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Kopf unter Wasser…

10. August 2017

Richard kommt mit seinem Lamborghini über den Hügel.

 

Der heutige Tag verspricht wirklich schönes Wetter, Heiko und ich haben gerade unsere Tagschicht begonnen. Wir trinken gemütlich unseren Kaffee mit der Nachtschicht und hören, was es so Neues gibt. Die letzten Tage war wenig los, wir beide sind guter Dinge, dass es uns nicht anders gehen wird.

Nach 800 Metern macht die Straße einen 90 Grad Knick nach rechts über eine Brücke, unter der ein Gebirgsbach sich ins Tal schlängelt. Er schaltet ein paar Gänge hinunter, lenkt ein und dann geht plötzlich alles so schnell, dass er nicht mehr reagieren kann. Das Fahrzeug bricht aus und Richard landet mit dem Auto kopfüber im Bach.

Sofort strömt das Wasser ins Auto. Unser Patient ist noch angeschnallt und ist in wenigen Sekunden vom Wasser eingeschlossen. Zum Glück ist er nicht eingeklemmt und kann sich aus dem Gurt befreien und wenigstens seinen Kopf aus dem Wasser halten. 

Nachdem unser Kaffee leer ist, checken wir unseren RTW. Heute müssen wir noch das Auto desinfizieren, deswegen muss erst mal alles Material raus aus dem Fahrzeug. Ich denke noch so: „Hoffentlich kommt jetzt kein Einsatz!“

 

Zum Glück haben andere Autofahrer den Unfall beobachtet und setzen sofort den Notruf ab und steigen in den kalten Bach. Sie versuchen die Türen des Autos zu öffnen, aber da diese nur nach oben öffnen, geht die Tür nur ein Stückchen auf.

 

Bei uns bimmelt in dem Moment der Melder und ich fluche wie ein Rohrspatz, denn unser komplettes Material ist noch außerhalb des RTW. Heiko nimmt den Einsatz an und ich versuche im Rekordtempo unseren ganzen Krempel wieder einigermaßen zu verpacken. Auf unserem Ipad steht nur, „X-Dorf Verkehrsunfall“, mehr Angaben gibt es leider nicht.

 

Die Ersthelfer beruhigen Richard, der jetzt schon ein paar Minuten im Wasser liegt.

 

Unsere Anfahrt zieht sich, da der Einsatzort am anderen Ende unseres Einsatzgebietes liegt. Es bleibt also Zeit, kurz durchzusprechen, was wir machen, wenn wir am Einsatzort angekommen sind. Inzwischen meldet unsere Leitstelle, dass wir noch den Rettungshubschrauber und die Feuerwehr dazu bekommen. „Scheint wohl doch was Größeres zu sein“, sage ich zu Heiko. Bis die da sind, sind wir erstmal auf uns alleine gestellt.

20 Minuten später kommen wir über den Hügel und sehen ein paar Menschen an der Brücke stehen, auf der ein LKW parkt. Ich schaue, ob ich noch was anderes sehe, aber irgendwie fehlt da noch was.

Als wir die Brücke erreichen, sehe ich das kopfüber liegende Auto und denke noch so, der Patient ist bestimmt draußen und steht da irgendwo bei den Gaffern, die sich da schon angesammelt hatten.

Wir steigen aus und erst jetzt sehen wir einige Ersthelfer im Bach stehen, die uns hektisch herbeiwinken.

Ich lege schnell mein Handy und das Funkgerät ab und weise Heiko an, mir das Material nachzubringen, während ich die Lage am Fahrzeug erkunde.

 

Das Wasser ist trotz sommerlicher Temperaturen ziemlich kalt und geht mir bis zu den Oberschenkeln. Ich bin froh, dass unser Patient redet und so kurz sondieren kann, was ihm fehlt und was ich als nächstes tun muss. Heiko hat unser Equipment am Ufer abgelegt und wartet.

 

Ich überlege fieberhaft, wie wir Richard aus dem Auto herausbekommen, denn der hustet ziemlich und liegt schon knapp 30 Minuten im kalten Wasser, und das ist gefährlich.

 

Plötzlich steht ein Typ in grüner Latzhose neben mir und fragt, ob er mir denn helfen könnte mit seinem Ladekran an seinem LKW. „Dich schickt echt der liebe Gott“, sage ich und erkläre ihm, er heißt Lars, kurz, wo er mit seinem Kran anschlagen soll. Denn bis die Feuerwehr da ist, dauert es bestimmt noch 10 Minuten, die wir einfach nicht haben.

 

Lars bringt in Rekordtempo seinen Kran in Stellung und hebt das Auto soweit an, dass die Ersthelfer und ich die Tür so weit öffnen können, dass wir unseren Patienten herausholen können. Wir lagern ihn auf unsere Trage und bringen ihn mit vielen kräftigen Händen in unseren RTW.

 

Dort schneide ich erstmal alle Klamotten weg und drehe die Heizung auf. Unser Thermometer zeigt 32 Grad Körpertemperatur an, was wirklich nicht gut ist. Als wir Richard verkabeln und einen Zugang gelegt haben, ist auch unser RTH und die Feuerwehr da.

 

Es gibt eine Übergabe an den Notarzt und schon ein paar Minuten später liegt Richard im Hubschrauber.

 

Lars ist mein Held des Tages, denn ohne ihn wäre das alles vielleicht nicht so gut für Richard ausgegangen. Unser Chef hat ihm einen großen Blumenstrauß zugeschickt. Von Richard lag vor ein paar Tagen ein langes Dankeschreiben in unserem Fach auf der Wache.

 

Das Passwort für Teil 2 bekommen leider nur mir bekannte Leser. Einfach kurz ne Mail oder DM an mich.

 

 

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