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In Simbabwe

24. Februar 2015

Hallo ihr Lieben. Lange ist es her, dass hier was geschrieben wurde. Endlich kommt mal wieder was, zwar nicht von mir, aber trotzdem sehr lesenswert.

 

In Simbabwe Die institutionalisierte Hilflosigkeit Ein Essay von Sascha Höppner (saschahoeppner@hotmail.com) Mannheim, 21.02.2015

Eine ungemütlich kühle Samstag Nacht im Herbst in der Heidelberger Innenstadt, ein Rettungswagen ist im Schritttempo und ohne Blaulicht auf der Suche nach einem Café; laut Rettungsleitstelle habe sich dort eine Person bei einem Sturz verletzt. Nach einer Anfahrt von mehr als 15 Minuten endlich findet man eine Gruppe junger Männer, die sich vor dem inzwischen geschlossenen Café auf eine Mauer gesetzt haben und uns erwarten, man steht auf bei unserer Ankunft, eine Streifenwagenbesatzung hat sich der Szene angenommen. Wir verschaffen uns einen kurzen Überblick. Einer dieser Männer mitte zwanzig sei vom Stuhl gefallen, man habe getrunken. Der Grad der Alkoholisierung scheint indes nicht besorgniserregend, alle Mitglieder der Gruppe können stehen, gehen und in ganzen Sätzen verständlich reden. Bei der betroffenen Person findet sich eine mit bloßem Auge kaum erkennbare Kopfverletzung, die vor einer Weile geringfügig geblutet hat. Die Notwendigkeit einer ärztlichen Versorgung durch einen Unfallchirurgen scheint mir fragwürdig, ich bin Rettungsassistent, habe mehr als 20 Jahre Einsatzerfahrung und einen Rettungswagen dabei, mit dem man Leben retten könnte. Hier aber ist kein Leben zu retten, sondern eine hitzige Debatte zu führen. Man wirft uns vor, zu lange für die Anfahrt gebraucht zu haben, man habe 45 Minuten warten müssen, und das mitten in einer deutschen Großstadt, man sei doch schließlich nicht in

Simbabwe.

Wir befördern den jungen Mann und einen seiner Begleiter sitzend zweihundert Meter durch die Hauptstraße, überqueren die Ernst-Walz-Brücke und sind nach wenigen Minuten Fahrt in der Chirurgie in Heidelberg. Ich überlege mir, wie es in Simbabwe wäre. Ich glaube, es gibt in Simbabwe keinen flächendeckenden Rettungsdienst mit definierter Hilfsfrist. Wahrscheinlich kann man in Simbabwe innerhalb endlicher Zeit eine Unfallambulanz, ein Krankenhaus oder zumindest einen Arzt erreichen, wenn man gut zu Fuß ist oder über einen Wagen verfügt (und die Behandlung ggfs. bezahlen kann). Mir fällt eine Reportage über ein afrikanisches Krankenhaus ein, die ich einmal gelesen habe. Eine junge Frau musste ihre kleine, schwer kranke Tochter viele Meilen weit tragen, um an eine medizinische Versorgung zu gelangen. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Insofern hat der Begleiter unseres leichtverletzten Patienten recht: Wie in Simbabwe war es heute nacht in Heidelberg nicht. Unsere Zielperson war innerhalb von 50 Minuten in einer modernen Unfallchirurgie ohne einen Schritt laufen zu müssen, wenn man die Zeit abzieht, die wir mit diskutieren vergeudet haben. Die kranke Tochter in Afrika indes wäre etwas völlig anderes. Sie wäre ein problem, das die Mutter hat, es wäre also kein gesellschaftliches. Wahrscheinlich würde in Simbabwe niemand auf die Idee kommen, den Rettungsdienst zu rufen. Nicht für eine Mutter mit einem schwer kranken Kind. Erst recht nicht für einen jungen Mann mit einer Bagatellverletzung, die man ebenso gut der Spontanheilung überlassen könnte. Mir fällt ein anderer Einsatz ein, den ich vor nicht allzu langer Zeit hatte. Spät abends fuhr ich mit dem Rettungswagen in ein kleines Krankenhaus in unserer Stadt. Dort wartete ein erboster älterer Mann auf uns, der nach seiner Behandlung mehrere Stunden wartend in der Ambulanz verbracht hat. Interessanterweise wohnt er gegenüber diesem Krankenhaus, keine 200 Meter Luftlinie wären zu überwinden, der Mann ist gehfähig. zugegebenermaßen ist er leicht unsicher auf den Beinen. Aber wenn man ihn an einer Seite stützt, kann er sogar die Treppe zu Hause selbständig ersteigen. Was braucht dieser Mann jetzt und hier konkret? Gestehen wir ihm ein Kraftfahrzeug zu, obwohl er die Strecke nach Hause auch zu Fuß gehen könnte, wir sind ja ein reiches Land. Darüber hinaus braucht er einen Arm, der ihm die Treppe hinaufhilft. Wieviele Kraftfahrzeuge sind in Mannheim zugelassen? Taxen jedenfalls gibt es über 300. Warum lässt man den Mann stundenlang auf einen hochwertig ausgestatteten und besetzten, dabei als solchen aber völlig überflüssigen Rettungswagen warten, wenn man ihn mit dem Taxi innerhalb einer Viertelstunde ab Anruf und dazu noch wesentlich billiger nach Hause bringen könnte? Wie wäre es in Simbabwe? In einer modernen Gesellschaft transformiert man ein persönliches Problem, statt es zu lösen, mittels Mobiltelefon in ein öffentliches Problem, ein Reflex, der ohne Prüfung auskommt, ob sich das Problem vielleicht auch schon auf persönlicher Ebene lösen lässt. Wir sehen das im Rettungsdienst unter anderem daran, dass der Notruf auch dann gewählt wird, wenn auf einer Party jemand zu viel getrunken hat. In meiner Jugend hat auch hin und wieder jemand zu viel getrunken. Auf die Idee, den Rettungsdienst zu rufen, wären wir aber nie gekommen. Wir haben uns selbst darum gekümmert, dass die betroffene Person nach Hause kommt und dort betreut wird. Notfalls haben wir das selbst übernommen und die Eltern schlafen lassen. Insgesamt hat man das gefühl, dass die steigenden Einsatzzahlen nicht darauf zurückzuführen sind, dass Menschen häufiger verletzt oder akut erkrankt sind. Es sind eher die rettungsdientlich irrelevanten Probleme, die uns inzwischen ständig rollen lassen. Die Folge ist, dass wir auch bei Personen, die tatsächlich schwer verletzt oder akut erkrankt sind, längere Anfahrtszeiten verzeichnen. Ein Rettungswagen, der mit einem betrunkenen Jugendlichen besetzt ist, bleibt halt ein besetzter Rettungswagen. Die Entwicklung resultiert aus mehreren Faktoren. Landflucht Die Gesellschaft der Industrienationen entwickelt sich typischerweise weg vom primären Sektor hin zum tertiären. Als Ursache wird insbesondere die Mechanisierung und Rationalisierung der Landwirtschaft angenommen, die menschliche Arbeitskraft auf dem Land freisetzt und der Industrie zur Verfügung stellt. Laut wirtschaftslexicon24.com waren 1950 fast 25% der deutschen Bevölkerung im primären Sektor tätig – 1989 waren es nurnoch 3,7%. Die Gesellschaft entwickelt sich also weg von der agrarischen Prägung mit der typischen ländlichen Großfamilie hin zur Gesellschaft der Industriearbeiter und Dienstleister. In der modernen Informationsgesellschaft lässt sich eine voranschreitende Individualisierung beobachten, für die ein zahlenmäßiger Anstieg der Klein(st)familien und alleinstehenden Individuen typisch ist. Das Internet zudem ist geeignet, die Frequenz der tatsächlichen, interpersonalen Kommunikation zu reduzieren – wer über einen Internetzugang verfügt, kann mit diesem Draht zur außenwelt seine dortige körperliche Anwesenheit ersetzen.

