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Blick über den Tellerrand Teil 1…

29. Januar 2018

Ich fahre ja schon ein paar Tage im Rettungsdienst und ich war schon immer neugierig, wie es woanders im Rettungsdienst so läuft. Vor ein paar Monaten habe ich mir mal gedacht, in Wien warst du noch nie, da fährst du mal hin.

Ich wusste, dass die Wiener Berufsrettung die größte Organisation in Wien ist, die auch die meisten Ambulancen stellt. Leider waren dort keine Praktikantenplätze frei. Durch einen Zufall bin ich dann an das Wiener Rote Kreuz gekommen, und nach ein paar Mails und dem zusenden meiner Unterlagen hatte ich dann doch einen Platz auf einer Ambulance sicher.

Bevor ich nach Wien flog, hatte ich nur ein paar Infos über den Rettungsdienst in Österreich. Eine Studierende war ein paar Wochen vor mir dort gewesen, und sie kam ziemlich ernüchtert in die Schweiz zurück. Okay, dachte ich mir, lass dich einfach überraschen.

Und dann stand ich irgendwo in Wien morgens um 7 Uhr vor einer Wache. Harald, mein Facebookkontakt, wartete schon auf mich. Ich hatte als guter Praktikant ein paar Teilchen vom Bäcker dabei, die auch dankend angenommen wurden. 🙂

Die erste Überraschung des Tages war, dass wir zu viert auf der Ambulance waren. Denn das Wiener Rote Kreuz gönnt sich den Luxus eines Fahrers für den RTW. Und der Kollege ist auch der einzige, der an diesem Tag für die Arbeit bezahlt wird. Die anderen beiden sind ehrenamtlich da und bekommen gerade mal ihre Fahrkarte für den Tag bezahlt.

Die Wiener Berufsrettung hatte bis vor kurzem auch drei Besatzungsmitglieder auf dem Auto, das ist wohl aber zu teuer geworden, deswegen rückt man dort nur noch zu zweit aus. Dort wird auch nur mit Hauptamtlichen auf dem RTW gearbeitet.

 

Die Ambulancen sind alle fast identisch ausgestattet. Jedes Fahrzeug ist mit Spineboard, Schaufeltrage, Notfallrucksack, Beatmungsgerät, Defi, Spritzenpumpe, Absaugeinheit und einem Tragestuhl ausgestattet. Ein spezieller Kinderkoffer fehlt. Die Besatzung besteht mindestens aus einem Notfallsanitäter, der ca. 1 ½ Jahre Ausbildung hat und verschiedene Kompetenzstufen besitzt, und dem Rettungssanitäter, der einen 260-stündigen Kurs besucht hat. Die Gehälter schwanken zwischen 1600 und 2500 Euro netto für einen Notfallsanitäter.

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Wien hat ca. 2 Millionen Einwohner. Es gibt am Tag 60 Ambulancen und sieben bodengebundene Notärzte und einen Rettungshubschrauber. Zudem gibt es noch drei Supervisoren, die auch als First Responder und *Notarzt* eingesetzt werden. Dazu gibt es noch viele KTWs, die mit Zivildienstleistenden besetzt sind. Österreich ist mit Luxemburg in Europa das Land, was im Rettungsdienst hauptsächlich auf Ehrenamtliche im Rettungsdienst setzt.

Man kennt ja von anderen Kollegen, gerade aus Deutschland, dass immer mehr Menschen den Rettungsdienst wegen Husten, Schnupfen und Heiserkeit rufen. Hier in Wien ist es leider nicht anders. Ich bin in den sieben Stunden, in denen ich dabei war, zu fünf Einsätzen gerufen worden, wovon gerade ein Patient wirklich einen Rettungswagen gebraucht hat. Und dieser Patient hat sich noch für die Umständlichkeit entschuldigt. Die anderen hatten alle nichts, was eine Ambulance benötigt hätte. Höhepunkt war ein Einsatz mit der Berufsfeuerwehr, der Polizei und der WEGA, das ist das Spezialeinsatzkommando der Polizei Wien, bei einer Wohnungsöffnung.

Viele Kompetenzen haben die Kollegen aus Wien nicht. Es gibt 13 Medikamente, die sie im Notfall geben dürfen, dazu muss aber der Notarzt nachalarmiert werden. Eine Gabe von Schmerzmitteln, wie in der Schweiz üblich, ist den Kollegen nicht erlaubt.

Eine Wiener Besonderheit ist, dass viele Einsatzfahrten nur mit Blaulicht und ohne Horn gefahren werden. Hintergrund ist wohl, dass viele Einsätze einfach nicht so dringend sind, und sie deswegen nur das Blaulicht benutzen.

