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Erste Hilfe Geschichten Teil 9…

16. Mai 2013

Martina wurde Zeugin eines Verkehrsunfalls zwischen Auto und Fahrrad.

 

Auf dem Weg zur Kletterhalle musste ich über zwei Straßen einer durch 
eine Baustelle ziemlich unübersichtlichen größeren Kreuzung (veränderte 
Straßenführung, veränderte Ampelphasen, alles anders also). Mit mir 
überquerte eine ältere Dame mit ihrem Fahrrad ausgesprochen sorgfältig 
die StVO beachtend diese Kreuzung (auf dem Radweg, richtige Straßenseite 
beachtend, bei rot absteigend…). Da sie etwas älter war, brauchte sie 
zum Starten, wenn denn grün wurde, einen Augenblick, so dass ich die 
Straßenmitte 1 Meter vor ihr erreichte, sie mich dann aber überholte.

2 Meter vor mir gab es dann einen Zusammenstoß zw. einem Auto, dessen 
Fahrer aufgrund der Ampel- und Spurführungssituation in seinem 
Abbiegeverhalten wohl etwas abgelenkt war, und dieser Radfahrerin. Es 
war alles ziemlich knapp – SIE fuhr gegen das abbiegende Auto (ging so 
schnell, sie hätte nicht mehr anhalten können) und knallte irgendwo 
zwischen Motorhaube und Fahrertür gegen das Auto und kippte fast in 
Zeitlupe um und fiel auf die Straße. Sofort war ein junger Mann, der vor 
mir lief und einen Meter näher dran war bei ihr, auch der Fahrer stieg 
sofort geschockt aus und sprach sie an. Sie war ansprechbar und 
versuchte sich aus ihrem Fahrradwrack (ziemlich verbogen) zu wurschteln, 
blutete an Stirn und Lippe, und ich fragte nur, ob sie einen 
Krankenwagen braucht (natürlich! blöde Frage, naja, die Aufregung, das 
Adrenalin 😉 ). Und während die Herren zunächst die Dame, dann das 
Fahrrad und anschließend das Auto zur Seite brachten, rief ich die 
Rettung an und gab alle erforderlichen Daten durch. Die Herren kamen 
dann auch schnell, während wir die sichtlich geschockte Dame nur mühsam 
überreden konnten, sich an ein Geländer zu lehnen (Sitzen auf dem Boden 
oder gar im Unfallauto lehnte sie ab). Dann mein Fehler (ich hätte es 
besser wissen müssen – der letzte 1. Hilfe Lehrgang war nicht mal 2 
Monate her…) hab ich ihr zu Trinken angeboten, was sie schluckweise 
auch angenommen hat (und ihre größte Sorge war, dass meine Fantaflasche 
ja nun durch ihr Blut versaut wäre und ich nix mehr hätte 😉 ).

Die Rettungsleute versorgten die Dame im Krankenwagen, organisierten von 
ihr die Schlüssel für das völlig verbeulte Rad und schlossen es am 
Geländer dort an (fand ich sehr positiv!). Ich entnahm dem Rad dann noch 
den Tacho und gab ihn mit – sowas wird ja gern geklaut, wenn die Sanis 
das schon mitnehmen, dann das auch noch.

Zeugenaussage gabs dann natürlich auch noch (ging ja noch drum, wer bei 
rot und wer bei grün gefahren ist…) und währenddessen – hörten wir 10 
Meter hinter uns nur Bremsenquietschen und ein Krachen… der nächste 
Unfall – aber in die andere Richtung. Kurze Orientierung der Polizei 
rüber – offensichtlich nur Blechschaden, keine Aufregung… „Die sollen 
sich selbst jemanden anfordern…“

Obwohl es ja gar nicht sooo dramatisch war, hat mich dieser Unfall noch 
einige Zeit beschäftigt, und war verdammt froh, dass es so glimpflich 
ausgegangen ist.

Es war eine Frage von Sekunden, ob die Radfahrerin gegen das Auto oder 
das Auto gegen sie gefahren ist – wäre sie etwas schneller gestartet bei 
der Grünphase, wäre das wohl deutlich böser ausgegangen. Oder wäre ich 
ein paar Schritte schneller gewesen, hätte ich evtl. am Boden gelegen.

Beim anschließenden Klettern bin ich jedenfalls deutlich leichtere 
Routen als sonst geklettert -den Adrenalinkick hatte ich ja schon 
hinter mir…

 

Wie Martina schon selbst geschrieben hat, bitte keinem Verletzten oder Erkrankten etwas zu trinken oder zu essen geben. Auch keine Zigarette auf den Schreck rauchen lassen. Denn falls es zu einer OP kommt, muss derjenige nüchtern sein. 

