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Die Impfung…

14. Dezember 2009

Ein schöner Frühlingsabend und ich hatte Dienst auf einer kleinen Außenwache. Erst mal gibts Kaffee und ein Kippchen. Die Vorschicht ist nicht wirklich was gefahren und wir haben das heute auch nicht wirklich vor. Wir sitzen draußen und der zweite Kaffee schmeckt gerade, als der Melder geht.

Aus der Depesche erfahren wir, dass es einen Ort weiter geht, zu einem internistischen Notfall. Im Zusatz steht etwas von, dass es sich um einen Zustand nach einer Impfung handelt. Wir sind beide etwas irritiert, denken an eine allergische Reaktion und fahren los. Dort angekommen nehmen wir unsere Geräte mit und klingeln. Ein etwas älterer Herr öffnet uns die Tür und leitet uns in Wohnzimmer. Wir denken, da erwartet uns unser Patient, aber der Herr nimmt vor uns Platz und eröffnet uns, er wäre der Patient. Seine Ehefrau hält sich bis jetzt im Hintergrund auf, aber sie wird noch eine Rolle spielen.

Wir stellen erst mal unsere Gerätschaften ab und warten der Dinge, die da kommen. Unser Patient erzählt uns, er wäre vor 5 Tagen bei seinem Hausarzt gewesen und habe eine Impfung gegen Zecken bekommen. Und jetzt würde ihm der Arm weh tun. Ich suche im Raum nach der versteckten Kamera, aber ich finde irgendwie keine. Ich warte noch einen kleinen Augenblick, vielleicht kommt ja noch etwas, was wenigstens die Anfahrt gerechtfertigt hätte. Ich frage höflich, ob er sonst noch irgendwo Schmerzen hat, man möchte ja wirklich nichts übersehen. Der Mann verneint und ich denke, wo stecken Kurt Felix und Paola? Ich frage nochmal höflich nach, ob er uns jetzt wegen Schmerzen gerufen hat, die durch die Impfung entstanden sind. Ein heftiges Nicken ist die Antwort. Die Frage nach körperlicher Anstrengung bejaht unser Patient auch und meine Miene verfinstert sich zusehends. Auf die Frage, was er sich denn jetzt vorstellt, schaue ich in zwei ahnungslose Gesichter. Jetzt schaltet sich die Ehefrau ein. Ihr Mann müsste unbedingt in ein Krankenhaus. Auf die Frage wieso, wissen beide eigentlich keine Antwort. Da wir bestimmt schon 15 Minuten hier tatenlos rumstehen, versuche ich den beiden höflich mitzuteilen, dass dies kein Einsatz für den Rettungsdienst ist. Wenn sie wirklich einen Arzt aufsuchen wollten, könnten sie zum Ärztlichen Notdienst fahren. Dies würde nicht gehen, bekomme ich zur Antwort. Man habe kein Auto und ein Taxi wäre zur Zeit nicht verfügbar. Wir müssen beide wirklich die Fassung bewahren, da will uns doch glatt jemand verarschen. Die Ehefrau drängt uns, dass wir ihren Mann jetzt unbedingt mitnehmen sollen. Ich versuche nochmals die beiden darüber aufzuklären, dass dies keine Indikation für den Rettungsdienst ist. Sie wollen trotzdem. Da es nicht den Eindruck macht, als wenn ich mit ihnen weiter komme, biete ich an, dass sie auf private Rechnung mit uns zum Ärztlichen Notdienst fahren können. Mein letzter Trumpf ist der Betrag, der die beiden hoffentlich zur Vernunft bringt. Doch auch dies fruchtet nicht und ich ärgere mich grün und schwarz. Die einzige Linderung war, dass dies für ihn die teuerste Taxifahrt seines Lebens war.

