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Der Klassiker… Kampf dem Herztod…

6. März 2017

Der Klassiker… Kampf dem Herztod…

 

Heute starten Hermione, Krangewarefahrer und ich unsere Blogparade „Kampf dem Herztod“, denn es gibt immer noch viele Menschen, die nicht wissen, was ein Herzinfarkt ist, wie man ihn auch als Laie erkennen kann und wie wichtig eine schnelle Intervention ist.

 

2003 saß ich als Lehrling auf dem Rettungswagen, einige Einsätze schon auf dem Buckel, und sowas wie Routine bahnte sich an. Jedenfalls dachte ich das damals 🙂 Wieso ich diesen Einsatz noch so genau im Kopf habe, das erzähle ich euch hier.

Es war ein Montagmorgen, wir saßen gerade mit dem Nachtdienst beim Frühstück, es war schon schön warm draußen und ich nippte gerade an meinem Kaffee, als der Melder des RTWs und auch der des Notarztes bimmelte. Wir schauten alle auf unsere Melder,  ließen alles stehen und liefen zu unseren Autos.

„Herzinfarkt“ stand da auf dem Melder, in einer Arztpraxis, zwei Orte weiter. Ich hatte in den letzten Monaten schon einige Herzinfarkte gesehen und ich dachte zu dem Zeitpunkt noch, ich hätte schon alles gesehen. Aber wie das im Rettungsdienst ist, auch nach fast 14 Jahren im Job gibt es immer wieder Einsätze, die man so noch nicht hatte.

 

Herr Meyer hatte schon seit einer Stunde Schmerzen in der Brust, die über seine Schulter bis in den linken Arm gingen. So richtig gut Luft bekam er auch nicht und das machte im schon etwas Sorgen. Deshalb ließ er sich von seiner Ehefrau zu seiner Hausärztin im gleichen Ort fahren. Diese schrieb sofort ein EKG und nahm Blut ab. Auf dem EKG sah sie das:

Herr Meyer hat einen massiven Herzinfarkt erlitten. Sofort rief die Hausärztin die 112 an und verlangte für ihren Patienten einen Rettungswagen und einen Notarzt. Als wir eintrafen, hatte die Ärztin schon eine Infusion gelegt und alle Unterlagen zusammen gesucht. Wir spulten unser Programm ab, es gab vom Notarzt Schmerzmittel und Sauerstoff. Bis dahin war alles wie immer. Wir bereiteten den Transport vor. Mein Kollege fragte unseren Notarzt, ob wir das EKG für den Transport ins Auto abmachen können, aber der sagte nur: „Nee, lass lieber mal dran“, denn Herr Meyer sah wirklich krank aus.

Plötzlich schrie unser Patient auf und krampfte am ganzen Körper. Wir schauten uns alle irritiert an. Was war denn hier los!? Der Krampfanfall dauerte keine Minute und dann war Ruhe, das EKG zeigte eine Nulllinie. Unser Notarzt fing sich als Erster und schaute zunächst, ob uns unsere EKG-Ableitung nicht einen Streich spielte, Herr Meyer gar kein Herzstillstand hatte und alle Aufregung umsonst war. Dem war aber nicht so, Herr Meyers Herz hatte wirklich die Arbeit eingestellt. Zum Glück hatten wir das gesamte Material noch im Zimmer und konnten gleich mit der Wiederbelebung anfangen.

Nach zehn Minuten schlug sein Herz wieder, er hatte einen Tubus in der Lunge und wir waren bis auf die Unterwäsche nass geschwitzt.

 

Herr Meyer hatte unendliches Glück an diesem Tag. Glück, dass seine Hausärztin da war, etwas von ihrem Job versteht und dass diese uns so schnell alarmiert hat. Außerdem war sein Glück, dass sein Herz in der Praxis aufgehört hat zu schlagen und nicht zu Hause, wo kein Rettungsdienst daneben gestanden hat. Er konnte das Krankenhaus nach zwei Wochen Aufenthalt auf eigenen Beinen verlassen. Sein Herz war zwar geschädigt, aber er hatte trotzdem noch eine hohe Lebensqualität.

 

Was ist überhaupt ein Herzinfarkt?