Landflucht:

Die Gesellschaft um 1800 Um 1800 lebte eine Familie typischerweise in mehreren Generationen in der Dorfgemeinschaft. Die Beziehungen unter den Familien waren in der Regel eng, die Wege kurz. Eine medizinische Versorgung fand, wenn man sie für notwendig erachtete, typischerweise statt durch den Hausbesuch eines Arztes, der das gesamte Repertoire der Medizin mit den mitteln seiner Arzttasche beherrschte. In medizinischen Fragen konnte aber auch auf die Erfahrung der älteren Generationen oder sogar der gesamten Dorfgemeinschaft zurückgegriffen werden. Der Einsatz von erprobten Hausmitteln war eine gängige Form der Therapie. Hatte ein Krankheitsfall schwerwiegendere Folgen wie längerfristigen Arbeitsausfall oder Tod, trat die Gemeinschaft auf private Initiative hin ein und unterstützte die betroffene Familie in jeder Hinsicht.

Landflucht:

Die moderne Gesellschaft Im 20. Jahrhundert kam die Industrialisierung in Deutschland in Fahrt. Die Städte sogen Arbeitskräfte vom Land auf und setzten sie in der Industrie und später vermehrt im Dienstleistungssektor ein. Dabei wuchsen die Städte, der Wohlstand stieg im Laufe der Jahre wenn auch unregelmäßig und unterbrochen durch zwei Weltkriege. Im Jahr 2015 hat die deutsche Gesellschaft eine hochkomplexe Struktur, die fortschreitende Rationalisierung der Wirtschaft führte zu nie gekannten Graden der Spezialisierung in vielen Lebensbereichen. Viele Haushalte bestehen aus einzelnen Personen oder Kleinstfamilien, verfügen über Internetanschlüsse und mehrere Personenkraftwagen. Dabei ist der Weg zur Arbeit im Durchschnitt wesentlich länger geworden, die Tätigkeiten sind körperlich eher wenig anstrengend, die Arbeitszeit wurde über viele Jahre hinweg immer kürzer, und ein ganzer Freizeitsektor bildete sich heraus, der die individuelle Mobilität zusätzlich erhöhte. Eine medinische Versorgung findet unter anderem in großen Kliniken mit hochspezialisiertem Personal und hochtechnisiertem und kostspieligem Gerät statt.

Rettungsdienst im Wandel der Zeit Die erste Phase:

Rettungsdienst als Pionierleistung Die ersten Rettungsdienste enstanden, als man die Gefahren der Industrie und des modernen Verkehrs erkannte. Ein Industriearbeiter, der durch eine Maschine schwer verletzt wird, stellt besondere Anforderungen an die Gesellschaft. Er kann kaum in einem PKW transportiert werden, muss aber innerhalb kurzer Zeit einer klinischen Therapie zugeführt werden, die er selbst garnichtnicht bezahlen kann. Die steigende Zahl der Privatfahrzeuge führt zu einer Vermehrung der Verkehrsunfällen mit verletzten oder getöteten Personen. Die ersten rettungsdientlichen Einsatzfahrzeuge der Hilfsorganisationen widmeten sich zunächst dem Problem des Patiententransportes. Eine verletzte Person mit Knochenbrüchen kann kaum sitzend in einem Auto transportiert werden. Deshalb begann man in meiner Organisation Mitte des 20. Jahrhunderts, kleine Lieferwagen, typischerweise VWBusse, mit entnehmbaren Liegen (also mit tragen) auszustatten, auf denen man verletzte Personen liegend befördern konnte. Für die höhere Versorgungsgeschwindigkeit sorgten blaue Rundumkennleuchten und Martinshorn. Besetzt wurden diese Fahrzeuge oft mit Personal aus den eigenen, ehrenamtlichen Reihen. Auf diese Weise konnte man Spitzen im wochenendlichen Freizeitverkehr absichern mit Sanitätern, die wochentags ihrem eigentlichen Beruf nachgingen. Die medizinische Qualifikation dieser Personen hielt sich in engen Grenzen. Man konnte einen Verband anlegen, Blutungen an Extremitäten durch Abbinden stillen. Eine regelrechte medizinische Therapie im Vorfeld der Aufnahme in eine Klinik war nicht vorgesehen. Die entwickelte sich parallel vornehmlich aus ärztlicher Initiative in unterschiedlichen Städten wie Hamburg, Berlin und Heidelberg, als man bemerkte, dass kritischen Patienten oft nicht schnell genug dadurch geholfen werden kann, dass man sie sofort in eine Klinik befördert. Folglich muss der Arzt zum Patienten kommen und nicht der Patient zum Arzt (Martin Kirschner). Dr. Eberhardt Gögler fuhr 1964 in Heidelberg erstmals mit einem NEF. Die Entstehungsgeschichte des Rettungsdienstes erklärt also das Auftauchen dreierlei unterschiedlicher Einsatzfahrzeuge, zum einen der Rettungswagen, zum anderen der Notarztwagen, der neben der Transportmöglichkeit für den Patienten auch einen Arzt und medizinisches Material mitführte, um die Therapie schon vor Aufnahme in die Klinik beginnen zu können, und als drittes das Notarzteinsatzfahrzeug wie wir es heute kennen, das lediglich den Arzt (und Ausstattung) zum Patienten bringt, ohne auch dessen Transport zu ermöglichen, der dann, ggfs. unter Begleitung des Arztes, in einem Rettungswagen stattfindet. Ebenfalls erkannte man im Laufe der Zeit, dass es auch hilfreich ist, die Transportsanitäter weitergehend zu qualifizieren, und ihnen im Ausnahmefall seit den 1980er Jahren sogar ärztliche Maßnahmen zuzugestehen, wenn ein Arzt selbst nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen sollte. Eine andere Entwicklung fand statt vom eher reinen Unfallwagen für verletzte Personen hin zu einem universell einsetzbaren, technisch hochgerüsteten Rettungsdienst für chirurgische und auch internistische Patienten aller Altersgruppen. Ebenso hat sich der Rettungsdienst über die Jahre von einer pionierartigen Leistung an einzelnen Zentren hin zu einer selbstverständlichen und flächendeckenden Standard-Dienstleistung hin entwickelt.