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12 Kommentare leave one →
  1. Special Agent Gibbs permalink
    14. Dezember 2009 20:34

    Ihr habt ihn tatsächlich mitgenommen? Respekt! Und das Gesicht des Personals (der Klinik wo ihr ihn hingebracht habt) bei der Übergabe hätte ich auch gerne gesehen… 😉

  2. 14. Dezember 2009 20:46

    Wir haben ihn ja zum Ärztlichen Notdienst gefahren, dort hat man nur mit dem Kopf geschüttelt. Eine Klinik hätte ihn wohl wieder rausgeschmissen 🙂

    • Special Agent Gibbs permalink
      15. Dezember 2009 13:24

      Ah, ok! Trotzdem, auch das Gesicht des Ärztlichen Notdienst hätte ich gerne gesehen… 😉

  3. 15. Dezember 2009 14:41

    Und beim Ärztlichen Notdienst wurdet ihr vom Kamerateam empfangen? *hoff*

  4. 15. Dezember 2009 15:14

    @Special Agent

    ich nehm nächstes Mal die Kamera mit 🙂

    @Hermione

    Da muss ich dich leider enttäuschen..

    Geschichten dazu hab ich noch einige, muss sie nur aufschreiben. 🙂

    • Special Agent Gibbs permalink
      15. Dezember 2009 21:19

      Das hoffe ich doch 😉 !

  5. 16. Dezember 2009 09:23

    Gut, dass wir jetzt die Schweinegrippe haben… einfach sagen „der Patient vor Ihnen im Wagen hat die Schweinegrippe…“ da hätten sie sicher ein normales Taxi genommen….oder wären zu Hause geblieben…lange Weile die Leute…. *grrr* und ein wirklicher Patient muss warten wegen solchen Idioten..

  6. 16. Dezember 2009 09:31

    @Miki

    Das hätte bei ihm auch nichts genützt..da bin ich mir sicher. Das ist leider der Alltag bei uns, du fährst Patienten, die eigentlich nicht wirklich krank sind…..

  7. 16. Dezember 2009 09:40

    ..leider kämpfe ich derzeit auch mit meiner „Gesundheit“ und überall stehen alte Leute im Weg (Arztpraxen, Thresen…) und belappern und blockieren die Fachkräfte wegen lächerlichen Problemen und unsereins, die arbeiten müssen (…)? Anstehen, Gesülze unfreiwillig mithören… und im krassen Programm dazu: die wirklich Kranken (wegen mir auch alten Patienten..) stehen in der Schlange ganz hinten brav an und jammern gar nicht…zahlen ihre Zuzahlung und wollen nicht den Busfahrplan wissen, damit sie ja keine Sekunde zu früh draußen stehen…
    Mein Sohn(21) ist leider auch „richtig“ krank, muss regelmäßig zum Arzt, da türmen sich schon vor Praxisöffnung alte Leute. Und wenn die Schwestern dann meinen Sohn durchschieben, weil er muss ja arbeiten/studieren geht da die Revolution ab…widerlich….

  8. 16. Dezember 2009 09:46

    @Miki

    Ich kann dich da sehr verstehen. Es wird zu dem Thema auch noch einige Artikel von mir dazu geben….

  9. 17. Dezember 2009 18:54

    Sag mal, wie läuft das eigentlich in so einem Fall?
    Ich nehme an, ihr verbucht es zunächst mal als „Fehlfahrt“. Könnt ihr dem Patienten tatsächlich eine Rechnung schreiben?
    Und – noch spannender – hat der auch gezahlt?
    Ich wünsche mir ja manchmal, dass ein paar von diesen C2-Intox-Kids, welche an Wochenenden bei uns ihren Rausch ausschlafen ne saftige Rechnung kriegen….

  10. 17. Dezember 2009 20:07

    @medizynicus

    Das Rettungsdienstpersonal ist ja das kleinste Licht in dieser Kette. Wenn jemand transpotiert werden möchte, dann muss ich ihn auch mitnehmen. Ein Arzt kann dann sagen, dafür gibt es einen Transportschein, oder es gibt keinen. Wenn der Arzt keinen austellt, wird mein Arbeitgeber die Fahrt erstmal beim Patient gelten machen. Dieser geht dann meistens zu seinem Hausarzt, der dann auch noch einen ausstellt.
    Wenn ich der Meinung bin, das dies kein Transport für uns ist, gibt es Formulare dafür, das der Pat. aufgeklärt wird, das er diese Fahrt evtl. selbst bezahlen muss.

    Der Herr hat schon auf der fahrt gemeint, er würde einen Tranportschein schon von seinem Hausarzt bekommen..ergo wahrscheinlich war es auch so.

    Das mit den C2 Kidds, da stimme ich dir vollkommen zu, aber das wird leider immer so bleiben…

    P.S. hast du meine Mail bekommen?

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