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Schmerzen…

11. November 2015

Ich höre sie schon aus 20 Meter krakeelen und ich erkenne sofort ihre Stimme. Prima,denke ich, das wird ein ganz toller Einsatz. Denn Frau Wald und ich, wir kennen uns schon eine Weile. Aber das Schöne ist, sie weiß von unserem letzten Zusammentreffen nichts mehr, denn sie und ihr Mann benutzten zum Laufen die ganze Straße.

Albert, ihr Mann, steht mürrisch daneben und wirklich Anteil nimmt er an ihrem „Schicksal“ nicht. Schönen Mann hast du da, denke ich mir. Frau Wald und ich sind per Du, das verkürzt so einiges und ich brauch mich nicht wirklich vorstellen. „Was ist denn passiert?“, frage ich sie. „Ach wir haben gestritten und dann bin ich die Mauer runter gefallen.“  „Hast du denn was getrunken?“  Ich glaube, zuerst will sie sagen, dass sie nüchtern ist, aber da wir uns kennen, entscheidet sie sich für die Wahrheit. „Ne ¾ Liter Flasche Whiskey“ ist ihre Antwort. Nicht schlecht Frieda, da hätte ich schon längst meine Muttersprache verloren, aber sie redet so, als hätte sie Wasser getrunken.

Nun lag sie in einer finsteren Ecke und auch meine Taschenlampe verhalf nicht unbedingt zu mehr Licht. Schmerzen hatte sie im linken Bein, sehen tat man am Bein nichts, nur hatten die Umstehenden das Bein schon mit Eiswürfeln gekühlt. Ich habe das Bein noch nicht mal wirklich berührt und Frieda brüllt den ganzen Friedhof und naja eigentlich das ganze Dorf zusammen.

Im Rettungsdienst benutzen wir um Schmerzen eingrenzen zu können eine Schmerzskala.

C_nTTPEo

Frau Wald hatte also eine glatte 10 durchaus verdient. In meinem Rettungsdienst bekommt jeder ab Stufe 3 etwas gegen seine Schmerzen, wenn er denn möchte. Man reduziert den Schmerz und den Stress für alle  🙂

In der Dunkelheit einen Zugang zu legen war etwas schwierig, aber es gelang. Ich wollte meinen Kollegen schon den guten Stoff aufziehen lassen, da schrie Frieda, „naaaaain keine Schmerzmittel. Ich habe getrunken, ich will nichts gegen die Schmerzen, ich habe da ein Holzstöckchen.“ Wir schauten uns irritiert an, denn Frau Wald bekam von ihrem Mann ein kleines Stöckchen zwischen die Zähne geschoben. „Isch halte das aus, ich habe 3 Jahre in Japan gelebt und Judo gelernt“. Natürlich half das Stöckchen keinen Meter gegen die Schmerzen, als wir sie umlagerten und die 20 km ins Krankenhaus fuhren, aber wer nicht will, der hat halt schon.

In der Notaufnahme wurden wir wie Aliens angeschaut, erlebt man ja auch nicht alle Tage, dass ein Patient ein Holzstöckchen zwischen den Zähnen hat. Die Chirurgin zog mich auch gleich beiseite und fragte mich, „Paul was denn hier los, wieso hat die einen Zugang und dieses Teil im Mund?“ Ich klärte sie kurz auf und sie grinste über das ganze Gesicht.

Frieda hatte sich, wie ich später erfuhr, das Schien- und Wadenbein einmal schön durch gebrochen!

Bild bye @Narkoseonkel

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14 Kommentare leave one →
  1. Benny permalink
    11. November 2015 19:03

    Was heißt denn das letzte Bild? nur über den Arm rüber gefahren oder direkt über den ganzen Körper?^^
    Und was ist das 1.? Eine Prellung?
    Ich hatte einmal im leben wa smit Knochen, ich wurde geschubbst fiel auf ein Kopfsteinpflaster und mein Ellbogenknochen guckte raus, sah krass aus…
    Musste dann zum Chirugen laufen, der wohnte oben auf dem „Hügel“.
    War nen scheiß Ding da noch hinzulatschen T_T
    Und hast du alle Teile auf der Schmerzskala schon gesehen?
    Und mein letzter Bienenstich ist aus der Kindheit, aber Mückenstiche ständig.

