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Erste Hilfe Geschichte Teil 16…

10. Juli 2013

Von Oliver stammt diese Geschichte aus dem Büro.

 

„Kommst Du mal bitte?“
Ich blicke vom Laptop auf und schaue in die Richtung aus der die Stimme kommt. An der Bürotür steht C., die Chefin vom Kundensupport und an ihrem Blick sehe ich, dass irgendwas passiert ist.
„Anna ist schlecht geworden und sie hat sich hingelegt“. Anna, das ist eine Mitarbeiterin, die ich immer besonders im Auge habe, denn sie ist Diabetikerin. Es kann schon mal vorkommen, dass Anna sich unwohl fühlt, und sich für ein paar Minuten auf die Bürocouch im Keller legt. Normalerweise legt sich dann ihr Zustand wieder. Diesmal ist alles anders.
„Wann?“ „Vor etwa 20 Minuten, aber jetzt reagiert sie nicht mehr“.
Anna hat wohl heute morgen schlecht gefrühstückt oder ihren Ablauf, den sie zwingend braucht, nicht einhalten können. Den Kolleginnen war es schon aufgefallen, dass sie ziemlich durch den Wind war. Als sie sich dann Richtung Couch abmeldete, sprachen sich die Mädels kurz ab und unter verschiedenen Vorwänden, bestimmte Kundenvorgänge zu suchen, sahen sie bei der Couch in 10-Minuten-Abständen nach dem Rechten. War Anna zu Beginn noch normal ansprechbar, war sie seit dem letzten Besuch ein paar Minuten vorher regelrecht weggedämmert, wie mir die Vorgesetzte von Anna erzählt.
Alarm. Schnell in den Keller zur Couch, Anna liegt schon in stabiler Seitenlage, die Kolleginnen haben sich also bei der letzten Schulung was gemerkt. Auch der Kopf ist überstreckt. Respekt. Gut gemacht! „Als ich vor 10 Minuten hier war, hat sie noch reagiert, aber irgendwas war anders, drum bin ich früher wieder runter“ meinte die „wachhabende“ Kollegin, die sich um Anna gekümmert hat. Atmung und Puls vorhanden aber Bewusstseinszustand eher somnolent. Kalter Schweiß. Schmerzreiz am Nasensteg ohne Erfolg. „Habt ihr den Notruf schon abgesetzt?“ frage ich kurz. „Nein, wir wollten erst Deine Einschätzung hören. Nicht tragisch. Ich zücke das Telefon und melde mich bei der Leitstelle. „Patientin, Mitte 20, bekannte Diabetikerin, nicht ansprechbar, Vitalwerte vorhanden“. Der Disponent erkennt mich schon an der Formulierung als „vom Fach“. Ich gebe noch die Adresse an und frage, wo der Rettungswagen herkommen wird. Er kommt vom Ort.
Zur Kundendienstleiterin: „Bitte gleich einen Kollegen rauf an die Straße zum Einweisen vom Rettungsdienst“. Die Rettungswache ist am Ende der Straße, an der der unsere Firma liegt, da ist innerhalb kürzester Zeit mit der Ankunft zu rechnen.
„Ist schon geregelt.“ Gut, das läuft. Ich beobachte Annas Vitalwerte und warte auf den Rettungsdienst. Eine andere Kollegin bringt schon mal Annas Handtasche mit dem „Besteck“, also dem Insulinspender und den Tester mit. Unwahrscheinlich, dass diesmal die Genesung schnell gehen würde, drum bringen sie schon mal alle Sachen runter. „Wir haben ihren Freund angerufen, er fragt, wo sie wohl hinkommen wird“
Der Rettungsdienst trifft ein, und wird vom Einweiser schnell in den Keller gebracht. Kurze Übergabe mit dem bekannten Rettungsassistenten. EKG und Zuckerwerte. Über 400. Seeehr hoch. „Wieviel hat sie denn normal?“ Die Kollegin antwortet. „Normal sind bei ihr wohl 250, aber das ist stark tagesform abhängig.“ Anna ist diesbezüglich wirklich ein Sorgenkind, denn sie ist oft krank, möchte sich aber nicht schonen, weil die Kollegen ja alles für sie mitmachen müssen. „Wir fahren sie rauf“ Also geht’s ins Kreisklinikum, die danebenstehende Kollegin packt Annas Sachen „Kann ich mitfahren und bei ihr bleiben, bis ihr Freund da ist?“ Sie kann. Anna wird behutsam in den RTW verladen, und kann nach 2 Tagen Kontrolle das Krankenhaus wieder verlassen.
Es ist schön zu sehen, dass auch diesmal alles geklappt hat. Die Mädels wissen, worauf sie zu achten haben und was zu tun ist.
Ich setze mich nach dem „Einsatzende“ noch kurz mit den Kolleginnen zusammen und spreche mit ihnen durch, was und wie es abgelaufen ist.
Seit dem ersten Mal, als Anna umkippte, hat sich viel verändert. Die Kollegen und Kolleginnen von Anna sind aufmerksamer und können die aktuelle Lage immer gut einschätzen. Sie wissen, wann es ernst wird und reagieren sehr professionell.
„Die stabile Seitenlage war gut, ihr habt diesmal auch den Kopf überstreckt“ – „Hast Du ja beim letzten Mal geschimpft“. „Geschimpft… Naja. Nur den Notruf hättet Ihr auch gleich machen können – welche Nummer wählt ihr dann?“ Wie aus einem Mund „112“.

Froh, dass diesmal wieder gut abgelaufen ist, trinken wir noch einen Kaffee miteinander und gehen dann wieder unserer Arbeit nach.

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5 Kommentare leave one →
  1. 10. Juli 2013 19:57

    Da sieht man mal wieder wie wichtig es ist das Arbeitskollegen und andere Personen aus dem Umfeld über bestehende Krankheiten informiert sind!
    Toll gelaufen das Ganze! Solche Arbeitskollegen wünscht sich jeder!

  2. seelenteil permalink
    11. Juli 2013 01:44

    Wow…. was für tolle kollegen! Die Idee mit dem runtergehen unter vorwand….;) süß!

  3. 12. Juli 2013 19:01

    Ist doch fast perfekt gelaufen. Es ist schön, wenn sich die Menschen so kümmern. Ich glaube aber ehrlich gesagt, dass sowas im Büro bzw. in der Arbeit meistens funktioniert. Man kennt die Menschen dort eben und hilft ihnen viel schneller als auf der Straße, wenn es um Fremde geht.

  4. Ich permalink
    14. Juli 2013 00:33

    Unter solchen Umständen wünsche ich mir einen Herzinfarkt auf der Arbeit. Vor einiger Zeit fragte ich mal spaßeshalber Erste-Hilfe-Wissen ab – Mit erschreckendem Ergebnis.
    Zum freiwilligen Erste-Hilfe-Kurs (innerhalb der Arbeitszeit!) meldeten trotzdem wenige an. Schade eigentlich. Ich bin dabei, auch wenn ich davon ausgehe, nichts Neues zu lernen. Auffrischung schadet nie.

    LG
    Ich

  5. Rena permalink
    18. Juli 2013 19:38

    Meine Tochter ist auch Diabetiker. Vor so einer Situation habe ich wahnsinnig angst. Gut, ihr „normaler“ Wert ist nicht bei 250. Zum Glück. Aber trotzdem.

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