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Klassiker Teil 2…. Kampf dem Herztod…

12. März 2017

Der Klassiker Teil 2… Kampf dem Herztod

Ein ganzer Tag, nicht viel in unserem Leben, wenn wir bedenken, dass der Durchschnitt das Glück hat,  heutzutage wahrscheinlich über 70 Jahre alt zu werden.

Aber 24 Stunden  können auch zu lange sein, wenn es um einen Herzinfarkt geht.

Herr Brunner schaut mich leicht irritiert an, als ich und mein Kollegen Iwan mit vollem Gepäck in das Behandlungszimmer eintreten. Wir haben unseren Notfallrucksack, das EKG und Sauerstoff dabei, denn auch wenn wir in eine Praxis gerufen werden, arbeite ich lieber mit dem Material, mit dem ich mich auskenne.

„Sie brauchen doch nicht so viel Wirbel zu machen“, das bekam schon seine Hausärztin zu hören, als er ihr von seinen Beschwerden berichtete.

Schmerzen in der Brust, als würde ihm jemand auf dem Brustkorb sitzen, so beschrieb er es. Seit wann er denn diese Schmerzen hätte, fragte sie. „Naja, seit 13 Uhr“ antwortete er. Seine Ärztin schaute entsetzt auf ihre Uhr, denn da war es gerade 11.30 Uhr. „Ich konnte auch die ganze Nacht nicht schlafen und meine Frau meinte dann heute Morgen, ich sollte doch mal bei Ihnen vorbei schauen“, sagte er.

„Herr Brunner, Sie haben wahrscheinlich einen Herzinfarkt und ich möchte Sie bitten, sich gleich hier auf den Rollstuhl zu setzen, den ich Ihnen hole“. „Aber ich kann doch laufen“, entgegnete er, „ich habe doch nichts an den Füßen“. Seine Ärztin duldete keine Widerworte und wies ihre Helferin gleich an, einen Rettungswagen zu alarmieren. „Ist das denn wirklich nötig“, fragte er immer noch iritiert. „Ich kann doch auch mit meinem Wagen ins Krankenhaus fahren“.

Als wir eintrafen, lag Herr Brunner schon auf einer Trage. Ich stellte mich kurz vor, ließ mir von der Ärztin eine Übergabe machen und mein Kollege Iwan schloss unseren Patienten an das EKG an. Keine zwei Minuten später hatten wir es schwarz auf weiß

:Herr Brunner hat einen massiven Herzinfarkt erlitten. Schnell war eine Infusion angeschlossen und lebenswichtige Medikamente liefen durch seine Venen. Keine zehn Minuten später landete der von uns angeforderte Rettungshubschrauber auf dem Parkplatz eines nebenan liegenden Supermarkts.

 

Was aus Herr Brunner geworden ist, ich weiß es nicht. Dass er knapp 24 Stunden mit einem so massiven Herzinfarkt überlebt hat, grenzt schon an ein Wunder. Und dieser Einsatz entstammt nicht meiner Fantasie, sondern hat sich wirklich so zugetragen.

 

Wir, das heißt „Hermione“, der Krangewarefahrer und ich wollen euch zeigen, worauf ihr achten müsst. Wie kann man einen Herzinfarkt erkennen und wie helfe ich einem Betroffenen?

 

Was ist ein Herzinfarkt?

 

Das Herz ist ein Muskel, der wie alle anderen Organe im Körper Blut braucht. Um das Herz herum ziehen viele Blutgefäße, die den Muskel mit Sauerstoff und anderen Dingen versorgen. Bei einem Herzinfarkt wird ein Blutgefäß am Herz durch Ablagerungen, die im Laufe des Lebens entstehen, oder durch einen Blutpfropf ganz oder teilweise verschlossen. Passiert dies, stirbt das dahinter liegende Gewebe rasch ab. Betrifft das Gebiet einen Großteil des Herzmuskels, kann das Herz seine Aufgabe nicht mehr wahrnehmen und es kommt zu einem Herzkreislaufstillstand.

Je früher dieser Verschluss im Blutgefäß wieder geöffnet wird, desto eher überlebt der Patient. Deswegen zählt bei einem Herzinfarkt jede Minute.

 

Wie erkenne ich einen Herzinfarkt?

Der Patient verspürt meist einen heftigen Schmerz in der Brust. Herr Brunner gab an, dass es sich so anfühlt, als würde ihm jemand auf der Brust sitzen. Meist treten die Symptome bei Anstrengung oder auch in körperlicher Ruhe auf. Oft strahlt der Schmerz in den Kiefer, den Rücken, beide Arme und in den Bauch aus. Menschen mit einem Herzinfarkt bekommen meist schlecht Luft und haben sehr große Angst. Das Tückische an einem Herzinfarkt ist: Alles kann, nichts muss. Gerade Personen, die an Diabetes erkrankt sind, können z.B. überhaupt keine oder nur wenige Schmerzen empfinden. Andere spüren den Schmerz nur im Bauch oder Rücken. Allen gemein ist aber, dass alle möglichst schnell in ein entsprechendes Krankenhaus kommen.

