Skip to content

Vom Retter zum Geretteten…

2. Juni 2013

Vor ein paar Tagen bin ich über die Geschichte von Euro gestolpert. Er ist fast so lange im Rettungsdienst unterwegs wie ich und seine Geschichte hat mich berührt, denn es kann jeden von uns treffen. Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, dass wir es mit Menschen zu tun haben und nicht mit Gegenständen, aber lest selbst.

Es war der 27.12.12 als das Unheil seinen Lauf nahm. Ein paar Freunde und ich beschlossen ein paar Tage dem Alltag zu entfliehen und fuhren zum Kurzurlaub an die Nordsee. Das Wetter war zwar auch dort nicht wirklich besser, aber dennoch tat die Abwechslung uns allen gut. Vom Wetter her war es kalt, nass und mitunter sehr stürmisch. Das alles hielt uns jedoch nicht ab die Gegend ausgiebig zu erkunden. Neben einigen Strandbesuchen mussten zahlreiche Fischverkaufsläden unsere Anwesenheit und Gier auf frischen Fisch ertragen. Am 31.12. war es dann soweit… der erste Husten begann mich zu quälen. Zusätzlich fühlte ich mich ein bisschen platt. Das fehlte mir noch, ein grippaler Infekt über Silvester im Urlaub na herzlichen Glückwunsch! Zum Glück hatte ich Paracetamol für eine ganze Fußballmannschaft dabei. Somit konnte ich nicht nur die Temperatur senken sondern auch gleichzeitig mein Wohlbefinden deutlich steigern. Wir ließen uns nun von weiteren, ausgiebigen Spaziergängen jedoch nicht weiter abhalten. Gegen Abend waren wir vom Regen völlig durchnässt, die Kälte tat ihr übriges: Wir waren platt und froh wieder im Haus zu sein. Hier gingen wir nacheinander erst mal alle heiß duschen. Anschließend setzten wir uns alle beisammen, spielten ein wenig, konsumierten leckere Knabbereien (es war ja schließlich Silvester) und hatten einfach Spaß mit guten Freunden zusammen zu Silvester zu feiern. Gegen Mitternacht beschlossen wir einstimmig schnell noch zum Strand zu fahren. Keiner von uns hatte je ein Feuerwerk an der See mitgemacht. Wir zogen uns also schnell an, teilweise wieder in die noch feuchten Sachen und fuhren nach Neuharlingersiel an den Strand. Zu unserer Überraschung waren wir nicht die einzigen mit dieser wundervollen Idee, der Strand war voll. Nachdem wir nun eine Stelle zum Aufstellen unserer Silvesterraketen gefunden hatten konnte es los gehen. Sehnsüchtig erwarteten wir das neue Jahr. Nach einigen Minuten war es dann soweit und es konnte los gehen. Inzwischen waren wir auch bereits ziemlich durchnässt. Nach einer guten halben Stunde war dann auch der letzte Knaller weg und wir fuhren, mittlerweile klatschnass, zurück in unser Haus. Dort feierten wir noch ein wenig bevor wir ins Bett gingen. Am nächsten Morgen fühlte ich mich bereits hundeelend. Ich hatte Fieber und einen starken, spastischen Husten. Da war sie wieder, meine Standartkrankheit: die spastische Bronchitis. Ich ging einen Tag später zum Arzt welcher meine Diagnose bestätigte und mir ein Antibiotikum sowie ein Kortikoid verschrieb. Unter dieser Medikation ging es mir auch rasch besser. Das einzige was nicht so richtig gehen wollte war der Husten. Obwohl mich das Kröchen auch noch nach 3 Wochen in Schach hielt, ging ich nicht zum Arzt. Es waren einige Kollegen krank und somit musste ich Zusatzschichten fahren, ich hatte also auch keine Zeit für einen Arztbesuch. Am 4.2. bekam ich beim Husten einen stechenden, linksthorakalen Schmerz. Dieser Schmerz war nach kurzer Zeit so heftig, dass ich mich entschied während des RTW Dienstes mal eben einen Akademiker von den Internisten des örtlichen Krankenhauses auf meine Lunge horchen zu lassen. Meine Temperatur war auch bereits in einen leichten Fieberbereich angestiegen. Nachdem der Doktor mich abgehorcht hatte, gab er mir Symbicort mit. Die Nacht war die Hölle. Ich wälzte mich von der einen auf die andere Seite und war froh wenn es zur Abwechslung mal piepste. Die Schmerzen wurden allerdings immer heftiger. Am nächsten Morgen fuhr ich nicht nach Hause sondern direkt zu meiner Hausärztin. Sie verschrieb mir zusätzlich ein Antibiotikum, die restliche, bereits vorhandene Medikation sollte ich beibehalten. Außerdem erhielt ich eine AU. Doch es wurde nicht besser. 

Ambulante Abklärung und stationäre Aufnahme

Am Abend entschied ich mich ins nächste Krankenhaus zu fahren um vorsichtshalber mal ein EKG und ein Röntgen Thorax machen zu lassen. Ich wollte auf Nummer Sicher gehen. Beides war jedoch negativ, zu diesem Zeitpunkt war die Lunge noch frei und knöcherne Verletzungen waren ebenfalls keine auszumachen. Ich fuhr also, zwar mit Schmerzen aber doch beruhigt, wieder nach Hause. Anderthalb Tage später, am 7.2. fuhr ich erneut ins Krankenhaus, diesmal allerdings mit dem Ziel stationär aufgenommen zu werden. Ich musste auch gar nicht viel tun, die Ärztin hörte meine Lunge ab und sagte sofort, dass ich am Besten stationär aufgenommen werde. Die Lunge hörte sich an als würde darin ein Musiker mit Rasseln üben. Sie bestätigte meinen Verdacht: Pneumonie! Ok dachte ich, vielleicht 2 Wochen dann bin ich hier wieder raus.

