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Ach stell dich nicht so an…

5. Dezember 2016

Ach, stell dich nicht so an…

 

Oder : Eine Seele ist auch nur eine Badewanne, die überlaufen kann.

 

Irgendwann im Sommer kam die Einsatzmeldung „Suizidandrohung“ auf unsere Melder. Mein Kollege Hans stöhnte schon, denn der Name unserer Patientin war in den letzten Wochen bereits mehrfach auf unseren Meldern erschienen. „Nicht schon wieder diese Irre, die stellt sich doch nur an!“, waren seine Worte. Auch ich kannte Sandra schon, war bisher aber immer gut mit ihr zurechtgekommen. „Paul du kannst doch so gut mit denen, mach du doch den Einsatz!“ sagte mein Kollege.

So fuhren wir an den Fluss, wo die Polizei schon auf uns wartete. Da Hans sowieso keine Lust hatte, lief ich nach kurzer Übergabe durch die Polizei zu Sandra. Sie hatte sich, wie die letzten Male schon, tiefe Schnitte an Beinen und Armen zugefügt. Ich setzte mich zu ihr und ließ sie reden, denn eigentlich wollte sie unsere Hilfe nicht annehmen. Meistens waren es Passanten, die sie fanden, und anschließend die Sanität und Polizei riefen. Wenn man ihr das Gefühl gab, ihr zuzuhören, und nicht von oben herab mit ihr sprach, dann ließ sie sich gut führen und stieg meistens nach ein paar Minuten in die Ambulanz.

Wir sprachen ein paar Minuten. Das dauerte Hans jedoch zu lange, und erschien nun ungeduldig. „Entweder kommst du jetzt in Gang Sandra, oder wir helfen nach“, waren seine Worte. Natürlich machte Sandra sofort zu und meine ganze Arbeit war umsonst. Danke Hans: für nichts.

Zum Glück konnte ich die Situation retten. Nach einer Zigarette liefen wir zum Rettungswagen. Hans hatte schon vorne Platz genommen und startete den Wagen. Auf der Fahrt ins Spital kamen wir wieder ins Gespräch und sie erzählte, dass sie Stress mit ihrer Familie hatte und deswegen zum Messer gegriffen hatte, wie in den letzten Jahren auch.

Im Krankenhaus wurden die äußerlichen Wunden genäht, die Inneren blieben. Ein paar Wochen später lief sie einem Autofahrer vor das Auto und brach sich das Bein.

Eine traurige Geschichte, oder!?

Glaubt ihr, Sandra fährt nach den Worten meines Kollegen Hans gerne noch  mal mit der Ambulanz? Was wäre passiert, wenn zwei von Hans‘ Sorte gekommen wären!?

Menschen wie Sandra, oder auch viele Menschen mit Depressionen, werden immer noch stigmatisiert. Wenn man etwas nicht sehen kann, wie einen gebrochenen Arm oder einen Herzinfarkt auf dem EKG, ist der Patient eigentlich nicht krank, denken manche Menschen.

Depressionen und andere psychische Erkrankungen nehmen immer mehr zu, auch wir im Rettungsdienst spüren das.

Eine gute Seele hält viel aus, egal ob Trennung vom Partner, Verlust des Arbeitsplatzes oder der Tod eines nahen Angehörigen. Aber irgendwann ist auch diese Seele am Ende. Bei mir klopfte es 2009 an der Tür.