Die zweite Phase:

Die Institutionalisierung des Rettungsdienstes In den 50er Jahren war es oft noch Glück im Unglück, wenn nach einem Schadensereignis zeitnah ein Unfallwagen auftauchte. Das Personal war ehrenamtlich, das heißt, man arbeitete unentgeltlich, was einen finanziellen Benefit betraf. Wie der Name schon sagt, ist eine ehrenamtliche Arbeit aber nicht ganz frei von Gegenleistungen, denn man erhält statt der monetären Vergütung eben die Ehre, geholfen zu haben, und die entsprechende Dankbarkeit so wie es heute auch noch vorkommt, wenn beispielsweise der Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes in einer Kleinstadt den Sanitätsdienst beim Fußballturnier stellt, der eine Erstversorgung verletzter oder erkrankter Personen ermöglicht, meistens auf erweitertem Erste-Hilfe-Niveau. Viele ländliche Gebiete im Rhein-Neckar-Kreis verfügen auch über First-Responder-Dienste, die diesen Sanitätsdienst quasi mobil für den Alltag anbieten, teilweise mit der gleichen, oft aber auch mit hohen Qualifikationen und einem großen Maß an Professionalität. Oft kennen sich dann der Sanitäter (First Responder) und die betroffene Familie. Der moderne, städtische Rettungsdienst hingegen ist eine anonyme Dienstleistung, die nicht mit Ehre und Dankbarkeit, sondern mit Geld vergolten wird. Dabei stammen viele Mitarbeiter aus dem Ehrenamt, das den “Hauptamtlichen” ja auch hervorgebracht hat. Wenn man wochentags als Maschinenschlosser oder Sozialpädagoge arbeitet, kann man den Unfallwagen nur abends und am Wochenende besetzten. Für die Wochentage musste sich das Ehrenamt mit zunehmender Nachfrage also Leute einkaufen, die sie wochentags auf dem Unfallwagen “vertreten”. Heute hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. Der Rettungsdienst ist im wesentlichen ein hauptamtlich dominiertes Arbeitsfeld. Der typische Rettungsassistent bzw. Notfallsanitäterist Berufsretter und verdient mit Menschenrettung seine Brötchen. Oft ist er aber aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur kaum vom ehrenamtlichen Retter zu unterscheiden. Man entscheidet sich ja nicht aus Geldgründen für einen sozialen Beruf wie Rettungsdienst oder Krankenpflege. Die finanzielle Situation dieser beiden Berufsgruppen bietet nämlich keinen ernstzunehmenden Anreiz dafür. Das erklärt auch die Tatsache, dass viele Berufsretter einerseits aus dem Ehrenamt stammen und andererseits neben ihrem Beruf noch Freizeit unentgeltlich im Rettungs- oder Sanitätsdienst oder einer vergleichbaren Einrichtung verbringen.

Die dritte Phase:

Etablierter, flächendeckender Rettungsdienst Die Wahrnehmung in der Bevölkerung indes ist eine andere. Im Jahr 2015 ist der Rettungsdienst eine Einrichtung, die so selbstverständlich ist wie Bäckereien und online-Versanddienste. Man wird nichtmehr verstanden als der edle Ritter, der man vor einigen hundert Jahren war, sondern als Dienstleister, dessen Leistung bestimmten Normen und Standards genügt, damit austauschbar ist und nach festgelegten Sätzen vergütet wird. Die Umgangsformen haben sich insofern denen im modernen Dienstleistungssektor angeglichen. Der Kunde ist König, seine Bedürfnisse sollten möglichst angenehm und zuvorkommend befriedigt werden, Dankbarkeit ist nicht notwendig, da der Retter ja bezahlt wird, sogar die Höflichkeit wird hier und da minimiert, so wie man es zum Beispiel auch an der Kasse bei Aldi hält. Dabei vergessen wir, dass wir wirtschaftstheoretisch und historisch gesehen garkeine reinen Dienstleister sein können. Wenn ich ein Handy haben möchte, kann ich mir aus einer Mehrzahl einen bestimmten Dienstleister auswählen, und wenn mir die Telekom nicht mehr passt, kann ich dort kündigen und zu 1&1 wechseln. Den Rettungsdienst kann ich weder auswählen noch sinnvollerweise kündigen. Damit entbehrt im übrigen auch das Der-Kunde-Ist-König-Paradigma seiner systembedingten Berechtigung, wie es im Dienstleistungssektor ansonsten üblich ist. Der Kunde, der mich nicht auswechseln kann, ist in diesem Sinne kein König, und das ist auch nicht nötig. Zumindest am Anfang der Laufbahn ist der gemeine Berufsretter ja intrinsisch motiviert, Hilfe zu leisten. Ich kenne nun auch kaum einen Berufsretter unter 30, den man auffordern müsste, netter oder hilfsbereiter zu den Patienten zu sein. Dass diese komponente der Freiwilligkeit einen nicht unerheblichen Anteil an meiner Motivation zum Beruf hat, ist dem Nutznießer des tertiären Sektors allerdings selten bewusst. Deswegen muss der Berufsretter leider oft unverdient darauf verzichten, was der traditionelle Ehrenamtliche noch bekam, nämlich ein gewisses Maß an Ehre und Dankbarkeit. Dabei wird beim Vergleich zu anderen Berufsgruppen klar, dass wir schon ein wenig anders sind. Wer sonst gefährdet sich selbst durch den Einsatz von Sonderrechten, wenn er zum Kunden fährt? Wer muss sich so oft entstellte Leichen ansehen usw.? Baustellenfahrzeuge hatten in meiner Erinnerung jahrelang Aufkleber, die sagten “Hände weg vom Schlecht-Wetter-Geld”. Schlecht-Wetter-Geld ist etwas, das es im Rettungsdienst noch nie gab. Wir sind insofern aus Tradition billig. Zusammenfassend kann man behaupten, dass mit der Institutionalisierung des Rettungsdienstes viel von dem verlorengeht, was für die psychischen Bedürfnisse für ein befriedigendes Berufslebens im Rettungsdienst notwendig wäre.

