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Erste Hilfe Geschichten Teil 6…

1. Mai 2013

Die meisten Notfälle passieren doch im trauten Heim. Der Maskierte ahnte nichts, als es 3 Mal an seiner Tür klingelte.

Es war an einem lauschigen Frühlingstag im Mai, ein Samstag. Ich hatte gerade meine Pizza vom Pizzataxi in Empfang genommen und das erste Stück verzehrt, als die Türklingel hektisch geht. Zeugen Jehovas? Ich wollte es schon ignorieren, aber irgendwas trieb mich dann doch nachschauen.

Durch den Spion sehe ich meine alte Nachbarin von oben, die total aufgelöst dasteht. Ich öffne die Tür und sie bringt mir nur noch “Jürgen… in der Küche hingefallen!” entgegen. Die Tür meiner jungen Nachbarin Christel neben mir geht auch auf. Ich nehme meinen Schlüssel, ziehe meine Wohnungstür ins Schloss und renne hoch in die Küche. Da liegt Jürgen, sehr ungünstig mit dem Hinterkopf an einem Küchenschrank liegend. Er ist noch ansprechbar, kann aber nicht reden und man sieht sofort, dass er halbseitig gelähmt ist. Schlaganfall. Ich renne ins Wohnzimmer, schnappe das Telefon und wähle die 112. Dabei renne ich zurück in die Küche. Wie vom Band spule ich die Adresse und meinen Verdacht auf Schlaganfall runter. Ob er ansprechbar sei, werde ich gefragt. Ja, aber er kann nicht antworten. Er atmet und liegt ungünstig. Notarzt ist auf dem Weg, sagt man mir. Während dessen müssen Christel und Jürgens Frau zurück gekommen sein.

Ich schicke Christel raus an die Straßenecke, damit sie den Notarzt einweisen kann und Jürgens Frau lasse ich ein Kissen aus dem Wohnzimmer holen, um den Kopf zu stützen, der so ungünstig am Küchenschrank hängt. Ich habe Angst, dass die Wirbelsäule oder der Nacken Schaden genommen haben können und rede beruhigend auf Jürgen ein, er soll ruhig liegen bleiben, alles wird gut, Hilfe ist auf dem Weg und ich bin bei ihm.

Ich bekomme das Kissen, schiebe es vorsichtig statt meiner Hand unter den Nacken und dann kann ich nur noch ihm über den Kopf streicheln und weiter mit ihm reden.

Seine Frau rennt total nervös und hilflos durch die Küche, ich habe Angst, dass die mir noch umkippt. Aber erstmal braucht Jürgen mich.

Nach schier unendlich erscheinender Zeit, aber wahrscheinlich keine 3 Minuten hat es seit meinem Anruf gedauert, höre ich das Einsatzhorn des Notarztes. Ich war noch nie so froh im Leben, dieses Horn zu hören. Das Geräusch wird lauter und nähert sich und hört auf einmal auf. Wenige Momente später stürmt die Notärztin in die Küche. Sie schaut mich an und ich sage nur: “Schlaganfall.” Sie nickt und kümmert sich um Jürgen. Dann kommt der Rettungsassistent mit dem ganzen zusätzlichen Gepäck und ich ziehe Jürgens Frau sanft aus der Küche ins Wohnzimmer.

Christel ist ebenfalls wieder da und begleitet uns. Jürgens Frau ist in Tränen aufgelöst. Ich frage sie nach ihrem Enkel, mit dem ich letztens mal kurz zu tun hatte und von dem ich weiß, dass er in der Nähe wohnt, während Christel sich liebevoll um sie kümmert. Sie kann mir sagen, wo ich ihr Telefonbuch finde und sie sucht mir noch seine Handynummer raus.

Ich rufe an: “Ja, hallo, hier ist der Nachbar von Ihrer Oma. Der Opa ist gerade in der Küche umgefallen und die Oma brauch jetzt Hilfe.” Ja, er kommt sofort. Ich versuche auch noch ein wenig Jürgens Frau zu beruhigen, da kommt ein Rettungsassistent des hinzugerufenen Rettungswagens ins Wohnzimmer und fragt nach Medikamenten etc. Der Jürgen müsse jetzt ins Krankenhaus. Seine Frau sucht die Sachen raus, während Jürgen auf die Trage verfrachtet wird und es hinunter zum Rettungswagen geht. Ich werde gebeten, dass ich den Koffer vom Rettungsassistenten bitte mitnehmen möchte. Dann geht es wie in einer Prozession hinunter.

Draußen auf der Straße wird Jürgen gerade in den RTW eingeladen, da kommt der Enkel mit seiner Frau. Kurze Worte zur Oma und zu den Rettungsdienstlern, wo der Opa jetzt hinkomme. Dann bedankt er sich noch überschwenglich bei mir – wofür eigentlich? – und ich frage noch, ob man ohne mich klarkommt. Ja, kommt man und nochmal überschwenglicher Dank.

Ich gehe zurück ins Haus, sperre meine Wohnung auf, trete ein. Bis eben war ich noch cool und die Ruhe selbst. Doch dann fällt die Tür zurück ins Schloss und es trifft mich wie ein Hammerschlag. Beinahe hätte ich noch einen Notarzt gebraucht…

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3 Kommentare leave one →
  1. 1. Mai 2013 08:37

    Whow super reagiert. Und zum Glück das er nicht allein zuhause war.
    Ist er denn wieder vollständig genesen?
    Ganz liebe Grüße

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