Ich bin eigentlich ein Sonnenschein, hatte bisher fast immer gute Laune, einen Traumjob, eine Partnerin, und alles schien gut. Bis eines Tages 2009 meine Mutter anrief und mir sagte, dass sie Brustkrebs hat. Das hob alles aus den Angeln, aber das Jahr war da noch nicht zu Ende und meine Beziehung ging auch in die Brüche. Es klopfte an der Tür und ich ließ ihn hinein, den grauen Mantel, der sich langsam schleichend über mich legte. Vieles wurde mir plötzlich egal, Dinge die ich früher gerne machte, machten plötzlich keinen Spaß mehr. Ich lag nur noch im Bett, wenn ich nicht arbeiten musste. Ich hätte 24 Std. schlafen können, denn im Schlaf musste ich nicht nachdenken und die Zeit ging schneller vorüber. Das Einzige, was mich damals noch vor die Tür brachte, war die Arbeit. Nach ein paar Wochen musste ich mir eingestehen, dass etwas mit mir nicht stimmt und ich Hilfe brauchte. Ich wollte nicht noch weiter abrutschen. Mein Hausarzt sagte dann auch das, was ich mir schon gedacht hatte. „Herr Müller, ich denke Sie haben eine Depression“. Zack, da saß ich nun. Jetzt wusste ich, was es war. Was tun jetzt!?

Ich entschloss mich, bis zur Therapie eine Kur zu machen, und versuchte dort, wieder auf die Beine zu kommen. Wirklich geholfen hat sie mir nicht. Zum Glück bekam ich rasch einen Therapeuten, mit dem die Chemie stimmte. Es hat mir sehr geholfen und nach circa einem Jahr war ich wieder der Alte.

Bis es im Jahr 2015 wieder an der Tür klingelte. Dieses Mal wurde ich von einem Arbeitskollegen gemobbt und kurz darauf ging die nächste Beziehung in die Brüche. Wieder setzte das ein, was ich 2009 schon einmal durchmachen musste. Mein Vorteil war aber, dass ich wusste, woher es kam, und ich viel schneller handeln konnte. Meine Hausärztin konnte mich innerhalb von einer Woche bei einer Therapeutin unterbringen, die sich super um mich gekümmert hat. Nach einem ¾ Jahr ging es mir wieder so gut, dass ich keine Hilfe mehr brauchte.

Heute weiß ich, dass ich zwei depressive Episoden hatte. Und ich weiß aus vielen Gesprächen, dass ich erblich vorbelastet bin. Ich muss heute ein bisschen mehr auf mich schauen als früher. Ich lebe heute auch viel bewusster und weiß, was mir gut tut und was nicht.

 

Wieso schreibe ich das?

Weil ich zeigen möchte, dass man sich nicht schämen muss, sich Hilfe zu holen. Meine Freunde und meine Kollegen auf der Arbeit wussten davon. Es wurde, soweit es ging, Rücksicht in dieser Zeit auf mich genommen und das hat mir sehr geholfen.

Wir brauchen Menschen, die uns verstehen und nicht wie Hans denken, man stellt sich einfach an, oder man muss einfach mal an die frische Luft, dann geht das auch wieder vorbei.

Wer noch mehr über das Thema wissen möchte, dem sei die Doku von 37 Grad vom ZDF sehr empfohlen.

https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-grad-viel-mehr-als-traurigkeit-100.html

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23 Kommentare leave one →
  1. 5. Dezember 2016 09:28

    Danke für den Beitrag. Es ist wichtig, aufzuklären.
    Wenn man sich selbst erstmal eingestanden hat, dass es ist, wie es ist, wird es einfacher. Für mich gehört dazu, offen mit der Depression umzugehen. Nicht jeder versteht, aber einige. In die Offensive gehen heißt, sich vor der – sonst zwangsläufigen – Asozialisierung zu schützen.

    • 5. Dezember 2016 20:45

      Sehr gerne! Ja ich glaube das ist für einen selbst die größte Hürde, sich einzugestehen, dass man Hilfe wirklich braucht. Und auch viele haben Angst vor der Reaktion seines Umfeldes.

  2. 5. Dezember 2016 10:02

    Früher hab ich mal überlegt, ob es richtig und richtig ist, dass Menschen über Erkrankungen bloggen bzw. diese überhaupt öffentlich machen. Bei manchem Promi hab ich zumindest an der Art und Weise, wie das geschieht, immer noch Zweifel.
    Allerdings find ich es inzwischen tatsächlich SEHR wichtig und richtig, dass Betroffene sich aus dem stillen Kämmerlein ihrer Welt, die andere kaum oder nicht verstehen können, hinauswagen und sich öffentlich machen. Das trifft natürlich auf jeden Fall auf Depression zu, die so gut wie kein Nichtbetroffener wirklich versteht, der nicht zumindest einen Betroffenen kennt und sich mit diesem sehr intensiv beschäftigt hat, was man vor allem dann merkt, wenn man selbst betroffen ist.

