch auf jeden Fall runter oder meinst du nur dann wird er sich sowieso nicht davon abhalten lassen?

        Lg
        Jim

      • 28. April 2013 11:19

        Hallo Jim,

        willkommen auf meinem Blog und danke für das Lob 🙂 Er soll runter, wenn er bei Bewusstsein ist und wenn er es nicht ist. Wenn der Fahrer ihn natürlich nicht ausziehen möchte, dann soll er ihn halt anlassen, aber die meisten werden ihn früher oder später eh absetzen.

        LG

        Paul

      • Aileen permalink
        28. April 2013 11:32

        Dankeschön für die Erklärung, dann hatte ich das ja richtig in Erinnerung 🙂

      • 29. April 2013 20:27

        Oh, das hab ich mir bis heute also falsch gemerkt. Im Zweifelsfall hätte ich dem schon den Helm noch abgenommen, aber ich bin ganz froh, dass es auch so ging. Ich weiss ohnehin nicht, ob ich da jemandem zum Helfen gefunden hätte.

  2. 28. April 2013 19:05

    Hallo, wir haben in Sanitätskasten unserer Schule auch so eine Goldfolie, die auf einer Seite Gold und auf der anderen Silber ist. Welche Seite gehört eigentlich nach oben, oder ist das egal?
    Toller Blog übrigens 🙂
    LG Caoskind

    • 28. April 2013 19:20

      Hallo Caoskind,

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Und danke für das Lob 🙂 die goldene Seite nach außen wärmt den Patient, wenn die silberne nach außen zeigt, kühlt das den Patient, wobei ich das selbst noch nie gesehen habe.

      LG

      Paul

      • paul permalink
        23. Juni 2013 19:22

        Es ist bei der Folie völlig egal, welche Seite nach innen und welche nach außen kommt. Die eine Seite ist nur deshalb golden, weil die Folie aus der Bergrettung kommt und dort sollte der Verletzte im Schnee natürlich auch aus dem Hubschrauber möglichst sichtbar sein und da ist der Kontrast Schnee-Gold natürlich optimal und ins Auge stechend.

  3. 2. Mai 2013 01:39

    Hallo! Ich finde die Sammlung der Erfahrungen auch eine wirklich prima Sache, danke dafür. „Jaja, du hinter mir aus dem Off, …“ das war die Stelle, die mich sehr beeindruckt hat an dieser Geschichte, mein Respekt dafür, dass Krischan sich nicht hat verunsichern lassen in dieser Situation.
    Ich frage mich, woher eigentlich die allgegenwärtige und immer wieder artikulierte Angst, etwas falsch zu machen, kommt?

    • 2. Mai 2013 06:28

      Hallo Silverlaketales,

      willkommen auf meinem Blog 🙂 Woher diese Angst kommt!? Ich denke sie hat viele Gründe. Natürlich die, den anderen noch mehr zu schädigen und sich vlt lächerlich vor anderen zu machen. Wirklich begründen kann ich es aber selbst nicht.

  4. ms. hü permalink
    2. Mai 2013 11:57

    krischans erleben – da liegt ein motorradfahrer auf der straße, aber keiner hilft – deckt sich mit meiner erfahrung.

    ich bin vor ein paar jahren im berufsverkehr gegen 09:00 mit der maschine auf nasser straße gestürzt (nasse straßenbahnschienen).
    da lag ich im regen auf der rechten spur herum – und die autos fuhren weiter. einfach so. man fuhr langsamer und glotzte, aber es hielt niemand.
    ich kam nach einer weile allein hoch, kroch mehr oder weniger auf den bürgersteig und saß da, keine ahnung, wie lange, heulend. die maschine lag auf der rechten spur, der blinker blinkte weiß durch das zerbrochene blinkerglas, es bildet sich eine schillernde pfütze, weil benzin oben aus dem tank rausdrückt.
    der verkehr rollt.
    niemand hält an.
    früher vormittag, große stadt, berufsverkehr – minutenlang: nichts.
    endlich hält einer an, noch einer, man guckt kurz zu mir rüber, keine ansprache, nix – die beiden männer richten die maschine auf und verfrachten sie auf den bürgersteig. beide gehen wieder auf ihre autos zu und schicken sich an wegzufahren.
    das erste auto ist bereits weg, der motor des zweiten läuft auch bereits, da dämmert es dem fahrer, dass die weinende junge drau auf dem bürgersteig in lederklamotten, neben der ein helm liegt, evtl nicht heil geblieben sein könnte. er fährt das auto auf den bürgersteig, kommt zurück und fragt, ob es mir gut ginge und er den krankenwagen rufen soll. nein, geht es nicht, ja, bitte. das tut er – und fährt weiter.

    keine ahnung, wie lange ich noch dort saß.

    und es war wirklich eindeutig, dass ich nicht nur eine panne hatte: verkleidungsteile auf der fahrbahn, das motorrad deutlich beschädigt, ich selber in ordentlich zerschrammtem leder saß im regen auf dem nassen bürgersteig und heulte wie ein schlosshund.

    nach einigen minuten kam der rettungswagen, und die beiden jungen männer kümmerten sich dann um mich.

    ein hässliches erlebnis …

    • 2. Mai 2013 14:26

      Hallo ms Hü

      willkommen auf meinem Blog. Sowas möchte ich nie erleben. Ich kann gar nicht beschreiben wie sauer und fassungslos solch ignorantes Verhalten mich macht.

  5. 5. Mai 2013 10:52

    Dass viele Leute nur gucken und nicht helfen, musste ich leider auch schon erleben. Mir ist auf regennasser Straße ein Motoradfahrer hinten unters Auto gerutscht, weil er beim Bremsen seitlich weggerutscht ist. Ich hab ihn nach dem lauten Rums nur schreien hören (wie sich kurz danach rausstellte nur aus Schreck) und bin sofort aus dem Auto raus. Ausnahmslos alle Autofahrer sind glotzend an uns vorbeigefahren und haben sich angeguckt, wie ich mich abgemüht habe den armen Kerl irgendwie unter meinem Auto wieder wegzuziehen. Erst als er wieder stand, hielt eine ältere Frau an und fragte, ob wir Hilfe bräuchten.
    Ich ärgere mich über ein solches Verhalten immer wieder.

  6. Barnie permalink
    8. Mai 2013 11:32

    Noch ein kurzer Kommentar nach 1. Hilfekurs für Motorradfahrer: bei Bewußtlosigkeit IMMER Helm ab!!!!! Stabile Seitenlage mit Helm funktioniert nämlich nicht.

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