    • 11. November 2015 19:29

      Das überlasse ich mal deiner Fantasie 🙂 ja das erste ist eine Prellung. Jeder Mensch empfindet Schmerz aber anders.

      • Benny permalink
        11. November 2015 22:24

        Jetzt hast du mir aber nicht gesagt ob du alles schon einmal gesehen hast 😦 Also Abgehackt drübergefahren etc 🙂

      • 11. November 2015 22:26

        ja habe ich…

      • Benny permalink
        11. November 2015 22:31

        Oh okay 🙂
        Und was war das schlimmste von all dein Dingen?
        Ich würde mal sagen Abgehackt oder zermatscht, weiß net was ekliger ist, ich habe auch schon das alles gesehen dank Online Portale für solche Bilder^^. (da findet man ahlt die echten Kriegsbilder die sonst keiner zeigt)

      • Der eine permalink
        3. April 2017 05:28

        Aus eigener Erfahrung würde ich sagen dass eine Prellung ca. 10 mal mehr schmerzt als ein Bruch, aber wie Du selbst ja sagst: jeder empfindet Schmerz anders.

      • 14. April 2017 19:26

        Hi

        Im Bereich des Thorax, gerade was die Rippen angeht, da gebe ich dir schon Recht. Aber wer mal jemand mit luxierter Schulter gesehen hat, der weiß wie schweine weh das tut.

  2. 11. November 2015 21:00

    Die Skala sieht ja aus – oh man 😉 Nr 10 ist ja ganz besonders – dachte erst, das wäre ein Krokodil, was einen da angefallen hätte …

    Und ein Stöckchen zwischen den Zähnen – man, man, auf was für Ideen die Leute kommen.

  3. Blafasel permalink
    12. November 2015 00:51

    Hmm, was kann und darf man nach einer Flasche Whisky gegen die Schmerzen geben? Sind da irgendwelche krassen Wechselwirkungen zu befürchten? Gibts da für bestimmte Medis eine klare Kontraindikation?

    Schön mal wieder von dir zu lesen! 🙂

    • 12. November 2015 09:22

      Hallo Blafasel,

      willkommen auf meinem Blog. Man kann die normalen Opiate wie Morphin oder Fentanyl geben, aber die Dosierung sollte niedriger sein, weil es zur verstärkung der Wirkung kommen kann. Ja es gibt für verschiedene Medikamente Kontraindikationen, z.b. Opiate bei Schwangeren.

      Dankeschön 🙂

      • 12. November 2015 11:01

        Sollte Whisky in der Menge nicht auch schon eine gewisse schmerzlindernde Wirkung haben („Schnapsnarkose“)? Oder nimmt die mit dem Gewöhnungseffekt ab?

    • Benny permalink
      12. November 2015 11:08

      @Gnaddrig ich hatte mir dieses jahr schon meine Halbe Flasche Whisky reingehauen, Ibuprofen hinterhergeworfen und mich dann „verletzt“ und habe das noch sehr deutlich gemerkt, also „leider nein“, Alk reicht nicht aus.
      Aber meine Ex Freundin damals bei der ging das, hatte immer Spaß dran es auszuprobieren, wenn sie besoffen war konnte man sie kneifen mit ner Nadel piecken (nadel nicht spritze) und sie merkte nichts.
      Komplett weg^^ Aber die war auch sofort eine andere Person sobald sie einmal weg war Gollum lässt grüßen 😀

  4. 12. November 2015 16:46

    Holzstöckchen? Das ist ja wie im Western!

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