    Das gilt aber auch für etliche andere ernste Erkrankungen, deren Bild in der Öffentlichkeit immer noch ein reichlich verzerrtes tabuisiertes ist. Da leisten zum Beispiel Krebsblogger einige Aufklärung.

    Leider erreichten diese Menschen hauptsächlich diejenigen, die sich sowieso zumindest für diese Themen interessieren, wenn nicht selbst betroffen sind.

    An der Bearbeitung dieser Themen in dem Meidien hat sich zwar in letzter Zeit das ein oder andere getan (ich rede jetzt NICHT von den unsäglichen Ergüssen in der Yellow Press und anderen Boulevardformaten), aber von wirklich guter und effizienter Aufklärung breiter Bevölkerungsteile sind wir leider noch weit entfernt.

    • 5. Dezember 2016 20:43

      Ich weiß was du meinst und ich weiß auch, dass es einige Betroffene gibt, die damit auch gerne Aufmerksamkeit erzeugen wollen. Oder sich auch in ihrer Rolle durchaus wohl fühlen.

      Ich hoffe, weil mein Blog doch sehr vielfältig ist, dass auch nicht Betroffene hier lesen und vielleicht einen Aha Effekt bekommen.

      • 5. Dezember 2016 21:25

        Ich finde es eigentlich grunfsätzlich völlig in Ordnung, wenn Menschen mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit gehen. Im Prinzip auch bei Promis. Leider ist es bei denen oft (sicher nicht immer, es gibt da auch positive Beispiele) etwas sehr oberflächlich, vermutlich auch, weil deren Geschichten dann oft auch von Dritten, nicht Betroffenen, verfasst werden, die weder die Sitautation selbst aus eigener Anschauung kennen noch besonders gut über die betreffende Erkrankung informiert sind.

        Die meisten „normalen“ Betroffenen, die über ihre Erkrankung, sei es Krebs, Depression oder sonst eine bloggen, sind ja in der Regel schon Experten in eigener Sache, und vieles was von denen geschrieben wird, hat auch medizinisch mehr oder weniger Hand und Fuß.

        Natürlich spricht Dein Blog eine relativ große Zeilgruppe an, und deshalb ist es sicher auch ein guter Ort da aufklärend zu wirken.

        Und Im Falle psychischer Erkrankungen ist die Hürde sich den Bedarf nach Hilfe einzugestehen in der Tat besonders hoch, wie ich inzwischen aus eigener Anschauung weiß. Bei jeder anderen Erkrankung ist es für uns relativ selbstverstndlich eine entsprechenden Facharzt aufzusuchen. Der Gang zum Psychotherapeuten oder vor allem auch zum Psychiater fällt wohl den meisten erheblich schwerer, und auch ich habe eine Weile und auch einen kleinen Umweg gebraucht.

  3. andiope@live.de permalink
    5. Dezember 2016 11:02

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Vermutlich leidet die Frau unter einer Borderline Persönlichkeitsstörung oder auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt. Diese Menschen bauen deelischen Druck ab, in dem sie sich verletzten, weil sie soch so spüren. Nicht jeder schneidet sich, andere verbrennen sich, sind polytox oder schaden sich durch andere selbst gefährdende Verhalten. Ich bin davon auch betroffen und danke für deine Worte. Hans ab in die Ecke und schämen!

    • 5. Dezember 2016 20:41

      Hi,

      Ja ich denke, Borderline wird sie gehabt haben, aber wohl nicht als einzige Diagnose.

      • 5. Dezember 2016 21:36

        Als Betroffene würde ich auch auf BPS tippen. Es ist erschreckend wie wenig med. „Fach“personal über psychiatrische Erkrankungen im allgemeinen und BPS im speziellen wissen. Das macht mich manchmal richtig wütend.