Mein Fazit: Es war eine tolle Erfahrung, in Wien mitzufahren. Tauschen möchte ich mit den Kollegen aber auf keinen Fall.

 

Wer mich mal mitnehmen möchte, der darf sich gerne bei mir melden. 🙂

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Viel zu früh…

5. Januar 2018

Seit 6 Tagen ist irgendwie alles anders. Seit 6 Tagen bist du nicht mehr da, einfach so. Noch kurz vor Weihnachten haben wir uns auf der Wache gesehen, eigentlich wollte ich dir noch einen schönen Urlaub wünschen, aber wir waren beide unterwegs. Das letzte was ich von dir bekommen habe, war eine nette WhatsApp.

 

Am 31. ist für uns auf der Wache die Zeit stehen geblieben. Da haben wir erfahren, dass du heute Nacht gestorben bist. Keiner hätte damit gerechnet, dass es dich trifft, denn du warst gesund, warst sportlich, und trotzdem ist es passiert. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, wie nah mir das geht. Klar, unser Start vor 6 Jahren war mehr als holprig und wir haben uns auch schon mal in die Haare bekommen, aber wir haben auch das hinbekommen.

Du hattest noch so viele tolle Pläne für dieses Jahr!

 

Wir werden dich nicht vergessen, du wirst immer mit uns mitfahren im Herzen!

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Lebt euer Leben da draußen, liebt euch und die Menschen, die euch gut tun.

8 Jahre Alltagimrettungsdienst…

29. November 2017

Ja Paul ist nun 8 Jahre alt. Wahnsinn, oder? 2009 im Juni bei WordPress angemeldet und am 29 November den ersten  https://alltagimrettungsdienst.wordpress.com/2009/11/29/hello-world/ online gestellt. Viel hat sich getan in den 8 Jahren, viel Schönes und auch weniger Schönes. Am Anfang habe ich sogar mal 2 Artikel pro Woche raus gehauen, heute 8 Jahre später sind es vielleicht 2 im Monat.

Es gab auch Zeiten, wo es Monate nix zu lesen gab und ja ich hatte nicht nur einmal den Gedanken, den Blog einzustellen.

Davon bin ich heute weit entfernt, denn es gibt neue Ideen, die ihr hier schon lesen konntet. Ich möchte natürlich auch weiter euch von meinen Einsätzen erzählen, aber auch, wie der Rettungsdienst in der Schweiz funktioniert und ich möchte euch auch andere Rettungsdienste vorstellen.

Der erste wird der Rettungsdienst des Wiener Roten Kreuzes sein, den ich mir nächste Woche ansehen werde.

Interessante Reportage Teil 59…

11. November 2017

Habt ihr schon mal was vom „Wünschewagen“ gehört!?

Eine tolle Reportage der ARD über ein ehrenamtliches Projekt, dass vom Arbeiter Samariter Bund in den letzten Jahren immer mehr ausgebaut wird.

Zum anderen möchte euch endlich mal wieder einen neuen Blog vorstellen!

Tietzchen bloggt über ihre Erfahrungen und Eindrücke aus dem Medizinstudium und dem Rettungsdienst.

 

Was trägt ein Rettungsdienstler so mit sich rum…

31. Oktober 2017

 

 

Vielleicht wird sich jetzt der eine oder andere Fragen, wieso schleppt der überhaupt irgendwas mit sich rum, der hat doch alles in seinem Notfallkoffer oder Rucksack!?

 

So ganz unberechtigt ist die Frage nicht, denn vieles ist wirklich in meinem Notfallkoffer, was ich an bzw. bei mir trage.

Seitdem ich Rettungsdienst fahre, hab ich immer mal wieder gemerkt, dass mir einige Sachen meine Arbeit draußen erleichtern, ohne dass ich meinen Notfallkoffer oder Rucksack öffnen muss.

 