 

 

 

Was tue ich?

 

Herr Brunner hat das gemacht, was leider viele Menschen mit Herzinfarkt machen. Er hat die Symptome nicht erkannt und gedacht, was von alleine kommt, wird auch von alleine wieder gehen. Er hat fast 24 Stunden gewartet, bis er doch endlich zu seiner Hausärztin gegangen ist. Wie ihr schon wisst, darf niemand mit einem Herzinfarkt mehr herumlaufen. Außerdem muss die 112 gerufen werden, denn der Hausarzt hat vielleicht zu und ist auf einen Herzinfarkt nicht vorbereitet, was die Medikamente angeht, die ein Herzinfarkt-Patient bekommt. Auch wenn es zu einer Reanimation kommen sollte, ist meist nicht das Equipment vorhanden, welches wir mit dem Notarzt und dem Rettungswagen mitbringen.

Warten Sie nicht Stunden. Jede Minute, die Sie länger warten, stirbt das Gewebe hinter dem Verschluss ab. Nach mehr als 3 Stunden ist die Wahrscheinlichkeit, diesen Verschluss noch durch Medikamente oder eine OP zu beseitigen, sehr niedrig. Auch steigt leider die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Herz für immer stehen bleibt. Wählen Sie die 112 und berichten, was passiert ist. Wenn die Möglichkeit besteht, suchen Sie kurz die letzten Arztberichte zusammen. Auch wichtig ist, welche Medikamente der Patient jeden Tag zu sich nimmt. Danach den Patient weiter betreuen und zusammen auf den Rettungsdienst warten.

An einem Herzinfarkt sterben jährlich 50. 000 Menschen in Deutschland.

Es kann auch sein, dass das Herz eures Partners  plötzlich stehen bleibt. Jetzt müsst ihr den Patienten möglichst rasch auf den Boden bringen und den Oberkörper frei machen. Ihr überprüft, ob derjenige noch atmet. Atmet er nicht, oder nur ganz komisch, dann ruft ihr die 112 nochmals an und schildert, was passiert ist. Denn so wissen die Kollegen,  dass es eine neue Situation gibt und der Kollege der Leitstelle kann euch in der Reanimation anleiten, wenn euer Erste-Hilfe-Kurs schon länger zurückliegt und ihr euch nicht sicher seid, was ihr machen müsst.

 

 

Kann man präventiv  was gegen einen Herzinfarkt tun?

 

Ja, eine ganze Menge. Sport und eine gesunde Ernährung schützen vor einem Herzinfarkt. Wer raucht wie ein Schlot, viel Alkohol trinkt oder sich ungesund ernährt, und deswegen auch ein paar Kilos mehr mit sich herumschleppt, der hat eine größere Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt zu bekommen als jemand, der das nicht tut.

 

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4 Kommentare leave one →
  1. erzdaemonxyz permalink
    12. März 2017 09:39

    Klassiker in der Tat. Einen ähnlichen Fall hatte ich genau so auch bereits – ebenfalls mit einem Patient der nach knapp 24 Stunden erst in die Arztpraxis gegangen ist und kurze Zeit später im Herzkatheterlabor lag.

  2. Robert permalink
    22. März 2017 16:32

    Vielen Dank für diesen spannenden und sehr wichtigen Beitrag!

    Mich würde nach Betrachtung des EKGs interessieren, wie ihr es interpretiert habt? Was ich erkenne sind horizontale ST- Senkungen im Bereich der Hinterwand (II, III, aVF) sowie eine fragliche isolierte ST- Hebung in V2, aus dem tiefen S kommend, kein Schenkelblock – habt ihr es dennoch als STEMI gewertet oder als nichthebungs-AKS?

    Ich tue mich immer etwas schwer mit Ischämie- Diagnostik im EKG, wenn keine ganz typischen ST- Hebungen drauf sind 😉

    • 14. April 2017 19:18

      Hallo Robert,

      sorry dass es mit meiner Antwort so lange gedauert hat, aber ich habe leider keine Benachrichtigung über neue Kommentare bekommen.

      Ja wir haben es als STEMI gewertet und auch so danach gearbeitet. Bei uns werden seit neuestem bei einem STEMI auch Defipads geklebt.

      • Robert permalink
        15. April 2017 12:16

        Alles klar, danke für die Antwort 🙂

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