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Vom Himmel gefallen…

15. Dezember 2015

In Deutschland hatte ich mit Sportunfällen eigentlich wenig zu tun, okay, der klassische Bänderriss beim Fußballer am Samstag mal außen vor gelassen. Die bekamen immer ein Kühlakku und einen Spruch à la „Hallenhalma spielen ist ungefährlicher“ mit auf dem Weg.

Was ich aber hier in meinen 3 Jahren in der Schweiz an wirklich schweren Sportunfällen gesehen und gefahren habe, das ist echt heftig! Von einem möchte ich euch erzählen.

Hier in den Bergen ist im Sommer wie im Winter eigentlich immer was los. Im Winter sind es die Ski-, Snowboard- und Schlittenfahrer und im Sommer der Wanderer oder Gleitschirmpilot. Vor diesem Einsatz hatte ich schon 3 schwere Unfälle mit Gleitschirmpiloten gehabt und hatte nicht den dringenden Wunsch, Nr. 4 auch noch begrüßen zu müssen.

Ich saß mit Tim auf unserer Leitstelle, denn die hatten uns mit einem Kaffee zu sich gelockt. Und da wir gerade eh nichts besseres vor hatten, saßen wir auf dem Balkon der Kollegen und genossen bei schönem Wetter unser Getränk. Tim meckerte nur, weil der Fön im beinahe seine selbst gedrehten Kippen vom Tisch gefegt hätten. Und dieser kleine „Wind“ sollte heute noch mehr mit wehen, als uns lieb ist.

Karlo packt seinen neuen Schirm aus, er steht auf einem schönen Plateau mit Aussicht über das ganze Tal. Von hier aus starten viele Piloten auf ihre teils 4 Std. langen Flüge. Nur ist heute halt wirklich, obwohl die Sonne scheint, kein Wetter zum fliegen. Schon beim Auspacken hätte Karlo eigentlich merken müssen, dass es echt keine gute Idee ist. Seine Kollegen helfen ihm beim Anziehen und den Schirm auszulegen. Er geht ein paar Schritte und plötzlich kommt der Fön und zieht ihn so 15 Meter in die Höhe. Eigentlich nicht so das Problem, aber so schnell wie der Fön kam, ist er auch schon wieder weg.

Unser Patient kracht aus 15 Meter ungebremst mit den Beinen voran auf den Rasen. Es macht laut Knack und dann ist es einen Moment kurz ganz ruhig. Seine Freunde eilen sofort zur Hilfe, rufen die 144 an und befreien Karlo von seinem Schirm. Keine Minute später kommt unser Disponent auf den Balkon und reicht uns einen Zettel. Als ich das Wort Gleitschirm lese, hab ich schon keine Lust mehr, wieso müssen diese Typen immer dann vom Himmel fallen, während ich Dienst habe!? Aber es hilft ja nichts, ich setze mich hinters Steuer und Tim sucht den kürzesten Weg auf der Landkarte.

15 Min später erreichen wir das Plateau, nur sehen wir keinen Schirm, den man erwarten würde, wenn jemand mit diesem Ding vom Himmel gefallen ist. Dafür sehen wir, als wir neben den winkenden Menschen angehalten haben, dass es mächtig Arbeit auf uns zu kommt. Denn der linke Oberschenkel ist 3 mal so dick wie der Rechte und die abnorme Lage bedeutet einfach nix gutes. Noch bevor wir aussteigen fordere ich einen RTH nach, weil wir einfach zu lange in das nächste Spital brauchen würden und Karlo hat halt einfach keine Zeit.

Wir arbeiten routiniert, ich übernehme den Kopf und das Monitorring und Tim macht einen Bodycheck. Auch wenn das Bein schlimm aussieht, wir dürfen andere Verletzungen nicht übersehen. Zum Glück hat er sich nur noch einen Ellenbogen gebrochen. Unter dem linken Bein hat sich schon eine größere Blutlache gebildet. Mit vielen Kompressen bekommen wir die Blutung in den Griff. Danach lagern wir ihn auf unsere Vakuummatratze und schieben ihn in unser Auto. Hier gibt es auch Schmerzmittel und Karlo braucht viel davon.

5 Minuten später landet auch schon unser RTH. Der Doc bekommt eine ausführliche Übergabe und schon laden wir ihn in den RTH. Man bedankt sich noch für den Einsatz und schon starten sie ins nächste Unispital. Unser Auto sieht aus wie Sau, aber wir sind froh, dass alles wie am Schnürchen funktioniert hat. Einige Wochen später erfahren wir durch Zufall, dass Karlo die OP gut überstanden hat und das Bein auch wieder wird. Ganze 6 Monate dauerte aber seine Reha.

 

Dann möchte ich euch noch Narkosearzt vorstellen, der auch schon länger bloggt. Schaut doch mal bei ihm vorbei!

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