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11 Kommentare leave one →
  1. energist permalink
    16. Mai 2013 10:14

    Ja, die Zigarette auf den Schreck… irgendwie scheint das bei Rauchern sehr tief drinne zu sitzen. Im Schock wird dann sowieso nicht mehr gedacht, sondern der automatische Griff zur Kippe läuft einfach von alleine ab.

    Das ging bei mir schonmal soweit, daß ein Unfallfahrer, als ich gerade absichern war, sich direkt an seinem Fahrzeug, das noch auf der rechten Spur der BAB stand und aus dem munter Betriebsstoffe ausliefen, die Kippe anmachte, während er seine Freundin mit dem Handy anrief. Es gibt vermutlich wenige Momente, in denen ich so doof geguckt habe 😉

  2. nadar permalink
    17. Mai 2013 17:58

    Ist man auch nach einem Glas Wasser nicht mehr nüchtern?

  3. /me permalink
    22. Mai 2013 09:33

    Hallo Paul,

    Ich finde Deine Serie wunderbar. Du erinnerst uns Laien an viele Details, die für Ersthelfer nützlich sind. Du ermutigst uns, mehr zu tun, wenn es mal zu einer Notfallsituation kommt. Ich hoffe, dass aufgrund Deines Schreibens die eine oder der andere auch den EH-Kurs wieder auffrischt, zumindest bei mir wäre das wieder mal fällg, ich war erst einmal seit dem Kurs vor dem Führerschein, in der ganzen Zeit.

  4. Mladen permalink
    27. Mai 2013 15:33

    Hallo,

    vielen Dank für die tollen Geschichten hier, da macht es einem Mut, auch in der Lage zu sein zu helfen, wenn es vielleicht mal erforderlich sein sollte. Ich kann mich da meinem Vorschreiber nur anschließen.
    Bislang gab es für mich bei vielen Geschichten den „Achja, richtig, so war das“ Effekt, aber hier habe ich etwas gelernt, was für mich wirklich neu ist: Dass der Verletzte, sollte es zu einer OP kommen, nüchtern sein muss (das weiß ich noch aus Erfahrung, aber ich hätte nie im Leben im Falle eines Unfalls daran gedacht). Dazu eine kleine Frage: Wie läuft das denn in der Praxis? Ein „normaler Verletzter“ ist doch ohnehin in den seltensten Fällen wirklich nüchtern, denn fast jeder hat ja gefrühstückt oder sonst was gegessen und getrunken. Wartet man dann eine Weile im Krankenhaus, falls das möglich ist? Und macht dann ein wenig Wasser einen großen Unterschied?

    Vielen Dank nochmal für die tolle Serie und der EH-Kurs wird bald nochmal aufgefrischt, versprochen! 😉

    • 27. Mai 2013 15:53

      Hallo Mladen,

      willkommen auf meinem Blog und danke für das Lob! Im Rettungsdienst wird niemand als nüchtern angesehen. Deshalb ist eine Intubation auch risikoreicher als im OP. Jedes Glas Wasser ist dann zuviel für die OP oder entsprechende Untersuchungen. Ob OPs verschoben werden, kann ich dir aber nicht sagen.

      Lg

  5. Matze456 permalink
    1. Juni 2013 19:57

    Hallo Leute,

    beim durchstöbern der Seite blieb ich kurz an der Geschichte hängen und auch an dem Kommentar, dass man einem Verletzten nichts zu trinken geben soll. Dem kann ich leider nur bedingt zustimmen. (Bin selbst in der Medizin KH/RD tätig). Inutbiert wird der bewusstlose Patient nur wenn das Airwaymanagement es verlangt. Bsp. Reanimation oder im Krankenhaus bei einer Operation unter Vollnarkose. Bei einer Rea. beispielsweise denke ich nicht, dass der Patient davor etwas trinken möchte. 🙂
    Zusätzlich würde dann auch die Absauge bereit stehen, sollte wirklich Mageninhalt nach oben kommen. Natürlich ist es richtig wenn man einem Schock-Patienten bzw. einem verletzten keinen Braten mit Soße serviert. Aber ein Glas Wasser schadet in diesem Fall nicht, denke ich. Fanta ist wie in diesem Beispiel vllt jetzt nicht die beste Lösung aber ein paar Schlücke davor würden an der nötigen Operation nichts verändern. Bei einem Patienten der nicht nüchtern ist, wird grundsätzlich eine Magensonde gelegt um eine Aspiration zu verhindern. Andernfalls würde, sofern möglich die Operation verschoben werden. Es wäre ja auch möglich, dass die besagte Dame in der Geschichte vorher beim Kaffeeklatsch war und dort zwei Stück Sahnetorte gegessen hat.

