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Vom Baum gefallen…

4. Juli 2013

Genau das ist mit 9 Jahren Schwesterle passiert. Und auch dieser Artikel zeigt wieder, auch Kinder können Erste Hilfe leisten!!

Es war ein spätsommerlicher, schöner, sonniger Tag. Ich war 9 Jahre alt, als ich mit meiner Freundin zum Spielen raus ging. Wir gingen auf eine große Wiese und spielten eine Weile vor uns hin. Wir fingen Grashüpfer in einem großen Eimer. Ich war damals schon eine begeisterte Baumkletterin gewesen und wollte meiner Freundin zeigen, das ich stark bin und keine Angst habe. “Guck mal, ich zeig dir, wie toll ich klettern kann“, sagte ich zu ihr und rannte zu einer großen Eiche, die am Rande der Wiese neben einem alten Bauernhaus stand. Begeistert erklomm ich den Baum bis zu der Krone und hatte einen wunderbaren Ausblick. Meine Freundin wollte nicht mit hochklettern, denn sie hatte Höhenangst.
Irgendwann wurde mir der schönste Ausblick zu langweilig und ich musste auch langsam nach Hause, weil es Abendessen gab (Unpünktlichkeit war schon immer eine Sache, die bei mir gar nicht ging ). Ich machte mich an den Abstieg und merkte schon, das einige Äste nicht so stabil waren, wie sie es vorgaben zu sein. Einige brachen schon ab, als ich mich ein wenig fest hielt. Wie ich es damals rauf geschafft habe, bleibt mir ein Rätsel. Naja und wie es so kommen musste, brach ein Ast, auf dem sich vorher noch mein Fuß befunden hatte, weg und ich stürzte ca. 3-4 Meter in die Tiefe. Danach wurde es erstmal dunkel.

Als ich wieder zu mir kam, stand meine verängstigte Freundin über mir und fragte, ob ich okay bin. “Natürlich bin ich okay”, sagte ich zu ihr, denn ich spürte keine Schmerzen. Dann versuchte ich aufzustehen und konnte es nicht. Ich stand und als ich einen Schritt laufen wollte, knickte ich direkt wieder ein. Ich fasste mir an meine rechte Hüfte und hatte Blut an meiner Hand. Meine Freundin sagte, das sie losläuft und Hilfe holt. Ich, blöd wie ich war, sagte:” Ich möchte aber keinen Arzt.” Keine Ahnung, warum ich das gesagt habe, denn sicherlich brauchte ich ganz dringend einen. Sie lief dann los und war weg. Wie sich später dann herausstellte, ist sie zu meinen Eltern gelaufen. Da lag ich nun, zwischen Steinen und Wurzeln und wusste nun nicht, ob sie Hilfe gerufen hat oder nicht. Es verging einige Zeit, da kamen 2 Radfahrerinnen vorbei gefahren. Ich rief im Hilfe und sie kamen direkt zu mir. Sie kümmerten sich ganz nett um mich. Eine von ihnen klingelte beim Bauernhaus und gab Bescheid, das ich in den Wurzeln lag. Der Besitzer des Hauses setzte den Notruf ab.

Wenig später kam mein Vater mit dem Auto angefahren, meine Schwester im Schlepptau. Mein Bruder kam mit dem Rad angefahren. Ich fing an mit weinen. Das wurde mir doch zu viel Auflauf um mich herum. Von weitem sah ich den Rettungswagen anrollen. Ich wollte nicht ins Krankenhaus, was ich den netten Herren des RTW´s auch verkündet habe. Irgendwie haben sies dann doch geschafft, mich auf eine Vakuummatratze zu legen und haben mich mitgenommen. Meine Schwester fuhr im RTW mit. Im Krankenhaus angekommen, kam ich in die Notaufnahme. Man legte mir einen Venenzugang, ich weiß noch, das man mir gesagt hat, das ich jetzt einen tollen Schmetterling in den Arm bekommen würde. Dann wurde Ultraschall gemacht, um zu sehen, ob ich innere Verletzungen hatte. Meine Schürfwunde an der Hüfte wurde versorgt. Und ich wurde geröntgt. Ich hatte mir wohl die rechte Hüfte beim Aufprall gebrochen, es war aber zum Glück soweit nichts verschoben, das man mich hätte operieren müssen, nochmal Glück gehabt. Mit 4 Wochen Bettruhe würde es auch so heilen. Außerdem hatte ich wohl 1-2 gebrochene Rippen, von denen ich nichts merkte. Ich hatte überhaupt gar keine Schmerzen, fällt mir so auf. Naja nun wurde ich dann stationär in der Kinderklinik aufgenommen.