      • 5. Dezember 2016 21:38

        Weil in der Ausbildung viel zu wenig Wert auf Psychiatrie Einsätze gelegt wird.

  4. Claudia permalink
    5. Dezember 2016 20:26

    Lieber Paul,

    danke für diesen Beitrag. Gerade unter Männern ist dieses Thema immer noch stigmatisiert. Die ziehen sich lieber ein ach-so-witziges T-Shirt an, auf dem etwa zu lesen ist: „Auch Männer haben Gefühle. Durst zum Beispiel.“

    Aber irgendwann funktioniert das Weglachen einfach nicht mehr. Sich das einzugestehen erfordert Mut. Das vor anderen zuzugeben, erfordert viel mehr Mut. Vielleicht täusche ich mich (bin gerade zu faul zum googeln), aber ich habe den Eindruck, dass Rettungssanitäter zum überwiegenden Teil männlich sind. Und in diesem Milieu über seine Gefühle zu sprechen, erfordert wohl sehr viel Mut.

    Paul, ich halte Dich nach dem, was ich von Dir gelsen habe, für einen sehr klugen, besonnenen Menschen. Damit kann man weit mehr Menschen retten als mit Hans martialischem Auftreten. Bleib ein Mensch mit Stärken und Schwächen, überlass die dummen Sprüche den anderen.

    • 5. Dezember 2016 20:38

      Hi,

      früher waren es wirklich mehr Männer, die diesen Beruf gemacht haben. Heute findest du aber auch sehr viel Frauen, die in diesem Beruf arbeiten, was ich auch begrüße. Danke für das Kompliment!

  5. 5. Dezember 2016 20:29

    In der Tat eine traurige Geschichte. Um so schlimmer, dass es diese Kollegen wirklich überall zu geben scheint. Mit einem Einfühlungsvermögen wie ein Backstein. Ohne jegliche Empathie, dafür aber einer Selbstüberschätzung von hier bis nach Bagdad. Und sowas arbeitet dann in einem sozialen Beruf. Traurig sowas.
    Leider sind das dann auch genau die Kollegen, die es eben auch nicht verstehen, wenn ein Kollege oder eine Kollegin psychisch dekompensiert und vielleicht Hilfe oder zumindest Rücksichtnahme benötigt. Die „solche“ Menschen gleich als völlig durchgeknallt, verrückt und für den Rettungsdienst ungeeignet abstempeln. Vielleicht sollten sie aber erst mal vor der eigen Türe kehren.
    Ich finde es auf jeden Fall toll, dass du so schnell begriffen hast, dass du Hilfe brauchst und auch nicht gezögert hast, dir welche zu suchen. Andere brauchen dafür deutlich länger. Natürlich muss man sich nicht schämen. Aber man will eben auch nicht negativ auffallen. Und wie du schon sagst. Man wird auch durchaus schnell stigmatisiert und in eine (falsche) Schublade gesteckt, was es dann auch wieder schwerer macht, den eigenen Schatten zu überwinden und sich endlich helfen zu lassen. Von daher kann man dich nur beglückwünschen, den auch gleich einen passenden Therapeuten zu finden ist nicht unbedingt leicht.
    Auf jeden Fall drück eich alle Daumen die ich finden kann, dass es keine nächste depressive Episode geben wird.

    • 5. Dezember 2016 20:37

      Ja eine Geschichte, die so, oder so ähnlich überall in Deutschland passiert. Und diese Kollegen gibt es auf jeder Wache und manchmal habe ich das Gefühl, sie werden immer mehr. Empathie hat man, oder eben nicht. Und ja auch diese Kollegen sind auch die, die dann zum Kollegen sagen, stell dich nicht so an.

      Danke, ich hoffe ich habe einen guten Weg gefunden, mit der „Krankheit“ zu leben und das Beste daraus zu machen.