Konsequenzen und Auswüchse der Institutionalisierung:

Ich bin doch nicht blöd! Der Rettungsdienst als fest etablierter Bestandteil des modernen Lebens erhält im Laufe seiner Entwicklung eine Zuständigkeit zugeordnet. Dies passiert einerseits durch Legaldefinitionen wie zB in den Rettungsdienstgesetzen oder im Sozialgesetzbuch, andererseits durch die subjektive Meinung der Bevölkerung, die im wesentlichen durch die Medien geformt wird und innerhalb dieser vor allem auf fiktiven Rollenmustern beruht, die aus dem Fernsehen stammen. In dieser Phase wird die Alarmierung des Rettungsdienstes in gegebener Situation (und damit auch das eigene Nicht-eingreifen) zur Selbstverständlichkeit. Dabei kann die Indikationsstellung in der Bevölkerung deutlich von den legalen Funktionsvorstellungen abweichen. Diese Abweichung kommt unter anderem dadurch zu stande, dass der Bürger seine Anspruchshaltung, die ihm der tertiäre Sektor – unterstützt von der Werbepsychologie – anerzogen hat, wie selbstverständlich auf den Rettungsdienst überträgt. Der Bürger erwartet also schlimmstenfalls, dass er mit dem Rettungsdienst nach Gutdünken schalten und walten kann wie es ihm gefällt, als würde er sich kostenpflichtig eine Waschmaschine liefern lassen. Im Rahmen dieser Entwicklung etablierte sich irgendwann die Praxis, betrunkene Personen durch den Rettungsdienst von Privatparties entfernen zu lassen oder aber sich für den Rettungsdienst zu entscheiden, weil der vermeintlich von der Krankenkasse bezahlt wird und somit aus der privaten Perspektive wesentlich günstiger ist als ein Taxi. Dabei vergisst man geflissentlich, dass es sich bei dem Versicherungsverhältnis eben nicht um einen Dienstleistungsvertrag handelt, sondern eben um eine Versicherung. Komfort à la “Der-Kunde-ist-König” wird nicht intendiert von der Krankenversicherung – sie soll mich in erster Linie vor dem privaten Ruin bewahren, wenn ich mit der Diagnose einer Erkrankung konfrontiert werde, deren Therapie ich selbst finanziell niemals tragen könnte, weil so manche Therapie eben schnell mal mehrere Jahresgehälter übersteigt. In diesem Falle sind es im übrigen auch nicht die Mittel, die ich als Beitragszahler persönlich eingezahlt habe, sondern die Mittel der gemeinschaft aller Beitragszahler, die an Einzelne eben nur nach bestimmten Regeln vergeben werden. Dies ist das Wesen einer versicherung – nicht der Selbstbedienungsladen, der es gestattet, mit dem Rettungswagen zum Zahnarzt zu fahren, wenn man kein Geld für ein Taxi hat – schließlich zahlt man ja Krankenkassenbeiträge (und die, die gar keine Krankenkassenbeiträge bezahlen, sind oft die Anspruchsvollsten). Geradezu typisch für diese Entwicklung ist auch die inzwischen gängige Dienstanweisung in Betrieben, bei Arbeitsunfällen den Rettungsdienst zu alarmieren – ganz egal, wie harmlos die Bagatellverletzung auch sein mag. Der nächste Schritt wäre, die Feuerwehr zu rufen, wenn man umziehen will und weder ein Auto noch Freunde hat.

“Ich will aber mehr!”

Zusamenfassend bedingen diese Faktoren folglich eine Aufweichung der Indikationsstellung nach unten, die zu einer Überlastung des Gesundheitssystems mit Bagatellfällen führt:  Institutionalisierung des Rettungsdienstes von der Pionierleistung weg hin zur allzeit verfügbaren Standard-Dienstleistung  Zuordnung einer (vermeintlichen) Zuständigkeit  Steigende Anspruchshaltung der Bürger durch Verwechselung des Rettungsdienstes mit einer frei verfügbaren Dienstleistung, verstärkt durch  Betonung jederzeit konsumierbarer Rund-um-sorglos-Pakete durch die Werbepsychologie in einer konkurrenzbasierten Marktwirtschaft, in der die Unternehmen um die Gunst der Kunden buhlen (müssen) für die vermeintlich wichtigste funktionale Einheit des staates, das Individuum.  Daraus folgende “Erblindung” für die individuelle Lösbarkeit von Problemen abseits der Alarmierung vermeintlich zuständiger Institutionen. Als soziologisch zu beobachtende Konsequenz aus der fortgeschrittenen Institutionalisierung des Rettungsdienstes kann man zusammenfassend folgern, dass durch die Etablierung des Rettungsdienstes eine Verlagerung weg von der individuellen Rationalität hin zu einer strukturellen Funktionalität stattfindet, die mit dem Verlust der individuellen Fähigkeit einhergeht, verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und die eigenen Handlungen dementsprechend in eigener Regie auszurichten. Die Institutionalisierung der Hilfeleistung führt über die genannten Mechanismen folglich im Maße ihres eigenen Fortschrittes zu einer institutionalisierten Hilflosigkeit des Individuums, die eine Überlastung der dazu herangezogenen Institutionen im Gefolge hat.

Was sollen wir tun?

Auf lange Sicht gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, auf die sich entwickelnde Realität zu reagieren.