In der ersten Nacht verlor ich schon den mühsam von den Ärzten gelegten Venenzugang, brauchte aber keinen neuen. In dieser Zeit habe ich viel erlebt, von Kindern mit Appendizitis, die noch nach alter Manier mit Hebe-Senk-Einlauf auf eine Op vorbereitet wurden. Von einem wirklich blöden Mädchen, was den Fernsehr ausmachte, als sie entlassen wurde und ich mich mit ihr fürchterlich in die Haare bekommen hatte. Dann hab ich mich mit einem Mädel angefreundet, das sich die Wirbelsäule bei einem Sturz vom Pferd verletzt hatte und noch länger liegen musste, als ich. Wir guckten täglich Cinderella. Dann gab es noch eine Nachtschwester, die sich mit ihrem Strickzeug, wenn sie Dienst hatte, zu uns setzte, bis wir eingeschlafen sind. Ich wurde einmal in der Woche geröntgt, musste nicht gelagert werden, weil ich mich auf die linke Seite drehen konnte. Musste aber morgens versorgt werden. Meine Eltern kamen täglich zu Besuch, brachten mir Süßigkeiten mit, nur mir und diese wurden dann unter den Kindern aufgeteilt. Das fand ich gemein. Außerdem verstand eine Schwester nicht, das man nach dem Zähneputzen noch einen Zahnpflegekaugummi essen durfte, ohne das die Zähne Schaden nahmen und zwang mich, meine Zähne erneut zu putzen. Meine Lehrerin kam auch alle 2-3 Tage vorbei, um mir die Hausaufgaben zu bringen und ein wenig Unterricht mit mir zu machen, was für eine tolle Lehrerin. Auch hatte sie einmal ein paar Mitschüler dabei. Sie schenkte mir damals ein kleines Schaf, was ich noch heute besitze. Nach 3 Wochen durfte ich mich langsam ein wenig mobilisieren, bis zur Toilette und zurück und langsam über den Flur laufen. Den größten Teil des Tages musste ich aber trotzdem im Bett verbringen. Nach 4 Wochen wurde ich entlassen, war noch 1 Woche krank geschrieben und hatte 1 Jahr Sportbefreiung in der Schule.

Das Einzige, was ich davon zurückbehalten habe, ist ein leichter Beckenschiefstand, der mich manchmal stolpern lässt, aber sonst habe ich keine Schäden zurückbehalten. Ich weiß nicht, ob mich dieses Erlebnis schon damals irgendwie dazu bewogen hat, Krankenschwester zu werden, aber er hat sicherlich dazu beigetragen, meine Neugier für Medizin zu wecken. Im Nachhinein bin ich froh, an die 2 Damen gekommen zu sein, die mir so schnell geholfen haben, die wussten, was sie tun und an meine Freundin, die so geistesgegenwärtig war, meinen Eltern Bescheid zu sagen.

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4 Kommentare leave one →
  1. schwesterle permalink
    4. Juli 2013 09:15

    Danke fuer die Veroeffentlichung *freu*

  2. 9. Juli 2013 19:42

    Gut das deine Freundin die Situation richtig eingeschätzt hat und Hilfe geholt hat, auch gegen deinen Willen!

    • schwesterle permalink
      11. Juli 2013 07:46

      Find ich auch gut, ich denk, das ich damals wenig Aufsehen erregen wollte. Heutzutage würde ich das anders machen, aber damals 😀

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