  6. 5. Dezember 2016 21:29

    Glaub mir, ich kann dich so unglaublich gut verstehen. Wir haben hier in der Stadt auch eine „Sandra“. Ich habe sie privat in der Klinik kennengelernt.
    Es tut mir manchmal richtig weh, wenn ich Menschen – sogar med. Fachpersonal – so abfällig über psychische Erkrankungen und die davon Betroffene, reden.
    Ich finde es schwierig und anstrengend, ständig falsche Aussagen und Behauptungen widerlegen zu „müssen“/wollen. Man muss ja je nach Situation sehr aufpassen, dass man sich nicht selbst verrät.
    Aber wie du sagst, es hat auch Vorteile, denn man kann sich wesentlich besser in den Pat. hineinversetzen. Sandra kann sich glücklich schätzen, dass du Dienst hattest.
    Mit zwei Hans‘-Sanis hätte Sandra sich wahrscheinlich nicht so schnell beruhigt. Es ist faszinierend, wie viel man mit Worten erreichen kann.

  7. 8. Dezember 2016 13:10

    Vielen Dank für diesen Beitrag und für deine Offenheit.
    Ich selbst bin psychisch krank, momentan wieder mit einem Tief. Mein Arbeitsumfeld weiß auch darüber Bescheid und nimmt viel Rücksicht.
    Aber ich kenne leider auch diese „Jetzt reiß dich mal zusammen“-Fraktion. Diese Menschen sollten eigentlich dankbar sein, dass sie nicht wissen, was es heißt, depressiv zu sein.

  8. theredone permalink
    14. Dezember 2016 16:42

    Ein schöner Beitrag, auch mit deiner persönlichen Sicht.

    Zum ersten Teil: Nein, ich denke nicht, dass Sandra noch gern mitfahren wird. Nicht in dem Wissen, dass einige Leute sie ohnehin nur für eine „Irre“ halten und sie in deren Augen nur eine Mehrbelastung ist, für die sie sich vielleicht schon vorher hielt. Was passiert wäre, wenn zwei von der Sorte da gewesen wären? In jedem Fall wäre es zu dem Stress, den sie in der Familie hat, noch mehr Stress gewesen, ob sie mitgefahren wäre oder nicht.

    Jedenfalls Glück für Sandra, dass jemand wie du da war und nicht in die „Was jammern sie hier eigentlich rum und halten mich von der Arbeit ab“-Kerbe gehauen hat. Vielleicht bleibt ja auch bei ihr hängen, dass es die Meinung und Äußerung eines Einzelnen war und es Idioten eben überall geben kann. Zu wünschen wäre es.

    Zum Thema Empathie musste ich allerdings in den letzten Monaten erkennen, dass ich im eigenen Umfeld davon auch nicht so viel habe, wie ich geglaubt habe. Dass mein Job mich ziemlich fertig gemacht hat, hab ich einigen erzählt, die nachgefragt haben, warum ich in letzter Zeit so mies drauf bin und kaum noch was mit unternehme. Da kam erschreckend oft ein „Ach, komm, dafür wirst du doch gut bezahlt! So schlimm isses nicht“ in verschiedensten Variationen zurück, bis zum „Hör auf zu jammern!“. Naja, wozu fragt man dann nach?
    Als ich mir selbst nur noch auf den Keks ging, hab ich dann meinen Job geschmissen und was anderes angefangen. Reaktion des Umfelds: „Samma hackts?!“ Das einzige, was vielen dazu einfiel, waren die veränderten Arbeitsbedingungen und der finanzielle Verlust. Unheimlich motivierend und einfühlend. Was nur denen auffiel, die ich auch zukünftig Freunde nenne: Ich hab wieder gelacht. Aber das ist für viele wohl sehr … abstrakt. Steht ja auf keinem Auszug.

    In dem Sinne: Vielen Dank für diesen Beitrag.

    • 14. Dezember 2016 16:47

      Hi,

      willkommen auf meinem Blog! Danke für das Kompliment. Ja Freunde sind wirklich die, die aufmerksam sind und ja ich merke das eher generell die Emphatie vielen Menschen verloren geht.

