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Erste Hilfe Geschichten Teil 10…

23. Mai 2013

Manchmal sieht man nicht viel, man ist sich aber doch sicher, dass etwas passiert ist. Wahlberliner ging es so, aber lest selbst.

 

Es war kurz nach der Jahrtausendwende, ich hatte einen Nebenjob als
Nacht-Kurier von Zeitungen. Abends aus dem Raum Mittelhessen runter in die Schweiz, und dann wieder zurück. An diesem Tag war ich auf einer Tour, die mich noch während der Dunkelheit und „Nacht-Ruhe“ über  die Autobahn zurück führte, es war auf der A5 bei Friedberg in Richtung Norden.

 

Ich fuhr mit meinem VW-Bus auf der mittleren Spur, weil eh frei war, und weil ich keine Lust hatte, auf der von LKWs in Mitleidenschaft gezogenen rechten Spur durchgeschüttelt zu werden. Jeder hätte mich links überholen können, weil die Autobahn an der Stelle 3-Spurig ist. Nur hatte ich keine Lust, mich rechts überholen zu lassen, was aber
tatsächlich jemand versucht hat. Ich habe das beobachtet, und in dem Moment, wo er mit seinen Lampen auf der Höhe meiner Rücklichter war, den Blinker nach rechts gesetzt, und den Fuß auf’s Gas, um ihn links an mir vorbei zu lassen. Das ganze unter höchster Konzentration, denn ich wollte ja keinen Unfall bauen. Dass es sich dabei um ein irrsinniges
Leichtsinnsmanöver gehandelt hat, was ich heute bei klarem Verstand nicht mehr machen würde, ist auch klar – aber damals war ich Anfang 20 und jung und unerfahren, hatte also mehr Glück als Verstand – es ging nämlich alles gut. Aber während dieser Situation, oder kurz nachdem sie vorbei war, habe ich auf der Gegenspur irgendwelche Brocken durch die Luft fliegen gesehen.

 

Fast hätte ich mir nichts dabei gedacht, bis ich gemerkt habe, dass über einer Autobahn normalerweise keine Gegenstände durch die Luft fliegen, also dass sich da gerade ein ziemlich böser Unfall ereignet haben muss (der sich auf meiner Seite ja nicht ereignet hatte). Also habe ich sofort darauf zum Handy gegriffen und die 110 angerufen, meine Position durchgegeben und mitgeteilt, dass ich auf der Gegenfahrbahn Brocken durch die Luft fliegen gesehen habe.

 

Kurze Zeit später habe ich dann auch im Verkehrsfunk bereits die Meldung gehört, Vollsperrung, Bergungsarbeiten etc.
Dass ich damals dumm und leichtsinnig war, und verdammtes Glück hatte, dass der mich rechts überholen wollende Fahrer auch ein ausreichend guter Autofahrer war, so dass er wegen mir und meinem Ego in der Situation voll in die Eisen gegangen ist, ist mir natürlich klar. Ich verzeihe es mir deshalb, weil ich mit ziemlicher Sicherheit der erste
oder einer der ersten war, die in der Rettungsleitstelle angerufen haben und den Unfall auf der Gegenfahrbahn meldeten, und somit vielleicht sogar trotz meiner Dummheit einem Menschen das Leben gerettet habe.

 

Im Nachhinein kam mir der Gedanke, dass es an dieser Stelle zu diesem Zeitpunkt vielleicht zwangsläufig einen Unfall hätte geben müssen, nur dass die Wirklichkeit (Schrödinger’s Katze…) noch nicht entschieden hatte, auf welcher Spur – und dass ich eben irgendwie das Glück gehabt habe, nicht der Betroffene gewesen zu sein. Vielleicht brauchte es das
sogar für die Einsicht meinerseits, dass derartig idiotisches Fahren nicht angebracht ist. Die Gegenfahrbahn und deren Unfall hatte ja mit meiner Situation nichts zu tun, es waren mindestens 2 Spuren und ein Mittelstreifen dazwischen, aber trotzdem hat diese Konstellation irgend etwas Schicksalhaftes an sich gehabt.

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2 Kommentare leave one →
  1. Peter permalink
    25. Mai 2013 15:27

    Herrgott, wie man als junger Mensch Auto fährt… selbst als reflektierter Zeitgenosse. Wenn ich zurückblicke, schüttele ich den Kopf bei mancher Erinnerung an mein eigenes Fahrverhalten. Wie einfach und entspannt es sich in Deutschland fahren lässt, hätte ich lange nicht geglaubt.
    Meine Hauptbeobachtung ist, dass einem eine erhöhte Geschwindigkeit (im Vergleich zum Verkehrsfluss) nur einen geringen Zeitvorsprung verschafft. Mal ganz abgesehen von der schnelleren Ermüdung bei solchen Aggrofahrten und zwangsläufig den häufigeren Tankstops. Jeder Berufsfahrer schnallt das irgendwann. Irgendwann sicher….

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