Reduktion der Einsatzzahlen

Beschränkt man die Einsätze des Rettungsdienstes effektiv auf die Fälle, in denen der Rettungsdiest tatsächlich notwendig ist, löst sich das Problem der Überlastung in Luft auf – und zwar klinisch sowie präklinisch. Ginge jeder Patient, der (rechtzeitig) zum Hausarzt gehen könnte, statt zur Notaufnahme eben zum Hausarzt, wären Notaufnahmen nicht mehr überlastet. Würde jeder Patient, dem das möglich ist, mit dem PKW, dem Taxi oder mit der Straßenbahn fahren, gäbe es kein Problem mit der Hilfsfrist. Wir können diesen Zustand aber nicht so einfach herbeiführen, denn erstens steht die Anspruchshaltung der Bevölkerung dem entgegen. Der Anrufer erwartet, dass ein Fahrzeug kommt, wenn er anruft. Dieser Umstand allein macht es dem Leitstellenpersonal schon schwer, beipsielsweise zu differenzieren, ob ein Rettungswagen ausreicht oder zusätzlich ein Notarzt alarmiert werden muss, denn wenn man aus der subjektiven Sicht des Anrufers zu viele Rückfragen stellt, wird sogleich eine Verweigerungshaltung unterstellt. Desgleichen passiert an Einsatzstellen. Schlägt man dem gehfähigen und medizinisch nicht betreuungsbedürftigen Patienten vor, ein Taxi zu nehmen, sind Aggressionen und Drohungen mit Anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung eine gängige Folge. Die Bevölkerung verteidigt also ihre gewachsene Anspruchshaltung mit unterschiedlichen Mitteln und leistet spürbaren Widerstand, wenn man dem offensichtlichen Missbrauch an der Basis Einhalt gebieten will. Vielen Kollegen, mich eingeschlossen, fehlt die Energie und auch der Rückhalt, sich gegen diese Widerstände durchzusetzen. Oft gibt es also eine Fahrt im Rettungswagen in die Notaufnahme, wo es auch ein Taxi zum Hausarzt getan hätte. Möchte man die Einsatzzahlen gesundschrumpfen, muss man also an unterschiedlichen Stellen ansetzen. Eine Transportpflicht, wie sie in einigen Landesrettungsdienstgesetzen vorgesehen ist, erübrigt jegliche Ambitionen in dieser Richtung. Man muss die Transportpflichten also abschaffen und das Rettungsdienstpersonal damit in den Stand setzen, Transporte abzulehnen, wenn sie offensichtlich unbegründet sind wie z.B. Bagatellverletzungen an der Hand, zu denen der Rettungsdienst lediglich deswegen gerufen wird, weil Werkärzte entsprechende Anweisungen geben (und nicht zuletzt, weil die entsprechenden Firmen sich so eines Problems bequem und kostenneutral entledigen können). Die Rettungsleitstellen sollten entscheiden können, welches Einsatzmittel sie wählen, und dabei muss auch die Möglichkeit gegeben sein, an den Hausarzt bzw. den ärztlichen Vertretungsdienst zu verweisen ohne im unbegründeten Einzelfall juristische Konsequenzen fürchten zu müssen. Dazu muss der Stellenwert der Leitstellen verbessert werden. Das Bild einer Vermittlungsstelle, über die man nach eigenem Gutdünken eine Dienstleistung aktivieren kann, muss dem Bild einer eigenverantwortlich entscheidenden Institution weichen, die selbst darüber bestimmt, welches Einsatzmittel zum Einsatz gebracht wird – und welches nicht.

