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Neues Leben mit Hindernissen…

9. Mai 2016

Es macht tock, tock, tock, tock, tock, tock, tock, tock, tock, tock, tock….

 

……………………………………………………………………………….. die Hebamme schaut den „Herzmesser“ auf dem Bauch der Schwangeren an, schüttelt ihn kurz und legt ihn wieder auf den Bauch der Mutter.

 

Bis jetzt wuselte jeder vor uns so hin in der kleinen Wohnung. Und wir sind eigentlich zu viele, denn wir sind zu 5 hier vor 10 Minuten aufgeschlagen. Eigentlich waren wir vor 15 Minuten aufgebrochen zu einer gewöhnlichen Geburt, wie sie jeden Tag auf der Welt im Rettungsdienst vorkommt. Die meisten Geburten sind eigentlich ziemlich einfach, man kommt an, und entweder ist die Messe schon gelaufen und das Kind schon da, oder wir sind so schnell in der Klinik, dass dort im Kreißsaal in aller Ruhe entbunden werden kann.

„Ruhe“, zischt die Hebamme, die bis eben noch die Entspannteste hier im Raum war. Wir bleiben wie angewurzelt stehen und schauen auf unsere Patientin und die Dame zwischen deren Beinen.

Meine letzte Geburt liegt gut 10 Jahre zurück, damals war ich noch so grün hinter den Ohren, wie mein Schüler David gerade. Der blättert nämlich angestrengt in unseren Algorithmusheftchen nach der Geburt. Ich grinse ein bisschen und versuche ihn zu beruhigen. „Mensch David“, sag ich, „entweder ist das Ding eh schon durch, oder das Kind lässt sich noch 5 Std. Zeit und wir können in aller Ruhe noch in den Kreissaal fahren. Und schau mal, das NEF hat noch die Hebamme aus der Klinik mit dabei, da kann nix schief gehen.“

Wir kommen in malerisches kleines Dörfchen und sorgen natürlich für Aufsehen, weil wir schon mit unserer Ambulanz die Hauptstraße blockieren. Ich schnapp mir einen Teil unseres Equipments und David den Rest. Wir müssen leider erst mal suchen, denn unsere Leitstelle hatte zwar Straße, Hausnummer und Namen, nur gab es den Namen nicht am Klingelschild.

Also mussten wir erst mal suchen und in der Ferne hörte ich schon das Horn von unserem Notarztauto. Nina, unsere Notärztin, rief noch mal unsere Leitstelle an um sich Hausnummer und Straße bestätigen zu lassen. Die Kollegen hatten leider die falsche Hausnummer notiert, zum Glück mussten wir nur 2 Häuser weiter.

Frau Antamatten lag entspannt auf dem Schlafsofa und wir bauten unsere Geräte drumherum. Nina überließ der Hebamme das Kommando und wir sorgten einfach nur dafür, dass wir hier und jetzt entbinden können. Die Wehen kamen schön alle 2 Min, es war das 2. Kind und wir waren uns sicher, dass es gleich eine entspannte Hausgeburt geben wird.

Ich habe keinen Herzschlag im Moment beim Kind, wir müssen jetzt ganz schnell umdisponieren.

Unsere Schockstarre dauerte nur ein paar Sekunden, ich schickte David und unseren NEF-Fahrer zum Auto und ließ Trage und alles was dazu gehört bereit machen. Ich raffte unser Material irgendwie zusammen und bestellte über mein Handy schon mal das Schockraumteam unseres Spitals. Im Rekordtempo hatten meine Kollegen den Rest vorbereitet und nun ging es im Schweinsgalopp in den RTW.

Wir konnten eigentlich nur zuschauen wie die Hebamme weiter versuchte das Kind auf die Welt zu holen. Unser NEF Fahrer fuhr mit Blaulicht voraus und versuchte uns den Weg zum Spital frei zu machen.

