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Erste Hilfe Geschichten Teil 22…

31. Oktober 2013

Von Franzi stammt die nächste Geschichte.

Ich war gerade dabei mich in meinen Schlafanzug zu schälen, als aus dem geöffneten Fenster (bei sehr heißen Außentemperaturen) eine verzweifelte Mutter um Hilfe ruft. Der genaue Grund des Rufes war da noch nicht auszumachen. Aber da ich als Medizinstudent im letzten Jahr zumindest nicht völlig unvorbereitet bin, habe ich schnell das nächstbeste Kleidungsstück übergeworfen und bin aus dem Haus auf die Straße gerannt. Dort stand eine Ansammlung von Menschen am Pool der Nachbarn. Einer der Nachbarjungen, ca. 4 Jahre alt, lag völlig naß und sehr blaß auf dem Boden, die verzweifelte Mutter klammerte sich abwechseln an ihn oder lief „Oh Gott, der ist tot!“ herum. Ich bin dann sofort zum Jungen und habe die Atmung geprüft (nicht mehr vorhanden). Dann kam glücklicherweise ein weiterer Nachbar dazu, der erfahrener Feuerwehrmann ist und der dann gleich mit der Reanimation begonnen hat. Nach 2-3 mal drücken kam der Junge hustend und sich übergebend wieder zurück. Ich habe ihn dann noch in stabile Seitenlage gedreht und dann die umstehenden Nachbarn dirigiert: einer sollte eine Decke bringen, jeweils zwei sollten sich an die beiden Einfahrten zu unserer Wohngebietstraße stellen und die Rettung einweisen, die schon auf dem Weg war. Wieder andere sollten sich um die Eltern kümmern. Der Hubschrauber landete dann noch im Garten eines anderen Nachbarn und auch der wurde noch eingewiesen (war dann aber nicht nötig). Das Kind wurde schließlich atmend und bei Bewußtsein von den Sanitätern eingesammelt und abtransportiert, samt weinender Mama.

Der Junge war dann noch 3 Tage im Krankenhaus zur Überwachung und antibiotischen Prophylaxe, aber ist insgesamt äußerst glimpflich davon gekommen. Er hatte sich wohl aus einem Haufen tobender Kinder davon gestohlen, ohne das die Mama es bemerkte und wollte dann irgendein Spielzeug aus dem gerade nicht abgezäunten unbeaufsichtigten Pool angeln und ist dabei rein gefallen. Die Mutter hat das Kind dann vermißt und sich selbst auf die Suche gemacht. Ein anderes Kind wies ihr die Richtung zum Pool, dort sah sie den Jungen treiben und holte ihn selbst noch ans Ufer, bevor dann die anderen Nachbarn und schließlich der Feuerwehrmann und ich eintrafen. Inzwischen hat der Nachbar einen extra Zaun um den Pool gezogen. Es war wohl auch nicht der erste Vorfall dieser Art in unserem Wohngebiet, also nochmal die Bitte an alle Poolbesitzer: sichert euren Pool bitte unbedingt vor Kindern ab!

Tatjana kam mit ihren Kolleginnen zu einem Unfall.

Ich war gerade mit 2 Kolleginnen auf dem Weg zum Spätdienst (alle 3
Krankenschwestern) und rollte gemütlich auf die rote Ampel vor mir zu
(große, übersichtliche Kreuzung an einer Autobahnabfahrt). In dem
Moment, wo mir klar wird, dass der 7,5 Tonner vor mir gar nicht bremst,
kracht es auch schon.
Ein Moment lang „Stille“. Nichts scheint sich zu bewegen, nichts ist zu
hören. Der LKW ist in die Fahrerseite des von rechts kommenden Autos
gekracht und hat dieses entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen gekommene
quer über die Kreuzung geschossen. Auf der Spur des Gegenverkehrs steht
ebenfalls ein beschädigtes Auto. Wo dieses her kommt ist mir in dem
Moment nicht klar. Aus dem LKW steigt der Fahrer, doch in der zerbeulten
Limousine bewegt sich nichts. All dies nehme ich irgendwie gleichzeitig
innerhalb von Sekunden wahr. Ich fahre mit meinem Auto zwischen LKW und
PKW. In dem Moment erscheint mir das logisch….Wenn noch einer in die
Unfallstelle fährt,dann kracht er in mein geparktes Auto und nicht in
das Verunfallte.
Sofort sind mehrere Helfer an der Unfallstelle. Die Fahrerin ist
eingeklemmt und nicht ansprechbar, die Beifahrerin ebenfalls eingeklemmt
und schreit. Beide sind ungefähr in meinem Alter. Der LKW Fahrer ist
unverletzt und reicht mir sein Handy. Ich solle den Notruf tätigen.
Nachdem dies erfolgt ist gelingt es uns (unter anderem mit einem
Kantholz welches einer der Helfer plötzlich in der Hand hatte), die
Beifahrertür zu öffnen. Die Beifahrerin scheint unverletzt und steht
vollkommen neben sich, weint und sagt sie könne nichts sehen . Meine
Kollegin nimmt sich ihrer an und vermutet (sehr viel) Schminke in den Augen.
Auch mit zusammen mit mehreren Männern gelingt es uns nicht, die
Fahrertür zu öffnen oder die Fahrerin anders aus dem Auto zu befreien.
Sie atmet und hat einen Puls. Mehr können wir nicht feststellen. Drei
Krankenschwestern und wir stehen nur da und können nichts mehr tun,
können nur noch warten.Kurz darauf treffen Notarzt,Polizei und Feuerwehr
ein. Nachdem wir eine erste Zeugenaussage gemacht haben, bekommen ich
von einem Rettungssanitäter Desinfektionsmittel angeboten mit einem
Kopfnicken richtung meiner Hände. Erst da merke ich, das meine Hände
voller Blut sind. Beim Desinfizieren merke ich, es ist mein Eigenes- ich
habe mir beim Versuch, die Fahrertür zu öffnen, die Hände zerschnitten.
Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, ging es für uns zur Arbeit.
Keine Zeit zum Durchatmen, keine Zeit zum Verarbeiten. Einfach
funktionieren.
Noch Wochen nach diesem Unfall bekam ich ein komisches Gefühl im Magen
wenn ich ein Auto auf eine rote Ampel zufahren sah.
Nie vergessen werde ich den Gasballon, der hinten im Auto schwebte …
er „passte“ so gar nicht zu der ganzen Situation. „Happy Birthday“ stand
darauf….

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One Comment leave one →
  1. seelenteil permalink
    2. November 2013 14:03

    oh…das mit den drei krankenschwestern und keiner kann was tun ist mir richtig nahe gegangen…hoffentlich geht es der frau gut! es war toll wie ihr reagiert habt (für mich als laie) und ich glaube, so eine echte schwester kann sich zumindest toll um die andere frau kümmern, die geweint hat und nichts sehen konnte.

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