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Streng nach Protokoll…

9. September 2016

Was passiert, wenn ein Mensch den Notruf wählt!? Das Schweizer Fernsehen hat 2 Krankenschwestern in den Niederlanden eine Nacht in einer Notrufzentrale begleitet.

Die Fälle sind alle fiktiv, gehen aber unter die Haut.

http://www.srf.ch/sendungen/dok/streng-nach-protokoll

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5 Kommentare leave one →
  1. Johanna permalink
    9. September 2016 20:43

    Boah… Ich kann das gar nicht zuende gucken!
    Dieses seelenlose Protokoll macht meiner Meinung nach alles viel schwieriger, weil man den Mitarbeitern nicht erlaubt, die Hilfsbedürftigen zwischendurch zu beruhigen und diese durch die stereotypen Fragen entweder aggressiv oder immer kopfloser werden.
    Zum Kotzen!
    Rentabilität… Man braucht ja nur zuzuhören bei dem kritischen Gespräch mit dem Vorgesetzten. Die Mitarbeiterin war mal eine der besten dort, was ja wohl bedeutet, dass sie viele Anrufe gut und schnell erledigen konnte. Mit dem neuen Protokoll sinkt ihre persönliche „Rentabilität“… Ob wohl über solche Fälle auch eine Rentabilitätsprüfung des Protokolls selber geführt wird? Wahrscheinlich nicht.

    Man, macht mich das gerade aggro! Wie man die Menschen in ein Schema presst und nicht das Schema den Menschen hilft!

    Sorry für den „Rant“!

    • 9. September 2016 20:52

      Ich stimme dir da voll zu! Auch ich sehe eine immer mehr unpersönlichere Entwicklung im Bereich des Rettungsdienstes. Hier in CH wird sehr viel Wert auf Algorithmen und deren Einhaltung wert gelegt. Und dahinter verschwindet der Patient. So hat es ja auch die Kollegin beschrieben. Auch gibt es hier schon Rettungsdienste die Zeiten für die Versorgung eines Patienten vorgeben. Ich sehe das sehr kritisch.

      • Johanna permalink
        9. September 2016 21:08

        Vielen Dank, Paul!
        Das erleichtert mich, dass du als Profi es auch so siehst. Und den Rettungsdienstlern Zeit vorgeben… bah, zum Kotzen!

        Mein Sohn, RA in Niedersachsen, seit nun 5 Jahren dabei, hat mich gerade letztens angerufen, nach einem 24er mit einem durch Autounfall verstorbenen jungen Mädchen. Der Vater wurde von der Mutter (Fahrerin und nur leicht verletzt) angerufen und war dann am Unfallort, das Mädchen verstarb vor Ort, es musste auf den Bestattungsunternehmer gewartet werden und mein Sohn saß bei Vater und Tochter und hörte einfach zu, wie der Vater seinen Schmerz rausließ und viel über die Tochter erzählte. Es machte, wie mein Sohn meinte, das Mädchen von einer Patientin zu einer Person und das fiel ihm erst mal schwer, sie ging ihm nach, deshalb erzählte er mir die Geschichte (natürlich ohne Namen und nähere Umstände), um dann schlafen zu können. Erst mal ist das sicher schwer, aber es ist doch auch Menschlichkeit und Wärme… und bewirkt auf lange Sicht, dass man das Gefühl des Sinns im Beruf nicht verliert, denke ich. Übrigens kam auch noch der Notfallseelsorger, dann standen alle noch mal kurz bei dem Mädchen, ein Gebet wurde gesprochen, dort, neben der straße. So muss das sein, finde ich. Die letzte Würde und Achtung geben.

      • 9. September 2016 21:16

        In manchen Rettungsdiensten wird aber geschaut,dass der RTW läuft,also möglichst viele Fahrten macht,nicht das man noch ein RTW in Dienst stellen muss,was ja Kosten verursacht.

    • 9. September 2016 22:53

      Das unterschreibe ich vol und ganz.

      Das Gespräch mit dem Vorgesetzten ist furchtbar. Es geht nur darum, in dem starren Protokoll die Leistungspunkte zusammenzukriegen, nicht darum, die (oft genug verstörten oder panischen) Anrufer „abzuholen“, zu beruhigen, das Gespräch in eine produktive Bahn zu lenken. Wenn die starre Einhaltung eines (trotz aller Differenziertheit sicher immer noch pauschalen und in ganz vielen Fällen eben nicht so genau passenden) Protokolls der Maßstab von Effizienz sein soll, hat an maßgeblicher Stelle jemand keine Ahnung. Ich bin sicher, dass das an anderer Stelle erhebliche Folgekosten verursacht.

      Was der Begriff Rentabilität im Zusammenhang mit dem Rettungsdienst überhaupt zu suchen hat, weiß ich auch nicht. Das klingt dann fast nach dem seinerzeit im Ostblock üblichen „sozialistischen Wettbewerb“: Der Rettungsdienst X-Stadt behauptet, mit weniger Ressourcen mehr Patienten retten zu können, und die anderen Rettungsdienste springen auf und versuchen, mit noch weniger Ressourcen noch mehr Patienten zu retten. Am Ende werden die Patienten dann im Vorbeifahren von der Straße gekratzt und im Vorbeifahren in die Notaufnahme „geschossen“, hauptsache schnellschnellschnell und wenig Material verbraucht. Meine Fresse, das ist echt übel!

      Dass man, Paul, schaut, dass die Autos laufen und Umsatz bringen und die Besatzungen nicht unnötig lange irgendwo rumsitzen ist ja in gewissem Rahmen ok. Aber ein Mindestmaß an Spielraum und Menschlichkeit muss doch sein.

      Wenn dem Rettungsdienst die Zeiten vorgeschrieben werden, ist das sowas wie die Fallpauschalen im Krankenhaus? Akuter Blinddarm bringt x Euro Vergütung. Seht zu, dass ihr den möglichst schnell wieder aus dem Haus kriegt, damit das Bett für den nächsten freiwird und Umsatz macht? Wie wird denn sowas festgelegt – muss der Retter dann einen Fragebogen ausfüllen und dann die den einzelnen Diagnosepunkten zugewiesenen Behandlungspauschalen zusammenrechnen und, wenn die zugeordnete Zeit verbraucht ist, die Koffer packen, egal ob der Patient noch blutet? Gruselige Vorstellung…

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