Das Herz ist ein Muskel, der wie alle anderen Organe im Körper Blut braucht. Um das Herz herum ziehen viele Blutgefäße, die den Muskel mit Sauerstoff und anderen Dingen versorgen. Bei einem Herzinfarkt wird ein Blutgefäß am Herz durch Ablagerungen, die im Laufe des Lebens entstehen, oder durch einen Blutpfropf ganz oder teilweise verschlossen. Passiert dies, stirbt das dahinter liegende Gewebe rasch ab. Betrifft das Gebiet einen Großteil des Herzmuskels, kann das Herz seine Aufgabe nicht mehr wahrnehmen und es kommt zu einem Herzkreislaufstillstand.

Je früher dieser Verschluss im Blutgefäß wieder geöffnet wird, desto eher überlebt der Patient. Deswegen zählt bei einem Herzinfarkt jede Minute.

 

Wie erkenne ich einen Herzinfarkt?

Der Patient verspürt meist einen heftigen Schmerz in der Brust. Herr Meyer gab an, dass es sich so anfühlt, als würde ihm jemand auf der Brust sitzen. Meist treten die Symptome bei Anstrengung oder auch in körperlicher Ruhe auf.

Oft strahlt der Schmerz in den Kiefer, den Rücken, beide Arme und in den Bauch aus. Menschen mit einem Herzinfarkt bekommen meist schlecht Luft und haben sehr große Angst. Das Tückische an einem Herzinfarkt ist: Alles kann, nichts muss. Gerade Personen, die an Diabetes erkrankt sind, können z.B. überhaupt keine oder nur wenige Schmerzen empfinden. Andere spüren den Schmerz nur im Bauch oder Rücken. Allen gemein ist aber, dass sie sofort in ein geeignetes Krankenhaus müssen.

 

Was tue ich?

 

Herr Meyer und seine Frau haben erst mal richtig reagiert, denn sie haben die Symptome als die wahrgenommen, die sie sind. Danach hätten sie aber sofort die 112 anrufen müssen. Denn jede Bewegung, und seien es nur drei Schritte bis zum eigenen Auto, können fatale Folgen für das Herz haben. Ist das Herz so schwer geschädigt, dann kann jede Bewegung die letzte gewesen sein. Deswegen gilt: Nicht mehr bewegen! Setzen Sie sich dort, wo Sie sind, hin, egal ob Sie gerade auf dem Klo sind, im Auto sitzen oder im Bett liegen. Liegen Sie, versuchen Sie sich nur kurz Oberkörperhoch zu setzen, so arbeitet das Herz am besten und Sie bekommen besser Luft. Als Angehöriger: Erst einmal tief durchatmen und sammeln. Danach wählen Sie den Notruf 112 und schildern dem Disponenten was genau passiert ist.  Anschließend den Patienten weiter betreuen und zusammen auf den Rettungsdienst warten.

An einem Herzinfarkt sterben jährlich 50.000 Menschen in Deutschland.

Es kann auch sein, dass das Herz ihres Gegenübers plötzlich stehen bleibt. Jetzt müssen sie den Patienten möglichst rasch auf den Boden bringen und den Oberkörper frei machen. Überprüfen sie, ob derjenige noch atmet. Atmet er nicht, oder nur ganz komisch, dann rufen Sie die 112 nochmals an und schildern, was passiert ist. Denn so wissen die Kollegen, dass es eine neue Situation gibt, und der Kollege der Leitstelle kann sie in der Reanimation anleiten, wenn ihre Erste-Hilfe-Kurs schon länger zurückliegt und sie nicht sicher sind, was sie machen müssen.

 

Kann man präventiv  was gegen einen Herzinfarkt tun?

 

Ja, eine ganze Menge. Sport und eine gesunde Ernährung schützen vor einem Herzinfarkt. Wer raucht wie ein Schlot, viel Alkohol trinkt oder sich ungesund ernährt und deswegen ein paar Kilos mehr mit sich herumschleppt, der hat eine größere Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt zu bekommen.

Aber auch gesunde Menschen können einen Herzinfarkt erleiden. Mehr dazu in der nächsten Geschichte.

 

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