    Liebe Grüße
    M

    • 1. Juni 2013 21:01

      Hallo Matze,

      willkommen auf meinem Blog. Du und ich wissen vlt, weil wir es mal gelernt haben, wann man mal jemand was zu trinken geben können. Bei mir bekommt höchstens der noch wirklich ansprechbare Diabetiker etwas zu trinken, ansonsten niemand. Für was auch? Wenn er einen trockenen Mund hat, kann er gerne Lemon Stäbchen haben. Die 250 ml machen keinen Exikierten fitter oder die Kreislaufdisregualtion besser. Und wir sprechen hier von Notfällen, nicht weil uns kurz schwummerig beim zu schnellem Aufstehen wurde.

    • Peter permalink
      14. Juni 2013 14:20

      @ Matze456

      Essen und Trinken ist bei der Ersten-Hilfe von Verunfallten IMMER ein Tabu.

  6. 16. Juni 2013 00:42

    Hallo – die Geschichte hat mir heute geholfen, danke! Mein Freund und ich fanden einen Mann auf dem Gehsteig liegend – gerade noch so ansprechbar, keine sichtbaren Verletzungen. Sofort hin, angesprochen, Handy raus und Hilfe angefordert. Er hat dann ein paar Mal gemeint, daß er Durst hat aber da ich mich an den Artikel erinnert habe habe ich meinen Freund zurückgehalten der beim Laden um die Ecke was holen wollte(siehe dazu noch letzter Absatz). Habe ihn stattdessen an die Straßenecke geschickt um den RTW einzuweisen. Haben sonst nix anderes getan außer beruhigend auf den Mann einzureden und ihn vom Versuch aufzustehen abzuhalten (es war klar, daß er wieder zusammengeklappt wäre und sich dann sicher was getan hätte). War ein gutes Gefühl als die Rettung ankam (zum Glück waren es nur 10, vllt15min, aber puh, die sind laaang wenn man wartet) und da 4 fachkundige Leute aussgestiegen sind.

    Was mir auch aufgefallen ist – heutzutage sind die Leute beim Notruf viiiiel besser im Umgang mit Ersthelfern geschult und viel freundlicher. Als ich ca 1997 mitten in der Nacht bei der Parkplatzsuche einen fast bewusstlosen, schwer alkoholisierten Mann mitten auf der Straße liegen fand und mit meinem damals allerersten Handy die Rettung gerufen habe wurde ich noch barsch angeschnauzt, daß ich gefälligst die Polizei rufen solle, wenn der Mann „sonst nix hat“ (? Hä? Bin ich Arzt?), weil die „für Besoffene“ zuständig seien. Selbst meine Aussage, daß der sich ja die Stirn gestoßen hätte und ein wenig bluten würde galt damals nix. „Da müssen Sie schon die Polizei rufen, für Besoffene kommen wir nicht“(!). Und alles in angenervtem, barschem Ton. Ich dachte ich spinne. Va weil für mich zwischen den Zeilen sehr deutlich rüberkam „wenn sie uns anfordern und der dann aber in Wirklichkeit ’nur‘ besoffen ist, dann…. kriegen Sie Ärger/müssen Sie den Einsatz zahlen/“. Ich hab mir tagelang noch Sorgen gemacht hab ob die Polizei (die nicht wirklich den Ruf hatte mit Betrunkenen besonders behutsam umzugehen) sich um den ordentlich gekümmert hat und ob der nicht doch eine Gehirnerschütterung oder so gehabt hatte. War ein furchtbares Gefühl damals.

    Diesmal dagegen – super freundlich – Notruf 112, es meldete sich die Polizei, kam nach Schilderung des Sachverhalts gleich ein „ok, Rettung ist verständigt, ist zu Ihnen unterwegs, bleiben Sie bitte bei der Person“ usw. Als der RTW nach (ewig erscheinenden) 5min noch nicht da war und uns der Mann erzählt hatte, daß er Diabetiker sei und es ihm immer schlechter zu gehen schien habe ich dann weil eben erinnert an diesen Artikel und unsicher ob wir nicht doch was holen sollten bzw wie lang wir noch warten müssen einfach nochmal 112 angerufen, der Mensch (denke ein anderer) am Notruf war wieder super nett, hat mich dann gleich zur Rettungszentrale durchverbunden, der dort hat auch freundlich mit mir gesprochen, mir den aktuellen Standort des RTW durchgegeben und mir freundlich Anweisungen/Zuspruch gegeben. SO stellt man sich das vor – eine enorme Verbesserung gegenüber damals vor 15 Jahren! Ich fühlte mich toll unterstützt und informiert vom Notruf, genau so soll es sein, denn als Laie hat man in der Situation genug Adrenalin.

    • 16. Juni 2013 06:07

      Hallo Tina,

      willkommen auf meinem Blog und vielen Dank für deine Erste Hilfe. Ich freue mich natürlich sehr, dass dir mein Blog geholfen hat. Ja ich glaube es hat sich zum Glück viel getan im Rettungsdienst seit 98.

      LG

      Paul

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