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Schön sie zu sehen…

12. Oktober 2015

Wer hört diesen Satz nicht gerne, wenn man irgendwo zur Tür reinkommt? Wenn ich ehrlich bin, so oft hört man diesen Satz nämlich in unserem Job nicht. In Deutschland bekam man eher zu hören, „wieso haben sie so lange gebraucht“ oder ähnliches.

Den Satz habe ich das erste Mal gelesen, als ich die Geschichten der Ambulanz-Flieger in der ADAC-Zeitung meiner Eltern verschlungen hatte. Irgendwie haben mich diese Geschichten fasziniert und als ich dann 20 Jahre später im Rettungsdienst gearbeitet habe, war ich der erste, der sich meldete, wenn es um eine Fernverlegung ging. Damals war es schon toll, wenn man am Schluss 250 km gefahren war. Aber irgendwie hat mir das nicht gereicht. Ich wollte mehr J

Als ich in die Schweiz gekommen bin, wusste ich eigentlich nicht, dass meine Firma sich auf solche Fahrten spezialisiert hatte. Ich lauschte immer den Kollegen, wenn sie aus Italien oder Frankreich zurückkamen. Das, was ich da hörte, klang für mich teilweise haarsträubend. Aber ich sollte in den nächsten Jahren Erfahrungen machen, die viele auch heute noch im Bereich der Märchen ansiedeln würden.

Meine erste Tour hatte ich mit Toni, der diese Verlegungen schon lange machte. Es sollte nach Venedig gehen und wir sollten dort einen Patienten mit gebrochenem Bein holen. Als ich das Spital betrat, traf mich fast der Schlag. Alles war irgendwie aus den späten 60er Jahren, der Putz fiel von den Wänden, es war alles irgendwie alt und gebraucht. Wer keine Angehörigen hatte, der musste zusehen, wie er sein Mittagessen zu sich nahm, wenn es alleine nicht ging.

Unser Patient strahlte, als er die ersten deutschen Sätze nach einer gefühlten Woche wieder hörte. Sein Bein war einfach eingegipst worden und es gab ein leichtes Schmerzmittel, was man getrost auch hätte sein lassen können. Das Bett sah aus, als wäre es zwei Tage nicht gemacht worden. Ich habe die ganze Zeit die Kamera gesucht, weil ich dachte wir wären bei „Verstehen sie Spaß“! Von Toni erfuhr ich, dass das eigentlich ganz normal ist, denn sobald die Klinik wusste, der Patient wird geholt, wird alles, was nicht notwendig ist, sein gelassen. Wir lagerten den Patienten auf unsere Trage und verließen die Klinik. Als wir ihn sechs Stunden später in der Zielklinik übergaben, bedankte er sich tausendmal für unsere Hilfe und den Service.

Man muss leider sagen, dass es südlich der Alpen eigentlich überall so aussieht. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber ich möchte keine Minute länger in einem Krankenhaus in Italien liegen und würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, dass ich so schnell wie möglich zurück in die Schweiz komme.

Diese Fahrten sind für uns ziemlich anstrengend, denn wir sind meistens über zehn Stunden unterwegs, oder auch mal zwei Tage, und wir starten in den frühen Morgenstunden, um den Berufsverkehr in den großen Städten zu umgehen. Dafür erlebt man morgens um sechs den Sonnenaufgang am Mittelmeer, schlendert abends durch die Altstadt von Barcelona oder wacht morgens in Paris auf. Auch sind die Menschen, die wir fahren, sehr unterschiedlich, vom einfachen Urlauber bis zum VIP, den jeder Deutsche aus dem Fernseher kennt, war schon alles dabei. Auf solchen Fahrten kommt man immer wieder ins Gespräch und bekommt Einblicke in Leben, die man sonst so nie haben würde. Am Schluss bedanken sich alle für den Service und so mancher Franken findet den Weg in unsere Taschen.

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8 Kommentare leave one →
  1. Name (Erforderlich) permalink
    12. Oktober 2015 13:42

    “ so mancher Franken findet den Weg in unsere Taschen“

    Ist das offiziell erlaubt? Ich mein, nicht mal Müllmänner dürfen an Weihnachten oder so ein Trinkgeld annehmen. Wieso dann Rettungsassistenten?

    • 14. Oktober 2015 08:14

      Hallo „Name“

      Willkommen auf meinem Blog. Nein Ihre Frage ist völlig okay, ich frage mich aber gerade, wieso Sie eine Fake E-Mail benutzen!?

      Nun zur Frage. Es gibt kein für uns kein Verbot, Trinkgeld anzunehmen. Natürlich würde ich 1000 Franken von einem dementen Patienten nicht annehmen. Wobei gerade die Menschen am meisten geben, die wenig haben.

      • Name (Erforderlich) permalink
        14. Oktober 2015 16:51

        Weil ich Datenkraken soweit ich kann nicht unterstützen möchte, Mir ist klar, das es nicht an Ihnen liegt das WordPress die Email haben will. Jedoch führt meine Philosophie dahin das die Rate der Spam-Mails etwa 1 Spam / 100 Mails liegt.

    • 14. Oktober 2015 08:14

      Hallo „Name“

      Willkommen auf meinem Blog. Nein Ihre Frage ist völlig okay, ich frage mich aber gerade, wieso Sie eine Fake E-Mail benutzen!?

      Nun zur Frage. Es gibt kein für uns kein Verbot, Trinkgeld anzunehmen. Natürlich würde ich 1000 Franken von einem dementen Patienten nicht annehmen. Wobei gerade die Menschen am meisten geben, die wenig haben.

  2. 12. Oktober 2015 22:10

    Gerne mehr davon 🙂

  3. Name (Erforderlich) permalink
    14. Oktober 2015 00:23

    Was ist denn an meinem Kommentar so schlimm dass Sie ihn nicht freischalten?

  4. martin permalink
    14. Oktober 2015 09:16

    Gut geschrieben, ich sollte auch wieder mehr solche Auslandsfahrten machen. Die sind wirklich schön. 🙂

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