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Rückblick Interschutz 2010

13. Juni 2010

Ein paar Tage sind vergangen und ich hatte auch jetzt Zeit, all das Gesehene zu verarbeiten und meine Rückschlüsse daraus zu ziehen. Der Großteil dieser Messe war der Feuerwehr vorbehalten, aber ich denke, dass euch das nicht so wirklich interessieren wird. Aus dem Bereich Rettungsdienst gibt es ein bisschen was Neues und ich hoffe, dass sich in den nächsten 5 Jahren hier in Deutschland einiges verändern wird.

Alle bekannten Fahrzeugaussteller waren vor Ort, aber Neues gab es da nicht wirklich. Was aber schon seit Jahren auffällt, ist die Tatsache, dass die Rettungswagen immer größer werden. Ich bin es gewohnt, um meinen Patienten praktisch herumlaufen zu können. Natürlich bedingt das auch, während der Fahrt öfters aufzustehen und nicht wenige Kollegen haben dabei schon unschöne Erfahrungen mit der Inneinrichtung gemacht, als der Kollege vorne abbremsen musste. Wie es auch anders geht, konnte man auf dem Stand der Firma Falk sehen. Dort stand dieses kleine kompakte Auto.

Bisher war ich der Meinung, diese kleinen Autos seien nicht für eine gute Versorgung eines Patienten geeignet. Ein nettes und informatives Gespräch später, war ich doch schon sehr begeistert. Alles ist so angeordnet, dass alle Maßnahmen am Patienten im Sitzen erfolgen können. Auch sind alle medizinischen Geräte so angebracht, dass man nicht aufstehen muss. Auch in Sachen Dokumentation kam man aus dem Staunen nicht heraus. Am Betreuerstuhl war ein kleiner Laptop angebracht, in dem man alle relevanten Daten eingeben kann und man diese in Echtzeit an Krankenhäuser oder den Hausarzt per Internet oder Fax verschicken kann. Auch ist es Standard, das EKG per Telemetrie einem Arzt im Krankenhaus vorzustellen.

Ein anderes Thema, die Firma Falk spielt darin auch wieder eine Rolle. In Deutschland teilen sich die Hilfsorganisationen und die Feuerwehr den Großteil des Rettungsdienstes. Private Anbieter gibt es kaum. Da die EU diese Monopolstellung für nicht regelkonform hält, wurde geklagt. Nun möchte Falk, weltweit größter Anbieter im Bereich Rettungsdienst, auch hier in Deutschland expandieren. Böse Zungen behaupten, diese Firma würde in der Zukunft ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen und auch die Qualität würde darunter leiden. Auch vielen Geschäftsführern schlottern die Knie, weil Falk ein ernstzunehmender Konkurrent für sie ist.

Ich bin gespannt, was da in den nächsten Jahren auf uns zukommen wird.

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11 Kommentare leave one →
  1. 13. Juni 2010 15:59

    Genau so ein Fahrzeug fährt bei uns seit einigen Wochen im Stadtgebiet Rettung. Zum Entsetzen vieler deutscher Rettungsdienstler sei hinzugefügt, dass dieser RTW hier zu den echten Platzwundern gehört. Standard ist hier nach wie vor der „Hoch-Lang“, ein Konzept, das sich auf Grund der teilweise extrem langen Streckenverständlicherweise hartnäckig hält.

  2. 13. Juni 2010 16:45

    Größe hat also nicht immer Vorteile 😉
    Unser alter Sprinter mit normalem Kasten früher hatte eben auch den Vorteil, dass man sich irgendwie zwischen Trage und Seitenwand/Geräten/Hecktür „verkeilen“ konnte, um den Patienten stehend zu betreuen und nicht Gefahr zu laufen, durch den RTW zu fliegen. Im Strobel – Koffer ist dazu jetzt aber einfach zu viel Platz, um sich irgendwo zu verkeilen und sicher zu stehen. Auch sind alle Geräte und Schalter so angebracht, dass man aufstehen muss, um sie zu bedienen.
    Aber das darf die Unfallkasse eh nicht hören, dass wir während der Fahrt stehen oder im Auto rum laufen 😉

  3. 13. Juni 2010 17:09

    Hab ich vorhin garnicht gesehen, ist ja ein schwedisches Fahrzeug, kein dänisches… aus Skåne, dem Bayern Schwedens…

    • 13. Juni 2010 17:25

      Hätte ich auch vielleicht dazu schreiben sollen. Und bei den netten Herren aus Schweden, wird klein Paul vielleicht demnächst ein Praktikum machen.

      @Chris
      Wir haben es uns auch einfach angewöhnt, neben der Trage zu stehen, aber ich bin auch schon durch den RTW geflogen..war verdammt unangenehm.