Differenzierung der Einsatzmittel

Der Kostendruck im Gesundheitswesen hat vor Jahren dazu geführt, dass die Palette der Einsatzmittel um den nicht-qualifizierten Krankentransport erweitert wurde. Diese Differenzierung ist sinnvoll und sollte in der täglichen Praxis forciert werden. Eine junge Frau, die nach einem Arbeitsunfall zur Gipskontrolle fährt, braucht keine medizinische Betreuung während der Fahrt. Sie erhält sie nichtsdestotrotz oft allein deshalb, weil es entweder keinen Unternehmer bzw. keine Organisation gibt, die diese Form des Transportes anbietet, oder aber einfach, weil der Hausarzt aus Unkenntnis wie immer einen KTW bestellt. Hier wäre Aufklärungsarbeit notwendig, wie auch die Tatsache beweist, dass viele Transportverordnungen nicht so ausgefüllt werden, wie das bestellte Einsatzmittel es erfordert. Es muss einem Hausarzt klar sein, dass ein KTW ohne technische Ausstattung und ohne medizinisch-fachliche Betreuung nichts anderes ist als ein Möbellaster. was den nicht-qualifizierten Krankentransport betrifft, sollte der Rettungsdienst nicht als Auffangbecken fungieren. Ein Patient also, der abends in eine Notaufnahme eingeliefert wird, sollte nach ambulanter Behandlung nicht mit dem Rettungsdienst zu seiner Wohnung zurückbefördert werden. Zum einen schwächt dies den Rettungsdienst und bindet Einsatzmittel, die bei anderen Einsätzen sinnvoll eingesetzt werden könnten, und zum anderen hemmt dieses Vorgehen marktwirtschaftliche Mechanismen dort, wo sie angemessen wären. Die Ablehnung von Rücktransporten nach ambulanter Behandlung durch den Rettungsdienst würde über diese bekannten Mechanismen von allein dazu führen, dass Anbieter von unqualifizierten Krankenfahrten auch nachts aktiv werden. Dies scheitert bisher allein an der fehlenden finanziellen Attrakivität dieser Fahrten, nachts, wenn sich ein Fahrzeug für den Privatunternehmer nicht lohnt, weil es nicht ausgelastet wäre. Der Preis reguliert sich aber von selbst über Angebot und Nachfrage. Wenn wir mit den Ressourcen des öffentlichen Rettungsdienstes privatwirtschaftliche Mechanismen dadurch stören, dass wir unnötigerweise Rückfahrten mit dem Rettungsdienst durchführen, verhindern wir die sinnvolle Differenzierung der Einsatzmittel und zementieren den aktuellen Uustand. Gesamtgesellschaftliche Maßnahmen Die Institutionalisierung der Hilflosigkeit im allgemeinen lässt sich lediglich dadurch bekämpfen, dass man die Eigenverantwortlichkeit der Individuen wieder fördert. Dazu wäre es hilfreich, wenn der Bürger wüsste, wieviel die einzelnen Einsatzmittel kosten. Es wäre also angezeigt, dem Bürger eine Rechnung zu schreiben, die er bei der Krankenkasse einreichen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Bürger dadurch zum angemessenen Einsatzmittel überreden ließe, wäre zumindest höher, selbst dann, wenn es ein Taxi wäre. Desweiteren wäre die Etablierung eher weltlicher Themen an Schulen eine maßahme. Erste Hilfe als Schulfach, das über 2 Stunden pro Halbjahr hinausgeht, und der Ausbau der Schulsanitätsdienste, der von Hilfsorganisationen teils sehr erfolgreich begonnen wurde, würden das Verständnis für die Leistungen des Rettungsdienstes begünstigen ebenso wie eine verpflichtende Wiederholung des ErsteHilfe-Kurses in bestimmten Intervallen, den man für den Führerschein oder Sonstiges braucht, so wie es bei betrieblichen Ersthelfern schon seit vielen Jahren üblich ist. Das Rollenverständnis in der Bevölkerung sollte korrigiert werden weg vom Krankenwagenfahrer, den man bestellt wie ein Taxi hin zur eigenverantwortlich arbeitenden, qualifizierten Organisation. Dazu sollte man sich darum bemühen, dass Fernsehserien usw. dahingehend realistischer gestaltet werden. Wenn in Fernsehserien immer der Notarzt mit ein paar Packern kommt und jeden noch so stupiden Arbeitsschritt anweisen muss, darf man sich nicht wundern, wenn das Volk erwartet, dass auf jeden Notruf hin unweigerlich ein Notarztwagen kommt. Zum Schluss dürfen wir nicht vergessen, dass wir bei unserem tagtäglichen Einsatz immer auch berufspolitische Arbeit an der Basis leisten. Man sollte nicht müde werden, dem Bürger zu erklären, dass ein Rettungswagen kein Entsorgungsfahrzeug für betrunkene Partygäste ist. Dazu gehört eine gehörige Portion profesionellen Selbstbewusstseins. Wenn man als professioneller Berufsretter wahrgenommen werden will, dessen Entscheidungen man vertrauen kann, müssen wir professionell sein und uns auch so verhalten. Ein adäquater, höflicher Umgang mit Patienten wäre hilfreich ebenso wie die Wahrnehmung jeglicher Fortbildung, die man erlangen kann. Auf organisatorischer Ebene müssen wir die Organisation in Verbänden und Gewerkschaften nachholen, die wir die letzten Jahrzehnte verpasst haben. Professionelle Führungskräfte müssen mehr darum bemüht sein, die Mitarbeiter in ihrem täglichen Dienst hilfreich zu begleiten und zu unterstützen anstatt sich auf das Verfassen von Anweisungen und Dienstplänen zu beschränken. Notfallsanitäter wird es nicht geben wie Rettungsassistenten, also sprich, wie Sand am Meer, sondern die Leistungserbringer werden spätestens in zehn Jahren um die Notfallsanitäter konkurrieren müssen. Auch deshalb sollten sie den einzelnen Mitarbeiter und seine Bedürfnisse stärker in den Focus nehmen. Als letzten Punkt möchte ich noch anfügen, dass man auch die Pressearbeit der Rettungsdienste professionalisieren und deswegen etvl. bündeln muss.

Geburtstag, Weihnachten….

21. Dezember 2014

Wie, alles an einem Tag? :)

Nein nicht so ganz. Ich muss nämlich gestehen, ich habe meinen eigenen Geburtstag verpennt. Mein Blog ist am 29 November 5 Jahre alt geworden. Wahnsinn, oder? Lange ist hier nichts mehr passiert, aber der Job und die im nächsten Jahr anstehende Prüfung verhindern, dass ich hier was schreibe. Es gibt viele Geschichten, die noch geschrieben werden wollen, aber ich habe einfach momentan keinen Kopf dafür. Aber nächstes Jahr soll sich das wieder ändern :)

Deshalb wünsche ich Euch ein schönes Weihnachtsfest und ein guten Rutsch ins neue Jahr. Ich werde selbst über Weihnachten arbeiten und deshalb wünsch ich allen Kollegen die arbeiten müssen, eine ruhige Schicht.

Am Schluss habe ich noch eine wie ich finde gut gemachte Reportage über eine Übung in Sylt von Spiegel TV. http://www.spiegel.tv/filme/rettungsuebung-hindenburgdamm-sylt/

Bis nächstes Jahr

 

 

Euer Paul

Stöckchen…

22. November 2014

Lang lang ist es her, dass ich hier was geschrieben habe. Aber manchmal geht das reale Leben eben vor, wie das schreiben meiner Diplomarbeit. Diese ist nun fast fertig und deswegen habe ich wieder auch den Kopf frei für meinen Blog.

Ich habe von Stega und Willmalarztwerden Stöckchen zugeworfen bekommen und die möchte ich einfach mal beantworten :)

1. Liebe auf den ersten Blick oder Kennenlernen im Laufe der Zeit? Bisher eigentlich immer auf den zweiten Blick.
2. Lässt du an der Kasse im Supermarkt nach einem Grosseinkauf einen Rentner mit nur einer Butter auf dem Band vor?

Ja das würde ich, ich freue mich nämlich auch immer, wenn ich mit meinen 2 Sachen vorgelassen werde.
3. Würdest du einem todkranken Menschen, wenn er dich darum bittet, aktiv beim Sterben helfen (z.B. durch Gabe einer Überdosis eines dann tödlichen Medikamentes)?

Ja das würde ich, denn es gibt für mich nichts schlimmeres, als dahin zu sichen und nicht sterben zu dürfen.
4. In welche Region der Erde würdest du auswandern, wenn du in deiner Heimat nicht mehr leben kannst/darfst?

Ich bin schon ausgewandert in die Schweiz und muss sagen, jetzt weiß ich endlich, wie es ist Ausländer zu sein und Ausländerhass zu spüren.
5. Würdest du nach deinem Tod und wenn du dies vorher wüsstest einem verurteilten Mörder ein Organ spenden, damit dieser überlebt?

ganz schwierige Frage. Ich kanns ehrlich momentan nicht beantworten.
6. Wenn du für einen Tag im Körper des anderen Geschlechts aufwachen würdest, was würdest du an diesem Tag tun?