  9. Christina permalink
    16. Dezember 2016 13:54

    Was mir dabei immer einfällt:
    „Warum hast du denn Depressionen? Du hast doch ein schönes Leben!“
    „Warum hast du denn Asthma? Hier ist doch genug Luft!“

    Hab ich bei https://erzaehlmirnix.wordpress.com/ gelesen, für gut und sehr passend befunden und geklaut.

    Danke, dass du das Thema aufgreifst, vielleicht weckt das bei dem einen oder anderen auch ein bisschen Verständnis. Ich habe auch Depressionen – mal (mittlerweile meistens) gehts mir gut, dann fall ich wieder in ein Loch. Mich hat der Berufswechsel in den Rettungsdienst irgendwie gerettet, ich hab so zumindest das Gefühl, dass ich, auch wenns mir mal schlecht geht, etwas Sinnvolles tue und nicht nur Papier von A nach B schiebe.

    Ich gehe mit dem Thema ziemlich offen um, manche zweifeln dann, ob ich denn auch belastbar genug bin für den Beruf. Aber ich denke, dass mich im Beruf diese Arschlochkrankheit auch manchmal irgendwie besser macht, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie es ist, wenn die Psyche einem Streiche spielt…

    • 16. Dezember 2016 17:04

      Geht mir auch so. ich bin mittlerweile bei Großveranstaltungen, wie z.B. Karneval, die „Kummerkastentante“.
      Bei den typischen „Betrunkenes Teenie-Mädel hyperventiliert, weil der Justin-Kevin sie nicht mehr liebt und mit der Schantalle-Michelle geknutscht hat“-Einsätzen heißt es dann: „Irgendeine, Kundschaft!“ 😀

      • Christina permalink
        17. Dezember 2016 22:42

        Hey Irgendeine!
        Hab mir gerade deinen Blog durchgelesen (sehr nett geschrieben übrigens! Hör bloß nicht auf!): meinst du solche Fälle wie der der Eisbärin?
        Ich denke, wenn man sich den Patienten gegenüber da etwas öffnet, weil man das Gefühl hat, dass es was bringt, ist das nicht verkehrt und man hat gleich ne ganz andere Beziehung zu ihnen…

    • 18. Dezember 2016 16:27

      Danke für das Lob. 🙂 Ja, genau solche Fälle meine ich. Es ist eine Gratwanderung wie viel man preisgeben darf und wann man sich besser bedeckt halten sollte.
      Mir hat meine „Erfahrung“ schon oft dabei geholfen, besser an Pat. heranzukommen, aber ich hatte auch schon viele Schwierigkeiten deswegen. Und das nicht selten, weil medizinisches „Fach“personal genau die selben, ja oft noch weitaus schlimmere, Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen haben.

  10. ohne permalink
    16. Dezember 2016 20:24

    Ich hatte 1999 Brustkrebs. 33 Jahre jung, Tochter noch 3 Jahre, Sohn 9 1/2 Monate. Im Laufe der Jahre war ich bei zwei Therapeuten, aber so wirklich der Renner waren sie nicht. Inzwischen ist die Ehe in die Brüche gegangen, eine neue Beziehung habe ich 4 Jahre nach der Trennung von meinem Ex-Mann nicht. Auch das zieht mich sehr runter. Ja, Freunde (wirklich gute) habe ich, wirklich „helfen“ können sie mir nicht. Nur im Bett liegen und schlafen kann ich nicht, da bekomme ich zu schnell Schmerzen. Mit dem Arbeitsplatz habe ich seit Jahren Probleme. Immer wieder Wechsel, nichts stetes. Wie lange meine Seele noch durchhält kann ich nicht sagen

  11. 25. Dezember 2016 03:02

    Danke für deinen guten Bericht.

    Ich finde es immer wieder schade (und sicherlich auch verletzend), wenn gerade medizinischen Fachpersonal so mit Patienten umgeht. Ich könnte stundenlang vom Umgang vom Pflegeteam der Psychiatrie mit Patienten schreiben – schön wäre mein Bericht sicherlich nicht.

    Deshalb finde ich es beruhigend, auch von Menschen wie Dir zu lesen 🙂

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