      • 13. Juni 2010 18:25

        Meld‘ Dich falls das in Skåne nichts wird, hier geht bestimmt auch was…

      • 13. Juni 2010 23:25

        Das wäre natürlich auch etwas..ich werds im Hinterkopf behalten..vielen Dank Patrick.

  4. stef permalink
    14. Juni 2010 15:49

    Meine Meinung: solange die Mitarbeiter ordentlich bezahlt und behandelt werden, spricht per se nichts gegen Falck. Die Vorstellung, dass der Rettungsdienst (und das Gesundheitswesen insgesamt) gemeinwohlorientiert sein sollte und eben kein Wirtschaftszweig, ist (leider) seit Jahren nicht mehr real.
    Weiterer Vorteil: Arbeitsplätze, denn Falck wird wohl kaum mit Ehrenamtlichen arbeiten können (Beispiel BRK..)

  5. 15. Juni 2010 12:06

    Ich glaub die unangenehme Bekanntschaft mit dem Innenausbau eines Koffers hat wohl jeder schon gemacht 😉

    Wobei ich sagen muss, dass mir bei dem oben gezeigten Rettungsmittelchen die Hecklösung irgendwie nicht so gefällt. Die Stryker da zwischen diesen beiden Schränken durch mit nicht wirklich viel Luft zwischen Patient und Schränken… das kann ich bei den KTW schon net ham zwischen Schrank und Schiene für den Tragestuhl. Wenn du da mal nen Pat. hast mit heftigsten Kontrakturen… na Mahlzeit 😦

    Ohne das wäre das Teil vll. wirklich gar nicht so schlecht. Aber ich hab auch mal gern beim reinschieben das EKG etc. in der Hand um dann neben den Patienten von hinten in den RTW einzusteigen. (Oder das Gerödel hängt beim Einladen an der Stryker oder oder oder…)

    Ich bin Pommesbudenverwöhnt und gebs zu! Wenn ich mal mit unserm Sprinterkasten statt dem Sprinterstrobel Rettung fahren darf krieg ich ne mittelschwere Krise wegen gefühlten 50% weniger Platz in der Karre.
    Aber wie gesagt – das vorgestellte Auto oben find ich bis auf die Hecklösung nicht wirklich schlecht.

    • 15. Juni 2010 13:21

      Moin moin 🙂 Willkommen auf meinem Blog.

      Ich bin auch Pommesbudenverwöhnt, aber wirklich gut arbeiten lässt sich darin nicht, wenn man dauernd aufstehen muss, oder sich den Hals verrenkt um auf den Monitor zu schaun. Klar gibt es auch Pat. mit Kontrakturen, aber die sind wohl nicht in der Überzahl, und wenn dann doch..lässt sich das bestimmt auch irgendwie lösen. Ich finde die Lösung alleine mit dem EKG klasse, genauso die Lage der Absaugpumpe am Betreuerstuhl des Kopfs.

    • 15. Juni 2010 15:10

      Wie gesagt, man darf nicht vergessen für welche Voraussetzung diese Fahrzeuge gedacht sind. Schweden hat mit etwa 20 Menschen pro Quadratkilometer eine leicht andere Besiedelung als Deutschland mit 220. Rettungsdienst und Krankentransport hat hier einen deutlichen Schwerpunkt auf Transport. Ich habe schon erlebt, dass ein RTW mit einem Notfallpatienten 160km unterwegs war. Dementsprechend werden Fahrzeuge bevorzugt die leicht und schnell sind und in denen man während eines Transportes sicher und unproblematisch arbeiten kann. D.h. alles soll nach Möglichkeit vom Betreuersitz aus zu erreichen sein, damit man hinten auch angeschnallt bleiben kann. Die Anordnung der hinteren Schränke ist übrigens sehr praktisch, weil so der Einbau von zwei Schiebetüren ermöglicht wurde, was, zumindest aus meiner Sicht, einen grossen Sicherheitsvorteil bietet.

  6. gr3if permalink
    16. Juni 2010 11:34

    Hach ja…. Gut das wir in Deutschland eine Iso Norm zum Thema Rtw haben und die sagt, dass man rund um den Patienten in einem Rtw rund 40cm Platz zu jedem nächsten Schrank oder Gerät haben muss. Das Gilt für die Trage in Mittelstellung des Tisches. Alles andere fällt durch und wird nicht genehmigt. Daher auch die Pommesbuden.

    Ich finde die Dinger auch doof, schon alleine wenn ich aufstehen muss um vom Tisch eine Blutdruckmanschette zu bekommen und auch aufstehen muss um mit meinem Co sprechen zu können….

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