Wir waren noch 3 Minuten vom Schockraum entfernt, als es plötzlich „plopp“ machte und ein kleiner Mensch auf unsere Trage rutschte. Und als der kleine Junge auch noch freudig schrie fiel uns allen ein riesen Stein vom Herzen, ich hatte plötzlich was im Auge und wir grinsten alle.

 

 

 

 

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16 Kommentare leave one →
  1. 9. Mai 2016 18:49

    Ich „warte“ ja jetzt schon seit 13 Jahren auf meine erste Geburt. Das bisher dichteste war 10 Minuten nach erreichen des Kreißsaals. Aber im Auto und während der Fahrt stelle ich mir das schwierig vor. Zum Glück ist ja alles gut gegangen.

  2. 9. Mai 2016 20:37

    Kurze Verständnisfrage: Warum Schockraumteam? Wir fahren sowas direkt in den Kreißsaal/Sectio OP Im Schockraum könnte man hier nichts sinnvolles tun.

    • 10. Mai 2016 08:06

      Hey,

      willkommen auf meinem Blog. Unsere Hebamme und der Chef der Pädiatrie wollten das so.

      • 10. Mai 2016 08:14

        Interessant, dient doch ein Schockraum der Traumaversorgung. Die mir bekannten Häuser hier im Umkreis hätten gar nicht die Option eine Geburt dort sinnvoll abzuwickeln. Ein CTG müsste erst geholt werden, wehenhemmende oder -stimulierende Medikamente ebenso. Ein evtl. nötiger Kaiserschnitt könnte nur mit deutlicher Verzögerung durchgeführt werden, weil man erst in den OP fahren muss. Ist das dort zufällig anders organisiert?

      • 10. Mai 2016 08:17

        Nein, ein Schockraum wird nicht nur für Trauma benutzt. Hier war wohl alles, bis auf das was nur im OP gemacht werden kann, vorbereitet worden.

      • 10. Mai 2016 08:19

        Ah, okay, dann ist da wohl einfach der Schockraum anders definiert. Die Kliniken hier nehmen für den SR nur (schwere) Traumata und lebensbedrohliche unklare internistische/neurologische Symptome.

      • 10. Mai 2016 08:21

        Genau so läuft es hier auch. Ist ein kleines Spital ohne NeoIntensiv.

      • 10. Mai 2016 08:23

        Gut, wir haben eine NeoITS, direkt angeschlossen an Kreißsaal und Sectio OP. Weswegen es wirklich sinnig ist, wenn man Schwangere direkt da abgibt.

      • 10. Mai 2016 08:27

        Ja da hast du Recht.

  3. BRC_MEDIC permalink
    9. Mai 2016 21:31

    Wow – gut geschrieben. Der positive Ausgang ist auch erfeulich – schaetze Dir ist das halbe Matterhorn von den Schultern gerutscht?

  4. rotezora. permalink
    14. Mai 2016 12:06

    Das war das Kontrastprogramm zum letzten Post: Ableben im Aufzug vs. Entbindung im Einsatzfahrzeug. Wunderbar, dass alles gut verlaufen ist.

  5. leila permalink
    15. Mai 2016 22:27

    Meine Tochter kam ungeplant bei uns zuhause im Wohnzimmer zur Welt. Erst hat sie sich ewig Zeit gelassen und dann ging alles ganz schön schnell. Mein Mann und ich haben rasch bemerkt, dass wir es nicht mehr ins Krankenhaus schaffen werden. Um 6.30 Uhr haben wir den Notruf angerufen, um 6.35 Uhr waren die Notärztin und ihr Team da und um 6.45 Uhr erblickte unsere Tochter das Licht der Welt. Ich weiß heute noch, wie erleichtert ich war, als ich das Martinshorn gehört habe. Hilfe war unterwegs. Wir mussten das nicht alleine durchstehen. Die Notärztin und ihr Team waren klasse. Sie haben Ruhe und Sicherheit ausgestrahlt. Das hat unglaublich geholfen. Mein Respekt vor diesen Berufen.

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