Einfach den Tag erleben, mit all seinen Facetten.
7. Wenn du einen Tag unsichtbar wärst, was würdest du tun?

Ich glaube einfach mal den wichtigen Menschen zuhören und sehen.
8. Wenn du einen Tag ein Tier sein dürftest, welches Tier wäre dies und wieso?

Schimpanse, weil es für mich die schönsten  Tiere sind.
9. Wenn du einen Tag unendlich Geld besitzen könntest, was würdest du dir auf jeden Fall kaufen?

Ich besitze für meine Verhältnisse viel Geld und deswegen habe ich gerade keinen Wunsch.
10. Was war zu erst da: Henne oder Ei?

Das Ei, was denn sonst :)
11. Facebook oder Twitter?

Twitter :)

1. Hat dein Auto/Motorrad/Fahrrad/beliebigesFortbewegungsmittel einen Namen? Wenn ja: welchen?

Nein
2. Haus mit Garten oder doch lieber Innenstadtwohnung?

Ich glaube eher Haus mit Garten
3. Was ist dein Lieblingsbuch und warum?

Ich lese soviel, aber von Miriam Müntefering “Flug ins Apricot” ist schön.
4. Rock oder Popmusik? Oder doch was ganz Anderes?

Von Klassik bis Pop bis House, ich höre eigentlich alles.
5. Findest du es erstrebenswert reich zu sein und warum?

Ich für mich bin reich, ich habe das erreicht, was ich wollte.
6. Licht am Ende des Tunnels oder ewiges Nichts?

Licht am Ende des Tunnels.
7. Du gewinnst im Lotto und müsstest nicht mehr arbeiten. Ruhestand, Teilzeit oder weiter komplett arbeiten?

Ich glaube eine Zeit lang würde ich einfach Urlaub machen und dann vielleicht wieder 50 % arbeiten gehen.
8. Bewahrst du immer stoisch die Ruhe, oder kann man dich auch mal aus dem Tritt bringen?

Ich bin schwer aus der Ruhe zu bringen.
9. Wie stehst du zu einer Helmpflicht für Radfahrer? Trägst du selber Helm?

Ich trage ihn selber und habe ihn einmal nicht dabei gehabt und mich prompt auf die Nase gelegt. Ja ich bin dafür.
10. Der Familie zu Liebe die Arbeit einschränken oder lieber Karriere?

Der Job ist nicht alles.
11. Ist ein Geschwindigkeitslimit auf Autobahnen sinnvoll?

Nein halte ich nicht. Es passieren so oder so immer wieder Unfälle.

 

Das Stöckchen reiche ich weiter an.

 

Krangewarefahrer

Chaoskatze

Frau Hilde

Ihr dürft die Fragen von oben nehmen :)

#FucktheTumor…

20. August 2014

Einige von euch kennen der Blog von DoktorFreakOut . Nun gibt es aus Gründen einen 2 Blog von ihm sowie einen Aufruf, an dem ich mich sehr gerne beteiligen möchte.

DoktorChemo

Beim ihm wurde ende 2013 ein Tumor entdeckt und nun hat dieser hat nun gestreut. Im Moment liegt er in einer Klinik und bekommt Chemotherapie.

Ihn wie auch mich hat die Reportage von Johnny sehr bewegt. Johnny kommt aus meiner Heimat und hat im Alter von 14  Jahren einen Gehirntumor diagnostiziert bekommen. Seitdem kämpft er entschlossen und mit Humor gegen den Krebs.

37 Grad Johhny

Jetzt kommt meine und DoktorFreakOut´s  Bitte an Euch! Es gibt eine Aktion zu Gunsten von Hilfe für krebskranke Kinder e.V. Ihr könnt für einen Spendenbeitrag Armbänder mit dem Logo #dumusstkaempfen es ist noch nichts verloren” an dieser Aktion teilnehmen. Sie wurde von Johnny initiiert.

 

Ich würde mich freuen, wenn ihr ein paar Euros locker machen könnt und mir ein Selfie von euch mit dem Armbändchen zuschickt. Dies werde ich dann hier veröffentlichen.

 

Euer Paul

Ach Herbert…

24. Juli 2014

Wie lange Herbert und seine Frau schon zusammen leben, wir wissen es nicht, aber die Goldene haben die beiden bestimmt schon hinter sich.

 

Es ist nachts gegen 2 Uhr, als seine Blase drückt, er mühsam aufsteht und mit schlurfenden Schritten zum Klo läuft. So gut zu Fuß ist er nicht mehr, denn sein Rücken wurde bei der letzten OP versteift. In letzter Zeit versagen auch mal die Beine ihren Dienst und Herbert fällt dann zu Boden. Bisher lag er dann eine Weile dort und wenn die Kraft wiederkam, konnte er wieder aufstehen und ins Bett zurück schlurfen. Seine Frau Hilde hatte einfach nicht genügend Kraft, um ihrem Herbert beim Aufstehen zu helfen.

 

Wir haben unseren ersten Einsatz des Tages schon hinter uns gebracht und sitzen jetzt beim Frühstück. Es ist kurz nach 9, als unser Melder bimmelt. Ein Notfall ohne Blaulicht, es geht 3 Dörfer weiter zu einem Einsatz, wie er jeden Tag und überall vorkommt. „Sturz in der Wohnung“ steht auf dem Fax, welches mein Kollege auf dem Weg zum Rettungswagen noch kurz holt.

 

Herbert läuft mit kleinen Schritten Richtung Toilette. Langsam setzt er sich und verrichtet sein Geschäft. Nachdem er fertig ist, zieht er sich wieder an und trippelt langsam zum Schlafzimmer. An der Tür dorthin versagen ihm jedoch mal wieder seine Beine und er fällt der Länge nach hin. Hilde wird natürlich auch davon wach. Helfen kann sie ihm nicht wirklich. Sie wartet und hofft wohl, dass ihr Herbert bald wieder zu Kräften kommt, aufstehen kann und sich neben sie legt.

 

Nur kehrt seine Kraft nicht in seine Beine zurück und er liegt nun seit Stunden auf dem Boden. Hilde legt ihm wenigstens ein Kissen unter seinen Kopf. Seine Blase drückt irgendwann auch wieder. Das Parkett soll ja nicht dreckig werden und deswegen bastelt sie einen Gefrierbeutel darüber. Natürlich klappt das nicht und ihr Ehemann liegt irgendwann in seinem eigenen Urin und Kot, der nun auch noch abgegangen ist.

 

Auf die Idee, sich Hilfe zu holen, kommt seine Frau nicht, obwohl er da so liegt und ihr auch nicht wirklich mehr antwortet. Was in den nächsten Stunden passiert, ich weiß es nicht, aber als wir gegen 09.30 Uhr bei den Eheleuten eintreffen, sieht es fast so aus, als hätte Hilde erst noch die Betten gemacht, den Boden gewischt, sich angezogen und die Haare gemacht.

 

Dass es ihrem Herbert nicht gut geht, merkt sie nicht. Wir starten das volle Programm: Sauerstoff, EKG, Sauerstoffsättigung und Blutdruck. Sein linkes Auge ist zugeschwollen und am Oberkörper hat er schon offene Wunden, weil er solange im eigenen Urin gelegen hat. Außerdem ist er bewusstlos. Auch seine Atmung ist beeinträchtigt. Wir fordern einen Notarzt nach.

 

Als wir ihn auf unsere Trage umgelagert haben, wird Hilde sehr böse, denn nun sieht sie, dass ihr Herbert auch noch das Parkett mit seinem Stuhlgang verdreckt hat. Mein Kollege und ich schauen uns kopfschüttelnd an.

 

Auch als der Notarzt eintrifft, scheint Hilde das nicht zu beunruhigen, und ich sage ihr deutlich, dass es ihrem Herbert nicht gut geht und wir dringend ins große Krankenhaus müssen. Aber vordringen tue ich damit nicht zu ihr, sie packt seelenruhig die Tasche.

 

Im Krankenhaus verbessert sich Herberts Zustand zum Glück. Er hat durch das lange Liegen ein Liegetrauma erlitten und erholt sich nun davon. Ich hoffe, dass den beiden geholfen wird, denn beim nächsten Sturz kann es für Herbert schon zu spät sein.

Interessante Reportage Teil 50

29. Juni 2014

Heute gibts eine Reportage vom ORF über den Rettungsdienst der Stadt Wien.

 

Außerdem möchte ich Euch einen neuen Blog vorstellen.

http://menschenkutscher.blogspot.de/ schreibt über Privates und seinen Job, absolut empfehlenswert!

Messer, Gabel, Schere, Licht…

12. Juni 2014

Es ist ein wunderschöner Sommertag, ich sitze mit meinem Kollegen vor der Wache und wir genießen das Wetter. Ringsherum sind an diesem Abend einige Feste und wir witzeln, auf welches wir heute Nacht als erstes fahren werden, um einen Betrunkenen einzusammeln.

Die Zeit vergeht und die Polizei fährt mehrfach mit Signal an unserer Wache vorbei, doch unser Melder bleibt stumm. So verlaufen die nächsten Stunden. Nur ein Notfall hat den Abend bisher unterbrochen. Kurz vor 12 verziehen wir uns ins Bett. Diese trügerische Ruhe, da sind wir uns sicher, wird uns noch zum Verhängnis werden.

Wir sind gerade weggedämmert, als uns unsere Melder aus dem Bett schmeißen. Stromunfall in Baumbach steht auf dem Melder, mein Kollege schaut irritiert, denn der Ort gehört schon gar nicht mehr zu unserem Einsatzgebiet. Ein Stromunfall um diese Uhrzeit, ich mag mir in diesem Moment nicht wirklich vorstellen, wie es dazu gekommen ist. Keine 20 Sekunden später haben wir die Meldung, dass wir als zweites Rettungsmittel zum Bahnhof in Baumbach unterwegs sind und sich dort 2 Verletzte befinden, die wohl gegen die Oberleitung der Bundesbahn gekommen sind. Plötzlich steigt mir unwillkürlich der Gestank vom verbrannten Fleisch in die Nase.

Es ist ziemlich still auf der Anfahrt, jeder von uns geht im Kopf noch mal alle Algorithmen durch, die wir wahrscheinlich brauchen werden. Die Straßen sind menschenleer, trotzdem brauchen wir fast 30 Minuten, bis wir den Bahnhof erreichen. Wir folgen den Gleisen und sehen von weitem viel Blaulicht. Meine Hände schwitzen leicht, ich ziehe lieber gleich 2 Paar Handschuhe an, man weiß ja nie, wie unschön das gleich wird.

Nur noch die Polizei ist da, unser Patient liegt am Boden, sonst ist niemand zu sehen. Es riecht nach verbrannten Fleisch. Schnell frage ich, als ich auf unseren Patient zulaufe, wo denn das andere Rettungsmittel ist. Von der Polizei kommt die Info, dass diese schon mit ihrem Patient ins nächste Krankenhaus unterwegs sind. Um mich aufzuregen, bleibt mir keine Zeit, denn Tom braucht meine ganze Aufmerksamkeit. Sein rechter Arm ist komplett verbrannt und der linke auch, aber nicht so stark. Er hat starke Schmerzen. Mein Kollege stabilisiert seinen Kopf und ich untersuche schnell seinen Körper auf weitere Verletzungen. Am rechten Fuß sieht man, dass der Strom wieder seinen Körper verlassen hat.

Tom erzählt, dass er an dem Kesselwagen hochgeklettert ist und dann nichts mehr weiß. Der Kesselwagen ist gut und gerne 4 – 5 Meter hoch.

kesselwagen_big Es muss jetzt wirklich schnell gehen, denn auch wenn unser Patient mit mir redet, ist alleine der Sturz lebensgefährlich. Er bekommt einen Halskragen an, ich lege einen Zugang und spritze ihm etwas gegen die Schmerzen. Mein Kollege bereitet unsere Trage vor und wir lagern ihn mit einem speziellem Brett darauf um. Die Verbrennungen versorge ich im Rettungswagen und schalte die Heizung auf 30 Grad, denn Menschen mit Verbrennungen kühlen sehr schnell aus.

Durch meinen Kollegen lasse ich mir im nächsten Krankenhaus einen Schockraum anmelden. Wir geben alle Daten durch und starten danach. Keine 15 Minuten später biegen wir in die Notaufnahme ein, das Team des Schockraums steht auch schon bereit. Tom bedankt sich noch bei uns und schon sind wir wieder an unserem Fahrzeug. Später erfahren wir, dass er in den Nacht noch mit dem Hubschrauber in die große Uniklinik verlegt worden ist.

 

Bild http://www.osef.de/waggons/kesselwagen

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