  1. Schnittschutzhandschuhe: Gerade bei Verkehrsunfällen mit spitzen Fahrzeugteilen oder Glasscherben, sind die Handschuhe einfach Ideal, da man noch ein Tastgefühl hat, aber trotzdem geschützt ist. Auch trage ich sie, wenn es darum geht schwere Patienten zu tragen, um einfach einen besseren Griffkomfort zu haben.
  2. Funkgerät: Während des Dienstes hat jedes Besatzungsmitglied ein digitales Funkgerät bei sich, um Kontakt mit unserer Leitstelle oder anderen Fahrzeugen zu halten.
  3. Algorythmenbuch: Dort sind alle Algorythmen für unsere tägliche Arbeit zu finden, auch kann ich Medikamente nachschlagen, gerade wenn es um Dosierungen für Kinder geht.
  4. Pupillenlampe: Fast jeder Patient bekommt die Pupillen kontrolliert, deswegen ein sehr nützliches Utensil, was man nicht extra aus dem Notfallkoffer sich holen, oder geben lassen muss.
  5. Stauband: Zum legen eines venösen Zugangs braucht man das Stauband. Hat sich so eingeschlichen, denn ich kann stauen und kann in der Zeit, wo sich die Venen darstellen, den Rest meines Materials mir aus dem Koffer geben lassen.
  6. Taschenlampe: kleine extrem helle Taschenlampe, die sich, gerade beim Suchen von Hausnummern, schon oft als sehr hilfreich erwiesen hat.
  7. Kleiderschere: Von feinster Seide, bis zum dicken Motorradleder kann sie alles schneiden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Ringe zu durchtrennen, oder Autoscheiben „einzuschlagen“.
  8. Papier & Stift: Hier in der Schweiz hat fast jede Rettungsdiensthose ein Zettelfach auf dem rechten Oberschenkel. Ideal um Vitalwerte, Allergien und sonstige wichtige Dinge zu notieren, die man sonst sehr schnell wieder vergisst 🙂
  9. Diensthandy: Bei einem Einsatz bekommen wir eine Alarmsms und könne später darüber den Patient im Spital anmelden.
  10. Der Gürtel: In Deutschland sehr umstritten, hier in der Schweiz tragen sehr viele Kollegen einen. So lässt sich vieles am Körper tragen, wenn es zum Einsatz geht und man kann ihn auf der Wache ablegen, oder im RTW lassen.
  11. Stethoskop: Sei es zum abhören der Lunge, des Bauches oder das Messen des Blutdrucks einfach unverzichtbar.

 

 

Rettungshubschrauber in der Schweiz…

11. Oktober 2017

Ich möchte eine neue Idee von mir vorstellen: Ich werde euch in loser Reihenfolge den Schweizer Rettungsdienst vorstellen, der einige Unterschiede zum deutschen RD bietet.

Vor ein paar Tagen war ich zu Gast auf der Station Gampel der Air Zermatt im Kanton Wallis. Die Air Zermatt betreibt in Gampel und Zermatt 2 Rettungshubschrauber rund um die Uhr. Diese sind mit einem Piloten, einem Notarzt und einen Rettungssanitäter (der auch HEMS und Citrical Care Flight Paramedic ist) besetzt. Zwischen Weihnachten und Ostern gibt es tagsüber einen dritten RTH, der auf der Basis Raron steht und mit einem Piloten, einem Transportsanitäter und einem Rettungssanitäter HF ausrückt.

Im Jahr fliegt die Air Zermatt ca. 1600 Einsätze, die über die Sanitätsleitstelle 144 in Siders koordiniert werden.

Auf der Basis Gampel steht ein Heli der Marke EC 135 T3, diese wird aber im Mai 2018 durch eine Bell Ranger 429 ersetzt.

Beim Blick in die Kabine fällt auf, dass es wenig Ausrüstung im Vergleich zu deutschen Rettungshubschraubern gibt. Grund ist das Gewicht, denn viele Einsätze finden im hochalpinen Gelände statt, im Wallis befinden sich 41 Berge mit über 4000 Metern. Zum anderen wird laut der Besatzung auch zum großen Teil nicht mehr Material benötigt.

Eine weitere Besonderheit bei den Helis ist, dass die Patienten über die seitliche Schiebetür ein- und ausgeladen werden. Dies hat den Hintergrund, da viele Einsätze mit laufenden Rotor geflogen werden und dies einfach sicherer ist. Zum Retten aus unwegsamem Gelände wird die am Hubschrauber befestigte Winde benutzt. Wenn ein Windeneinsatz ansteht, wird meist nur der Notarzt abgesetzt und der RTH landet auf einem Zwischenlandeplatz. Wenn es um schwierige Bergungseinsätze im Gebirge geht, wird noch ein erfahrener Rettungsspezialist mitgenommen.

Tagsüber ist der Hubschrauber innerhalb von fünf Minuten in der Luft, in der Nacht spätestens nach 30 Minuten, da die Besatzung von zu Hause kommt. Im Gegensatz zu Deutschland fliegt jeder Rettungshubschrauber in der Schweiz auch nachts.

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Vielen Dank der Besatzung für die interessante Führung und ihre Zeit. 🙂

 

Interessante Reportage Teil 58…

3. Oktober 2017

Das Team von 37 Grad vom ZDF, hat einen Notfallsanitäter und eine Ärztin begleitet. Ich finde eine sehr interessante Reportage über Menschen im medizinischen Bereich!