Es ging mir immer schlechter

Doch trotz der Antibiotikagabe ging es mir von Stunde zu Stunde immer schlechter, inzwischen spuckte ich nur noch blutigen Sputum aus. Nachdem ich am Morgen des 8.2. über zunehmende Atemnot klagte und wohl bereits blaue Lippen hatte, wurde mir die Sättigung gemessen. Ich hatte noch eine Sättigung von gerade mal 78%. Mir wurde umgehend eine Sauerstoffbrille mit 4l Sauerstoff verabreicht. Anfangs stieg die Sättigung auch noch immerhin auf 92%. Gegen Abend allerdings war ich wieder bei 80 trotz O2. Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich hatte im vergangenen Jahr den Divi Kurs gemacht, ein Schwerpunktthema waren Ecmo Tranpsorte bei ARDS. Sollte sich bei mir etwa ein ARDS entwickeln? Diese Vorahnung erzählte ich auch meiner Mutter. Ich hatte nun echt Angst und verstärkt wurde die Angst noch dadurch, als am 9.2. die Schwester in mein Zimmer kam um mich wegen anhaltend schlechter Werte auf die Intensiv zu verlegen. Hier wurde ich ans CPAP angeschlossen wodurch die Werte sich zunächst stabilisierten.

Advertisements
11 Kommentare leave one →
  1. Dstn permalink
    2. Juni 2013 15:04

    Wann kommt die Fortsetzung?
    Viel zu spannend!
    Euro, ich hoffe, dass es dir wieder gut geht.

  2. 2. Juni 2013 15:05

    Übel… und dann?

  3. euro79 permalink
    2. Juni 2013 19:22

    Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen,

    Eines Vorweg, es geht mir den Umständen entsprechend gut. Meine Lunge hat wahrscheinlich keine bleibende Schädigung zurückbehalten und vom Wohlbefinden her fühle ich mich ganz gut. Derzeit befinde ich mich in der Anschlußheilbehandlung um vor allem meine Muskulatur wieder auf Vordermann zu bringen. Da dies ein sehr langwieriger Prozess ist, wird meine Arbeitsunfähigkeit aber wohl noch ein paar Monate andauern. Zum Schluss wird es dann möglicherweise bis zu einem Jahr gewesen sein.

    Die Geschichte ist in der Tat sehr lang aber es waren auch viele Erlebnisse/ Eindrücke die ich erlebt habe. Kaum einer von uns hat jemals die Möglichkeit auch mal „von der anderen Seite“ etwas zu hören. Wir machen unseren Job und gut ist, so zumindest in den meisten Fällen. Vor allem wenn man in die Rutine kommt, gerät das menschliche oftmals in den Hintergrund denn alles ist so selbstverständlich. Doch so selbstverständlich ist es für den Patienten dann eben doch nicht. Obwohl ich die meisten Maßnahmen kannte, so ist doch mehr Angst dabei als mancher sich eben vorstellen kann. Man ist einfach nur froh wenn man über die ein oder andere Maßnahme im Vorfeld informiert wird. Ich hoffe, den ein oder anderen mit meinem Text zum Überlegen anregen zu können und wünsche Euch viel Spaß (wenn man das denn so sagen kann) beim Lesen. In diesem Sinne auch nochmal vielen Dank an alltagimrettungsdienst

    • Tauchaussie permalink
      3. Juni 2013 12:55

      Schön zu lesen, dass du auf dem Weg der Besserung bist (bzw. Wieder gesund wirst).
      *will jetzt endlich weiterlesen*

  4. seelenteil permalink
    2. Juni 2013 20:41

    danke für so einen bericht! ich bin selber nur auf patientenseite aber es ist sicherlich gut, wenn die „retter“ wissen, wie sich DIESE angst anfühlt. dann wird sicher auch vorbildlich mit dem patienten als mensch umgegangen. patienten, die angst haben sind viel leichter zu „behandeln“ wenn man ihnen hilft diese furcht zu bändigen und zumindest nicht selber noch zusätliche auslöst indem man „einfach handelt“

  5. Angsthase permalink
    2. Juni 2013 23:02

    Ich leider seit vielen Jahren unter einer Arztphobie, auf Grund etlicher negativer Erfahrungen aus frühester Kindheit. Ich gerade sehr schnell in Panik wenn medizinisches Personal mir zu nahe komme. Mir selber hilft es extrem, wenn die Person dann beruhigend und verständnisvoll mit mir umgeht und sich nicht lustig macht oder blöde Kommentare abgibt oder womöglich unfreundlich wird. Es kann dann leicht passieren, das ich dann aus Panik aggressiv reagiere und weglaufen will, weil ich diese Panik dann nicht mehr unter Kontrolle bekomme.

    Wenn ich selber im ehrenamtlichen Bereich aber auf „der anderen Seite“ tätig bin, dann hilft mir meine Phobie allerdings entsprechend einfühlsam mit den Patienten umzugehen und ihnen die Angst zu nehmen. Insofern hat meine Phobie durchaus was gutes.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: